Baerbock in der Adenauer-Stiftung: Die schwarz-grüne Verlobung

Der Rahmen ist die Botschaft. Die CDU- und Merkel-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung hat diesen Rahmen geschaffen. Mit der Einladung an Baerbock hat sie eine Spur gelegt bzw. eine bereits gelegte weiterverfolgt; sie ist schwarz-grün markiert.

imago Images/photothek

„Das Medium ist die Botschaft.“ Das ist die 1962 veröffentlichte Kernaussage des kanadischen Medientheoretikers Marshall McLuhan (1911-1980). Verkürzt heißt das: Die Wirkung von Kommunikation hat nicht in erster Linie mit deren Inhalt, sondern mit deren Verpackung zu tun. Bezogenen auf Politikerkommunikation könnte man sagen: Was Politiker von sich geben, hat nichts mit dem Inhalt, sondern mit deren kommunikativem, medialem Rahmen zu tun.

Werden wir konkret: Was die Co-Vorsitzende der Partei die Grünen, Annalena Baerbock, sagt, ist relativ belanglos – medientheoretisch, mutmaßlich auch real! Denn: Der Rahmen, in dem sie es sagt, ist die Botschaft. Meist – und medial inflationär gehätschelt – tut sie das in Talkshows und Interviews. Mindestens wöchentlich! Klar, da kommen dann so „schöne“ Aussagen zustande wie folgende: Für die Batterien in E-Autos brauche man „Kobolde“. Für klimaneutrale Energie, also grüne Windkraftenergie, gebe es das „Netz als Speicher“. In Thüringen sei beinahe „ein Nazi zum Ministerpräsidenten“ gewählt worden. Politik müsse die „Steuer*innenzahler“ im Auge haben.

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Der Rahmen ist die Botschaft. Nun gut, unter dem Druck des bei Talkshows oder Interviews herrschenden Darstellungszwangs kann man sich ja mal versprechen. Also gönnen wir Annalena Baerbock eine 30-Minuten-Rede, in der sie nicht von boshaften (selten!) oder suggestiv-affirmativen (meistens!) Fragen unterbrochen wird. Diese Gelegenheit bietet ihr natürlich jeder „Grünen“-Parteitag. Oder die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS)!

Ja, Sie haben sich nicht verlesen. Am 27. August feierte die KAS die Veröffentlichung eines 840 Seiten starken und 30 Einzelbeiträge umfassenden Bandes zum 75. Geburtstag der CDU. Titel: „Christlich-Demokratische Union – Beiträge und Positionen zur Geschichte der CDU.“ Hauptrednerin bei der Präsentation: Annalena Baerbock! Wie gesagt: Der Rahmen ist die Botschaft. (Auf die Inhalte kommen wir – soweit sie etwas hergeben – später noch zu sprechen).

Man wolle die CDU auch einmal von außen anschauen und beurteilen lassen, so in etwa war die Begründung des KAS-Vorsitzenden und vormaligen Bundestagspräsidenten Norbert Lammert für die Einladung an Baerbock. Die Botschaft könnte (sollte?) aber auch eine andere sein: Da bahnt sich ein Techtelmechtel zwischen „Schwarz“ und „Grün“ an. Wer auch immer Ende 2021 Kanzler sein könnte: An den Grünen oder deren Wohlwollen scheint kein Weg vorbeizuführen. Wähler, hört die Signale! Die Topfavoriten Merz und Söder haben sie ja schon ausgesendet.

Nun also 30 Minuten Baerbock zu 75 Jahren CDU. Wir haben sie uns angetan. Tutto completto! Und komprimieren die 30 Minuten (15 hätten es laut Programm sein sollen) auf einige Aussagen der Annalena Baerbock zusammen. Klar, einen roten Faden kann es in einer solchen Rede über 75 Jahre CDU nicht geben. Da kann man nur springen – zumal als vormals erfolgreiche Trampolinspringerin.

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Das hörte sich dann so an: Seitenhiebe gegen Trump, Loblied auf beide Obamas! Helmut Kohl habe Ökologie und Frauen verschlafen. Dann eingestreut die Themen Jamaika, Schengen, Europa, Migrationspakt. Merkel als „große Kanzlerin“, irgendjemand zitierend: Merkel hinterlasse eine „versöhnte Republik“. Schön, dass man nach 15 Jahren Merkel heutzutage gefragt werde, ob denn überhaupt auch ein Mann Kanzler werden könne. Lob für Kurzzeit-CDU-„General“ Rupert Polenz und sein Comeback in den sozialen Medien vor allem bei jungen Leuten. Lieblingsfoto sei das mit Merkel, von der Leyen und Annegret Kramp-Karrenbauer auf einem Bild. Politik müsse feministischer werden. „Sowas wie in Thüringen darf sich nicht mehr wiederholen.“ Klimaneutralität als Wettbewerbsfaktor! Für eine sozial-ökologische Marktwirtschaft! „Verstehe mich wie meine Vorgängerin Claudia Roth als Verfassungsschützerin“. Die Grünen als „staatstragende und radikale Partei!“ „Wir brauchen ein Wahlrecht ab 16“, das sei „essentiell“. Und selbstredend „mehr Gespräche aller Demokratinnen und Demokraten untereinander!“ (Implizit ausgenommen diejenigen, die eine ganz bestimmte andere Partei darstellen und/oder wählen).

Der Rahmen ist die Botschaft. Die CDU- und Merkel-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung hat diesen Rahmen geschaffen. Mit der Einladung an Baerbock hat sie eine Spur gelegt bzw. eine bereits gelegte weiterverfolgt; sie ist schwarz-grün markiert. Denn wenn es um eine PR-Aktion für den Band „75 Jahre CDU“ gegangen wäre, hätten sich zig geeignetere, inspirierende Redner angeboten. Aber darum ging es nicht. Die CDU und ihr KAS-Braintrust denken strategisch. Und die Grünen zieren sich gar nicht ob der CDU-Avancen, ob erster Freundschaft- oder gar Verlobungsringe, ob mancher Aussteuergeschenke: In einem öffentlichen Glückwunschschreiben zu 75 Jahren CDU betonen die beiden Ober-Grünen ja: „So wie wir immer schon etwas wollten, seid Ihr immer schon etwas gewesen. Ihr seid so etwas wie die institutionalisierte Regierungspartei, die Grundversorgung im Kanzleramt, das Bayern München der Politik.“

Wunderbare Aussichten für 2021! Die Politik der Bundesregierung wird dann zwar etwas weniger bräsig sein, vor allem aber auch um einiges chaotischer.

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Kommentare ( 57 )

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57 Kommentare auf "Baerbock in der Adenauer-Stiftung: Die schwarz-grüne Verlobung"

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Eine gute Gelegenheit zu erinnern, dass die Grünen sich keinesfalls von Linksextremisten (Antifa, verschiedene Ökosozialismus-Grüppchen wie „Ende Gelände“, XR usw.) distanziert haben, wie Manfred Weber einst forderte. Damit ist diese Verlobung ein No Go:

https://www.xing.com/communities/posts/schwarz-gruen-oder-terrorismus-1017296740

Rot-Rot-Grün gibt es ebenfalls in Berlin, Thüringen und anderswo.

Die Botschaft ist doch simpel: „Wir wollen auch mal Minister und ändern nichts Wichtiges.“ Die eigentlichen Änderungen kommen von der wirtschaftlichen Seite, denn das Wahlverhalten der Deutschen hängt davon ab, wie sich Arbeitslosigkeit, Inflationsrate, Sozialversicherungen, etc. weiter entwickeln. Und das kann schwarzgrün ziemlich um die Ohren fliegen, wenn es da rappelt.

Man kann auch sagen: Der Kreis hat sich geschlossen. Die Grünen sind wieder an ihren Wurzeln zurückgekehrt. Kleiner Geschichtsunterricht: Die erste Grüne Partei gründete der CDU Politiker Herbert Gruhl. Er veröffentlichte 1975 das Buch „Ein Planet wird geplündert“. (Die Schreckensbilanz unserer Politik) Damit machte er sich keine Freunde, trat 1978 aus der CDU aus und gründete die GAZ (Grüne Aktion Zukunft) Dann nahm er einen Partner, die AUD (Aktion unabhängiger Deutscher) von denen heute viele in der AfD tätig sind, und trat als „Grüne“ 1979 bei der EU Wahl an. Diese Geburtsstunde der Grünen wird verschwiegen. Wohl deshalb weil die… Mehr

Konrad Adenauer würde sich im Grabe umdrehen, nein sogar rotieren.

Würde er nicht. Der wäre sogar stolz darauf wie es gelungen ist, eine Partei, die einmal unseren Planeten retten wollte, so umzubiegen, dass sie auf einen Wachstumskurs umgefallen ist. Wie es bei Rot/Grün lief mit Gesetzen wie Steuerreform, Hartz IV und weiterem Sozialabbau wird es mit Schwarz/Grün werden. Baerbock als Umweltministerin wird keine Kernkraftwerke abschalten. Sie weiß nicht im Geringsten wo sie den Strom herholt, wenn der Wind nicht wehr und die Sonnen nicht scheint.

@hekauf
Da wäre ich mir nicht so sicher, dass die das nicht trotzdem macht.
Man kann Menschen vor Gefahren warnen. Die einen nehmen das zur Kenntnis und berücksichtigen es bei ihrem Handeln, die anderen ignorieren das, weil sie glauben es besser zu wissen. Und Ideologen gehören nahezu immer zur zweiten Gruppe.

Baerbock weiss: Der Strom kommt aus der Steckdose!

Sie wird alle Kraftwerke abschalten und sich dann wundern, und wenn jemand ihr sagt, was dann mit den Steckdosen passiert, kauft sie halt Strom aus dem Ausland (wo Kern- und Kohlekraftwerke weiterlaufen und wegen dem zusätzlichen Abnehmer aus- und neugebaut werden).
Hauptsache, sie hat die Kraftwerke hier abgeschaltet und kann das als ihr Aushängeschild benutzen.

Diese Partei möchte doch gar nicht mehr existieren. Die warten nur noch auf ihre grünen Anführer, die sie von ihrem Leid erlösen.

2021: Kanzlerin Baerbock in Grün-Schwarz-Rot-Koalition mit einer Mehrheit, die jede Verfassungsänderung (bzw. -abschaffung) durchdrücken kann.
Merkel befördert zur UN-Generalsekretärin (deshalb ihr überspezifisches Dementi, sie würde nach der Kanzlerschaft weder in Deutschland noch in der EU ein neues Amt übernehmen).
Im Vergleich dazu klingt 1984 langsam wie eine Utopie…

Nach Bündnis 90 mit den Bürgerrechtlern jetzt Bündnis 2020 mit der FDJ-Propagandasekretärin. Typisch verlogene, grüne Ideologen!

Die Grünen demontieren und sabotieren doch in Wahrheit seit Jahren unseren Wirtschaft. Aktuell zeigen die Grünen ihr wahres Gesicht, man kann unschwer erkennen, dass sie in Deutschland ihre Herrschaft über einen grünen Totalitarismus einführen wollen. Der grüne Totalitarismus ist ein für das technisierte Massenzeitalter kennzeichnendes Herrschaftssystem, höchste Form moderner Diktatur, der Öko-Diktatur, er unterwirft alle Bereiche des Staates, zerstört die Wirtschaft und die Kultur zugunsten dem Geltungsanspruch einer links grünen politischen Ideologie, in welcher jeder einzelne deutsche Staatsbürger dem in der grünen Partei sich verkörpernden Gesamtwillen zwanghaft unterworfen ist. Die verheerenden Folgen dieser grünen Ideologie sind – die Beseitigung aller… Mehr

Interessant wird die Reaktion der Werteunion sein. Die haben zwar tolle Grundsätze, machen aber absolut nichts, um diese in der CDU umzusetzen. Das einzige was sie erfolgreich machen ist, Stammwähler davon abzuhalten, die Wahlpartei zu wechseln.

Herr Lammert hat einen kapitalen Baerbock geschossen und dabei ist die CDU auf den grünen Hund kekommen.

Der Hund gilt aber in manchen Kulturen als unrein.

Dieser Herr Lammert hatte einmal, schon sehr lange her, auch noch seine ersten Jahre als Bundestagspräsident durchaus meine Achtung.
Dann kam jedoch die peinliche Füllhaltergeschichte, seine hinterhältige Manipulation bezügl. „Alterspräsident“ und letztendlich die entwürdigende Behandlung der Frau Erika Steinbach nach ihrer Abschiedsrede vor dem gesamten Bundestag, was mich bis heute nur noch eine tiefe Verachtung für diesen Menschen empfinden läßt.

Ihm ist es halt mit den Jahren zu Kopfe gestiegen, dass er immerzu hofiert und gehätschelt worden ist von allen Seiten. Da kann man schon mal einen Narzissmusschub bekommen.

Ich kann mich gar nicht genug bei Ihnen für diesen Beitrag bedanken. Dieser herabwürdigende Vorgang wie Frau Steinbach nach ihrer Abschiedsrede, sowohl von einem oberlehrerhaften, selbstgerechten Lammert, als auch vom gesamten (rückgratlosen) Parlament behandelt wurde, war mir bisher nicht bekannt. Insgesamt ein jämmerlicher Vorgang. Hier zeigte nur Frau Steinbach Haltung. Gerade deshalb ist es hier bei Tichy so wichtig, solche Hinweise in den Kommentaren zu finden.

Ging mir ähnlich. Nach der „Aktion“ gegen Frau Steinbach habe ich sein Buch in den Mülleimer geschmissen. Der Mann ist für mich ein moralischer Schaumschläger.

Auch NACH der schwarz(?)-grünen Verlobung und sogar nach einer schwarz(?)-grünen Heirat wird sich in Deutschland nichts, …aber auch gar nichts, ändern !

Wir haben eine neue „grüne“ Regierungspartei; aber aufgrund der Wahlergebnisse wird höchstwahrscheinlich sogar die inoffizielle Bezeichnung „GroKo“ beibehalten werden können !

Und die, die das alles gewollt und gerade erst so gewählt haben, die Wähler, …die schlafen weiter tief und fest vor sich hin ! Armes Deutschland !