Club of Rome 2: Zu-Ende-Denk-Mangel

Zur Rettung der Welt sollen Frauen nur noch höchstens ein Kind bekommen. Man will es nicht direkt verbieten, aber mit staatlichen Prämien fördern. 80.000 Dollar für jede Frau, die das 50. Lebensjahr erreicht hat, ohne mehr als ein Kind zu kriegen. China hört mit der Ein-Kind-Politik auf, der Club of Rome fängt damit an.

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Der Club of Rome versucht sich in grüner Besserwisserei. Vergisst aber, zu Ende zu denken. Eine chronische Krankheit bei fast allen Befürwortern eines dirigistischen Staatswesens: Zu-Ende-Denk-Mangel.

Der Generalsekretär des Club of Rome, der Brite Graeme Maxton, und der Vize-Präsident des WWF, der Norweger Jørgen Randers, haben gerade den neuen Bericht des Club of Rome vorgestellt. Nach den bis heute noch immer nicht so wirklich erkennbaren »Grenzen des Wachstums« von 1972, heißt es nun »Reinventing Prosperity«. Den Wohlstand neu erfinden.

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Wie das mit Ideen von zum Beispiel einer Erbschaftsteuer, die bis auf 100 Prozent steigt, wirklich funktionieren soll – wenn dann nach und nach alle Familienunternehmer enteignet sind – will ich mal als Frage einfach nur so in den Raum stellen. Ebenso verkneife ich mir die meisten Kommentare zur alten Leier von der angeblich immer weiter wachsenden Ungleichheit – wegen der das »Reinventing« überhaupt erst notwendig wird.

Allein durch die mantrahafte tausendfache Wiederholung wird es jedenfalls auch nicht wahrer. Marktwirtschaft und Globalisierung haben auf der ganzen Welt Hunger reduziert, Lebenswartungen und Bildungschancen steigen lassen und demokratische Staatssysteme befördert. Wer das nicht glaubt, nimmt sich einfach mal zwei Minuten Zeit und schaut sich die animierten Bubble-Charts bei Gapminder an, wie sich »Wealth & Health of Nations« von 1800 bis heute entwickelt haben. Nämlich aufwärts. Nicht überall immer, aber im Trend eindeutig. Noch nicht allerorts befriedigend, aber auf dem richtigen Weg.

Ungleichheit ist geblieben. Aber allen geht es besser. Und man könnte ja auf die Idee kommen, dass diese Entwicklung gerade auch im Zulassen von Ungleichheit ihren Ursprung hat. Nicht umsonst sah Ludwig Erhard in den Konformisten das wahrscheinlich größte Übel für die allgemeine Wohlfahrt.

Aber wie gesagt, das nur am Rande. Wenngleich da fraglos auch einiges an Zu-Ende-Denk-Mangel zu finden ist. Einen ganz besonderen Ausbruch dieser paternalistischen Unzulänglichkeit haben Maxton und Randers aber mit dem Vorschlag, die Kinderlosigkeit zu fördern. Zur angenommenen Rettung der Welt sollen Frauen nur noch höchstens ein Kind bekommen. Man will es nicht gerade verbieten, aber doch wenigstens mit staatlichen Prämien fördern. 80.000 Dollar für jeder Frau, die das 50. Lebensjahr erreicht hat, ohne mehr als höchstens ein Kind großgezogen zu haben.

Hätte das schon jemand den Eltern von Maxton und Randers erfolgreich angeboten, wäre heute einer weniger da, um solche kurzsichtige Ideen zu propagieren. Ob den beiden selbsternannten Zukunftsforschern ein solcher Rückblick auch einmal in den Sinn gekommen ist?

Wie kann sich jemand hinstellen und künftigen, ungeborenen Generationen ganz generell die Erlebensmöglichkeit absprechen, während er selbst ganz unhinterfragt lebt? Eine Denkprobe mittels des kategorischen Imperativs wäre da hilfreich. Handle stets nach der Maxime, die du auch als allgemeingültiges Gesetz akzeptieren würdest. Jawohl, rufen da Maxton und Randers, weniger Kinder soll eine allgemeingültiges Gesetz sein: Auf je zwei Lebende nur noch ein Kind. Und wenn sie überhaupt so weit gedacht haben, setzen sie noch ganz klein gedruckt darunter: Natürlich erst ab jetzt und in der Zukunft.

Ein Gesetz das man aber nur als Gesetzgeber und nicht auch als Betroffener versteht, ist nicht allgemeingültig. Es ist unlauter, sich einfach selbst als Objekt der Maxime auszunehmen.

Spinnt man den Gedanken weiter, kommt man viel eher auf die Verantwortung, möglichst wieder so viel Leben zu schenken, wie man selbst bekommen hat. Also wenigstens zwei Kinder pro Frau. Immanuel Kant versteht den nötigen Gemeinsinn einer Gesellschaft als ein Beurteilungsvermögen, »welches in seiner Reflexion auf die Vorstellungsart jedes anderen in Gedanken (a priori) Rücksicht nimmt«. Ich gehe davon aus, dass zu leben, den meisten Teilhabern unseres Gemeinwesens durchaus am Herzen liegt. Dann sollte man das Leben-Lassen auch nicht beschränken, sondern – nachdem wir die Reproduktionsrate schon lange unterschreiten – fördern.

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