Aus China ordentliche Konjunkturindikatoren, Europa schrammt an Rezession vorbei

Die Gewinne am Donnerstag könnten vor allem "technischer" Art gewesen sein, sagten Händler. Mittags liefen an der Termin- und Optionsbörse Eurex Wetten auf den Dax und den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 aus.

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Die Signale sind erfreulich für Aktienanleger. Was die Präsidenten der Federal Reserve Banks von Chicago und Boston durchsickern ließen, verleiht der Wall Street weiteren Auftrieb. Auch wenn die Inflation in den USA über das Fed-Ziel von zwei Prozent klettern würde, müsse man nicht gleich mit Zinserhöhungen antworten, ließen sich die Äußerungen der Notenbanker deuten. Das ließ die Kurse von Anleihen sinken. Überhaupt steigt der Risikoappetit der Anleger gerade wieder an, denn aus China kommen ordentliche Konjunkturindikatoren, und Europa könnte nach jüngsten Daten an einer Rezession vorbeischrammen. Das beflügelt die Kurse, auch im DAX. Der Index hat während der Woche die 12.000er-Marke hinter sich gelassen und notiert rund vier Prozent über seiner 200-Tage-Linie. Vor dem langen Osterwochenende haben die Optimisten am deutschen Aktienmarkt erneut die Oberhand gehabt. Der Dax stieg am Donnerstag um 0,6 Prozent auf 12.222 Punkte. Seit sieben Börsentagen kennt der Leitindex nur eine Richtung: aufwärts. „Die Risikobereitschaft der Anleger steigt“, sagte Chris-Oliver Schickentanz, Chefstratege der Commerzbank. Auf Wochensicht summiert sich der Dax-Gewinn auf knapp zwei Prozent und im April bislang auf sechs Prozent.

Allerdings könnten die Gewinne am Donnerstag vor allem „technischer“ Art gewesen sein, sagten Händler. Denn am Mittag liefen an der Termin- und Optionsbörse Eurex Wetten auf den Dax und den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 aus. Zu diesem Zeitpunkt stieg der Dax auf das Tageshoch und konnte die Aufschläge anschließend halten. Der MDAX der mittelgroßen Börsentitel legte um 0,2 Prozent auf 25.856 Zähler zu.

Gute Nachrichten gab es erneut von der Konjunktur: In den USA überboten die für die dortige Wirtschaft wichtigen Einzelhandelsumsätze im März die Erwartungen. Dazu passte ein starker Arbeitsmarkt: Die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fiel überraschend auf einen neuen Tiefstand seit fast 50 Jahren.

Zudem befeuerten gute Unternehmensnachrichten den Dow Jones Industrial am Donnerstag vor Ostern. Der US-Leitindex legte moderat zu und bewegt sich damit wieder auf dem Niveau von Oktober letzten Jahres. Die wichtigsten Indizes der Technologiewerte hingegen schnauften nach ihrer jüngsten Rally durch und schlossen wenig verändert. Der Dow stieg um 0,4 Prozent auf 26.560 Punkte. Im Laufe der verkürzten Karwoche sammelte er damit ein Plus von 0,6 Prozent an. Für den breit gefassten S&P 500 ging es am Gründonnerstag um 0,2 Prozent auf 2.905 Punkte nach oben. Der NASDAQ 100 legte um 0,1 Prozent auf 7.690 Zähler zu. Er war zur Wochenmitte noch auf ein Rekordhoch gestiegen.

Eine positive Überraschung kam aus Peking — die Wirtschaftsleistung ist in China zum Jahresauftakt stärker gewachsen als von Analysten erwartet. Offiziellen Zahlen zufolge stieg das Bruttoinlands­produkt (BIP) im ersten Quartal 2019 um 6,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Regierung strebt fürs Gesamtjahr 2019 ein Wirtschaftswachstum von sechs bis 6,5 Prozent an. Im ersten Quartal hatten Experten vor allem wegen der negativen Folgen des Handelskonflikts mit den USA ein geringeres Wachstum erwartet. Ein großes Plus in der Industrieproduktion im März deutet nun aber darauf hin, dass die von der Regierung angestoßenen Konjunkturmaßnahmen Wirkung zeigen. Die Einzelhandelsumsätze stiegen im März ebenfalls kräftig, angetrieben durch eine Umsatzsteuersenkung. „Noch ist es zu früh, bereits die Kehrtwende für Chinas Konjunktur auszurufen“, meint Monika Boven, Analystin bei der DZ Bank. In den nächsten Monaten müsse sich zeigen, wie nachhaltig die Maßnahmen der Regierung seien. Nicht ausgeschlossen sei, dass dem Wachstumsschub im weiteren Jahresverlauf die Puste ausgehe. Zudem dürfte der Export erst mal schwach bleiben, da die Strafzölle auch bei ­einer Einigung zwischen China und den USA nicht so schnell gestrichen werden dürften. „Ein klarer Hoffnungswert für das stockende globale Wachstum sind die neuen Zahlen aus China aber allemal“, stellt Boven fest.

8.918 Tonnen Gold besitzen Privatleute in Deutschland, davon 4.925 Tonnen als Barren und Münzen sowie knapp 4.000 Tonnen in Form von Schmuck. Das ist mehr als 2,5 Mal so viel, wie die Bundesbank hat, die 3.370 Tonnen Gold besitzt. Und es ist auch mehr, als die US-Notenbank ­hortet, die vor allem in Fort Knox circa 8.130 Tonnen Gold lagert. Im Vergleich zur vorherigen repräsentativen Befragung der Steinbeis-Hochschule im Auftrag der Reisebank aus dem Jahr 2016 ist der Goldvorrat der deutschen Privathaushalte um 246 Tonnen gewachsen. Zählt man die Bestände von Bundesbürgern und Bundesbank zusammen, sind 6,5 Prozent der weltweiten Goldvorräte in deutschem Besitz. Einen der Gründe dafür, dass knapp drei Viertel der Bundesbürger Gold halten, nennt Studien­autor Jens Kleine: „Im Bereich der Geldanlage ist Gold eines der wenigen Produkte, die dem Kunden ein haptisches Erlebnis vermitteln.“

Italiens Notenbank warnt vor einem ausufernden Haushaltsdefizit, wenn es zu keiner Mehrwertsteuererhöhung oder anderen fiskalischen Maßnahmen kommt. Für diesen Fall erwartet die Banca d’Italia 2020 einen Anstieg des Defizits auf 3,4 Prozent des BIP. Die Regierung in Rom rechnete zuletzt fürs kommende Jahr mit einem Defizit in Höhe von 2,1 Prozent. Die vom parteilosen Finanzminister Giovanni Tria erwogene Mehrwertsteuererhöhung trifft in der Regierung aus rechter Lega und populistischer Fünf-Sterne-Bewegung auf Widerstand. Diese erhöhte vor Kurzem auch das Defizitziel für 2019 auf 2,4 Prozent. Erst im Dezember hatte sich Rom mit der EU-Kommission auf 2,04 Prozent geeinigt, nachdem Brüssel ein Defizit von 2,4 Prozent als zu hoch abgelehnt hatte.


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Kommentare ( 4 )

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„Dazu passte ein starker Arbeitsmarkt: Die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fiel überraschend auf einen neuen Tiefstand seit fast 50 Jahren.“
Wirklich schlimm, wie Trump sein Land zu Grunde richtet. Zum Glück haben wir die SPD, die solche Zustände zu verhindern weiß.

hui,seit Wochen ist in der mainstreampresse zu lesen, dass China schwächselt und die USA auch. Jetzt schwächelt aber Deutschland und die EU.

Als Anleger gebe ich seit längerer Zeit nichts mehr auf Analysen – der Markt ist derartig fremdbestimmt, es kommt mir vor wie ein Casino. Aber die privaten Goldvorräte der Deutschen machen mich nervös, das dürfte Begehrlichkeiten der Regierung wecken. Es bleibt spannend.

„…das dürfte Begehrlichkeiten der Regierung wecken.“
das tut es sicherlich. Nur, von den Goldbarren „unter der Matratze“ weiß sie nichts. Es sei denn, diese wurden über Banken oder Internet gekauft.