Es ist eine wachsende Liste von Industrieunternehmen, die die Akademie Bergstraße unter dem Stichwort Deindustrialisierung zusammengestellt hat. Es stellt sich die Frage, ob sich Europa aufgrund der explodierenden Gas- und Strompreise „auf dem Weg zum deindustrialisierten Kontinent“ befindet.
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In der Dokumentation Ende August 2022 in Zusammenarbeit mit der Akademie Bergstraße berichteten wir über Produktionseinschränkungen, Standort-Verlagerungen und Unternehmensaufgaben in Deutschland und Europa wegen Energiemangels, stark steigender Energiepreise sowie CO2-Bepreisung und einer erdrückenden EU-Regulierung und ausufernder nationaler Bürokratie.
Inzwischen hat die Akademie Bergstraße ihre Dokumentation erweitert. Die folgende, zwangsläufig lückenhafte Zusammenstellung zeigt exemplarisch das Ausmaß der beginnenden Deindustrialisierung. Und das jüngste Beispiel, die Produktionsdrosselungen wie die des Chemie-Parks Leuna, ist noch gar nicht dabei.
Der Chemie-Park Leuna
Angesichts der Probleme in Leuna fordert die IHK Halle-Dessau, schnell für ausreichend Energie im Markt zu sorgen. Auch über Fracking müsse man sprechen, berichtet der MDR Sachsen-Anhalt. Sollte keine Besserung in Aussicht stehen, könnte es dazu führen, „dass andere Anlagen, die aktuell noch wirtschaftlich betrieben werden können, auch außer Betrieb gehen müssen.“ Am Industriestandort Leuna arbeiten für rund 100 Firmen etwa 12.000 Menschen, darunter 600 in der Erdöl-Raffinerie.
Die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland
Die Pfälzer Gießerei Heger ist insolvent
Französischer Glaswarenhersteller Duralex geht in „Energie-Lockdown“
Das Handelsblatt wirft die Frage auf, ob sich Europa aufgrund der explodierenden Gaspreise und Strompreise „auf dem Weg zum deindustrialisierten Kontinent“ befände. „Glashersteller in Frankreich, Stahlwerke in Spanien, Düngemittelfabriken in Polen: Überall in der EU wird die Produktion gedrosselt oder eingestellt.“
Automobilindustrie warnt wegen Energiekosten vor Deindustrialisierung
Wegen hoher Energiekosten befürchtet der Verband der Automobilindustrie (VDA) die Abwanderung zahlreicher Unternehmen. Der Grund: Unternehmen erhalten keine neuen Strom- und Gasverträge und wenn, dann zu horrenden Preisen. Insbesondere der massiv gestiegene Strompreis setze den Unternehmen der Automobilindustrie erheblich zu. Der Gaspreis stelle die zweitgrößte Herausforderung dar. „Für mehr als die Hälfte der Unternehmen sind die Energiekosten in diesem Jahr um mindestens 50 Prozent gestiegen, für 41 Prozent der Unternehmen haben sich die Energiekosten sogar mindestens verdoppelt“, schreibt der Branchenverband VDA in einer Pressemitteilung. Ein Drittel der Unternehmen bereitet sich auf mögliche Produktionseinschränkungen vor.
Über die europäische Industrie zieht ein „perfekter Sturm“
Der Verband der europäischen Metallindustrie (Eurometaux) erklärte laut Handelsblatt vom 22. September 2022, dass bereits die Hälfte der Zink- und Aluminiumproduktion in Europa stillstehe. Der Eurometaux spricht von einem „perfekten Sturm“ aus explodierenden Energiepreisen und unzureichenden Energieressourcen, der über die europäische Industrie hinwegzieht.
In Hannover Strom und Gas nur noch gegen 50 Prozent Vorkasse
Bei Handwerksbetrieben, die nur über wenig oder gar keine Rücklagen verfügen, könnte in Hannover bald das Licht ausgehen – bei einigen sogar für immer. Der kommunale Energieversorger „Enercity AG” verlangt von Handwerksbetrieben in Vorkasse zu gehen – die Unternehmen müssen bis zu 50 Prozent des Jahresverbrauchs vorstrecken, die Anzahlung ist sofort fällig. Für viele Unternehmen geht es um Beträge von weit über 100.000 Euro. Summen, die ihren finanziellen Ruin bedeuten könnten.
Windkraftanlagen-Bauer streicht 2900 Arbeitsplätze
Ausgerechnet ein Windkraftanlagen-Bauer: Die Siemens-Tochter Gamesa will 2900 Stellen bis 2025 streichen, 300 davon in Deutschland. Das kündigte das Unternehmen am 29.09.2022 an. Der Grund: explodierende Kosten bei der sehr energieintensiven Herstellung der Komponenten der Windkraftanlagen sowie Materialengpässe. Die fehlenden Fachkräfte zur Fertigung der Windräder wie überall bei den Windkraftbauern vor Ort dürften noch hinzukommen. Der Windkraftbauer Siemens Gamesa steckt tief in den roten Zahlen.





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