Teure Osterhasen „nur noch Abzocke“ – SPD-Politiker will Lebensmittelpreise staatlich kontrollieren

Osterhasen könnten künftig noch teurer und knapp werden – wie auch andere Lebensmittel. Denn die SPD will die Preise staatlich kontrollieren. Ihr Fraktionsvize Esra Limbacher will Verbraucher vor „Abzocke“ durch Hersteller schützen und fordert eine Preisbeobachtungsstelle. Die Folgen staatlicher Eingriffe in den Markt sind hinlänglich bekannt und voraussehbar. Wann lernt die politische Linke endlich aus diesen Erfahrungen?

picture alliance / dts-Agentur | -

Walter Ulbricht war ein Genie, er gab die Richtung vor: überholen, ohne einzuholen. Fünfzig Jahre nach seinem Tod war es vollbracht, da hat die politische Ökonomie des Sozialismus die politische Ökonomie des Kapitalismus überholt, ohne sie einzuholen. Muss sie auch nicht, denn Stück für Stück wird aus der Marktwirtschaft eine Staatswirtschaft. Zu den Grundregeln der Ökonomie des Sozialismus gehört die Kontrolle über den Markt, und das heißt die Kontrolle über die Preise.

Vor unserem demokratischen Osterfest werden unsere demokratischen „Markenosterhasen“ von den Käufern verschmäht. Unser demokratischer Politiker Esra Limbacher, Fraktionsvize der SPD im Bundestag, äußerte deshalb empört: „Dass der Preis beliebter Marken-Schokoosterhasen auch dieses Jahr ohne sachlichen Grund immer weiter steigt, während die Kakaopreise sinken, kann man nur noch als Abzocke der Hersteller bezeichnen.“

Überholen, ohne einzuholen
Klingbeils Weg in die Staatswirtschaft über den staatlichen Wohnungsbau
Und nicht genug damit: „Obwohl sich der Preis von Kakaobohnen in den letzten zwei Jahren halbiert hat. Man muss davon ausgehen, dass von 8,99 Euro für einen 200-Gramm-Hasen über vier Euro Gewinn beim Hersteller hängen bleiben.“ Auch wenn es in unserer Demokratie nicht auf Fakten, sondern auf eine demokratische Haltung ankommt, wagen wir die rechte Häresie und schauen mal auf die undemokratischen Fakten.

Ökolandbau beispielsweise schreibt: „Zwischen 2023 und 2025 hat sich der Preis für Kakao verdoppelt. Gründe für den Anstieg sind Ernteausfälle in Westafrika, Wetterextreme, hohe Produktionskosten sowie eine steigende globale Nachfrage. Die Folgen spüren die Verbraucherinnen und Verbraucher: Schokolade wird deutlich teurer!“

Am 14. Februar 2025 meldete die Tagesschau: „Die Kakaolager in London und New York sind leer wie selten, der Preis für die Tonne Kakao klettert in Richtung bisheriger Höchststand. Bis ins Jahr 2023 pendelten die Notierungen etwa um die Marke von 2.000 Dollar. Seitdem ging der Preis nach oben. Im vergangenen Jahr vor Weihnachten dann der Rekord: ‚Eine Woche vor dem Fest kostete die Tonne Kakao knapp 13.000 US-Dollar, soviel wie nie zuvor‘, heißt es von den Experten des Investmenthauses Vontobel. Aktuell bewegt sich der Preis entlang der Marke von 10.000 Dollar. Ausgerechnet am Valentinstag und vor der Osterzeit müssen sich die Verbraucher also auf teure Schokoladenwaren einstellen.“

Die Aussage, dass sich der Preis für die Osterhasen in den letzten zwei Jahren halbiert habe, ist nicht richtig, richtig ist aber, dass die Preise für Kakao von Ostern 2025 zu Ostern 2026 gefallen sind, also im letzten Jahr und nicht in den letzten zwei Jahren. Der Unterschied ist wichtig. Auf Anfrage des Handelsblattes teilte Lindt & Sprüngli mit, dass Kakao langfristig eingekauft werde, um eine uneingeschränkte Verfügbarkeit zu gewährleisten. „Daher wird es einige Zeit dauern, bis wir die Auswirkungen niedrigerer Kakaopreise spüren werden.“ Zudem seien die Preise für Rohstoffe wie Nüsse und Verpackungen nach wie vor hoch.

Planwirtschaft statt Marktwirtschaft
Die Linke will Lebensmittelpreise staatlich festsetzen
Ob wirklich 4 Euro Gewinn bei den Herstellern gemacht wird oder ob die Marge geringer ausfällt, wie der demokratische Politiker Limbacher behauptet, sei einmal dahingestellt. Doch für die SPD ist dieses Marktphänomen Anlass für den Bürokratieaufbau; eine neue Behörde mit vielen gutdotierten Jobs für Limbachers Genossen muss her, eine „Preisbeobachtungsstelle in der Lebensmittelwirtschaft“. Sie wird Steuergeld kosten, sie wird die Waren verteuern und in den Markt eingreifen.

Was geschieht ohne Markteingriff? Die Hersteller registrieren jetzt schon eine Kaufzurückhaltung, das heißt, es wird zu Preisveränderungen kommen, möglicherweise erst nach Ostern, denn der Markt reguliert sich über Angebot, Nachfrage und Preis. Wie es einer Volkswirtschaft ergeht, die Preise ideologisch festlegt, kann man an der DDR sehen. Die Inselbändchen durften aus kulturpolitischen Gründen je nach Umfang nicht mehr als 1,25 bzw. 2,50 DDR-Mark kosten. Aber die Produktionskosten überstiegen den Verkaufspreis, also wurde die Produktion drastisch reduziert, um die Verluste beherrschbar zu halten, mit der Folge, dass begehrte Inselbändchen nur „unter dem Ladentisch“ zu haben waren. Die Kunden hätten auch den doppelten Preis bezahlt, es wäre mehr produziert und mehr verkauft worden.

Ulbrichts Urenkel bei den Linken fordern eine staatliche Lebensmittelaufsicht. „Es braucht ein Verbot der Spekulation mit Lebensmitteln und eine Preisaufsicht als Frühwarnsystem für die deutsche Wirtschaft“, sagte van Aken im Sommer 2025 der Rheinischen Post. In der DDR waren Lebensmittelpreise gestützt. Häufig lagen bei Obst und Gemüse die Einkaufspreise für Obst und Gemüse über dem Verkaufspreis, die Differenz kam aus dem Staatshaushalt. Das führte dazu, dass Kleingärtner ihre Gurken oder Tomaten an den staatlichen oder genossenschaftlichen Handel verkauften und sie anschließend im Laden zum Teil wieder ein- oder zurückkauften. Durch die Differenz zwischen höherem Einkaufspreis und niedrigerem Verkaufspreis machten sie einen doppelten Gewinn. Zudem bewahrheitete sich der alte Spruch immer wieder: Was geschieht, wenn die Staatliche Plankommission in die Sahara kommt? Dann wird der Sand knapp.

Wenn Ideologen wie Limbacher oder van Aken bürokratisch in den Markt eingreifen wollen, wird es für alle im Endeffekt teurer und womöglich führen Marktverzerrungen zu Angebotslücken oder teureren Produkten. Ganz abgesehen davon, dass der Steuerzahler wieder Kommissare oder Kontrolleure zu finanzieren hätte.

Den intellektuellen Niedergang der politischen Linken erkennt man daran, dass Leute wie Reichinnek, Schwerdtner, van Aken, Limbacher, Türmer frei weg schwadronieren und dabei nicht einmal ihre Theorie-Geschichte kennen, weder Nikolai Bucharin, noch Erich Apel, noch Friedrich Behrens, noch Ota Šik, auch nicht die großen Diskussionen und gescheiterten Versuche, sozialistische Planwirtschaft marktwirtschaftlicher zu gestalten. Doch was nicht in der einen Richtung funktioniert, funktioniert auch nicht in der anderen Richtung.

Wenn man sich van Aken und Limbacher anhört, kann man auf den Gedanken kommen, dass nach 60 Jahren wieder Zeit für einen Vereinigungsparteitag ist. Doch informell hat er stattgefunden, Ulbricht hat Klingbeil längst eingeholt, so ganz ohne zu überholen, und Otto Nuschke und Gerald Götting freuen sich schon auf ihre Einladung zu Kakao und Osterhasen.

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