Nimmt das Verfahren gegen Axel Fischer jetzt erst Fahrt auf?

Indizien und Haft statt Beweise und Aufklärung. Im Prozess gegen den Ex-CDU-Abgeordneten Axel Fischer greift die Justiz zur Notbremse gegen die Verjährung. Mit Sitzungshaft, fragwürdigen Gutachten und offenen Ermittlungsfragen. Von Claudia Jaworski

copyright/ Claudia Jaworski

Während es für die Generalstaatsanwaltschaft München (GenStA) keinen Anlass gibt, das Bestechungsverfahren gegen den ehemaligen Karlsruher CDU-Bundestagsabgeordneten Axel Fischer fortzusetzen, weil neue Informationen nicht vorlägen, gewann man am 9. Januar 2026 den Eindruck, dass das Verfahren jetzt erst richtig Fahrt aufnimmt. Um sein Erscheinen vor Gericht und damit das mögliche Ende der Verhandlung sicherzustellen, wurde Axel Fischer noch kurz vor Weihnachten in Sitzungshaft genommen, nachdem erst das vierte Gutachten, welches der Senat des Oberlandesgerichts (OLG) München anordnete, die Verhandlungsfähigkeit lediglich auf der Angabe eines alten Medikationsplans bescheinigte. Das bezeichnete „Transparancy International“ als „endgültige Notbremse“ zur Verhinderung der Verjährung eines wichtigen Anklagepunkts noch im Januar 2026.

Seit einem Jahr zieht sich das Verfahren gegen Axel Fischer, dem laut Anklageschrift vorgeworfen wird, aufgrund einer mutmaßlichen Unrechtsvereinbarung aus dem Jahre 2011 zwischen April 2015 und November 2016 als Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europäischen Rates (PACE) Gelder in Höhe von 26.300 Euro von Ascherbaidschan erhalten zu haben, um die fragwürdige politische Lage in Ascherbaidschan ins positive Licht zu rücken, Berichte schon im Entwurfsstadium an Dritte weitergeleitet und die bereits verstorbene Ex-CDU-MdB Karin Strenz, die von Aserbaidschan als „friend“ bezeichnet wurde, als Mitglied des Monitoring-Ausschusses der PACE nominiert zu haben.

Da bisher allerdings weder Geldüberweisungen oder Geldzahlungen nachzuweisen sind, noch unterzeichnete Vereinbarungen vorliegen, sondern lediglich Kommunikation über den Angeklagten, präsentiert sich das Verfahren von Beginn an als Indizienprozess. Diese Art von Verfahren stellt grundsätzlich eine Herausforderung für die Justiz dar, da es gilt, eine Schuld anhand der Gesamtwürdigung indirekter Beweise zu finden, ohne zugleich die Unschuldsvermutung voreilig zu riskieren.

Doch „gerade eine Indizienlage von Vorgängen, die mehr als 10 Jahre zurückliegen, erfordert eine umfassende und gründliche Sichtung der Beweismittel“, so der am 9. Januar 2026 pünktlich zum Jahresbeginn dazugestoßene Verteidiger aus der auf Wirtschaftsrecht spezialisierten Kanzlei Leitner-Partner, Dr. Martin Würfel. So wurden kurz vor Verfahrensende Beweisanträge gestellt, die selbstverständlichste Fragen behandelten. Das lässt zumindest Zweifel an der Ermittlungsarbeit der GenStA zu.

Warum befragte die GenStA nicht die maßgeblichen Belastungszeugen Elkhan Suleymanov und Muslum Mammadov, die mutmaßlichen Bestecher? Warum zieht die GenStA nicht zentrale Ermittlungsdokumente heran, wie beispielsweise die Aufzeichnungen der Zeugenvernehmungen und stellte ihre Bemühungen um diese Information schon im Oktober 2020 ein? Sie bedient sich lediglich des 2018 veröffentlichten Untersuchungsberichts der IBAC, aus dem nur hervorgeht, dass die bereits verstorbene Karin Strenz (CDU) und der am 30. Juli 2025 vom gleichnamigen Gericht verurteilte ehem. CSU-Politiker Eduard Lintner der Annahme von Schmiergeldern in Millionen-Höhe für pro-aserbaidschanische Abstimmungen bezichtigt wurden.

So forderte die dreiköpfige Verteidigung auf Basis der Europäischen Ermittlungsanordnung die Durchsuchung der Kanzlei des EGMR, um die Namen von Zeugen und deren Aussagen über ein mutmaßliches System der Geldverteilung von Ascherbaidschan in der PACE sicherzustellen und die entsprechenden Dokumente und Videoaufzeichnungen der Vernehmungen zu beschlagnahmen. Diese Unterlagen werden nach einer Vereinbarung zwischen der Kanzlei des EGMR und der PACE als vertraulich eingestuft und sollen für 30 Jahre versiegelt bei der Kanzlei des EGMR aufbewahrt werden. Die offizielle Satzung der PACE sieht allerdings vor, dass die Herausgabe an nationale Justizbehörden bei Strafverfahren möglich sein kann, was Folge des Versprechens auf Transparenz der PACE ist.

Wie schwierig sich Indizienprozesse gestalten, zeigte an diesem Tag die intensive Einvernahme des CDU-Mitglieds und Verbandsvertreters, Wolfram Axthelm. Grund dafür war eine E-Mail, in der der Name „Alex“ im Zusammenhang mit der Gewährung von Vorteilen erwähnt wurde. Daraus leitet die GenStA ab, dass es sich bei diesem Namen um einen Buchstabendreher handelt und daher Axel Fischer gemeint sei.

Die Anregung der Verteidigung, die derzeit bestehende Haftanordnung außer Kraft zu setzen, um 500 GB an Asservaten gemeinsam mit ihrem Mandanten prüfen zu können, wurde mit der Begründung abgelehnt, dass derzeit ein Haftbeschwerdeantrag beim Bundesgerichtshof zur Entscheidung anstehe.

Dieser Prozess ist insofern von großer Bedeutung, als es sich hier um die ersten Verfahren in der Bundesjustizgeschichte handelt, die wegen Bestechlichkeit von Bundestagsabgeordneten im europäischen Kontext geführt werden. Verwunderlich ist jedoch, dass die erhebliche Aufmerksamkeit der Medien hier auf einem Fall ruht, bei dem es um eine vergleichsweise sehr geringe Summe geht, wenn man andere Verfahren gegen Politiker in Betracht zieht.

Die nächsten Prozesstage sind Montag, der 12.01.2026, 13:00 Uhr, Mittwoch, 14.01.2026, 09:15 Uhr und Donnerstag, 15.01.2026, 09:00 Uhr.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 4 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

4 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Joachim
7 Stunden her

Hier fehlt noch die m.E. nicht ganz unwichtige Info, daß Herr Fischer bei Coronas nicht ganz auf Linie war:

„CDU-Fraktionsvorstand Axel E. Fischer kündigt Widerstand im Bundestag gegen Lockdown an.“ (Augsburger Allgemeine, 4. März 2021)

Und dann, zack, war er weggeräumt mit diesen Vorwürfen.

Klaus D
7 Stunden her

Verwunderlich….nein! Hier nimmt man sich wen kleines aus den eigenen reihen um „uns“ zu zeigen – da seht her wir tun doch was. Ich meine das unsere politik noch nie so bestechlich war wie heute und es hat mit schwarzen koffern und einem ehrenwort angefangen. Und mit ist egal ob es um 20.000 euro oder millionen geht denn für mich ist der verrat das widerlicheste an der sache. Man verrät seine mitmenschen (den bürger) und oft genug auch das land.

Klaus Uhltzscht
7 Stunden her

In den Zeitraum der wundersamen Zahlungen fällt auch der Eurovision Song Contest 2012 in der Hauptstadt Baku.
Obwohl das Land größtenteils auf dem asiatischen Kontinent liegt, unterhält die EU-Führung intensive Kontakte.
Grund:
– ähnliche Korruption
– das Land ist muslimisch
– die Führung ist gegen Putin.
Aus der BRD fließt übrigens Entwicklungshilfe in dieses reiche Öl-Land.
Und der aserbaidshanische Staatsfonds besitzt das Gebäude des Finanzamtes von Frankfurt/M und vermietet es ans Finanzamt.
Auch die Formel-1, das Treffen der reichen und schönen Politiker ist in Baku etabliert.
Das Gericht soll vorsichtig sein. Der kleine Axel ist nur Bauernopfer.

Last edited 7 Stunden her by Klaus Uhltzscht
PaulKehl
8 Stunden her

Sehr lapidar nennt der Artikel die MdB Strenz als „verstorben“. Tatsächlich erlitt sie im März 2021 auf einem Rückflug von Kuba eine tödliche Herzattacke. Angeblich hatte sie in Kuba Urlaub gemacht. Dies zu Zeiten des hysterischen Corona-Terrors, als man nicht einmal im Park spazieren gehen durfte. Gemäß den Gugel-Fotos war sie eine lebensfrohe, keineswegs hinfällige Frau. Im März 2021 nahm auch die Aseri-Affäre richtig Fahrt auf.