Wirren vor der Wende: Am Ende der Krise warten nationalkonservative Koalitionen

Das Wort Krise stammt aus dem Altgriechischen und lässt sich auch als Wendepunkt übersetzen. Friedrich Merz und seine Wirtschaftsministerin Katherina Reiche haben das Ausmaß der Krise bislang nicht erkannt. Ganz gleich, wer die energiepolitische Verkrustung aufbricht und eine Wende in Deutschland erzwingen will: Zunächst muss das Merz-Regime überwunden werden.

picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka

Sollte die Union auf eine günstige Gelegenheit gewartet haben, sich gesichtswahrend aus dem energiepolitischen Fiasko fortzustehlen, so ist dieser Moment wohl gekommen. Am Donnerstag formte das Europäische Parlament eine breite Koalition der unionsgetragenen EVP-Fraktion mit den Nationalkonservativen. Ziel war, eine Migrationswende zu initiieren, die Chatkontrolle zu verhindern und das groteske Lieferkettengesetz abzumildern.

 

Zu den nationalkonservativen Parteien im EU-Parlament zählt auch die AfD-Fraktion. Das zeigt: Die Brandmauer gegenüber dieser Partei ist ein deutsches Phänomen, ein Produkt hysterischer links-grüner Medienmacher und saturierter Politiker des Brandmauer-Kartells, die angesichts der neuen Konkurrenz um ihre Pfründe fürchten.

Nie war die Gelegenheit günstiger, die lähmende Logik der Brandmauer ein für allemal hinter sich zu lassen und national-bürgerliche Koalitionen zu formen als gegenwärtig.

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Die Zeit drängt. Auf die Deutschen rollt eine Inflationswelle zu, die sich bereits jetzt an den Tankstellen und Gaspreisen zeigt. Seit Beginn der Iran-Krise stiegen die Spritpreise hierzulande im Durchschnitt um bis zu 25 Prozent. Auch der Gaspreis zog um 20 Prozent an. Betrachtet man die Preisentwicklung bis zurück ins Jahr 2005, so stieg der Strompreis in Deutschland um satte 70 Prozent – der unbestreitbare Beleg für das krachende Scheitern der Energiewende.

Das, was die grünen Zentralplaner hinterlassen haben, ist kaum noch als Energiemarkt-Design im eigentlichen Sinne zu bezeichnen. Auf den Trümmern der einst gut eingespielten, hochkomplexen Struktur und den gesprengten Kühltürmen der AKWs entstand ein System mit eingebauter Fragilität. Im Krisenfall stehen weder ausreichend Reserven noch systemische Resilienz gegen Stromausfälle und den drohenden ökonomischen Super-Gau zur Verfügung. Über allem schwebt das Damoklesschwert möglicher Krisen, die jederzeit an jedem Ort der Welt ausbrechen und Deutschland unmittelbar treffen können.

Hormus offenbart das Ausmaß dieser Fragilität und legt so die unfassbare Verlogenheit, die hinter der grünen Transformation ruht, offen. Die Erzählung von Sonne und Wind, die keine Rechnung schicken, war von Anfang an für jeden, der sich nicht von Trittin, Habeck und Merkel trunken quasseln ließ, ein bitteres Märchen.

Es ist nicht mehr zu verbergen: Grüne Transformation ist nichts anderes als Auswuchs und Treiber einer zerstörerischen Degrowth-Ideologie.

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Eine Hinwendung zu modernen Ausformungen der Kernkraft, zur Förderung der eigenen immensen Gasvorkommen müsste nun in Angriff genommen werden – nie war die Bereitschaft der Bevölkerung größer, die Gasförderung durch Fracking aufzunehmen, als jetzt, da die Wirtschaftskrise ins allgemeine Bewusstsein einsickert.

Vernünftige Politik müsste an den Verhandlungstisch mit Russland zurückkehren, um die Wiederaufnahme von Gaslieferungen zu diskutieren. Das forderte auch Belgiens Premierminister Bart de Wever. Er steht mit dieser Meinung längst nicht allein. Ungarn, die Slowakei und Italien formen eine veritable Opposition, mit der sich der Brüsseler Machtkörper künftig auseinanderzusetzen hat.

Doch vorerst überwiegt die Schockstarre angesichts des wirtschaftlichen Niederschlags. Es ist überdeutlich: Friedrich Merz und seine Wirtschaftsministerin Katherina Reiche haben das Ausmaß der Krise bislang nicht erkannt. Sie setzen auf Kontinuität der grünen Transformation und verstehen nicht, dass genau dieses Gebilde Ursache und Endpunkt der Krise sein wird.

Die Brücke, über die sie nun gemeinsam mit der AfD schreiten könnten, haben beide bislang ignoriert. Reiche diskutierte zwar in der vergangenen Woche erstaunlich offen die strategischen Fehler der deutschen Energiepolitik. Eine mögliche Verlängerung der Nutzung deutscher Kohleverstromung steht auf einmal wieder im Raum. Doch im Großen und Ganzen hält man Kurs. Gemeinsam mit Umweltminister Carsten Schneider half Reiche bei der Absicherung der bestehenden Klimapolitik. Weitere acht Milliarden werden kurzfristig in die grüne Günstlingswirtschaft gepumpt. Man hält fest am CO₂-Handel und am Verbrenner-Aus.

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Hinter allem schimmert in diesen Tagen die grüne Hippie-Politik durch, die jedwede Reformbemühung blockiert. Dabei wäre nun strategisches Denken gefragt, das mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme ansetzen müsste, um dann eine 180-Grad-Wende in der Energiepolitik einzuleiten: Ideologie müsste durch Ratio, grüne Sprechblasenpolitik durch ökonomische Vernunft und staatlicher Interventionismus durch echtes Marktdesign ersetzt werden. Das sind die Pfeiler der Brücke, die dann verstärkt und ausgebaut werden müssten.

Doch Friedrich Merz stemmt sich mit aller Macht gegen Kritik an der Brüsseler Transformationspolitik, verteidigt den CO₂-Zertifikatehandel bis aufs Messer und bereitet nun gemeinsam mit seinen sozialistischen Glaubensbrüdern von der SPD den massiven Steuerschlag gegen die Mitte der Gesellschaft vor.

Kommende nationalkonservative oder nationalliberale Regierungen werden keinen Moment zögern, die fiskalpolitischen Gaunereien, Täuschungsmanöver und den ideologischen Wahnsinn – wie etwa den Klimakomplex – vollständig zu enttarnen. Es wäre ein Leichtes, den deutschen Haushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen, die Ukraine-Hilfen einzustellen, die Transfers an den grünen Komplex, an Brüssel und an die vielfältigen NGOs weltweit sofort zu beenden. Auch eine notwendige Sozialstaatsreform würde folgen, ein Programm zur Rückführung illegaler Migranten inklusive.

Vertieft sich die Krise in den kommenden Jahren, wovon wir ausgehen müssen, werden die Patrioten massiv an Zustimmung gewinnen. Dazu zählen auch die Libertären und europäischen Kulturpatrioten, die ihre Leidenschaft für Heimat, ihren festen Willen, den ökonomischen Schaden der Vergangenheit zu reparieren, sowie den Willen, die kulturelle Vielfalt Europas zu bewahren, authentisch zum Ausdruck bringen.

Würden die Leistungsträger der Gesellschaft wieder in den Fokus gerückt, wäre die Bereitschaft, einen – auch schmerzhaften – Reformkurs mitzutragen, enorm.

Politiker wie Katherina Reiche werden es dann bereuen, dass sie nicht Teil dieser Wende waren. Niemand wird den Zauderern und opportunistischen Wendehälsen der Gegenwart dann noch eine Brücke in zukünftige politische Verantwortung bauen.

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Kommentare ( 45 )

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Deutscher
20 Minuten her

Sollte man diesen Menschen wirklich eine Deutschlandfahne auf den Tisch stellen? Sie wirkt seltsam fehl am Platze, mit den Gesichtern ihrer Verräter auf demselben Bild. Ein Schmidt, ein Kohl, auch ein Schröder noch (ohne Fischer) passt dazu. Aber die? Niemals!

Last edited 16 Minuten her by Deutscher
Waldschrat
28 Minuten her

Die Verlogenheit nur der grünen Transformation zuzuschreiben, greift viel zu kurz. Die ganze westliche Politik ist zutiefst verlogen. Das ist alles viel zu Komplex, um das überhaupt zu durchschauenund. Das hat sich über 100 Jahre entwickelt. Es gibt viel faktenbasierte Literatur, die das alles aufzeigt. Das sind keine Verschwörungstheorien, das ist belegt. Auch die sogenannten Alternativmedien kratzen da nur leicht an der Oberfläche. Tiefer zu graben ist ein geföhrliches Terrain. Die Wurzeln dafür gehen zurück in die USA in die ersten Jahrzehnte des letzten Jahrhunderts, ob man das nun wahrhaben will oder nicht. Über Jahrzehnte hat sich da ein Geflecht,… Mehr

rainer erich
49 Minuten her

Ich bin davon überzeugt, dass es weder bei Merz, noch bei Reiche ein “ Erkenntnisproblem“. Es sind allenfalls Opportunisten, insbesondere die Dame, in jedem Fall handeln sie mindestens mit bedingtem Vorsatz, wobei die persönlichen Motive unterschiedlich sein können. Das gilt im übrigen für den gesamten Täterkreis, von Oligarchen über Opportunisten bis zu den ideoligisch, sprich psychisch Verpeilten. Letztere vor allem bei den Wählern resp Gläubigen zu finden. Und nur bei diesen , anderweitig gesteuert, gibt es ein massives Erkenntnisproblem. Die anderen wissen zumindest genug, um zu verstehen, was sie hier für wen vernichten. Zu Optimismus, die letzten Wahlen zeigten es… Mehr

Peter Pascht
59 Minuten her

Unverstand wohin man schaut – um das zu wissen muss man nichteinmal studiert haben. – Überall nur Hybris und Narzissmus der Selbstdarstellung in der „Polit-Oligarchie“ 1.) Wind und Sonne können nie den Energiebedarf des Industriestaates Deutschland decken. Es gibt sie nur 25% des Jahres. Mit Wasserkraft hat uns das Natur nicht überhäuft (wie die Schweiz) 2.) Ohne Kohle kann man keinen Stahl machen – technische Erfahrung + Metallwissenschaft. Wasserstoff macht Stahl spröde und brüchig. (deswegen Konnzentration begrenzt in DIN Normen) 3.) Um 44 Millionen PKW auf E-Auto umzustellen und Industriebedarf zu decken brauch wir 4x mehr Stromenergie als wir zur… Mehr

wegmitdenaltparteien
1 Stunde her

Eine Wende zum Positiven wird es nur dann geben, wenn Köpfe aus den Altparteien in Zukunft mit eiserner Hand konsequent und dauerhaft von der politischen Willensbildung ausgeschlossen werden. Gleiches gilt es für Aktivisten aller Couleur durchzusetzen. Einen Aufstand der bisherigen Nutznießer des Systems einschließlich Arbeitsscheuer und migrantischer Abstauber muss billigend in Kauf genommen und mit allen Mitteln eingedämmt werden. Werden diese Maßnahmen nicht durchgesetzt, wird sich wieder nichts ändern.

Last edited 58 Minuten her by wegmitdenaltparteien
Rainer Glaesel
1 Stunde her

Merz und Reiche haben das Ausmaß der Krise bisher nicht erkannt. Wie viele Tausend Mitarbeiter in den Ministerien gibt es? Gut, viele davon sind sicher nicht mit Expertise gesegnet, aber einige haben diese Expertise bestimmt. Und sie haben die Verantwortlichen sicher darauf hingewiesen. Es kann inzwischen kein Unvermögen mehr sein, sie fahren unser Land wissentlich und absichtlich vor die Wand. Anders ist all das nicht mehr zu erklären. Merz hat es ja selbst zugegeben, der Atomausstieg war ein Fehler, er ist aber irreversibel. Sie handeln also mit Vorsatz!

Dieter
35 Minuten her
Antworten an  Rainer Glaesel

ich streite seit Jahren bei jeder fragwürdigen Entscheidung, Äußerung, unserer Politiker mit mir selber: Ist es Dummheit oder Vorsatz?
Dann überlege ich mir die Mechanismen wie jemand in die Führungsrolle kommt, welchen Weg jemand dafür geht und welches Verhalten dafür nötig ist.
Irgendwie stellt sich dann immer die Frage: kann eine massive Ansammlung von Dummheit in all diese Positionen kommen??? Ich glaube kaum.

Logiker
1 Stunde her

Geht die CDU mit der AfD, dann platzt die CDU.

Geht die CDU nicht mit der AfD, dann platzt Deutschland.

Und wir werden einmal mehr erleben, wie sinnbefreit inzwischen der Spruch „erst das Land, dann die Partei, dann die Person“ ist.

Bernd Bueter
1 Stunde her

Einmal im Sumpf der Kriminalität gelandet (Polit-OK), ist ein Weg zurück unmöglich.

Da bleibt nur Lug und Betrug und das Faschismuskartell.

Geld + Macht + Politik locken die Charakterlosen. Und die Parlamente sind Dank Listenwahlrecht übervoll mit solchen Volksnichtvertretern.
Da gibt es dann zur Zitronen“politik“ nur noch das passende, jetzt laufende Desaster.

Kraichgau
1 Stunde her

Wer ernsthaft meint,mit Resten der gegenwärtigen „Besatzung“ etwas Neues aufbauen zu können,irrt gewaltig…die „Reiches“ etc werden nur Sand ins Getriebe streuen und als U-Boote jedwede Sabotage betreiben,die Sie können.
Denn der ganzen Sippschaft geht es nur um eins, Machterhalt

Radikaler Demokrat
1 Stunde her

Ich will Handschellen klicken hören!!!! Hundertfach.

Peter Pascht
58 Minuten her
Antworten an  Radikaler Demokrat

Hundertfach reicht nicht – so viele Handschellen und Gefängniszellen wie wir bräuchten, haben wir nicht.