Bei Miosga: Chrupalla im Kreuzfeuer, die Nerven liegen blank

Selten war eine Talkshow so offen aggressiv und zugleich journalistisch so hanebüchen dürftig. Caren Miosga versucht, den AfD-Co-Chef Tino Chrupalla in den Schwitzkasten zu nehmen. Doch sie hat nicht einmal ihre eigene Antipathie im Griff. Das sorgt bisweilen für kuriose Aussetzer. Von Brunhilde Plog

Screenprint: ARD / Caren Miosga

Dieser Duft! Es ist eine süßliche Mischung aus Überlebenskampf, Aggression und Verwesung, die heute durch das Studio wabert. Es riecht wie das Endstadium des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Und wenn am Ende das Piep-Piep zum grellen Dauerton wird, fragt sich der Zuschauer: Sehen so womöglich die letzten Zuckungen der ARD aus?

Die Last auf Miosgas Schultern wiegt schwer: Showtime, bitte! Die AfD ran an den Pranger, Schwerpunkt Sachsen-Anhalt (wo die Partei besonders stark ist), jede Menge Einspieler und Zitate zum Beweis der Widerwärtigkeit all der „pösen Nazis“, die zugleich Trump-Fans und Putin-Lieblinge sein sollen. Jede Menge Unterstellungen, Verallgemeinerungen und Verdrehungen – all das hat Caren Miosga auf ihrem Spickzettel. Ganz schön viel.

Zu viel für die ehemalige Nachrichtensprecherin.

„Und griff sie auch zu oft zum Glase, niemand tadelt drum die Base“, schrieb einst der reimverliebte Textchef des „Feinschmeckers“ unter ein Bild eines Rotweinglases in seinem Magazin. „Schlägt jemand Breschen in den Braten, so ignorier‘ man diese Taten“, war eine andere seiner Kreationen unter einem langweiligen Rollbratenfoto. Gott hab ihn selig. Er hat einst auch der Autorin dieses Textes die Sprachverliebtheit injiziert.

Warum dies erwähnenswert ist? Aus zweierlei Gründen. Erstens: So wie der Textchef damals langweilige Essensbilder aufpeppte („Was soll man da denn schreiben, beim tausendsten Bratenbild?“), so muss Brunhilde heute ein weiteres verachtenswertes Beispiel pseudojournalistischer TV-Hinrichtung mit einer Rezension adeln. Zweitens, und damit wären wir beim Glase: Miosga braucht an diesem Sonntag nicht einmal vier Minuten für ihre erste Selbstdemaskierung. In diesen ersten vier Minuten hat sie schon so oft zum Wasserglas gegriffen, dass es schon fast leer ist. Sie ist einfach völlig überfordert. Und wir, ja, wir tadeln sie drum.

Dabei wirkt Chrupalla heute sogar weniger souverän als üblich, etwa bei Markus Lanz. Für eine Miosga aber reicht es allemal.

Gleich zu Beginn, noch im Einzelverhör, konfrontiert ihn Miosga mit allerlei kruden Unterstellungen, Wahlplakaten und Zitaten seiner Parteikollegen. Björn Höcke ist am Start, selbstverständlich, Putin auch und Donald Trump. Als später noch die Wirtschaftsweise Veronika Grimm und Journalist Michael Bröcker die Runde erweitern, geht es ins Kreuzfeuer. Denn sobald Chrupalla ins Detail geht, sei es bei einem Höcke-Zitat oder dem vermeintlichen Hitlergruß auf einem AfD-Plakat (Arme über dem Kopf – zu Corona-Zeiten stand dies noch ungestraft für die „Bleib daheim“-Parole), sobald Chrupalla also im Detail antwortet, wird entweder schnell ein anderes Beispiel gebracht oder einfach rüde unterbrochen.

An einem offenen Meinungsaustausch ist niemand interessiert. Miosga (Jahresgehalt: geschätzte 570.000 Euro, entspricht 3200 Euro pro Sendeminute) kritisiert, dass bei AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund aus Sachsen-Anhalt ein Verwandter für 90.000 Euro Jahresgehalt in der Partei beschäftigt ist. „Der Mann ist Ingenieur“, entgegnet Chrupalla. Der Vertrag sei außerdem geprüft, die Qualifikation des Mannes unbestritten, und dennoch räumt er ein: „Ich habe da auch ein gewisses Störgefühl, da gebe ich Ihnen Recht.“

Das reicht einer Miosga aber nicht. So süßholzschmalzig, wie sie einem Robert Habeck einst ums Maul scharwenzelte, so aggressiv bombardiert sie Chrupalla mit Vorwürfen, die mehr über die Schützin selbst verraten als über das Ziel. Beispiele: „Haben Sie ihren Laden nicht im Griff?“ – „Was Sie da erzählen, ist reine Kreml-Propaganda“ – „Immer schön bei den Fakten bleiben, Herr Chrupalla“.

Beim Thema Verteidigung versteigt sich Miosga in freie Assoziationen. „Wollen Sie eigentlich immer noch raus aus der NATO?“, fragt sie. „Wo steht denn das, Frau Miosga?“, fragt Chrupalla verblüfft, und sie muss kleinlaut zugeben, dass es eine unbelegbare Behauptung war. Chrupalla fordert eine Reformierung des Bündnisses. Miosga versucht zu retten, was nicht zu retten ist: „Und wenn sie sich nicht reformiert, wollen Sie raus?“.

Sie kann es einfach nicht. Und sie lernt auch nichts dazu. 570.000 Euro Zwangsgebühren für eine Dauer-Auszubildende ohne Aussicht auf einen Gesell:in:nen:ösen-Brief.

Als Ökonomin Grimm ein Hohelied auf die Einwanderung singt, stimmt ihr Chrupalla sogar zu. Auch die AfD befürworte den Zuzug in den Arbeitsmarkt, aber eben nicht in die Sozialsysteme, sagt er und warnt: „Wir brauchen als Allererstes einen Stopp von weiteren illegalen Migranten.“ Miosga unterbricht: „Sie nutzen jede Gelegenheit, um wieder zur Migration zu kommen.“ Dass eigentlich Grimm das Thema aufwarf – egal.

Immer wieder wirft Miosga Chrupalla vor, er sei ein Freund Trumps und zugleich ein Freund Putins. Dabei sei die Lage doch ganz klar: „Haben Sie nicht den Eindruck, dass Putin uns droht? Das macht er doch andauernd.“ Chrupalla versucht, ihr den Zahn zu ziehen: „Ich sehe nicht, dass Deutschland von Russland aktuell bedroht ist.“ Die ständige Warnung vor russischen Drohnen etwa entbehre jeder Grundlage: „Da wurde eine Bedrohungslage aufgebaut, die nicht existiert. Das waren Fake News“, sagt er. Auch eine nukleare Bedrohung sieht er nicht: „Was hätte Putin davon, Europa atomar zu vernichten. Was wäre die Gegenantwort? Es gäbe kein Europa mehr!“ Wenn aber die Ukraine nach atomarer Bewaffnung rufe, sei das durchaus ein Problem. Miosga unterbricht ihn derweil ohne Pause. Irgendwann resigniert er: „Sie wollen meine Argumente einfach nicht hören.“

Thema Wehrpflicht. Chrupalla stellt klar: Zunächst müsse der Staat sich mal vom Kopf auf die Füße stellen, bevor er von den Bürgern verlangt, ihn zu verteidigen. „Wenn ich zurückdenke an die Corona-Zeit: Was eine Bundesregierung alles versprochen hat. Und wie man sich gegen das Grundgesetz gestellt hat, Gesetze gebrochen hat, dann kann ich dieser Bundesregierung nicht trauen.“ Miosga kontert: „Das kann man doch gar nicht vergleichen.“ Die RKI-Protokolle scheint sie nicht zu kennen, denn sie behauptet kühn: „In der Corona-Zeit wurden Rechte jedes Einzelnen immer abgewogen gegen das Allgemeinwohl.“

Schnell nochmal Höcke einspielen: Der kritisiert verschobene Maßstäbe und fordert einen Staat für die Deutschen. „Das sind diskriminierende und nationalistische Vorurteile. Und das ist auch wieder nicht weit weg von russischer Propaganda“, kritisiert Miosga. Sie wirft Chrupalla vor, er trage schon wieder „die deutsche Flagge am Revers“. Der kontert: An Höckes Aussagen könne er „überhaupt nichts falsch finden“, denn „Patriotismus, Heimatliebe wurde uns über Jahre abtrainiert in diesem Land. Wir wurden als Nationalisten beschimpft, weil wir diese Flagge tragen“.

Richtig in Rage redet sich heute Podcaster Michael Bröcker (Table Media). Er wirft Chrupalla „nationalistische Egoismen“ vor, unterbricht ihn nach Kräften, fordert aber stets ununterbrochenes Rederecht für sich selbst. Die Pläne der AfD seien „einfach Unsinn“, denn „Sie schreiben Dinge in Ihr Programm, die rechtlich nicht umsetzbar sind, die ökonomisch schädlich sind. Ihre AfD ist wie Herr Tur Tur. Je näher man Ihnen kommt, je mehr man reinguckt, desto mickriger werden Sie.“

Auch für Grimm sind Chrupallas Ideen – die EU zu einem „Bund europäischer Nationen“ umzubauen und beim Mercosur-Abkommen die Landwirtschaft stärker zu berücksichtigen – lediglich „Scheinvorschläge“. Es gelte, „den Menschen klarzumachen: Wir müssen ins Risiko gehen“, sagt sie. Bröcker versucht es derweil mit Verächtlichmachung: „Dass Herr Chrupalla sich jetzt für Tierwohl einsetzt, das ist was Neues für mich, das finde ich wunderbar.“ Die Agrarindustrie werde schon seit Jahrzehnten mehr subventioniert als nötig. „Es ist nicht dramatisch für die Bauern.“

„Wir müssen darauf achten, dass die Wertschöpfung in unserem eigenen Land bleibt“, warnt Chrupalla. Er sei grundsätzlich für Freihandel, aber nur, wenn beide Seiten profitieren. Deutsche Unternehmen würden irgendwann mehr in Indien investieren als in Deutschland, weil dort die Rahmenbedingungen einfach besser seien. „Das ist wirklich Quatsch“, sagt Bröcker. Für ihn ist gerade Indien „ein möglicher Game-Changer“. Und über Chrupalla höhnt er: „Ich wollte gerade ‚Ruhig, Brauner‘ sagen, hab’s mir aber dann doch verkniffen.“

Damit ist das Niveau endgültig im Keller.

Die Runde will Chrupalla bewusst missverstehen, verdreht ihm die Worte im Mund. Er sei gegen Freihandel, wolle Deutschland abschotten, obwohl er wenige Sekunden zuvor genau das Gegenteil gesagt hat.

Die Wirtschaftsweise Grimm versucht noch, Trumps Wirtschaftsstrategie zu erfassen, was ihr trotz ausgeprägten Dauerstammelns nicht recht gelingt. Wirkt wenig weise. Bröcker hat ein paar weitere Schlagworte in petto: Er wirft Chrupalla eine „heimliche Putin-Liebe“ vor und sagt: „Der größte Standortnachteil für Deutschland ist die AfD selbst. Die Investoren werden in Deutschland nicht investieren, wenn AfD-Politiker regieren. Das ist die Wahrheit. Zum Glück regieren Sie nicht.“

Und griff er auch zu oft zur Phrase, niemand tadelt Meister Hase.

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Kommentare ( 216 )

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RA.Dobke
1 Monat her

Quod erat demonstrandum! Dem Artikel ist nichts hinzuzufügen. Er trifft es voll! Als junger Mann demonstrierte ich mit: „Amigo home!“ Heute sage ich: „Miosga lass es endlich!“ Und den Ausichten der ÖR Medien rufe ich zu: „An Eurer Verantwortungslosigkeit wird man Euch noch messen!“ Den Bürgern und Zwangsgeldopfern rate ich: „Zahlt den Mist nicht mehr! Belastet die Gerichte mit abertausenden Verfahren, um im Rechtsstreit zu klären, ob dieses rechtens sein kann.“ Das wird ein Feedback werden …

Supersilent
1 Monat her

Das diese Propagandaschleuder die durch mit Zwang erpresste Gelder existiert bestätigt, dass hier schon lange keine Demokratie mehr ist. Wie naiv muss jemand sein der immer noch glaubt hier sei irgendwas demokratisch? Wir leben schon lange im Linksfaschismus.

Herr Siegmund muss die Wahl im September gewinnen und danach fängt der Stein an zu rollen der dieses korrupte System hinwegfegt. Für etwas bezahlen zu müssen was man gar nicht haben will ist in der Welt einzigartig. Man nenne ein Land wo es das auch gibt.

Last edited 1 Monat her by Supersilent
Peter Gramm
1 Monat her

Der Oberindianer von der ARD hat Frau Miosga wahrascheinlich erklärt….jetzt müßt ihr richtig ran. der Afd’ler muß fertig gemacht werden. Und wie die Nachrichtenvorleserin sich in’s Zeug gelegt hat und vor allem was sie da aus dem Archiv alles zusammengestückelt hat….Vor allem die Hiwis die sie sich an die Seite geholt hat. Ein peinliches, mit Zwangsabgaben hergestelltes Theater. € 570.000 kassiert diese Frau für dieses Schmierentheater. Dieser Saftladen gehört geschlossen. Es kann nicht sein dass der Zwangsgebührenbeglückte gezwungen wird einen derartigen Mist zu finanzieren.

PaulKehl
1 Monat her

Auf mich wirkt diese Sendung wie billigster Agitprop. Allerdings fand ein Bekannter, Chrupalla und damit die AFD sei endlich entlarvt worden. Wahrscheinlich ist das die Meinung der Mehrheit.

Albert Pflueger
1 Monat her

Was ist „table media“? Hab ich noch nie zuvor gehört.

Radikaler Demokrat
1 Monat her

In den letzten Jahren war das Argument, daß wegen der Opposition nicht in Deutschland invstiert wird. Jetzt wird argumentiert, daß wegen einer möglichen AfD-Regierung nicht investiert wird und danach, weil die AfD regiert. Vielleicht sollte die AfD einfach die „Was kümmert es die deutsche Eiche, wenn…“-Haltung einnehmen, Schattenkabinette bilden, Pläne machen und dann direkt ab Übernahme durchregieren.
Und daß in Deutschland der Regierungsfunk kritisiert, daß jemand die Deutschlandflagge trägt.. ohne weitere Worte.

PapaAN
1 Monat her

Widerwärtig, abstoßend, undemokratisch, verächtlich. Da gibt es nur eine Lösung, den öffentlich verächtlichen Schundfunk sofort abschaffen! Dann können sich die Systemlinge und Speichellecker auf dem freien Markt einen richtigen Job suchen. Des Weiteren die staatliche direkte und indirekte Unterstützung aller NGO’s verbieten, dann fällt das Kartenhaus auch endlich zusammen. Raus aus der faschistoiden EU, denn lieber Schrecken mit Ende, als Schrecken ohne Ende. SMS Uschi und ihre verbrecherischen Vasallen hinter schwedische Gardinen. Verfassungsschutz abschaffen, das gibt es in keinem anderen demokratischen Land auf der Erde. Die Gefahr kommt von Links, von der (SA)ntifa, diese gehört unverzüglich auf die Terrorliste und… Mehr

Peter Gramm
1 Monat her
Antworten an  PapaAN

U.v.d.L. Tochter vom Albrecht. Der mit dem Celler Loch. Der Apfel fällt halt nicht weit vom Stamm.

ESC-Gast
1 Monat her

Hab mir die Sendung nur in Teilen angesehen. Die Zusammenfassung von Apollo oder von euch reicht dann vollkommen aus. Diese Verkommenheit ist unerträglich. Vor ein paar Monaten kriecht sie dem Blender Habeck widerlich in den Allerwertesten und dann diese Vorstellung gegen Chrupalla.
Am dreistesten war die Anmerkung, dass bei Corona die Rechte des Einzelnen immer gegen das Allgemeinwohl abgewogen wurde. Es ist schon erstaunlich, wie man derart ungestraft im ÖR lügen kann ohne rot zu werden? Unfassbar.

Anglesachse
1 Monat her
Antworten an  ESC-Gast

Mioska?
In der Ostzone auf der Medien-Propaganda-Schule gewesen (wie Maischberger) und nach der „Wende“ nun mit 500.000€/Jahr ins kuschelige MSM-Bett gefallen.
Karl-Eduard v.Schnitz(klick!)ler und sein „rot(schwarz)er Kanal“ lassen grüssen.

Riffelblech
1 Monat her

Man muss vor einem Herren Chrupalla wirklich den Hut ziehen . Sich einer derartigen dümmlich – frechen Runde auszusetzen ,sich mit einer hasstriefenden sogenannten Moderatorin – besser wäre wohl der Begriff Propagandabeauftragte – auch nur versuchen sich auszutauschen – ein Kampf gegen unfassbares Gesülze . Selbst beim K.E. V. Schnitzler hat man solchen Schrott kaum zu sehen gekriegt . Und das unfassbare Gehalt dieser Propagandaschleuder zeigt nur wie unfassbar wichtig es wird diesen Propagandazirkus , genannt ÖR , endlich auf den Müll zu werfen . Diese Herrschaften der staatlichen Dauerlügen könnten dann vielleicht Regale einräumen ,- wenn ihnen noch so… Mehr

Anglesachse
1 Monat her
Antworten an  Riffelblech

Na, können wir auch so schreiben:
Dieser Mann hat Schneid!
Und genau in dieser roten Propaganda-Höhle gute Argumente durchzusetzen, war an sich die beste Propaganda FÜR unseren Chrupalla…hihhihi

WGreuer
1 Monat her

Was ich immer nicht verstehe ist, warum die AfD sich das immer gefallen lässt. Warum gehen Weidel, Chrupalla und Co. nicht entschieden gegen dieses Unterbrochen-werden vor? Warum wird da nicht klar gedagt: „ich habe Sie ausrede lassen, jetzt lassen Sie mich ausreden“. Warum wird da nicht klar die Kompetenz dieser Frau zurechtgerückt? Warum bleiben die nicht hart bei ihren Argumenten, z.B. gegen die völlig kaputte EU (aber für z.B. EWG)? Warum zerlegen die die Argumente nicht und wehren sich gegen diese Unterstellungen? Warum lassen die sich immer so abkanzeln? Verstehe ich nicht. Oder hoffen die, dass der noch verblieben Rest… Mehr