Der Hacker-Angriff auf das Fürstentum Liechtenstein dürfte manchen Anleger etwas schlechter schlafen lassen: Unbekannte Täter verschafften sich Zugriff auf das „Verzeichnis wirtschaftlich berechtigter Personen“ (VwbP) und erbeuteten Datenkopien zu 31.000 Rechtsträgern – Gesellschaften, Stiftungen und Treuhänderschaften.
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Liechtensteins Regierungschefin Brigitte Haas sprach von einem „ganz dicken Ding“ und berief umgehend einen Krisenstab ein. Für Steuerfahnder in Deutschland und Österreich könnte der Vorfall im 41.000 Einwohner zählenden Kleinstaat brisante Einblicke in versteckte Vermögen ermöglichen, falls die Daten irgendwann öffentlich werden.
Das „Verzeichnis der wirtschaftlich berechtigten Personen“ (VwbP), das seit 2021 vom Amt für Justiz geführt wird, folgt der fünften EU-Geldwäscherichtlinie. Es listet die natürlichen Personen, die hinter den komplexen Konstruktionen stecken – Namen, Vornamen, Geburtsdaten, Staatsangehörigkeit und Wohnsitzland. Genau diese Informationen, die eigentlich der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorfinanzierung dienen sollen, sind nun in fremde Hände gelangt. Eine Mitarbeiterin des Amtes entdeckte am 30. Juli Unregelmäßigkeiten; das System wurde daraufhin vom Netz genommen. Nach vorläufigen forensischen Erkenntnissen wurden keine Daten verändert oder gelöscht. Bislang gibt es weder eine Lösegeldforderung noch Hinweise auf Datensätze im Darknet.
Regierungschefin Brigitte Haas und Justizminister Emanuel Schädler leiten den Krisenstab. Der Liechtensteinische Bankenverband beeilte sich zu betonen, dass weder Banken noch Bankkundendaten betroffen seien. Verbandsdirektor Simon Tribelhorn sprach dennoch von einem „bedauerlichen Vorfall“, der keinesfalls verharmlost werden dürfe. Auch in Berlin nimmt man den Vorfall ernst: Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums erklärte, es gebe derzeit keine Hinweise auf betroffene deutsche Staatsbürger, aber das könne sich noch ändern.
Gewaltige Vermögenswerte im Fürstentum
Liechtenstein verwaltet enorme Vermögen. Die Banken des Fürstentums betreuten Ende 2025 konsolidiert 538 Milliarden Franken Kundenvermögen, davon 239,5 Milliarden Franken direkt im Land. Der Finanzplatz lebt von Diskretion, Stiftungen und Trusts – Strukturen, die in der Vergangenheit immer wieder für Schlagzeilen sorgten. Deutschlands Superreiche und Unternehmerfamilien nutzten Liechtenstein lange intensiv: Bekannte Beispiele sind Konstruktionen im Umfeld der Cloppenburg-Familie (Peek & Cloppenburg), der Müller-Drogeriekette oder des Sandalenherstellers Christian Birkenstock.
Die Erinnerung an die große Steuer-CD-Affäre im Jahr 2008 sitzt tief: Damals kaufte der Bundesnachrichtendienst gestohlene Kundendaten der fürstlichen LGT-Bank und löste einen der größten Steuerskandale der Bundesrepublik aus. Hunderte Verfahren, Selbstanzeigen und Nachzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe folgten. Erbprinz Alois versprach daraufhin eine „Weißgeldstrategie“. Dennoch zeigten jüngere Entwicklungen, dass nicht alles sauber ist: US-Sanktionen gegen russlandnahe Stiftungen und Treuhänder führten zu hunderten „Zombie-Trusts“, also zu handlungsunfähigen Rechtsträgern, deren Verwalter aus Angst vor Washington absprangen.
Sollten aus den gestohlenen 31.000 Datensätze jemals mit Handelsregistern, Adressdatenbanken oder anderen offenen Quellen kombiniert werden, entstünde eine detaillierte Karte der wirtschaftlichen Eigentümer.
Für die Steuerbehörden in Deutschland und Österreich wäre das ein potenzieller Glücksfall – für alle Betroffene ein Albtraum. Die Einträge wirken auf den ersten Blick nüchtern, enthüllen aber, wer tatsächlich hinter oft undurchsichtigen Konstruktionen steht. Wie viele natürliche Personen genau betroffen sind, bleibt unklar: Ein Rechtsträger kann mehrere Berechtigte haben, eine Person hinter mehreren Rechtsträgern stehen. Die Regierung arbeitet an der Benachrichtigung der Betroffenen und hat eine zentrale Informationsstelle angekündigt. Parallel laufen forensische Untersuchungen und strafrechtliche Ermittlungen. Weitere Systeme wurden vorsorglich offline genommen.


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