Schöne neue Welt: Innovationswüste Europa

"Schöne neue Welt" - ein schauriges Beispiel jener Fortschrittsfeindlichkeit, die uns endgültig von der weiteren Entwicklung abhängt. Alles was über die Erfindung des Flachbildschirmes hinausgeht, ist von Übel. Aus den USA kommen die weltumgreifenden Innovationen. Da müsste Kleber nachfragen: Und was machen die Europäer?

© Jean Revillard/Getty Images
'Solar Impulse 2', piloted by Swiss Bertrand Piccard, flys over the Golden Gate bridge, before landing at Moffett Airfield in Mountain View in Silicon Valley, on April 23, 2016.

„Herr Thrun, Sie machen mir Angst!“ zitiert ZDF-Claus Kleber den Noch-Präsidenten Gauck, der das bei einer Begegnung in Berlin zu Thrun gesagt habe. Sebastian Thrun, Informatiker, und Vizepräsident von Google, früher Professor in einer Disziplin, die normal Sterblichen den Hauch von Frankenstein vermittelt, nämlich für künstliche Intelligenz. Thrun also träumt von Computern, die seine Gedanken und Erinnerungen speichern, damit er sie möglichst dann präsent hat, wenn er die Informationen benötigt. Eigentlich nicht verkehrt, könnte bei vielen Erinnerungslücken helfen.

Doch Thrun ist bei der digitalen Inkarnation des Bösen beschäftigt, bei Google. Und Kleber wiederum bringt für einen ZDF-Film – „Schöne neue Welt“ – aus dem kalifornischen Silicon Valley schaurig schöne Bilder unserer Welt von morgen mit. Es geht um die digitale Revolution und deren Auswirkungen. Klar, die können nur erschaudern lassen. Da taugt Thrun leicht diabolisch angeleuchtet als Personifikation des Schreckens.

So wie bei den James-Bond-Bösewichten. Nur hatten die immer irgendeine Macke, Hinkefuß, Glasauge oder heftige Narbe quer übers Gesicht von schlechten frühkindlichen Erlebnissen, zumindest aber eine Katze auf dem Schoß und hörten Mozart oder Beethoven.

Die heutigen Hightech-Bösewichte dagegen sitzen in Rumpelkammern oder fabrikhallenähnlichen Gebäuden mit vielen Bildschirmen, Balken und Billardtischen und sehen friedlich aus, friedlich wie Computer-Nerds, lachen immer und surfen in jeder freien Minute. Thrun läßt sich von seinem Auto fahren und lacht dabei sogar noch. Die sollen Böses bewirken?

Die digitale Revolution und die Auswirkungen
Schöne neue Welt - Claus Kleber im Silicon Valley
Ingrid Ansari, früher Goethe-Institut, fürchtet sich mit Kleber vor den bedenkenlosen Forschern. Ja, die Daten. Natürlich ist es kritisch, wenn Computer errechnen, was man als Nächstes wahrscheinlich tut oder wann ein Mitarbeiter entlassen werden wird. Aber mit dem typisch deutschen Reaktionsmuster „Verbieten“ wird es niemand verhindern können. Also damit umgehen. Jede Technik hat zwei Seiten. Mit einem Hammer kann man jemanden erschlagen oder einen Nagel in die Wand klopfen. Der Hammer kann in beiden Fällen nichts dafür.

Ich kann mir kaum vorstellen, dass Kleber oder Ansari noch nie gegoogelt haben. Jeder benutzt diese Technologie. Sie ist genial, Beispiel dafür, wie wir in unserem Alltag schon fast selbstverständlich all die vielen nützlichen Technologien benutzen, die dort über dem Großen Teich in diesem verrückten Tal entwickelt wurden.

Google – das kann man wohl als eine der größten Leistungen der Menschheit bezeichnen. Dabei darf man nicht vergessen, dass am Anfang der Erfolg Googles keineswegs sicher war. Es gab und gibt eine ganze Reihe anderer Suchmaschinen, doch allein die Entwickler bei Google erledigten ihren Job so gut, dass sie damit den Nerv der meisten Menschen trafen. Und das erstaunlicherweise weltweit. Die meisten Nutzer jedenfalls wählen ziemlich freiwillig immer wieder Google und nutzen diese Maschine.

Google ist eine große Leistung

Das ist alles andere als selbstverständlich. Dahinter steckt harte Entwicklungsarbeit, eine atemberaubende weltumspannende technische Infrastruktur an Rechenzentren, an Vernetzung. Bei Google Maps kann man sich auf fast jeder Straße der Welt die Verkehrssituation ansehen und seine Route entsprechend planen. In Echtzeit. Doch würde plötzlich aus irgendwelchen Gründen der Mehrzahl der Nutzer irgendetwas nicht gefallen – die Konkurrenz ist nur einen Mausklick entfernt. Die Milliardeneinnahmen, die den technischen Koloss am Laufen halten, würden versiegen.

Was also geschah? Dafür, dass sich die Massen der Internetnutzer von den anderen Suchmaschinen hin zu Google bewegten, muss es einen Grund gegeben haben. Ganz einfach: Google zeigt die besseren Suchergebnisse an in einer graphischen Umgebung an, die den Wünschen der Benutzer nahekommt. Die Seite ist übersichtlich, die Werbung daneben, die den Spaß bezahlt, unaufdringlich.

Die Entwickler bei Google trafen offenbar mit ihren Algorithmen deutlich besser das, was Internetnutzer wünschten, als andere Anbieter von Suchmaschinen. Heute „errät“ die Maschine förmlich das, was man sucht, und schlägt bereits während des Eingebens eine Reihe von häufig richtigen Suchbegriffen vor. Technisch genial – wobei übrigens jener Teil des Internets unter den Tisch fällt und praktisch nicht existiert, der von den Suchalgorithmen nicht erfasst wird.

So wurde Google auch ein sagenhafter Geschäftserfolg. Googles „Chrome“ ist einer der erfolgreichsten Browser weltweit. Die Deutsche Telekom hat auch einen Browser entwickelt, einen technisch gar nicht mal so schlechten. Doch die Nutzer klicken nicht so häufig auf den von der Telekom, sondern häufiger auf den von Google. Ohne Zwang, ohne dass sie bezahlt werden, einfach aus freien Stücken. Das ist die „Abstimmung am Kiosk“, von der der Gründer des Springer Verlages, Axel Springer, früher sprach. Nur liegen die Kioske von heute nicht mehr kilometerweise auseinander, sondern nur ein oder zwei Mausklicks entfernt.

Die Welten im Internet haben auf sagenhafte Weise Entfernungen schrumpfen, Kulturen zusammenwachsen und rasant den Austausch von Informationen rund um den Erdball beschleunigen lassen. Google hat dazu ein gutes Stück beigetragen; endlich sind viele Informationen frei zu bekommen. Wo gibt es etwa alte Bücher, aus Archiven gekramt und digitalisiert? Sofort downloadbar? So kann, wer will, nach ein paar Mausklicks die Erzählungen des Pfalzgrafen Ottheinrich von seiner Reise nach Jerusalem im Jahre 1521 heute weltweit lesen. Eine spannende Geschichte übrigens. Ein deutscher Buchhalter wäre nie im Leben auf diese Idee gekommen, solches Wissen kostenfrei zur Verfügung zu stellen.

Und Kleber hätte fragen können: Warum spielen europäische Unternehmen kaum eine Rolle? Und wenn, dann fällt uns – wie das Beispiel SAP zeigt – die Buchhalter-Rolle zu. Die erfüllen wir glänzend.

Und warum wirkt der T-Online-Browser so anziehend wie eine überquellende Biogasanlage? Sicher: Google ist eine Datenkrake. Die Analysemöglichkeiten sind verblüffend bis erschreckend, wenn die Statistiker der IT-Konzerne wie Amazon voraussagen wollen, wann wir uns was kaufen. Keine Frage: Es gilt, genau auf Googles Politik zu schauen.

Die Verantwortung liegt beim Nutzer

Doch bleibt es jedem selbst überlassen, was er tut. Jeder hat in der Hand, welche Suchmaschine er wählt. IT-Experten raten, zum Beispiel für nicht so wichtige Suchen auch mal andere Suchmaschinen zu benutzen. Der Abstand liegt tatsächlich nur einen Mausklick entfernt. Das Ergebnis allerdings auch häufig enttäuschend. Sollten andere Suchmaschinen tatsächlich besser werden, dürften Googles Tage gezählt sein. Es wäre nicht der erste große Konzern, der unterginge.

Google Glass, an dessen Entwicklung Sebastian Thrun mit beteiligt war, ist offenkundig noch nicht eine weltumspannende Erfolgsgeschichte geworden. Die Menschen nutzen sie nicht, oder noch nicht, jedenfalls nicht in dem Maße, in dem Google es sich erhofft hatte. Der Mensch mag offenbar nur in speziellen Situationen sich in eine solche Welt versetzen. Vielleicht ändert sich das irgendwann einmal. Niemand weiß es.

Aber es ist gut, solche Entwicklungen zu machen. Keine Autokonstruktion ist mehr denkbar ohne „Cave“, ohne virtuelle Realität, in der Entwickler virtuell im Auto sitzen und fahren können, bevor es in die Produktion geht.

„Sie entwickeln ins Blaue hinein!“ Heißt es bei Kleber. Das tun sie sicherlich nicht; eine Zielvorstellung wird schon vorhanden sein. Aber daneben muss es auch ein Spiel in der Entwicklung geben, ein Ausprobieren. Niemand weiß vorher, was herauskommt, was funktionieren wird und was nicht, wie bei Laserstrahlen und CD’s, ohne Einsteins Relativitätstheorie kein GPS.

Es gibt viele solcher Beispiele. Ohne das Starfighter-Desaster in den 60er Jahren hätte es keinen Nierensteinzertrümmerer gegeben. Wenn der schnelle Flieger durch europäische Schlechtwetterfronten donnerte, zertrümmerten harmlose Regentropfen die scharfen Vorderkanten der schmalen Tragflächen. Fachleute bei Dornier untersuchten das Rätsel, kamen auf das Phänomen der Schockwellen. Die nutzbringende Idee kam dann schnell: Mit geeigneten Schallwellen kann man auch Nierenstein zertrümmern und beseitigen, ohne den Patienten aufschneiden zu müssen.

So etwas ging früher. Heute beauftragt eine, die den Chefsessel im Wissenschaftsministerium besetzt hält, mal eben Wissenschaftler, für 350 Millionen Euro der Energiewende einen Sinn zu verpassen. Auftrag: „Zeigen Sie, wie die Energiewende Sinn macht!“ Zuerst beschließen und dann begründen lassen?

„Kopernikus-Projekt“ heißt das sinnigerweise. Der arme Kopernikus. Ein kleiner Trost an die Wissenschaftler: In Nordkorea würden sie jetzt nicht mehr ruhig schlafen.

In einem sind Amerikaner extrem stark, in Sachen PR. Wohl nirgendwo anders versteht man es besser, die eigenen Errungenschaften als das Größte, das Beste, das Stärkste herauszustellen. Doch sie kochen auch nur mit Wasser. Sicher: Es ist beeindruckend, wenn Google an einem selbstfahrenden Auto forscht und die ersten komischen Kisten über die Straßen rollen, dabei auch den einen oder anderen Unfall bauen. (Selbst fahrendes Auto – wenn überhaupt dieser Tautologie erlaubt ist).

Es ist nicht neu, was Google macht. Schon vor 25 Jahren fuhr der erste von Daimler-Benz entwickelte Wagen selbständig die 90 km über die Autobahn von Stuttgart nach Ulm, ohne dass der Fahrer einen Finger rührte. Der saß aus Sicherheitsgründen zwar noch auf dem Fahrersitz. Doch das Auto legte die Strecke souverän und ohne technische Probleme zurück. Vollautomatisch. Zur gleichen Zeit fuhren auch in Japan Autos sensorgesteuert autonom über die Straßen – allerdings nicht im fließenden öffentlichen Verkehr, sondern über Teststrecken.

Neues entsteht durch unternehmen, nicht unterlassen

Herausgekommen sind bei diesen Experimenten viele nützliche Standard-Features, die es für Autos gibt: Abstandswarner, die vor allem in Lastwagen oder Reisebussen jene schlimmen Auffahrunfälle vermeiden helfen, bei denen zwangsläufig immer Menschen getötet werden. Spurhalteassistenten leiten den Wagen bei langen, langweiligen Autobahnfahrten. Autos parken bereits vollautomatisch ein. Das sind bemerkenswerte technische Errungenschaften, wie das Leben leichter machen.

Ob das Auto vollkommen allein fahren muß, ist kein größeres technisches Problem, sondern eher ein ‚Wollen-Problem‘ und  schlimmer – ein juristisches. Wer haftet?

Doch wenn Google sein Auto selbst fahren lässt, dann wackelt die Welt wider vom Donnerhall. Einer der größten Meister aller Klassen ist der Chef von Tesla, der Tausende von Handybatterien in ein Auto mit Elektromotor einbaut und es tatsächlich schafft, dass alle Welt schreit, wie blöd doch die alten Autohersteller sind, die wieder mal einen Trend verschlafen. Dabei können deren Ingenieure nur rechnen.

Es gilt also, auch technische Errungenschaften kritisch zu hinterfragen. Das tut Kleber nicht. Er benutzt selbst vermutlich einen Großteil dieser technischen Leistungen, verbreitet aber Panik: „Die gefälligen Kleingeräte haben sich so geräuschlos in unser Leben geschlichen, dass sie ihre wahre Macht über uns verbergen.“ Nicht die Geräte haben Macht über uns, sondern wir nutzen sie, wenn sie uns passen und werfen sie weg, wenn sie nutzlos werden. Das kann sich auch umdrehen. Nicht umsonst laden sich in Deutschland immer weniger Menschen neue Apps herunter. Ein gewisser Sättigungsgrad ist offenkundig erreicht.

Schöne Sätze, die wie der gesamte Besuch Klebers in Silicon Valley uns süße, wohlige Schauder über den Rücken jagen sollen angesichts fürchterlicher neuer Technologiewolken, die am Himmel drohen: „Menschen werden die Schöpfung nicht nur enträtseln, und was ihnen daran nicht gefällt, umbauen.“ Drunter geht’s wohl nicht.

Doch das mit dem Umbau der Schöpfung stellt sich bei genauerem Hinsehen ein bisschen vertrackter dar. Es ist ziemlich schwer, der Natur ins Handwerk zu pfuschen. Sie schützt zum Beispiel ihre wertvolle DNA ziemlich raffiniert gegen Fälschungen und Manipulationen. So sind bisher viele Klonversuche in die Hose gegangen oder entpuppten sich als plumpe Fälschung.

Immerhin merkt Kleber, dass wir im alten Deutschland uns durch einen „Dschungel von Bedenken tasten“. Er stellt im Film die herausragende Biochemikerin Jennifer Doudna vor, die mit grundlegenden Arbeiten das Verändern von DNA-Sequenzen ermöglichte. Genome Editing. Hierzulande würde sie gesteinigt hinausgeworfen – igitt, Gentechnologie.

Gen-Technologie ja

Doch Jennifer Doudna lächelt und sieht so gar nicht bestialisch diabolisch grinsend aus. Kein Frankenstein, sondern eine hart arbeitende Forscherin mit einer ziemlich guten Idee. Von sauber arbeitenden Gen-Scheren träumen Forscher schon seit langem. Es war bisher schwierig, genau zu bestimmen, welche Sequenz aus der DNA-Sequenz herausgeschnitten wurde. Doch Douda hat einen Mechanismus bei Bakterien entdeckt und für ihre Zwecke ausgenutzt. Bakterien nämlich wollen wie alle Organismen verhindern, dass sich Feinde in ihnen einnisten, ihre DNA verändern und haben deshalb einen raffinierten Mechanismus entwickelt, um fremde DNA zu erkennen und wieder aus der Zelle rauszuschmeissen. Vorbild für Douda für das Editing von Gensequenzen.

Damit wird man einzelne Buchstaben im Gencode verändern können. Kleber malt Düsteres an die Wand, anstatt dass er erst einmal die geniale Methode beschreibt und vorstellt, damit jeder selbst erst einmal urteilen kann: „In China arbeiten sie an neuen Lebewesen.“

„Wann sagen wir Stop!“ Ihm schwant: „Es wird einfach weitergehen. Unaufhaltsam.“

Kleber hätte vielleicht mal fragen können: Warum gibt es in Deutschland oder Europa nichts Vergleichbares? Am Geld allein kann es nicht liegen, das ist auch hierzulande vorhanden. 25 Milliarden allein für wertlosen Strom bei einer hirnrissigen „Energiewende“ zu verpulvern – das muss sich eine Gesellschaft erst einmal leisten. Was hätte man damit alles erforschen können? Vermutlich können wir bald Rechner nicht mehr sinnvoll nutzen, weil sich Stromausfälle häufen.

„Der Mensch als Verfügungsmasse, die gestaltet werden soll. Die Welt enträtseln, und was nicht gefällt umbauen. Dem Menschen beim Denken zugucken können, in das denkende Gehirn schauen.“ Erschaudert Ansari beim Betrachten des Filmes.

Das wird auf absehbare Zeit zwar aus prinzipiellen Gründen unmöglich sein. Dennoch taugt Hirnforschung wie kaum ein anderes Forschungsgebiet, um Schreckensszenarien zu verbreiten. Doch auch hier gilt es sehr genau hinzuschauen, was möglich ist, Anspruch und Wirklichkeit. Und da verblasst eben ziemlich viel sehr schnell. Und die Geschichte lässt sich dann nicht so schön schaurig erzählen.

Nach einer Stunde Sendezeit bis hin zu Frankensteins Hirnforschung fragt Kleber bang: „In Europa – wollen wir das?“ Nein, natürlich nicht. Da kommt sie wieder, die alte Leier.

Das neue Europa in Amerika, hier das alte?

Das ist der Unterschied zum amerikanischen Forschergeist: Lasst uns probieren, heisst es dort. Die erste spannende Frage ist: Wird das überhaupt funktionieren? Dabei scheiden schon einmal dreiviertel aller Versuche aus, trennen sich Spreu vom Weizen und unter dem Rest finden sich die Perlen, die dann die Welt erobern.

Und die Menschen, das darf nicht vergessen werden, benutzen diese Technologie freiwillig. Das liegt sicherlich nicht daran, dass sie gezwungen werden, das zu tun. Das liegt daran, das diese Technologie Vorteile bietet. Google Maps nutzen, um schnell den Weg zu finden – aber gleichzeitig darüber schimpfen, geht nicht.

Skeptisch sein gegenüber Modellen – das ist richtig, aber warum fängt Kleber nicht mal an, den windigen Modellen der Klimaforscher zu mißtrauen. Das ist nun Horrorwissenschaft par excellence.

„Schöne neue Welt“ – ein schauriges Beispiel jener Fortschrittsfeindlichkeit, die uns endgültig von der weiteren Entwicklung abhängt. Alles was über die Erfindung des Flachbildschirmes hinausgeht, ist von Übel.

Hierzulande sind sie stolz auf Technik aus vorigen Jahrhunderten: Windräder und müffelnden Biogasanlagen.

„Die Kräfte, die hier entfesselt wurden, sind nicht mehr zu stoppen!“ Fabuliert Kleber. „Vielleicht sind sie noch zu steuern.“ „Die neuen Werkzeuge bestimmen unser Leben. Aber sie überfordern uns.“ Da sollte er mal vielleicht ein paar Kiddies fragen, was die dazu sagen: Alter Opa, eh.

„Müssen wir mitgehen auf diesem Trip?“ „Nein. Wir sind Europäer – aus anderem Holz geschnitzt. Wir vergöttern Veränderung nicht so. Das ist nicht unser Trip.“ Ich verstehe, wir vergöttern Stillstand.

Das ist dann schon Delirium. Ihm schwant: „Aber Bremsen allein wird nicht reichen!“ Das klingt dann schon endgültig wieder nach jenem Ungeist, der hierzulande alles überrollt, was man nicht versteht: Verbieten!

Und ganz gruslig wird es, wenn noch die Kultur ins Feld geführt wird. Ansari beklagt: „Schon die industrielle Revolution hatte die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen im Laufe des 19. Jahrhunderts radikal umgestaltet. Technische Erfindungen wie die Dampfmaschine ermöglichten den Übergang von der Argar- zur Industriegesellschaft, zu einem unverhältnismäßigen Anwachsen der Städte und zu einer tiefen Kluft zwischen der dort zusammenströmenden ausgebeuteten Arbeiterschaft in den Fabriken und den Vertretern des Kapitalismus; eine Zeit, die Charles Dickens in seinen Romanen schildert.“

Zunächst einmal halfen Dampfmaschine und andere Erfindungen, die Produktivität zu erhöhen, mehr Menschen zu ernähren und harte körperliche Arbeit zu erleichtern.

Da hilft auch kein „Gott, was macht ihr da“.

„Staatliche Forschungseinrichtungen, die früher die Projekte finanziert haben, werden durch Institutionen ersetzt, wo Geld keine Rolle mehr spielt.“ Doch angesichts einer auch in den USA immer mehr politisch gekaperten Universitätslandschaft sind solche Entwicklungen wahrscheinlich nicht einmal schlecht.

Informationen, digitale Daten – das ist nichts anderes als die Fortsetzung dessen, was die Menschheit bisher immer schon gemacht hat: Sammeln von Informationen, auswerten, verteilen. Nur jetzt mit technischer Hilfe rasant gesteigert.

Den Kampf um die Informationen hat es immer gegeben: Deutsche Maschinenbauer schickten zu Beginn der Industrialisierung Zeichner und Konstrukteure nach England, damit sie die Konstruktionszeichnungen der Maschinen kopierten und zurückbrachten. Fertig für den Nachbau.

Mit heutiger Datentechnik geht das viel schneller. Das Datenklauproblem allerdings dürfte sich hierzulande von selbst reduzieren: Wer hat noch Interesse an rückständigen Windmühlen?

Aus den USA kommen die weltumgreifenden Innovationen. Da müsste Kleber nachfragen: Und was machen die Europäer? Die werden aufgrund der Masseneinwanderung Millionen Rückständiger und der damit verbundenen Kosten und Mühen im weltweiten Wettbewerb gnadenlos verlieren.

In Deutschland packen die Forscher ein und verschwinden nach Amerika, die Pflanzenzüchter haben es schon getan. Andere folgen. Neue Pflanzenzucht, teilweise über 100 jähriger Tradition – weg, geschlossen, nach Amerika verlagert.

Als höchstes Alarmsignal unter Forschern gilt der Gendermist. Wo es damit anfängt, ist die Universität rettungslos verloren. Dort kommt nichts Vernünftiges mehr raus.

Eine europäische Innovationswüste droht. Davor hatte einst übrigens Eric Schmidt gewarnt, der ehemalige Google Chef.

Wir hoffen nur, dass sich Kleber wenigstens vom Kulturschock im amerikanischen Hightech-Zentrum Nr. 1 mittlerweile erholt hat.

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