Vorwurf des Landesverrats: Ex-BND-Chef Hanning verhaftet

Ermittler des Bundeskriminalamts haben heute den früheren Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes, Dr. August Hanning, festgenommen. Der 80-jährige Ex-Nachrichtendienstchef wurde in seinem Haus im Kreis Steinfurt, in Nordwalde bei Münster, abgeführt.

Ex-BND-Chef August Hanning. IMAGO / Funke Foto Services
Ex-BND-Chef August Hanning.

Zeitgleich mit der Verhaftung Hannings nahmen Polizeibeamte im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen Manfred D. fest, den langjährigen Büroleiter Hannings. Parallel dazu begannen Durchsuchungen der Wohn- und Geschäftsräume beider Männer, auch in Berlin. Grundlage waren Haftbefehle des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofs – das teilte der Generalbundesanwalt am selben Tag mit.

Gegen Hanning besteht nach Angaben der Bundesanwaltschaft der dringende Verdacht der landesverräterischen Ausspähung, des Auskundschaftens von Staatsgeheimnissen, des versuchten Landesverrats und der geheimdienstlichen Agententätigkeit. Manfred D. wird Beihilfe zum versuchten Landesverrat und zur landesverräterischen Ausspähung vorgeworfen. Die beiden sollen dem Ermittlungsrichter heute und morgen vorgeführt werden; er entscheidet über den Vollzug der Untersuchungshaft.

Hanning leitete den BND von Dezember 1998 bis Ende November 2005, genau vom 17. Dezember 1998 bis zum 30. November 2005. Danach war er vom 1. Dezember 2005 bis zum 10. November 2009 Staatssekretär im Bundesinnenministerium. Manfred D. war in beiden Ämtern sein Büroleiter beziehungsweise Assistent. Von März 2012 bis März 2026 arbeitete D. erneut als Büroleiter für mehrere Nachfolger Hannings und hatte damit Zugang zu geheimhaltungsbedürftigem Material.

Nach dem Sachverhalt der Haftbefehle vereinbarten die beiden vermutlich im Frühjahr 2010, dass D. Hanning gegen Entgelt fortlaufend wertvolle Erkenntnisse des Dienstes beschaffen sollte. Hanning sollte sie in seiner privaten Beratertätigkeit gewinnbringend verwerten. Bis Juni 2022 stellte D. ihm demnach annähernd 2000 Dokumente zur Verfügung. Darunter waren vielfach als Verschlusssache eingestufte Unterlagen, die nur für interne Zwecke des BND bestimmt waren, etwa Briefings für die nachrichtendienstliche Lage im Bundeskanzleramt.

In einem Fall soll Hanning übermittelte, eingestufte Erkenntnisse genutzt haben, um für einen Mitarbeiter eines fremden nachrichtendienstlichen Sicherheitsapparats eine Analyse zu erstellen. Ob sie den Adressaten erreichte, ist nach Angaben der Bundesanwaltschaft ungeklärt. Außerdem soll Hanning über Jahre in intensivem Austausch mit einem Angehörigen eines anderen staatlichen Nachrichtendienstes gestanden und diesen mit politischen Informationen versorgt haben, teilweise auf der Grundlage des Materials von D. Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung zufolge geht es dabei nicht um Russland; in Medienberichten ist unter anderem von sensiblen Lagepapieren zum iranischen Atomprogramm die Rede. Diese Zuordnung ist behördlich nicht bestätigt.

Bei Ermittlungen zu Fall Block aufgeflogen

Die Ermittler kamen nicht durch eine gezielte Spionagefahndung, sondern durch eine andere Akte den beiden Tatverdächtigen auf die Spur: Im September 2025 durchsuchte die Staatsanwaltschaft Hamburg Hannings Anwesen im Rahmen der Ermittlungen gegen die Unternehmerin Christina Block und weitere Beschuldigte wegen einer gescheiterten Kindesentführung. Hanning bestreitet eine Verwicklung in diesen Fall.

Bei der Auswertung der sichergestellten Daten stießen die Beamten auf einen Träger mit aktuellen BND-Dokumenten, die der frühere Präsident nicht besitzen durfte. Anfang Mai 2026 legte Hamburg den Vorgang der Bundesanwaltschaft vor, die ihn übernahm. Die Ermittlungen laufen seither mit dem BND und dem BKA.

Für den Dienst wäre der Vorwurf, sollte er sich bestätigen, ein schwerer Vertrauensbruch nach innen und gegenüber allen Partnerdiensten. Ob die Dokumente tatsächlich an fremde Stellen gelangten und welchen Schaden sie anrichteten, ist noch offen. Fest steht bislang nur der dringende Tatverdacht: Dass ein Mann, der den Nachrichtendienst fast sieben Jahre lang führte, nun selbst im Zentrum eines Landesverratsverfahrens steht.

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