Bildung oder Die gerechte Verteilung von Dummheit

Politik und "Bildungsexperten" vom Aktionsrat Bildung sind sich einig: Integration geht vor allem über Bildung. Selbstverantwortung wird dabei nicht eingefordert. Auch hier hier das Dogma der bedingungslosen Gleichmacherei: Wenn die Migranten nicht die erforderlichen Qualifikationen und Integrationswillen mitbringen, muss eben das Niveau so lange abgesenkt werden, bis jeder einen Abschluss bekommt. Am Ende bringt das nicht viel, aber wenigstens sind dann alle gleich dumm.

© Miguel Villagran/Getty Images

Eigentlich könnte man meinen, das Bildungssystem in Deutschland hätte unter dem allgegenwärtigen Gleichheitsdogma schon genug gelitten. Und dennoch: Immer wenn man denkt, es ginge im Prinzip nicht mehr schlimmer, kommen von irgendwoher irgendwelche sogenannten „Bildungsexperten“ mit neuen bahnbrechenden Ideen, wie man das Land weiter zugrunde richten könnte.

Angesichts der vielen Zuwanderer, die 2015 nach Deutschland kamen, von denen die meisten jünger als 25 Jahre alt sein sollen, will man vor allem auf Integration durch Bildung setzen. Hierfür fordern „führende Bildungsexperten“ einen Masterplan „um die Integration der vielen Flüchtlinge und Migranten zu bewältigen“. Konzentrieren solle man sich hierbei vor allem auf die Menschen, die bleiben dürfen (wenn man sich die Abschiebezahlen in Deutschland anschaut, also so gut wie alle).

Um die Chancen der Flüchtlinge und Migranten künftig zu verbessern, plädiert die Studie dafür, sie gleichmäßig auf alle Regionen zu verteilen. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Qualität des Unterrichts drastisch nachlasse, sobald mehr als 40 Prozent der Kinder die deutsche Sprache nicht beherrschen. Unterricht auf Deutsch lässt sich also nur qualitativ betreiben, wenn die Schüler mehrheitlich die Sprache beherrschen? Was für eine Entdeckung!

Discount-Deutsch

Weitere bahnbrechende Ideen, die nur dem linksindoktrinierten theoretisierten Pädagogenhirn entspringen können, sind sodann neben der obligatorischen Forderung nach noch mehr Gruppenarbeiten und der schnelleren Eingliederung der Migranten in Regelklassen auch die Reduzierung von Fachwörtern vor allem in den Naturwissenschaften. Auch sollten Einwanderer vor allem in Ganztagsschulen unterrichtet werden, weil auch dies dem Spracherwerb und der kulturellen Teilhabe diene. Darüber hinaus dürfen natürlich auch nicht die speziellen Schulungen für das Lehrpersonal fehlen, um mit dem bunten Multi-Kulti-Schülertraum besser zurechtzukommen. Aufgabe hierbei – wie sollte es anders sein – ist nicht etwa, den Einwandererkindern unsere Gepflogenheiten näher zu bringen, sondern zuvorderst den Vorurteilen gegenüber Zuwanderern entgegenzutreten. Denn das Problem ist wie immer eher der Deutsche und seine fehlende Toleranz. Zur individuellen Förderung der Migranten sollen überdies zunehmend „Lernhelfer“ und pädagogische Assistenten eingesetzt werden. Alles natürlich vom selben Steuerzahler finanziert, der seit Jahren den maroden Zustand der Schulen und den Unterrichtsausfall aufgrund von Lehrermangel bei den eigenen Kindern vergeblich beklagt.

Zu guter Letzt soll dann auch noch der Anspruch bei der dualen Berufsausbildung so weit herabgesenkt werden, dass auch Migranten eine Ausbildung in Deutschland absolvieren können. Hierbei soll vor allem auf die ohnehin lästige Theorie verzichtet werden. Braucht ja auch niemand. Dabei gab das Magazin „Migazin“ (Migration in Germany) erst gestern bekannt, dass gerade syrische Flüchtlinge eigentlich gut auf den deutschen Arbeitsmarkt vorbereitet seien. Na was denn nun?

Was sich an der Studie des von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft ins Leben gerufene Aktionsrates Bildung vor allem zeigt, ist trotz der Benennung der Probleme mit bestimmten Migrantengruppen, die Annahme, man müsse und könne diese Probleme alle von außen lösen. Problem ist so nicht etwa, dass sich Migranten aus einem bestimmten Kulturkreis schlichtweg schlechter integrieren als andere, sondern allein die mangelnden Integrationsangebote von Außen. Integration – das ist in Deutschland eben Aufgabe der Deutschen und vor allem des Staates, nicht etwa Aufgabe des Migranten. Was wie immer bei allen Überlegungen zur Integration von Migranten fehlt, ist der Anspruch an die Migranten und der Verweis auf ihre Eigenverantwortung. Dabei lässt sich vor allem anhand der Fälle von gelungener Integration in den letzten Jahrzehnten erkennen, dass es sich hierbei um jene Zuwanderer handelte, die von sich aus den Anspruch hatten, sich zu integrieren bzw. bei denen auch die Eltern diesen Anspruch hatten und gerade auch deshalb zu Hause konsequent Deutsch geredet wurde. Und dennoch spricht man die Migranten erneut von jedweder Eigenverantwortung frei. Das liegt nicht zuletzt auch an der mangelnden Unterstützung des Staates, wenn es darum geht, Integration von Einwanderern einzufordern.

Eingikeit über Bildungs-Bedeutung rein verbal

„In wenigen Ländern hängt der wirtschaftliche Erfolg, der gesellschaftliche Wohlstand so sehr von der Bildung ab wie in Deutschland. Unsere wichtigste Ressource sind nun einmal Talente und Begabungen.“ verkündete Frank-Walter Steinmeier im Jahre 2013 in seiner damaligen Rede beim Bildungskongress der SPD-Fraktion. Über diese Ansicht herrscht über alle Parteigrenzen hinweg Einigkeit. Mittlerweile ist eben auch zur Politik durchgedrungen, dass in einem Land, welches über keine nennenswerten natürlichen Ressourcen verfügt, der Wohlstand nur über die Ressource Bildung erhalten werden kann. Umso erstaunlicher erscheint es da, dass man gerade diesen Sektor seit Jahrzehnten kaputtgespart und vor dem Dogma der bedingungslosen Gleichmacherei eine kontinuierliche Absenkung des Niveaus an den Schulen in Kauf genommen hat. Über 50 Prozent eines Jahrgangs machen mittlerweile Abitur. Und wenn man sich die Klagen der Lehrer und später der Uni-Dozenten anhört oder als jüngerer Mensch nur einmal schaut, mit welchen Flachpfeifen man teilweise mittlerweile Abitur macht und studiert, dann wird relativ schnell ersichtlich, dass die höhere Abschlussquote sicherlich nichts damit zu tun hat, dass alle plötzlich zu kleinen Einsteins geworden sind.

Das deutsche Schulsystem steuert seit Jahren unter dem Gleichheitsdogma auf eine Betonwand zu. Nicht zuletzt hieran merkt man, dass Gleichheit nicht wirklich viel mit Gerechtigkeit zu tun hat. Schon in meiner Schulzeit lag der unbedingte Fokus vor allem darauf, die Schwächeren einer jeden Klasse zu fördern. Den Lehrern (und auch unter ihnen gibt es Ausnahmen) kann man daraus nicht immer einen Vorwurf machen. Es ist eben das, was ihnen seit der Uni mitsamt ihren größtenteils nutzlosen Pädagogikseminaren eingebläut wurde. Es geht nicht darum, die Besten zu fördern oder zumindest alle gleich zu fördern. Es geht vor allem darum, jeden auch noch so für das Abitur ungeeigneten Schüler mitzuschleifen. Die Folge: Immer mehr hirnrissige Gruppenarbeiten, von denen jeder aus eigener Erfahrung weiß, dass diese letztlich immer darauf hinauslaufen, dass einer die Arbeit macht und der Rest zuguckt und vor allem eine Ausrichtung des Unterrichts auf das untere Ende der Schüler, was dazu führt, dass die Leistungsspitze wichtige Inhalte nicht adäquat vermittelt bekommt und sich langweilt. Auch an Lob für meine guten Leistungen kann ich mich nicht erinnern. Während dem einen der rote Teppich ausgerollt wurde, wenn er statt den üblichen 4 Punkten mal 6 Punkte in einer Klausur erreichte, wurde meine Leistung als selbstverständlich angesehen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass bei der Vergabe der Abiturzeugnisse nicht mir als Jahrgangsbesten applaudiert wurde, sondern derjenigen, die ihr Abitur nach vier Nachprüfungen doch noch mit Ach und Krach zugeschustert bekommen hat. Als Schüler mit guten Noten wurde man vor allem dazu angehalten, nicht zu sehr zu zeigen, was man kann, damit sich die anderen nicht schlecht fühlen. Lob, Förderung wurde bei vielen Lehrern nicht als notwendig erachtet oder führe gar zur Arroganz des guten Schülers, der doch ohnehin wisse, dass er gut ist.

Ich erzähle dieses Beispiel aus meiner eigenen Schulzeit, weil es unser gegenwärtiges Dilemma sehr gut veranschaulicht und weil es sich mit vielen Schilderungen von Kommilitonen deckt. Die Schule ist unter der bedingungslosen Gleichmacherei, die oft am Ende lediglich von mäßigem Erfolg gekrönt ist, vielerorts zu einer Durststrecke für die Leistungsspitze verkommen. Da bedarf es als junger Mensch schon viel Eigenmotivation, um sich davon nicht unterkriegen zu lassen. Dabei zeichnen sich erfolgreiche Länder vor allem durch die Förderung eben dieser Leistungsspitze aus.

Leistungsloseses Abitur produziert Studienabbrecher

Erst an der Uni kam ich in den Genuss, zu erfahren, was es bedeutet, wenn man für Leistung belohnt wird. Nicht nur in Form von Noten, sondern auch in Form von Förderung der Dozenten. Zwar werden auch an der Uni immer mehr schlechte Studenten durchgeschleift, gefördert werden aber immer noch diejenigen, die Leistung bringen und vorankommen wollen. Wo früher die Schule selektierte, tut dies nun die Uni. Das erklärt nicht zuletzt die hohe Quote der Studienabbrecher. Mehr Abiturienten bedeuten eben nicht automatisch mehr Studenten, die einen Abschluss schaffen – nicht mal in den von Kritikern als „Laberwissenschaften“ bezeichneten Fächer.

Statt die hohe Abbrecherquote jedoch als Indikator dafür zu werten, dass bedingungslose Gleichmacherei nicht funktioniert, statt es als positives Zeichen anzusehen, dass zumindest an den Unis noch Selektion nach Leistung erfolgt und es angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels eher eine Chance darstellt, wenn nicht jeder noch ein Studium in Soziologie oder Soziale Arbeit absolviert, stört man sich an der Statistik. Und so wird die Politik auch an den Universitäten sukzessive dafür sorgen, dass auch hier künftig nicht allzu „hart“ selektiert wird.

Doch das größte Dilemma vollzieht sich immer noch an den Schulen. Und nun soll das Niveau noch weiter herabgesenkt und noch mehr Rücksicht darauf genommen werden, dass auch ja jeder mitkommt. Denn nichts anderes bedeuten die vorgeschlagenen Maßnahmen des Aktionsrates. Was man dem Sozialismus auf wirtschaftlicher Ebene zurecht unterstellt, nämlich, dass er alle gleich arm macht, gilt ebenso für das Geistige. Am Ende schafft man unter dem unbedingten Credo der Gleichheit nicht mehr Bildung für alle, sondern weniger. Statt die Bildung auf mehr Menschen auszuweiten, wie man sich das in der Theorie des pädagogischen und didaktischen Firlefanz seit den 68ern vorstellt, wird das Unwissen am Ende lediglich gleichmäßiger auf die Schüler verteilt. Für ein Land, das so sehr auf die Ressource Bildung angewiesen ist wie Deutschland, eine fatale Entwicklung. Denn in der Regel werden all diese sozialistischen Maßnahmen am Ende eben doch von jenen bezahlt, die man nicht so viel loben und fördern wollte und weniger von denen, die man mit Ach und Krach durch die Schule geschleift hat.

Alle erfolgreichen Nationen haben ihren Wohlstand durch Leistung und Wettbewerb erzielt. Dass man in Deutschland momentan noch von den Überresten dieser Einstellung zerrt, hat nicht die Leistungsträger arrogant gemacht, sondern den Staat mitsamt seiner Politiker, die glauben, man könne in Zukunft auch ohne Anreiz und Konkurrenz auskommen und hätte am Ende immer noch genug Doofe, die dafür aufkommen. Dabei ist schon jetzt ersichtlich, dass immer mehr Leistungsträger in Länder abwandern, wo auf Leistung eben nicht mit Neid und horrenden Steuersätzen reagiert wird. Deutschland – El Dorado für all jene, die es gerne ruhiger angehen lassen und ein undankbares Fleckchen für jeden, der sich seinen Erfolg hart erarbeitet hat und die linke Utopie, die sich weit in alle Parteien hineinzieht, mitfinanziert.

Tabu Selbstverantwortung

Auch hieran zeigt sich das Problem mit der Selbstverantwortung, die man in Deutschland von Seiten der Politik und der sogenannten „Bildungsexperten“ nicht so recht erkennen will. Wohlstand, Chancen, Bildung werden – so die allgemeine Überzeugung – nicht zuvorderst durch eigenverantwortliches Handeln erzielt, sondern irgendwie von außen (und das zumeist ziemlich ungerecht) verteilt. Dementsprechend ist es für die insgesamt in den letzten Jahren deutlich nach links gerückte politische Kaste weder ein Problem, immer weiter von Oben nach Unten zu verteilen und damit ja eigentlich nur für mehr „Gerechtigkeit“ zu sorgen, noch gewissen Menschen auch nur irgendeine Eigenverantwortung in Bezug auf ihren eigenen Bildungserfolg aufzubürden.

So stellt die Studie zwar fest, dass selbst in der dritten Generation der Migranten häufig zu Hause noch ausschließlich in der Muttersprache kommuniziert wird, an die Ursachen hierfür traut man sich jedoch nicht heran. Stattdessen müsse eben der deutsche Staat und das deutsche Bildungssystem für den mangelnden Integrationswillen bestimmter Einwandererschichten aufkommen. Da kann man dann schon einmal die Frage stellen, wie ein Land wie die USA, was nahezu komplett aus Einwanderern besteht, so erfolgreich werden konnte, ohne die ganzen Sprach- und Integrationskurse, ohne die Willkommensklassen und pädagogischen Helfer, die es meines Erachtens zu dieser Zeit noch nicht gab. Dass die Antwort in einem gewissen Friss-oder-Stirb-Prinzip und einer damit verbundenen Eigenverantwortung liegen könnte, will man nicht sehen. Stattdessen sieht man es als große zivilisatorische Errungenschaft an, dass man sich entgegen jeder Logik über die menschliche Natur hinweggesetzt und damit, wenn nicht mehr Leistungsträger, dann zumindest im Laufe der Jahre einen Riesenpool an lauter unnützen Berufen geschaffen hat, die mehr schlecht als recht bei der Aufrechterhaltung der großen Gleichheits-Utopie helfen.

Dabei bleibt es wie es ist: Integration, Bildung und damit beruflicher Erfolg hängen zu allererst jedem einzelnen selbst ab. Es gilt die Eigenverantwortung zu fördern und zu fordern und ihr nicht noch mehr Hemmnisse in den Weg zu stellen. Nur so schafft man es, Einwanderer erfolgreich in eine Gesellschaft zu integrieren, in der es, genau wie in jedem anderen erfolgreichen Land, entgegen des Gleichheitsdogmas, am Ende nicht ohne Leistung und Wettbewerb geht. Hierfür müsste man jedoch aufhören, Einwanderer aufgrund einer jahrzehntelangen antrainierten Rechtsklatsche wie rohe Eier zu behandeln, von denen man nichts einfordern darf, wenn man nicht als rassistisch gelten will. Dabei zeigt sich genau in diesem Verhalten die eigentliche Hybris des Europäers und der tatsächliche Rassismus. Wer Einwanderer wie kleine Kinder behandelt, denen man nicht mal die Verantwortung für den eigenen Spracherwerb und den eigenen Bildungserfolg zumuten kann, der ist am Ende derjenige, der sich über sie stellt.

Aber auch dieser Appell wird nicht von der hiesigen Politik und ihren „Bildungsexperten“ gehört werden. Also auf auf zu noch mehr Gruppenarbeiten, weniger Fachwörtern und generell sinkendem Niveau, bis die Betonwand da ist und wir niemanden mehr haben, der die gerechte Verteilung von Dummheit noch bezahlt.

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