Existenzgefahr? Dramatische Warnung für den VW-Konzern

Die nicht uneitle Selbstdarstellung des surfenden Ex-VW-Bosses Herbert Diess im Juli 2021 erinnern noch viele, seine abfälligen Worte über die hohen VW-Schulden auch. Stunden vor der Hauptversammlung kommt nun eine deutliche Warnung für VW, zehntausende Jobs sind gefährdet.

picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte

Die alarmierende interne Umfrage des Volkswagen-Konzerns ist mehreren Medien zugespielt worden: Sechs von neun Vorstandsmitgliedern bewerten die Lage des Traditionsunternehmens als existenzgefährdet. Alle neun sind sich einig: Volkswagen verfügt derzeit über kein tragfähiges Geschäftsmodell mehr. Das berichtet das „Manager Magazin“ unter Berufung auf eine anonyme Befragung, die dem Aufsichtsrat bereits im April vorgelegt wurde. Drei weitere Vorstände stuften die Situation zumindest als „angespannt“ ein.

Uneinigkeit bei Konzern-Zielen

Die schonungslose Einschätzung der eigenen Führungsriege zeugt von tiefer Verunsicherung: Kein Vorstandsmitglied wählte die Option „unkritisch“. Und bei der strategischen Ausrichtung des Konzerns herrscht Uneinigkeit: Vier Manager gaben an, man sei sich im Vorstand uneins, vier weitere sehen lediglich „im Wesentlichen“ Einigkeit. Besonders kritisch bewertet werden die China-Strategie sowie die Positionierung in Nordamerika. Das alte Erfolgsmodell – Entwicklung in Deutschland, Produktion in Europa, Verkauf weltweit – funktioniere nicht mehr in Zeiten harter Konkurrenz durch chinesische Hersteller und geopolitischer Spannungen.

Die Zahlen bestätigen diese negative Einschätzung: Im ersten Quartal 2026 brach das Konzernergebnis nach Steuern um 28,4 Prozent auf 1,564 Milliarden Euro ein (Vorjahr: 2,186 Milliarden Euro). Der Umsatz sank um 2,5 Prozent auf 75,7 Milliarden Euro, das operative Ergebnis um 14,3 Prozent auf 2,463 Milliarden Euro bei einer operativen Rendite von nur noch 3,3 Prozent. Der Absatz lag bei zwei Millionen Fahrzeugen (minus 7 Prozent).

VW streicht 28.000 Arbeitsplätze

Konzernchef Oliver Blume will auf der virtuellen Hauptversammlung dennoch Fortschritte seines Sparprogramms präsentieren. Die Fabrikkosten an deutschen Standorten seien bereits um mehr als 20 Prozent gesenkt worden. Bis Ende 2026 sollen in Deutschland 19.000 Stellen abgebaut werden, bis 2030 mehr als 28.000 der geplanten 35.000. Konzernweit – inklusive Audi, Porsche und Cariad – werden sogar bis zu 50.000 Arbeitsplätze gestrichen: Abbau über Altersteilzeit, Abfindungen und Vorruhestand, betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen.

Trotz der Einsparungen bleibt die Lage angespannt: Die Dividende für 2025 wird auf 5,26 Euro je Vorzugsaktie gekürzt. Für das Gesamtjahr 2026 peilt VW eine operative Marge zwischen 4 und 5,5 Prozent an. Analysten und Investoren fordern jedoch einen deutlich radikaleren Umbau: schnellere Elektrifizierung, Kostensenkung in der Produktion und eine klare Positionierung gegenüber Billigkonkurrenz aus China. Einen Anlass für ein neues Surf-Video des aktuellen Vorstands gibt es jedenfalls längst nicht mehr.

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