Linksextremisten greifen Infrastruktur gezielt an

Sabotage an Strommasten – wie in Berlin – ist kein Einzelfall. In den letzten zwei Jahren kam es zu mindestens neun weiteren Anschlägen. Vor allem zwei Gruppen erhoffen sich so, auf ihre Ziele aufmerksam zu machen. Von Franka Haase

picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

Am 05. März 2024 sabotiert die „Vulkangruppe“ einen Stromhochmast nahe der Tesla-Fabrik in Grünheide bei Berlin. Die Fabrik kann mehrere Tage nicht produzieren und auch die Bewohner der angrenzenden Gemeinden sind von dem Stromausfall betroffen. Anschließend erscheint ein Schreiben einer Gruppierung, die sich „Vulkangruppe Tesla abschalten“ nennt und zu dem Anschlag bekennt. Ihr Ziel: den Kapitalisten das Handwerk legen – „Kollateralschäden“ an der Zivilbevölkerung nehmen sie in Kauf. Trotz des Bekennerschreibens gibt es bisher keine Tatverdächtigen, die Autoren bleiben anonym.

 

In 2024 kommt es zu weiteren Anschlägen: Am 29. Juli brennen Kabel entlang des Fernverkehrs bei Bremen. Der Zugverkehr wird für mehrere Stunden unterbrochen. Zu diesem Brandanschlag auf zwei Kabelkästen bekennt sich die linksextremistische Gruppe „Kommando Angry Birds“. Nur vier Tage später brennen die Kabel in einem Kabelschacht des Nah- und Fernverkehrs in Berlin. Dazu bekennt sich ebenfalls eine linksextremistische Gruppe auf der Plattform Indymedia: sie sehe die Deutsche Bahn als Teil der „NATO-Militärinfrastruktur“ und wolle so „Krieg und Kolonialismus sabotieren“. Durch die beiden Anschläge sind insgesamt 2.300 Zugverbindungen verspätet oder fallen aus.

2025 verdoppeln sich die Anschläge

Am 24. Januar 2025 kommt es zu einem Brandanschlag in Düsseldorf auf Stromkabel der Deutschen Bahn. Das „Kommando Angry Birds“ bekennt sich dazu, den Güterverkehr sabotiert zu haben. Im Februar folgen weitere Brandanschläge in Berlin: in Wuhlheide werden Feuer in den Kabelschächten von Funk- und Sendemasten gelegt. Zwei Wochen später brennen Signalkabel der Deutschen Bahn und Baukräne von Strabag in Marzahn. Es erscheint ein Bekennerschreiben auf Indymedia. Als Motiv wird die geplante Waldrodung für die Tesla-Erweiterung genannt. Die Deutsche Bahn als Logistikunternehmen und Strabag als Bauunternehmen werden dafür mitverantwortlich gemacht. Da sie beide am Ausbau beteiligt sind.

Am 29. April wird in Berlin-Dahlem ein Trafohäuschen und eine Funkmastanlage angezündet. Zu diesem Anschlag bekennt sich die „Vulkangruppe“ und veröffentlicht dies auf Indymedia. Ein Vierteljahr später verübt vermutlich das „Kommando Angry Birds“ am 31. Juli zwei Brandanschläge auf Kabel an der Bahnstrecke Düsseldorf-Duisburg. Damit ist die zentrale Nord-Süd-Verbindung der Deutschen Bahn beschädigt. Die Reparatur dauert einen ganzen Tag und die Züge können erst zwei Tage später wieder regulär fahren.

Am 09. September wird der Berliner Südosten durch einen Brandanschlag an zwei Strommasten vom Netz abgeschnitten. Anschließend taucht wieder ein Bekennerschreiben auf Indymedia auf: der Anschlag hätte dem Technologiepark Adlershof gegolten. Insgesamt betrifft der Stromausfall um die 44.000 Haushalte in Berlin und im angrenzenden Landkreis Dahme-Spreewald. Die Betroffenen haben teilweise erst nach zweieinhalb Tagen wieder Strom. Schulen werden geschlossen. Patienten aus Pflegeheimen, die beatmet werden, müssen in Krankenhäuser verlegt werden.

Keiner dieser Vorfälle ist bisher öffentlich aufgeklärt. Zu den Anschlägen existieren Bekennerschreiben, die von der Polizei als „vermutlich echt“ eingestuft sind. Die „Vulkangruppe“ scheint vor allem im Raum Berlin tätig zu sein, während das „Kommando Angry Birds“ im Raum NRW seine Anschläge verübt. Wer dahintersteckt, ist unklar, ebenso, wie die Täter finanziert werden. Die Plattform Indymedia, auf der die meisten Bekennerschreiben veröffentlicht wurden, hat ihre Server in den USA, TE berichtete. Als Motive werden der Kampf gegen Industrie, Kapitalismus und die Klimakrise genannt. Die Verfasser sind sich sicher: das kapitalistische System lasse sich nur gewaltsam bezwingen. Die Gefährdung ihrer Mitmenschen nehmen sie dafür billigend in Kauf.

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Kommentare ( 47 )

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RMPetersen
3 Stunden her

Wenn die Polizei keine Erfolge bei der Suche nach Tätern erzielt hat, sollte man es mal mit hohen Belohnungen versuchen.
Auch dort finden sich sicherlich Aussteiger.

Endlich Frei
43 Minuten her

Mein Vorschlag: Frühzeitig Knast und Schadensersatzforderungen, zur Not scharf schießen.
Und das möglchst schon, bevor die Terroristen voll ausgebildet sind. Viele fangen ihre Karriere als „Sprayer“ an. Es tut manchmal Not deutliche Zeichen zu setzen. Das wirkt und spart dem Steuerzahler viel Geld.

Last edited 40 Minuten her by Endlich Frei
Greif
47 Minuten her

Weder sind diese Fälle öffentlich aufgeklärt noch sind sie in Gänze den Bürgern überhaupt oder nur diffus berichtet worden; so erst neulich, als ein „Güterzug“ morgens die Oberleitung in der Nähe Dresdens „beschädigte“ – gegen Abend allerdings ein Personenzug mitverantwortlich genannt wurde, die zusammen an „herabhängende“ Teile der Oberleitung geraten waren. Verwunderlich ist in Bezug auf die fassungslos machende Erfolglosigkeit der Fahndung; wenn man bedenkt, dass zeitgemäßer Datentechnik nur eine binär digitale Technik zugrunde liegt, die unabdingbar zwischen Teilnehmern auf Adressen angewiesen ist; ein notorisches Unvermögen, dass die Auftritte auf dem schwarzen Brett der Indymedia oder deren Misthaufen, auf dem… Mehr

Britsch
55 Minuten her

Man Muß schon sagen daß Solche die so etwas machen, nicht nur Linksextrimeisten, sondern LinksTerroristen, Verbrecher sind

greenout
2 Stunden her

Statt der „Brandmauer“ wäre es jetzt besser eine „Schutzmauer“ für die Infrastruktur zu bauen

Budgie
2 Stunden her

Die Vulkangruppe ist Teil oder Auftragnehmer des deutschen Establishments einschließlich der Generalstaatsanwaltschaft. Seit 2011 nichts gewesen außen Spesen. Jetzt jedoch nur ein paar Tage journalistische Sorgfalt & Recherche (NIUS) und es wird der Höllenschlund regierungsamtlicher Förderung von Terror und Not bei Tageslicht sichtbar, egal ob es Weimer, Prien u.v.a.m. mehr sind die sich am Feuer des „Vulkan“ wärmen (🚨Exklusiv: Neue Details zu den linksextremistischen Anschlägen I NIUS Live am 12. Januar 2026 | NIUS.de) ab 2:04:01.

andreas
2 Stunden her

Wie wollen Bundestagsabgeordnete der Union, wie will Kanzler Merz es rechtfertigen, weiter mit der SPD eine Regierung zu bilden, deren Spitzenpersonal sich aktiv zur Antifa bekennt. Eine Regierung, deren eine Hälfte die Verbrecher ideell und wohl auch finanziell unterstützt, die unser Land zerstören will.
Der Zustand ist komplett unhaltbar, die Union macht sich unwählbar.

Michael W.
3 Stunden her

Weiter so. Noch mehr, noch schneller.
Es passiert einfach noch nicht genug, um die ganzen Tiefschläfer aufzuwecken.

Retlapsneklow
3 Stunden her

« Krieg und Kolonialismus sabotieren » Halte ich für eine vorgeschobene Begründung von gefrusteten Leuten ohne konstruktive Lebensideen für sich selbst aber mit einer Menge aggressiver Energie, die links um Applaus heischen. Glauben die Saboteure im Ernst, dass Politik und Bevölkerung sich ergeben, nach ihrer Pfeife tanzen oder sie sogar an die Regierung bitten? Nein, so bekloppt können sie gar nicht sein. Die Aggression ist lebensfeindlicher, Menschen quälen wollender Selbstzweck, die ihr Ventil sucht, wo mehr terrorisierender „Kollateralschaden“ (sic!) als der angeblichen Sache dienender, zudem reparabler Schaden entsteht. Im Übigen haben wir es mit einem Versagen der Geheimdienste und damit… Mehr

Jan
3 Stunden her

Gab es schon Hausdurchsuchungen und Festnahmen? Wer betreibt Indymedia und lädt dort Content hoch? Das wird sich doch feststellen lassen. Geht bei Internet-Beleidigungen von Politikern ganz schnell.

CasusKnaxus
3 Stunden her
Antworten an  Jan

Links ist seit Jahren keine Priorität mehr bei den „Sicherheits“behörden. Schon gar nicht in Berlin.

Marcel Seiler
4 Stunden her

Möglicherweise ist die Infrastruktur unserer Gesellschaft so verwundbar durch Sabotage geworden, dass nur ein Polizeistaat kombiniert mit einer Gesinnungsdiktatur uns schützen kann. Das jedenfalls in einer Welt, in der alle möglichen „Idealisten“ (auch religiöse) in ihrem Welterlösungs-Fanatismus den Terror durch Sabotage als gebotene Mittel ansehen.

CasusKnaxus
3 Stunden her
Antworten an  Marcel Seiler

Die Stelle, auf die der jüngste Anschlag der Idioten in Berlin erfolgte, ist im Internet einsehbar. Wie dumm muß man eigentlich sein, alles offenzulegen?

Retlapsneklow
2 Stunden her
Antworten an  Marcel Seiler

Wenn Sie es schon ansprechen: Was könnte uns tatsächlich noch helfen außer Idealisten oder ein Erlöser? Natürlich gibt es richtige und falsche. Manche erwarten es offensichtlich von Trump – obwohl für ihn America first gilt, und wir dem dienen, d.h. vor allem zahlen sollen. Sind „wir“ eigentlich taub? Haben „wir“ ein Talent, nach dem Falschen zu greifen? In der Bilanz sehen wird jedenfalls immer öfter und mehr, dass es auf die bisherige Weise nicht nur nicht klappt sondern immer schlimmer wird. Wohin haben die ganze Publikationen und Diskussionen geführt? Zu dem, was heute ist. Und jetzt? Weiter so? Kein Ruck,… Mehr

Last edited 2 Stunden her by Retlapsneklow
Marcel Seiler
59 Minuten her
Antworten an  Retlapsneklow

Zum Thema Erlöser: In der Weltwirtschaftskrise haben die Amerikaner einen F.D. Roosevelt gewählt, der einigermaßen autokratisch und in vier(!) Amtszeiten (bis er sein Amt im Sarg verließ) die USA einigermaßen erfolgreich durch die Krise geführt hat. Die Italiener haben Mussulini, die Deutschen Hitler gewählt. Ja, Krisenzeiten suchen sich ihre Erlöser. Von denen sind einige keine.

Last edited 49 Minuten her by Marcel Seiler