Die britische Regierung verstärkt ihre militärische Unterstützung für die Ukraine mit einem ambitionierten Rüstungsprojekt – und Russlands Propagandaapparat antwortet darauf mit einer derben Verbalattacke.
picture alliance / empics | Stefan Rousseau
Im Zentrum des Schlagabtauschs steht der britische Verteidigungsminister John Healey, der bei seinem Besuch in Kiew klarstellte: Würde er die Chance bekommen, würde er Wladimir Putin festnehmen und wegen Kriegsverbrechen vor Gericht stellen.
Die Äußerung fiel am 9. Januar während eines Besuchs in der ukrainischen Hauptstadt – unmittelbar nach einem tödlichen russischen Drohnenangriff auf ein Hochhaus in Kiew. Mitten in den Trümmern, umgeben von Rettungskräften und dem Geruch von Rauch, antwortete Healey auf die hypothetische Frage, welchen Weltpolitiker er entführen würde: „Ich würde Putin in Gewahrsam nehmen und ihn für Kriegsverbrechen zur Rechenschaft ziehen.“
Er verwies explizit auf Gräueltaten wie das Massaker von Butscha, das er bei einem früheren Besuch selbst gesehen habe, sowie auf die Entführung ukrainischer Kinder – Schicksale, die er in Irpin persönlich miterlebt habe. Der Angriff in Kiew, bei dem mindestens vier Menschen starben und Dutzende verletzt wurden, unterstrich für ihn Putins Strategie, Zivilisten und Infrastruktur im Winter gezielt zu terrorisieren.
Moskau: „Feuchte Träume britischer Perverser“
Nur zwei Tage später schlug nun Russlands Außenamtssprecherin Maria Sacharowa zurück: In einem Interview mit dem staatlichen Sender TV Centre nannte sie Healeys Worte „die feuchten Träume britischer Perverser“ (im Original: „the wet dreams of British perverts“). Der Satz, der schnell viral ging, ist typisch für Sacharowas Stil: provokativ und darauf ausgelegt, westliche Politiker zu demütigen und die russische Öffentlichkeit zu mobilisieren. Die Sprecherin, die seit Jahren für ihre harte Rhetorik bekannt ist, nutzte die Gelegenheit, um Großbritannien als dekadenten Aggressor darzustellen.
Nur Stunden nach Healeys Besuch in Kiew präsentierte das Verteidigungsministerium in London das Projekt „Nightfall“: die Entwicklung einer neuen taktischen ballistischen Rakete speziell für die Ukraine. Die Waffe soll eine Reichweite von mehr als 500 Kilometern haben, einen 200 Kilogramm schweren konventionellen Sprengkopf tragen und präzise Schläge auf russische Kommandozentren, Logistikdepots oder Flugplätze ermöglichen – tief im russischen Hinterland.
Das britische MoD startete einen Wettbewerb für die rasche Entwicklung; erste Prototypen sollen innerhalb eines Jahres nach Vertragsvergabe geliefert werden. Das Produktionsziel: bis zu zehn Systeme pro Monat bei maximal 800.000 Pfund (700.000 Euro) pro Rakete.
Healey begründete die Initiative direkt mit dem russischen Einsatz der neuen ballistischen Mittelstreckenrakete Oreschnik gegen zivile Ziele in der Vorwoche. „Putin glaubt, er könne mit hochentwickelten Waffen ungestraft Zivilisten angreifen“, sagte er. „Das nehmen wir nicht hin. Deshalb geben wir den Ukrainern modernste Waffen, um sich zu verteidigen.“
Die Kombination aus Healeys Aussagen über Wladimir Putin und der Ankündigung einer Rakete, die theoretisch Moskau erreichen könnte, sorgt nun mit dem harten Konter von Sacharowa für eine Verschärfung der Spannungen zwischen London und Moskau.
Ob „Nightfall“ die russischen Militärs beunruhigen wird, lässt sich noich nicht sagen. Das ukrainische Marschflugkörper-Projekt „Flamingo“, das noch im August des Vorjahres als „Gamechanger“ präsentiert worden ist, konnte bishger auch nicht krieghsentscheidend wirken. „Flamingo“-Hersteller Fire Point produziert den Marschflugkörper in geheimen Fabriken (mindestens zwei, von denen einige russische Angriffe erlitten haben). Die Herstellungs-Rate liegt bei 1–2 Raketen pro Tag (30–60 pro Monat), mit Skalierungsplänen auf bis zu 7 pro Tag und Hunderten bis Tausenden pro Jahr.
Es gibt Kontroversen um Korruptionsvorwürfe und tatsächliche Kosten und die Genauigkeit, aber die Rakete gilt als operativ verwendbar und wird auch aktiv eingesetzt.

Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein
> Eskalation zwischen Moskau und London: Beschimpfung als „britische Perverse“ Was können die Briten entwickeln, was sie nicht schon längst entwickelt haben? Die Storm Shadow werden regelmäßig abgeschossen. Böses Medium meldete aber: „Merz und Starmer wollen NATO-Truppen nach Grönland schicken“. Für Langsamdenkende:innen gibt es noch: „Europa muss sich zwischen der Ukraine und Grönland entscheiden“ > „…Zwischen den USA und Europa verschärfen sich die Kontroversen um Grönland. Laut Presseberichten hat das Weiße Haus den Befehl erteilt, einen Plan zur Eroberung der Insel auszuarbeiten, während London, Paris und Berlin über eine Verstärkung ihrer militärischen Präsenz in der Arktis diskutieren. …. So räumt… Mehr
Sie könnten auch 007 schicken. Ob die britische Regierung gegenüber der bevostehenden Eröffnung einer Westfront (Grönland) auch so handeln würde?
Herrlich der Russe : ist er wieder exzellent informiert über die Vorlieben und bestimmten Praktiken bestimmten britischer Politiker, denen sie hoffentlich nur in ihrer Freizeit nachgehen ? Ich hab da so eine Vorahnung…
Tja, offenbar wollen sie es wirklich bis zum letzten Mann ausfechten. Schade.
Die „zivilen“ Ziele waren u.a. ein Flugzeuginstandsetzungswerk für F-16 und MiG-29 Kampfflugzeuge und eine Drohnenproduktionsstätte.
Mit dem wievielte Gamechanger hätten wir es mit „Nightfall“ zu tun?
HIMARS, Patriot, ATACMS, M1 Abrams, Storm-Shadow, F-16, Flamingo….
„Deshalb geben wir den Ukrainern modernste Waffen, um sich zu verteidigen.“
Na, denn man to! Das verlaengert das Sterben noch ein wenig, aber am Gesamtergebnis gibt es nichts mehr zu ruetteln: Selensky und seine Globulistenfreunde in London, Paris, Berlin und London haben das Spiel haushoch verloren.