Anne Will: Ich bin genauso das Volk!

Begegnung der Dritten Art! Merkel, Wowi und ein Psychiater in einer Talkshow! Das macht uns weltweit keiner nach! Von wegen Krise der Unterhaltungsindustrie. Solch einen Komödianten-Stadl kriegt nicht mal Donald hin.

Screenshot: ARD/Anne Will

 Ach, wenn es den Staatsrundfunk nicht gäbe! Immer wieder nutzten die Staatsführer die Gelegenheit, in schweren Zeiten und Krisen quasi zu jedem Einzelnen ihrer Untertanen im heimischen Wohnzimmer zu sprechen. Mal ein schneidiges „Wir schaffen das“, mal ein schmeichelndes „Wir haben doch schon so viel zusammen erreicht“. Das Überraschende: Die Nummer funktionierte in Bombenhagel wie Staatskrise.

Die verliehene Ehre der Anne Will

Gestern wurde Anne Will wieder einmal die Ehre zuteil, die Bekanntmachung unserer Staats-Merkel durch sorgsam abgestimmte Fragen zu orchestrieren. Ein anwesender Psychiater hatte sich vor der Sendung vom ordnungsgemäßen geistigen Zustand der auftretenden Personen überzeugt.

Wie zwei Freundinnen beim ernsten Gespräch über untreue Lebenspartner saßen Will und Merkel beieinander, nach dem Motto: Hast du denn gar nichts falsch gemacht? Und wie bei so einem – meist zu späten – Problemtratsch ging es auch bei unseren zwei Damen hauptsächlich am Problem vorbei.

Sie will also bleiben. Parteiführerin und Kanzlerin. Nix Bananenplantage in Südamerika. Sie hat das jetzt seit Monaten jeden Tag überlegt. Was kann ich dem Land geben? Was kann ich der CDU geben? Was sie geben kann, sagte sie zwar nicht, aber dass es sehr rührend gewesen sei, „wie viele mich gebeten haben“. Und dass sie sich nicht auf den Meriten ausruhen wolle.

Dann servierte die Stichwortgeberin mit ernstem Gesichtsausdruck, dass manche in ihr „einen Teil des Problems und keinen Teil der Lösung sehen“ würden, und dafür gerne den Slogan „Merkel muss weg!“ skandierten. Den scharfen Wind, der ihr auf den Marktplätzen entgegenschlug, interpretiert die Kanzlerin als „dass man mich als jemand nimmt, mit dem man sich auseinandersetzt“. Also eigentlich positiv?

Die wehtemperierte Diskussion

„Wir wollen nicht hassen, sondern diskutieren“, entgegnete sie der demokratisch fragwürdigen Einlassung von Sprecherin Will, Merkel habe die AfD nicht verhindert. Und sie bestätigte, dass das Bauernfänger-Papier, das seit ein paar Tagen in den Medien kursiert, tatsächlich ein CDU-Leitantragsentwurf ist. Allerdings seien die „Modernisierungsverlierer“ als Adressaten gestrichen. Also der Begriff. Aldi nennt seine Kunden ja auch nicht Loser – wird wohl die neue Wahl-Werbeagentur bemängelt haben.

Nein, nein, in diesen schweren Zeiten will La Capitöse weiter Kurs halten! Was soll denn sonst aus den Leuten werden, die „nicht mal einen Breitband-Anschluss haben“? Oder deren „Kinder aus dem Haus sind, vielleicht in München arbeiten“? „Um die kümmern wir uns auch!“

Und auch um die, die sich fragen „Wie kann ich Wohneigentum erwerben?“ Und um die „Verbesserung in der Rente“ für die, die erwerbsunfähig wurden. Und darum, „das, was wir Zusammenhalt nennen, hinzubekommen, auch mit denen, die schon länger hier leben“.

Während wir noch dachten, wovon spricht sie? Ist sie jetzt endgültig in Lummerland?, erklärte sie, wie sie das alles wuppen will, das mit dem Breitband und den Kindern in München. „Ich habe da keine Maßstäbe.“ Zweimal sagte sie wie auswendig gelernt „Soziale Marktwirtschaft und freiheitlich-demokratische Grundordnung“, aber da sie keine Maßstäbe hat, sondern nur Maas-Stäbe, erschloss sich nicht, warum. Nein, ihr Trick geht so: „Ich passe meine Politik der Wirklichkeit an.“

Was offensichtlich noch nicht in ihrer oder Anne Wills Wirklichkeit angekommen ist, hat Merkels Parteifreund Klaus Peter Willsch nachgerechnet und hier bei Tichys Einblick veröffentlicht:

50.000.000.000 Euro. Das ist das Preisschild der Migrationskrise allein für das laufende und kommende Jahr. … Genug Geld, um jedem der 870.000 Bafög-Empfänger 57.000 Euro in die Hand zu drücken, jedem der rund 500.000 Rentner mit Grundsicherung 100.000 Euro zu überweisen, jeder der 107 deutschen Universitäten das Budget um eine knappe halbe Milliarde zu erhöhen oder schlicht jedem der rund 43 Millionen Erwerbstätigen geleistete Steuern in Höhe von 1.162,79 Euro zurückzuzahlen.

Wahrscheinlich wäre sogar Breitband für alle drin. Das Publikum war während des Monologs mit Tele-Prompta Will totenstill und spendete erst am Ende höflich Applaus. Waren die Leute entgeistert? Oder stumm vor Begeisterung? Wir wissen es nicht.

Nach Quotenbringer Merkel ging es in die Talkrunde. Wiederauferstanden aus selbstgeschaffenen Polit-Ruinen saß tatsächlich Klaus Wowereit da, Berlins rosaroter Panther, der Flughafen-Versemmler und Erfinder von „Berlin ist nicht schön, aber bunt“.

Dann Giovanni di Lorenzo, längst vorherrschender Posterboy für Linksspießer, Hamburger Herzbube als Chef der Zeit mit Kritik im System Merkel daheim.

Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), die einst Heiko im Saarland geschlagen hat, was wir ihr inzwischen allerdings zur Sünde anrechnen. Was wäre uns erspart geblieben!? Und dann der schon eingangs erwähnte Psychiater, Hans-Joachim Maaz.

Die Rolle wählt man nicht, man hat sie

Giovanni sagte zwar, er sei nicht Merkels Pressesprecher, er war es aber doch, vermutlich weil sich die Rolle der Kanzlerin und das Gerade-Noch-Denkbare so überlagern: Am Denkmal kratzen keine hintergründigen Sätze mit eingebauter Kritik, sondern wirken nur noch als Bestätigung. Von Frau KK erfuhren wir, dass die Begeisterung im CDU-Vorstand über Merkels Kandidatur „einstimmig“ war. Und Wowi kann, wenn er erst mal gemerkt hat, worum es geht, überall mitreden.

Zu Beginn der Runde dachten wir noch, das könne interessant werden, weil Psycho-Maaz vom Leder zog: Merkels Gerede sei „purer Populismus, Phrasen ohne Inhalte“. Wenn sie sage „Ich will was geben! – Ja, was?“ Der Fachmann erkannte „narzisstische Formulierungen“. Er hätte es ihr gewünscht, dass sie einen guten Abgang hinkriege. Stattdessen versuche sie sich durchzumoglen.

Das klang wie früher in der Harald-Schmidt-Show: „Sach, datte krank bis‘, dann verzeih‘ isch dir.“ Aber als die versammelte Merkel-Mannschaft sofort über den harmoniebedürftigen Maaz herfiel, erklärte dieser am Ende das ganze System für krank. Also alles, den Kapitalismus und so. Da fiel uns wieder ein, was Kanzlerin Merkel ihren ehemaligen DDR-Mitgenossen und „Wir sind das Volk“-Rufern entgegenhielt: „Ich bin genauso das Volk, ich habe auch nur eine Stimme!“

Wie in „Einer flog übers Kuckucksnest“ war am Ende mal wieder nicht klar, wer hier verrückt, und wer der Arzt war.

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