Erst sendet Merz ein Video, in dem seine innere Leere mit der der SPD gleichzieht. Direkt im Anschluß pfeift er seine eigene Ministerin zurück und schmiedet sich und die Union damit an das Senkblei SPD. Das dicke Ausrufezeichen hinter seine kurze, würdelose Amtszeit setzt Merz damit selbst. Das wird auch die CDU versenken.
picture alliance/dpa | Christoph Soeder
Die ausklingende Woche im Berliner Regierungsviertel besaß beinahe plautinische Züge. Während in der Golfregion Weltpolitik über Wohl und Wehe der Energiemärkte entscheidet, das maritime Versicherungssystem sowie regionale Allianzen neu kalibriert werden, überraschte der Bundeskanzler am Donnerstag mit einem außergewöhnlichen Videoauftritt.
Die Intention dieses Videos ist unklar. Wollte der Kanzler sein Volk möglicherweise zu einem wirtschaftlichen Aufbruch animieren? Sollte dies die Intention gewesen sein, so schlug sie gehörig fehl. Friedrich Merz blutleerer, gespenstisch anmutender Versuch, eine Art Motivationsvideo in einem Pseudo-TikTok-Stil in den Medienäther zu senden, rief eindringlich in Erinnerung, sich stets der Güte seiner Marketingagentur zu versichern, bevor man einen medialen Super-GAU riskiert.
Immerhin können wir nach diesem Desaster ausschließen, dass Friedrich Merz eine Karriere als Speaker oder Motivationstrainer anstreben könnte, sollte sein politisches Werk eines Tages vollbracht sein.
Man kann bloß froh sein, dass sich die Bundesrepublik schon vor Jahren aus der globalen Politik verabschiedet und sich selbst zu einem irrelevanten Statisten degradiert hat. Wäre Deutschland noch immer ein ökonomischer und geopolitischer Stützpfeiler der internationalen Ordnung, hätte wohl auch der zweite Akt der Berliner Komödie dieser Woche im Ausland für Irritationen gesorgt.
Der Kanzler hatte beide Minister zuvor aufgefordert, gemeinsame Lösungen für die Spritpreiskrise zu erarbeiten und mahnte Reiche nun in aller Härte zur Zurückhaltung in der Öffentlichkeit. Reiches Attacke gegen den Finanzminister brachte das Fass zum Überlaufen und Merz ermahnte seine Ministerin öffentlich und in aller Deutlichkeit zu Zurückhaltung.
Möglicherweise gefiel Merz auch der apodiktische Ton Reiches nicht. Wörtlich sagte sie, an die Adresse des Finanzministers gerichtet: „Ich erteile der Übergewinnsteuer eine klare Absage.“ Merz zeigte sich befremdet über den öffentlichen Schlagabtausch, über den aggressiven Umgangston seiner Kabinettsmitglieder. Das ist verständlich, da der Kanzler eine Menge Energie darauf verwendet, die generelle Orientierungslosigkeit und strategische Fehlsteuerung dieser Koalition medial zu überdecken.
Unabhängig davon, dass es niemandem in Berlin in den Sinn kommt, die im internationalen Vergleich turmhohen Kraftstoffsteuern zu senken, wären wir ja froh über jedes noch so kleine Entgegenkommen der Politik. Bislang bricht sich am grünen Umverteilungsapparat, an diesem Staat im Staate, noch jede interne Kritik. Der Green Deal bleibt das alle einende Band, das Ferment der Brandmauerparteien, die sich über den Aufbau dieses Machtapparats inhaltlich und moralisch definieren.
Reiche hatte wenige Tage zuvor bereits für erheblichen medialen Wirbel gesorgt. Ihre Forderung nach einer Reduktion der Subventionen für das Förderfass ohne Boden der Windenergie brachte zunächst die an das leicht verdiente Geld gewohnte Branche auf die Palme und sorgte innerhalb der Koalition naturgemäß für massiven Widerstand. Selbstverständlich wagt es auch Reiche nicht, die Systemfrage zu stellen und sich auf die Seite derjenigen zu schlagen, die ein Ende der grünen Zerstörungspolitik fordern.
Berlin spielt seinem Publikum eine unendliche Medienkomödie vor. Sie dient ausschließlich dem Zweck, Zeit zu gewinnen, da man in Berlin noch immer daran glaubt, die Kurve zu kriegen und am Ende in einem grünen Utopia wieder aufzuwachen. Der Bundeskanzler setzt den Ton und die Agenda: Mal kritisiert er die Klimapolitik, fordert eine Reform oder gar die Abschaffung des CO₂-Handels, bloß um am selben Tag vor einem anderen Publikum als dessen größter Vorkämpfer zu agieren.
Trotz aller Medienspiele und der politischen Komödie zum Trotz wird es eng. Und wenn es eine Lehre aus der bewegten Berliner Woche gibt, dann wohl diese: TikTok-Videos oder öffentlichkeitswirksame Hahnenkämpfe innerhalb der Koalition werden das ökonomische Desaster nicht mehr lange überdecken können.
Den Berliner Transformationszirkus wird kein Aufschwung dieser Welt über die Zeit retten.




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Es wird für Ihn einfach Zeit für die Rente. Ich hatte vorab positive Erwartungen, bin allerdings inzwischen nicht mehr enttäuscht sondern nur noch fassungslos. Man denkt immer, schlimmer geht nimmer und wird dann leider wieder eines besseren belehrt.
Nun ja, für beste Unterhaltung ist jedenfalls gesorgt! Wer genügend Popcorn und Cola gehortet hat, ist fein raus. Das faszinierende Getöse zum Ende einer Koalition und ihrer Statisten ist live und in Farbe zu verfolgen, das toppt jede tägliche Dokusoap. Leider sind zwar die Kollateralschäden beträchtlich, aber die sind ja eh schon angerichtet, also zurücklehnen und genießen. (Sarkasmus aus)
Die SPD, die Linke und die Grünen haben von Anfang die Füße von Merz in einen Betonklotz gegossen. Merz ist deshalb erpressbar, nicht handlungsfähig und nicht regierungsfähig. Wenn er nicht spurt wie die Linksextremen es wollen wirft man ihn wie bei der Mafia üblich ins Hafenbecken. Während andere Staatsführer das große Rad drehen, kann Merz nicht mal Buschliga. Die SPD, die Linke und die Grünen haben gegenüber der Union im Bundestag die klare Mehrheit. Merz ist erpressbar, wenn Merz etwas nicht passt und er nicht unterwürfig den Linksextremisten folgt, ist er schneller weg als er denken kann. Und das weiß… Mehr
Das eigentliche Senkblei für Merz besteht aus den Merkelianern, vor allem denen in NRW. Im Gegensatz zum Kanzler hat Wüst hier eine Hausmacht. Er verspargelt sein Land, dass es nur so quietscht. Er kann sich eine Frau Reiche nicht leisten und Flirts mit der AfD nicht dulden- womit man die Sozis disziplinieren könnte. Ziemlich verfahren, die Situation für Merz.
Ich hoffe, sie legt nach. Das würde dann zur Zerreißprobe für die CDU werden.
> Friedrich Merz hat sich an das Senkblei SPD gekettet
Als ob die Woke Union selbst kein Senkblei wäre. Zu komplex für manche Michels, welche andauernd am ÖRR kleben?
Frau Reiche ist als Bundeswirtschaftsministerin wirklich nicht zu beneiden; einmal hat sie das von Habecks linksgrünen Getreuen unterwanderte Ministerium gegen sich, dann kämpft sie einen einsamen Kampf für die freie Marktwirtschaft, kommt dabei natürlich mit dem sensiblen Klingbeil zu Recht in einen Konflikt und jetzt hat sie auch noch den Kanzler gegen sich, der sie öffentlich abmahnt! Wenn Frau Reiche von sich aus kündigen würde, wäre das ein großer Verlust; sollte jedoch der Merzel es wagen, Frau Reiche zu entlassen, würde diese Maßnahme mittelfristig zum Niedergang der CDU führen! Die ehemalige italienische Schwesterpartei der CDU, die Democrazia Cristiana (DC) ist… Mehr
Ich hoffe doch, dass diese Loser bei den Wahlen in Sachsen-Anhalt und MeckPom ihre verdiente Quittung bekommen. SPD raus und CDU deutlich unter 20 %, das hätte was.
Von außen entsteht der Eindruck, er hat sich nicht angekettet, sondern bewusst hinter der SPD versteckt, da er absolut keine Änderungen will. Das erwartete Verhalten der SPD liefert für ihn das Alibi, nichts tun zu müssen. So war der nun sichtbar werdende Plan, anders kann man es nicht interpretieren! Die gesamte Blockade seitens Merz‘, das Rumgeeiere, das Nichtstun – so ist zu vermuten, alles geplant und wird von ihm durch immer neue Volten fortgesetzt, unbeirrt. Entscheidende Frage: Warum, für wen und inwieweit ist er persönlich abhängig, das alles so durchzuziehen, was die einzige konsequente Handlung von ihm ist? Dass er… Mehr
Merz hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Land final in den Abgrund zu führen, definitiv. Reiche irrlichtert immer mal wieder grün herum, aber eigentlich weiß sie als Einzige in diesem Kasperletheater wohin der verhängnisvolle Weg führt, spricht es vorsichtig an und schon drehen sie durch die Linken Grünen , Schwarzen! Die Wahrheit ist für diese Klientel ein Greul, so tief sind die intellektuell schon gesunken!