Was darf Satire? Philipp Türmer redet derart wortgewaltig-wirr, dass Leugner-Lanz möglicherweise wieder alles abstreiten wird. So wie Daniel Günther könnte dann auch Türmer plötzlich nur als „Privatmann“ im Studio gewesen sein. Denn als Juso-Chef hätte er die SPD endgültig zur Fünf-Prozent-Hürde runtergelabert. Von Brunhilde Plog
Screenprint: ZDF / Markus Lanz
Leugner-Lanz am Limit. Der Juso-Vorsitzende Philipp Türmer redet sich und seine Partei um Kopf und Kragen. Mit minutenlangen Wortgirlanden lamentiert der bekennende Marxist gegen „die da oben“, die nichts tun und nur das arbeitende Volk knechten. Konkret sieht er allen Ernstes „so ’ne Adelskaste“, die man gefälligst endlich zur Kasse bitten müsse. Genauer: 900.000 Privatiers, „die Reichtümer ansammeln“ und denen man mit einem Spitzensteuersatz von 56 Prozent endlich zu Leibe rücken müsse. Es seien schließlich „Superreiche, die völlig abgelöst sind von der Realität und deren Geschäftsmodell darauf beruht, die breite Mehrheit auszubeuten“. Sie würden sich bei der Verantwortung für das Land komplett rausnehmen. Millionen-Gebühren-Mann Lanz fragt nach: „Haben Sie gerade gesagt ‚die sich komplett rausnehmen‘? Die zahlen doch in der Regel Spitzensteuersatz.“
Doch Türmer redet sich richtig in Rage. Dabei gestikuliert er wie Klima-Luisa auf Speed, er gibt den Klassenkämpfer, schwingt im Sessel hin und her, vor und zurück, ballt die Faust und surft durch die unendlichen Weiten seines Textbaukastens („Mir geht es darum, dass wir uns nicht mehr hinter Worthülsen verstecken“), dass es nur so eine Freude ist. Jedenfalls für all jene, die auf Platzpatronen und Blendgranaten stehen.
Türmer sagt, er selbst würde gern auch länger bis zur Rente arbeiten als jemand, der ohne Studium gleich ins Erwerbsleben gestartet ist. Was er vergisst: Er ist hier nicht auf dem Parteitag, hier nimmt ihm solche larmoyanten Lippenbekenntnisse niemand ab. Türmer ist Absolvent zweier Studiengänge und war seitdem stets und ausschließlich strammer Parteisoldat. Er hat sich hochgebuckelt und mit normaler Arbeit noch nie irgendwelche Berührungspunkte gehabt. Seine typische Sozi-Schizophrenie verpufft daher. Kein Ralf Stegner im Raum, der vielleicht sein Spiegelbild erkennen und müde klatschen würde. Und dennoch: Türmer findet einfach kein Ende.
Man solle etwas „für die hart arbeitende Mitte tun“, posaunt er, für all „die Menschen, die hart arbeiten, den gesamten Laden schmeißen“. Lanz erinnert ihn vorsichtig daran, dass sich die SPD erfolgreich von der Arbeiter- zur Arbeitsverweigererpartei entwickelt habe: „Sie setzen sich insbesondere für die ein, die den Laden nicht schmeißen, für die, die nicht morgens aufstehen, für die, die nicht hart arbeiten.“ Türmer kontert: „Ich predige ja das komplette Gegenteil.“ Lanz zieht Bilanz: „Predigen kann man ja viel.“
Noch einer zieht Bilanz. Johannes Volkmann (CDU), Enkel des Altkanzlers Helmut Kohl und wie Türmer 29 Jahre alt, sagt: „Wenn bei einer der nächsten Landtagswahlen um 18:01 Uhr man sich wieder erschreckend fragt, wie konnte es so weit kommen beim SPD-Ergebnis, empfehle ich wirklich jedem die letzten zehn bis 15 Minuten, weil es zeigt, dass die Jusos und auch Teile der SPD keine Antworten auf die dringenden wirtschaftlichen Probleme unseres Landes geben wollen.“
Das sagt ein Sozialdemokrat. Willy Brandt und Helmut Schmidt würden solche Enkel vermutlich stante pede enterben.
Es ist der Abend der Kinder und Kindeskinder. Frederik Pleitgen, Sohn des legendären Journalisten Fritz Pleitgen (1938-2022), berichtet von seinen Erlebnissen im Iran und davon, wie er sich in den Bombenhagel nach Teheran durchgeschlagen hat. Für einen Sieg der USA sieht er wenig Chancen. Der Iran sitze am längeren Hebel. „So lange die noch an der Macht sind, noch Raketen und Drohnen schießen können, sehen die sich auf der Gewinnerstraße“, sagt Pleitgen. Er zieht Parallelen zum Vietnam-Krieg. „Da haben die Nordvietnamesen eigentlich keine Schlacht gewonnen, aber trotzdem am Ende den längeren Atem gehabt.“ Pleitgen erinnert auch daran, dass Deutschland noch immer diplomatische Beziehungen zum Iran pflege. Dies böte die Gelegenheit, vielleicht den USA zu helfen, mit dem Iran besser ins Gespräch zu kommen.
Zur Situation am Golf berichtet auch Juliane Schäuble, USA-Korrespondentin der weiland recht angesehenen Wochenzeitung „Zeit“ und Tochter des CDU-Altministers Wolfgang Schäuble (1942-2023). Besondere Erkenntnisse kann sie nicht beitragen, aber allein Ihr Erscheinen ist schon ein Lichtblick.
Denn damit ist uns Elmar Theveßen erspart geblieben.



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SPD kämpft jetzt gegen „neue Adelskaste“? – was, die kämpfen jetz schon gegen sich selber? – sind denen die Feindbilder ausgegeangen?
Ich verstehe diesen Schwachsinn des Ehegattensplittings in keiner Form. Der Staat beutet die Menschen aus. Der Staat entscheidet sich das Zusammenleben von Menschen zu privilegieren und gibt ein wenig der Ausbeutung der Menschen auf, die seinen Ansichten nach zusammenleben sollen und den Staat in ihre Beziehung einbinden. Um Kinder geht es dabei nicht, denn er privilegiert auch Homosexuelle. Die zusätzliche Beute holt er sich bei Singles und allen anderen Formen des Zusammenlebens. Ich verstehe das Argument, dass der Staat nicht weiter ausbeuten soll, durchaus. Was ich nicht verstehe ist wieso man vehement für das Ehegattensplitting eintritt. Diese steuerliche Schlechterstellung von… Mehr
Zu Türmer schreib ich nichts, sonst hab ich die Meldestellen-Gestapo am Hals.
Aber das hier: „Da haben die Nordvietnamesen eigentlich keine Schlacht gewonnen, aber trotzdem am Ende den längeren Atem gehabt.“ ist Blödsinn!
Dien Bien Phu war ein großer strategischer Sieg Nordvietnams und nur auf die Amerikaner bezogen wäre da die höchst erfolgreiche Tet-Offensive (ohne Google). Der Mann sollte sein Handwerk besser verstehen! Warum wundert mich das nicht im Geringsten?
Türmer, priviligierter Junior von hoch-beamteten SPD-Eltern, war Absolvent einer Privatschule (also nicht die Art Schule, die die SPD Normalbürgern zumutet, ist im 30. Lebensjahr noch immer Student. Vater arbeitete u. a. als Ministerialdirektor unter Hans Eichel im BFM, die Mutter als Oberstaatsanwältin – der Sohn scheint in seiner Attitüde nun den Habitus beider zu vereinen – nur das er selbst leider nie einer praktischen beruflichen Tätigkeit nachgegangen ist. Als typischer Vertreter der Generation KHP (Kreissaal – Hörsaal – Plenarsaal) glaubt er langedienten Arbeitnehmern und Selbstständigen als Langzeitstudent die Leviten lesen zu können. In der Adelsklasse trug man bekanntermaßen schon als… Mehr
Dass man diesen Typen überhaupt ins Fernsehen einlädt, ist eine Beleidigung für jeden Steuerzahler!
>>> „Konkret sieht er allen Ernstes „so ’ne Adelskaste“…….<<<
er hätte recht, wenn er sich nicht nur auf die Reichen bezieht, sondern vor allem auch auf Politiker, deren Vasallen und Hofnarren.
So, wie sich diese Aufzählung aktuell darstellt, hat sie in der Tat etwas Feudal-Absolutistisches.
Der Juso-Vorsitzende Philipp Türmer und das für die SPD typische Muster: den Neid der Leute locken. Diese Sondersteuer für die „Superreichen“, für die Erben großer Vermögen – funktioniert halt leider oft in unserer Neidgesellschaft.
Philipp Türmer, Luisa Neubauer, aber auch die „jungen“ Rebellen der Union verkörpern den zukünftigen Typus nachfolgender Politiker. Allen Papis & Mamis viel Spaß in der Zukunft und ein sehr langes Leben.
„der weiland recht angesehenen Wochenzeitung „Zeit“ – echt jetzt?
Nicht die Privatiers versklaven seit Jahrzehnten die arbeitende Mittelschicht.
Es sind die Kartellparteien.
Türmer und Volkmann sind Abbild des Altparteienkartells: Der eine will alles was nach Leistung und Erfolg aussieht – die Wohlstandsbasis -, totbesteuern und zertreten und der andere täuscht durch markiges verbales Gegenhalten vor, dass das vom Marxisten Vorgetragene die Wohlstandsbasis zerstört und niemals seine Politik werden wird. Am Ende machen alle, was der Marxist will.
Was „Spezialdemokraten“ wie Türmer nicht verstehen wollen ist, daß der Spitzensteuersatz längst von denen bezahlt wird, die „den Laden am Laufen halten“, denn schon im mittleren Management oder als Vorarbeiter am Fließband kommen sie heute in den Genuss des höchsten Lohnsteuersatzes.
Dieter Nuhr hatte einen Rat für Herrn Türmer: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die …… halten“