Die Richtungsentscheidung: Liberalisierung oder sozialistische Barbarei im Öko-Sound

Die Krise von Hormuz erteilt den Europäern eine Lehrstunde. Wer Energiepolitik strategisch falsch interpretiert und in ideologischem Moralin verkocht, steht eines Tages mit dem Rücken zur Wand. Die Stunde der Entscheidung naht.

IMAGO / ZUMA Press Wire

Mit der Moral ist es eine komplizierte Angelegenheit. Ethisch-humanistisch fundiert vermag sie Gesellschaften zu stabilisieren und zur Prosperität zu führen. Allerdings ruhen in ihr auch die fatalen Kräfte des Fanatismus. Kräfte, die sich zu wahren Massenpsychosen emporschrauben und gesellschaftlich manifestieren können.

Es ist daher verständlich, dass es denjenigen, die ihr Leben ethisch und rational fundiert haben, schwerfällt, die Beweggründe von Individuen nachzuvollziehen, die trotz der sichtbaren Energiekrise und des wirtschaftlichen Verfalls am Kurs der Klimapolitik festhalten. Die Net-Zero-Doktrin, die präzise der Eliminierung günstiger Energie entspricht und zur radikalen Umsetzung der Degrowth-Ideologie führen soll, hat in den Kreisen moralisierender Ökosozialisten den Rang einer Ersatzreligion eingenommen.

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Im Grunde genommen handelt es sich um dasselbe Phänomen wie seinerzeit bei den Trägern der Covid-Doppelmaske: Man will nach außen tugendhaft erscheinen, eine billige Moraldividende einfahren, ohne dabei selbst ins Risiko gehen zu müssen. Allerdings besteht zur Covid-Psychose ein gewaltiger Unterschied: Der energiepolitische Moralismus birgt wesentlich größere gesellschaftliche und individuelle Armutsrisiken, da er auf längere Zeiträume angelegt ist. Lediglich der etablierte, gigantische Umverteilungsmechanismus der grünen Subventionsmaschine hat bislang verhindert, dass der Zerfall der deutschen Industrie, der mit dem Verlust Hunderttausender wichtiger Industriearbeitsplätze einherging, in die öffentlichen Debatten eingedrungen ist.

Ein ganzes Heer subventionierter Energieeffizienzberater, Bio-Zertifizierer und Solar-Subventionsplaner umkreist die gemästeten Subventionstanker der grünen Kunstindustrie wie ein Bienenschwarm.

Der Rückzug von Evonik-Chef Christian Kullmann, der seine scharfe Kritik am staatlichen CO₂-Raubzug zurückgenommen hat, zeigt: Die Theorie der Incentives, die unser Verhalten steuern, beschreibt den grünen Umverteilungsmechanismus, den die Politik etabliert hat, am besten. Jede Subvention ist auch stets eine Art Schweigegeld – ein wirksames Bindemittel im Club der Abkassierer, die das Risiko des Wettbewerbs hinter sich gelassen haben,

Die Spitze dieser parasitären Ökonomie bildet im Grunde genommen der Fördermittelberater. Ihm obliegt die unehrenvolle Aufgabe, das sauerverdiente Geld der Steuerzahler möglichst effektiv in die politisch präferierten Kanäle umzuleiten, wo es dann in den Taschen der Pseudo-Unternehmer und Subventionsjäger ihren Zielhafen findet.

In diesem etablierten Handlungsschema, das weite Teile der Ökonomie infiziert hat, ist es unmöglich, den energiepolitischen Amoklauf mithilfe lautstarker und gewichtiger Stimmen aus der Wirtschaft zu enttarnen. Die Öffentlichkeit bleibt uninformiert und wird von den staatsaffinen, grün-ideologisierten Mainstream-Redaktionen systematisch über die tatsächliche Lage im Unklaren gelassen.

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Dort hat man den Weltuntergangssound als Geschäftsmodell etabliert. Konsumkritik und die ideologische Nähe zum grünen Sozialismus verschmelzen hier zum moralin-sauren, erhobenen Zeigefinger, der über jene richtet, die wirtschaftlich erfolgreich sind, die ambitioniert sind und die mit wachem Blick, mit wachem Verstand auf die Welt blicken. Alles läuft auf einen kritischen Punkt zu, da große Teile der etablierten Medien im Moment der sich zuspitzenden Energiekrise einen Gang höher geschaltet haben und beginnen, den grünen Staat und Staate mit Ton, Schärfe und Frequenz ganz ähnlich wie NGO-Aktivisten es gewöhnlich halten, zu verteidigen.

Wählen wir ein Beispiel, ein pars pro toto, um diese These zu untermauern. Nachdem klar wurde, dass die EU-Kommission unter massivem Druck der europäischen Industrie etwas Druck vom Kessel des CO₂-Handels nehmen würde, schaltete der Mediensektor in den Angriffsmodus.

Die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) beispielsweise publizierte eine ganze Serie von Artikeln, die diese fingierte Reform des CO₂-Ablasshandels kritisierte. Der Grundtenor der Artikel lautet: Mit der Entkernung, wie die NOZ es nennt, des Emissionshandels setze die EU ein falsches Zeichen. Journalisten, die unbestreitbar der kruden Ideologie des Degrowth folgen und sich ökosozialistischer Ideen verschrieben haben, leisten ihren Beitrag, die Dosis des Gifts, das den Patienten schwer krank gemacht hat, immer weiter zu erhöhen.

Weiter heißt es: „Beim Emissionshandel der EU soll der Industrie in Zukunft ein größerer Puffer gewährt werden, um steigenden Preisen entgegenzuwirken.“

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Die Umsetzung dieses Vorschlags wäre nach Ansicht der Autorin der NOZ ein gravierender Fehler. Immerhin habe das Instrument des Emissionshandels bislang funktioniert. Ja, in der Tat: Deutschland wird seine Emissionsziele unter dem Repressionsregime des Green Deal ohne Frage erreichen. Die vom grünen Furor verdrängte Wertschöpfung wird andernorts problemlos erbracht, während Deutschland unter einem zivilisatorischen Strömungsabriss leidet – ausgelöst durch ökosozialistische Psychosen, verstärkt durch medientaktische Operationen und Redaktionslautsprecher, die sich maximal von echter Wertschöpfung entfernt haben. In diesen Artikeln trieft es förmlich vor kaum noch verborgenem Ressentiment.

Dann wird es offen parteiisch: „Es wäre ein falsches Signal, nun jene Konzerne zu bestrafen, die massive Summen in Alternativtechnologien gesteckt haben“, heißt es in der NOZ. Kurz zur Erhellung: Diese massiven Summen speisen sich, zum großen Teil aus geraubtem Steuergeld, aus Preisgarantien, die dazu führen, dass Verbraucher überhöhte Kosten zu tragen haben. Ein gewaltiges Extraktions- und Raubschema, das den grünen Korporatismus, die enge Verflechtung grünenideologischer Politik mit Teilen der Wirtschaft beschreibt.

Um dies korrekt einzuordnen: Im vergangenen Jahr erzeugten Wind- und Solarenergie gerade einmal 15 Prozent des gesamten Primärenergieverbrauchs Deutschlands. Ein verheerendes Ergebnis nach billionenschweren Subventionen und der systematischen Bevorzugung der grünen Kunstökonomie vor der wesentlich effizienteren Konkurrenz kombustibler Kraftstoffe.

Zu Beginn des Ukraine-Konflikts bezog Europa über ein Viertel seines Petroleums aus Russland. Hier läge die kurzfristige Entlastung für das sich auftürmende Energieproblem. Doch an eine Verhandlungslösung ist nach wie vor nicht zu denken. Es scheint unvorstellbar, aber noch immer mauert der grüne Block und verhindert dank der Medien mit Erfolg die Erschließung eigener Ressourcen. Die Verlängerung der Kohleverstromung und ein rascher Einstieg in das Gas-Fracking liegen im Interesse all derer, die noch an die wirtschaftliche Zukunft ihrer Heimat glauben wollen.

Energiepolitik ist zu einem Spielfeld der Moralisten verkommen, die möglicherweise in der Vergangenheit mit dem Gedanken spielten, sich mithilfe der erneuerbaren Energien aus der Abhängigkeitsfalle zu befreien. Doch muss man nicht technisch versiert sein, um zu ahnen, dass dies in eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Katastrophe führen musste.

Wer sich auf das dünne Eis einer Debatte mit ideologisierten grünen Moralisten wagt, weiß: Es ist nahezu unmöglich, den Vertretern dieser Pseudoreligion klarzumachen, dass ökologischer Fortschritt in der Produktion einzig und sichtbar für alle, die sich nicht hinter der grünen Ideologie verstecken, das Ergebnis des freien Marktes ist. Hier fließen nämlich auch gesellschaftliche Präferenzen für saubere Umwelt, zur Befreiung von Luftverschmutzung und Lärmbelästigung, in den Preismechanismus ein.

Diejenigen, die das leugnen, verfolgen eine politische Agenda. Sie sind in Wahrheit Etatisten, die sich in einem Kontrollregime wohler fühlen als in einer offenen Gesellschaft mit Wettbewerb, in dem jedermann etwas leisten muss, um sein Einkommen zu erzeugen. Deutschland ist ein NGO-infiziertes Gebilde, in dem zu viele Menschen meinen, sich den Eskapismus von Leistung und Realität erlauben zu können.

Doch die Krise von Hormuz und die zum Teil hektisch herbeigeführte Energiekrise hat gnadenlos die Schäden dieser ideologischen Verfehlungen so ehrlich und transparent dokumentiert, wie es zuvor nicht möglich war.

Es ist interessant zu beobachten, dass Teile der politischen Phalanx nun die Nerven verlieren und die Rückkehr zur Atomkraft fordern, während die Abteilung für öffentliche Zerstreuung in den Medien nibelungentreu und unbelehrbar die Erzählung des Märchens von der CO₂-bedingten Klimaapokalypse fortschreibt.

Dass es ökonomisch für Deutschland und die EU nicht gut ausgehen wird, ist offensichtlich.

Die Klima-Apologeten dabei zu beobachten, wie sie künftig mit Dissidenten verfahren werden, ist allerdings bestes Comedy-Gold.

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Kommentare ( 6 )

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Laurenz
1 Stunde her

Werter Herr Kolbe, alle Reichs-Großschmarotzer nutzen die Religion als Medium, weil man Glauben mit Gläubigen nicht sachlich debattieren kann. Die Pharma-Lobby sahnte fett mit einem Killervirus ab, der harmloser als Grippe ist & setzte imaginäre Mediziner als Hohepriester ein. Und die Inquisition jagte Kinder & prügelte Rentner, wie Behinderte. Seitdem ist die Deutsche Polizei für mich nur noch Gestapo. Bei der Energiewende verkommt ein natürlicher Vorgang, der Klimawandel, der bei Ihrem anderen Medium, Zerohedge, längst durch Eisbohrkerne widerlegt wurde, zur Katastrophe. Follow the bribed shit-science. Und dieses Quasi-Mafia-Muster wurde über 1.000 Jahre durch die Kurie vorgelebt, die einen kleinen gescheiterten… Mehr

Shipoffools
1 Stunde her

Es dreht sich was. Selbst Herr Lanz hat nach 15 Jahren im Interview mit Herrn Altmeier die richtigen Fragen gestellt. Erstaunlich und schön zu beobachten ist der Unglaube der eigenen Erkenntnis von Herrn Lanz, wenn er mit zeitlicher Differenz die Realität zu Kenntnis nehmen muss.

wegmitdenaltparteien
1 Stunde her

Die Klima-Apologeten dabei zu beobachten, wie sie künftig mit Dissidenten verfahren werden, ist allerdings bestes Comedy-Gold.

Umgekehrt würde ein Schuh daraus, Herr Kolbe, umgekehrt.

Jatoh
2 Stunden her

Subventionen sind Bestechungsgelder.
Sie wurden und werden bereitwillig abgegriffen.
Sie sind leicht verdientes Geld.
Alle machen mit.
Ich kenne keine große Industrie, der jemals Subventionen verweigert hat.
Wenn es schief geht: „haltet den Dieb“.

alter weisser Mann
2 Stunden her

Ich finde es erstaunlich, mit welcher Konstanz auch bei TE immerzu irgendein Menetekel an die Wand gemalt wird … völlig ungerührt darüber, das das letzte, das vorletzte usw. usf. allesamt nicht eintraten. Zur Erinnerung ein jüngeres Beispiel: die Gasspeicher hätten längst leer sein sollen. Auch jetzt naht wieder eine Stunde der Entscheidung … und die auch wird vergehen. Damit wir uns richtig verstehen, die unfähige Politikerkaste „unserer Demokratie“ macht vieles, zu vieles falsch und schlimmer als nötig, nur haben solche Großsysteme wie Schland dann doch die Fähigkeit, nur verdammt langsam die Folgen zu zeigen. Auch hier zur Erinnerung: Wie lange… Mehr

Holger Wegner
2 Stunden her

Laut Linksgrün ist die Hormusz-Ölkrise doch nur der Beweis für Habecks Genialität und dass wir mit noch mehr Windmühlen und Solar jetzt ganz toll dastehen würden