Jeder fünfte Wirt und Händler will Personal entlassen

CDU, CSU und SPD haben die zuständige Kommission erpresst, den Mindestlohn massiv zu erhöhen. Das hat nun Folgen: Fast die Hälfte aller Betriebe denkt über höhere Preise als Folge des höheren Mindestlohns nach. Mehr als jeder Zehnte will Personal entlassen.

picture alliance / imageBROKER | Helmut Meyer zur Capellen

Ursache und Wirkung. Von der Natur- bis zur Geisteswissenschaft beschäftigen sich viele kluge Köpfe mit diesem Wechselspiel. Die Berliner Politik blendet es indes gerne aus. Steigt der Mindestlohn um 8,4 Prozent, stärker also als der Rest der Löhne, dann zwingt das Unternehmer, auch andere Mitarbeiter besser zu bezahlen – was wiederum die Inflation ankurbelt, also die allgemeinen Preise verteuert. Keine Zauberei, nicht mal große Wissenschaft, sondern einfacher Menschenverstand.

Und doch haben CDU, CSU und vor allem die SPD Ursache und Wirkung ausgeblendet, als sie im vergangenen Jahr die zuständige Kommission unter Druck gesetzt haben, den Mindestlohn weit stärker als das restliche Lohnniveau anzuheben. 15 Euro hatte die SPD gefordert, 13,90 Euro sind es geworden. Im Wahlkampf von 2021 hatten sich die Sozialdemokraten die Kanzlerschaft von Olaf Scholz mit dem Versprechen gekauft, mit staatlichem Zwang in die Autonomie von Unternehmern und Gewerkschaftern einzugreifen, die zusammen die Kommission bilden. 2025 wollte die SPD das Schauspiel wiederholen.

Neue Milliarden-Steuern
Wie der Staat sich beim Mindestlohn selbst bereichert
Seit gerade mal drei Wochen gilt der neue Mindestlohn und schon wirkt er. Das hat eine Umfrage ergeben, die von der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) in Auftrag gegeben worden war. Demnach planen 40 Prozent der Betriebe, die Preise zu erhöhen, um die Kosten für den gestiegenen Mindestlohn wieder hereinzuholen. 13 Prozent plant, Personal abzubauen. In Handel und Gastronomie sind es sogar 20 Prozent – also jeder Fünfte.

Jedes zweite Unternehmen sei von der Erhöhung betroffen, teilt die Kammer mit. Wobei sich die Folgen nicht auf sie beschränken: „Eine Mindestlohnerhöhung verändert die gesamte Lohnstruktur, und zwar nicht nur in den unteren Lohngruppen“, erklärt DIHK-Präsident Peter Adrian. Etliche Arbeitgeber sähen sich veranlasst, auch Löhne, die über dem Mindestlohn liegen, anzupassen, um einen entsprechenden Abstand zum Mindestlohn beizubehalten. Über alle Branchen hinweg gäben 40 Prozent der Befragten an, auch die Löhne in höheren Lohngruppen anzuheben. In der Industrie sei es sogar fast jeder Zweite.

Die Kammer warnt vor den Wirkungen: „Aufgrund der schwachen Wirtschaftslage entstehen aktuell ohnehin kaum neue Arbeitsplätze“, sagt ihr Chef, Adrian. Zudem seien die Arbeitskosten schon heute im internationalen Vergleich viel zu hoch: „Die Mindestlohnerhöhung und steigende Sozialabgaben treiben die Arbeitskosten weiter in die Höhe. Das bremst Investitionen und Investoren aus – gerade im Mittelstand. Die Politik muss gegensteuern und die Sozialabgaben wirksam begrenzen: Zum Beispiel, indem sie Fehlanreize zur Frühverrentung abbaut und das Renteneintrittsalter an die Entwicklung der Lebenserwartung anpasst.“

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Kommentare ( 83 )

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83 Comments
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Jens Frisch
11 Stunden her

„Die Politik muss gegensteuern und die Sozialabgaben wirksam begrenzen: Zum Beispiel, indem sie Fehlanreize zur Frühverrentung abbaut und das Renteneintrittsalter an die Entwicklung der Lebenserwartung anpasst.“
Wie viele Millionen (!!!) Migranten bekommen Leistungen aus der Krankenkasse, obwohl sie noch nie einbezahlt haben? Allein das sind Einsparmöglichkeiten in zweistelliger Milliardenhöhe, aber der deutsche Arbeitnehmer soll das Maul halten, seine Minirente noch später antreten und am besten schuften, bis er tot umfällt.

Klaus D
9 Stunden her
Antworten an  Jens Frisch

Siehe auch umverteilungswahn der EU! Wir reden darüber das rentner arbeiten sollen bzw wir länger arbeiten sollen während nettoempfänger der EU dank „unseres“ geldes ihre rentner früh und gut in rente gehen lassen können.

zb. Rentner in Ungarn erhalten eine Rente, die oft niedriger ist als in Deutschland, aber durch die deutlich geringeren Lebenshaltungskosten (besonders Lebensmittel, Restaurants, Pflege) und staatliche Zulagen wie die 13. und geplante 14. Monatsrente aufgebessert wird, zusätzlich gibt es Gratis-Nahverkehr und Ermäßigungen für Sehenswürdigkeiten, wobei die Rentenhöhe stark von der individuellen Beitragsleistung abhängt (google KI)

humerd
12 Stunden her

ich glaube keine Branche in Deutschland versteht es besser zu jammern und zu klagen. Jetzt bekommen die Wirte wieder 12% MWSt geschenkt und es reicht ihnen immer noch nicht. Für Speisen brauchen sie nur 7% MWSt abführen, sie kassieren aber weiterhin 19%. Serviert wird Convenience Speisen aus dem Eimer, der Tiefkühltruhe, kurz aufgewärmt in der Microwelle.

verblichene Rose
12 Stunden her
Antworten an  humerd

Das ist, mit Verlaub, absoluter Blödsinn!
Oder glauben Sie etwa der Werbeaussage, daß Ihnen 19% Mehrwertsteuer „geschenkt“ werden?
Und bitte jetzt nicht mit den Mehrwertsteuersätzen durcheinander kommen, denn die MwSt. ist immer fällig! Ach ja, wissen Sie eigentlich, warum es Mehrwertsteuer und nicht Wegelagerei heisst?
Der Staat kassiert immer und nur Sie als Endverbraucher zahlen die kleine Differenz, die dem Staat noch fehlt, denn das Schnitzel wurde bereits vor dessen Verzehr etliche Male versteuert! Der Laden/das Restaurant dient dann nur nochmal als Durchlauferhitzer für das Finanzamt.

Will Hunting
10 Stunden her
Antworten an  humerd

Es wird doch niemand gezwungen in ein Restaurant zu gehen. Kochen zu Hause ist das normalste der Welt.
Einen Handwerker zu beauftragen der unaufschiebbare Aufgaben erledigen soll, die man selbst nicht schafft ist da eine ganz andere Nummer.
Dazu kommt noch der ganze Aufwand für ein Restaurantbesuch..
Körperpflege, Kleidungsaufwand, Parkplatzsuche, wer fährt, kommen wir abends oder später heil nach Hause, ist das Leistungsprin
zip erfüllt ect ect ?
Auch hier verweise ich auf die neu Zugereisten. Macht doch eure Umsätze mit denen.
Essen kann ich zuhause mit minimalem Aufwand.
Herrgott.

Sonny
13 Stunden her

Das wirkliche Problem sind weder die angehobenen Mindestlöhne noch die Arbeitgeber oder die Sozialkassen oder gar die Arbeitnehmer.
Das einzig echte, wirkliche Problem ist DIE DEUTSCHE POLITIK, die alles bis an die Schmerzgrenze besteuert und abschöpft, immer neue Steuern erfindet, sich und ihren Apparat immer weiter aufbläht und das gestohlene Geld in der Welt und an NGO´s zum Fenster rausschmeißt und allen anderen keine Luft zum Atmen mehr läßt.

Will Hunting
10 Stunden her
Antworten an  Sonny

Sie vergessen die Inanspruchnahme der Sozialkosten durch niemals Einzahlende.
Desweiteren die Verknappung von Angebot.
Alles führt zu Kostensteigerungen und Weitergabe an den Kunden.
Das führt zu Einsparungen am Luxus.
Da zählt die Gastronomie mit Sicherheit zu den BigFive.

Klaus D
9 Stunden her
Antworten an  Sonny

Wer jetzt noch nicht verstanden hat das wir eine riesen umverteilung nach oben hatten bzw immer noch haben dem ist auch nicht zu helfen.

Apfelmann
23 Stunden her

Die Wirte streichen Geld ein ohne Ende. Die Steuersenkung die alle Steuerzahler Schultern müssen hat -außer McDonalds- noch kein Restaurant das ich kenne weitergegeben. Ob Schnitzel oder Salat – alles noch genauso teuer. Nur die Steuerdifferenz in die eigene Tasche einstreichen. Das können diese Gauner. Ich habe übrigens die gegenteilige Erfahrung gemacht. Die Gastronomie findet einfach keine Mitarbeiter. An der Ostsee und Nordsee ganz schlimm. Keiner will das mehr machen. Nur noch Neudeutsche in der Bedienung.

verblichene Rose
12 Stunden her
Antworten an  Apfelmann

Sie müssen sich aber schon auch dafür entscheiden, wem Sie die „Gesamtschuld“ in die Schuhe schieben…

Alfonso
10 Stunden her
Antworten an  Apfelmann

Nur noch Neudeutsche in der Bedienung.“

So wie bei der Ärztebelegschaft in den Kliniken, insbesondere in der Provinz.

Helfen.heilen.80
23 Stunden her

Während die Kinder einer von Woodstock sozialisierten Generation sich in Deutschland ihre Träume erfüllen, ordnen die USA und China die Welt neu. Wow.
Wann schließen wir auf zu diesen Realitäten – auch wenn sie uns vielleicht nicht gefallen?

Klaus D
1 Tag her

Die Politik muss gegensteuern und die Sozialabgaben wirksam begrenzen…..genau! Als erstes die beiträge für die IHK´s abschaffen denn die belasten die unternehmen auch und das für nichts. Wir sehen ja hier das auch diese als lobbyisten total versagt haben. Und wenn man sieht was die führungsebenen der IHK´s verdienen frage ich mich ob diese hier überhauppt was kritisieren dürfen (sollten).

Wie hoch sind die Gehälter der IHK-Führungsebene?

https://www.ihk.de/die-ihk/ihk-transparent/zahlen-und-fakten/gehaelter-der-ihk-fuehrungsebene-5473892

Flavius Rex
1 Tag her

„… Frühverrentung abbaut und das Renteneintrittsalter an die Entwicklung der Lebenserwartung anpasst …“
Frauen in Deutschland haben eine ca. 5 Jahre längere Lebenserwartung als Männer. Wann wird deren Rente endlich entsprechend angepasst?
Aber auch egal. Wir wissen ALLE, dass die Sozialausgaben aufgrund der auch von Vertretern des DIHK bejubelten Grenzöffnung aus dem Ruder laufen. Es ist billig das deutsche Sklavenheer mehr und länger arbeiten lassen zu wollen statt sich der eigenen Verantwortung zu stellen.

humerd
12 Stunden her
Antworten an  Flavius Rex

die Lebenserwartung der Frauen passt sich immer mehr der Lebenserwartung der Männer an. „OECD-Zahlen für DeutschlandLebenserwartung erstmals unter EU-Durchschnitthttps://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/lebenserwartung-deutschland-106.html

Flavius Rex
11 Stunden her
Antworten an  humerd

Hier sind die Zahlen für das Jahr 2025: durchschnittliche Lebenserwartung Männer in D: 78,8 Jahre. Durchschnittliche Lebenserwartung Frauen in D: 83,4 Jahre.

Will Hunting
9 Stunden her
Antworten an  humerd

Und das glauben Sie?

Mausi
1 Tag her

Über die alternative Lösung (ja, es gibt eine Alternative!) zur Verbesserung der Situation der ArbN wird natürlich überhaupt nicht nachgedacht. Vermutlich steht diese Lösung Politikerhirnen noch nicht mal zur Verfügung.

Last edited 1 Tag her by Mausi
Johny
1 Tag her

Natürlich kann man für 13,90 arbeiten, wenn man seinen Wohnsitz nach Polen verlegt. Nur nicht mehr lange…

humerd
12 Stunden her
Antworten an  Johny

die polnischen Arbeiter in der Gastronomie, am Bau, als Erntehelfer können auch nur so billig sein, weil wir u,.a. Kindergeld bezahlen, auch für fiktive Kinder in Polen, dazu noch Aufstocken …..

Karl Renschu
10 Stunden her
Antworten an  Johny

Für 13,90 Euro die Stunde arbeitet man aber nicht Vollzeit sondern höchstens 30h die Woche. Geht sonst zu sehr auf Stütze bzw. Wohngeld. Willkommen in der Welt der Postindustriellen Niedriglöhner.

Bernd Bueter
1 Tag her

Lohnsteuer = weg
MWSt = weg
..Regierung weg..
…Altparteien weg…