Das Kartell Parteienstaat lässt dem Parlament keine Chance

Die viel beschworene "Unabhängigkeit der Gerichte" ist kurzgeschlossen mit einem ganz ordinären Parteien-Proporz. Was ist nicht alles über die Einflussnahme der Politik auf die Gerichte in Polen geschrieben worden! Im Parteienstaat-Kartell lauter Pharisäer.

© Sean Gallup/Getty Images

Eigentlich wäre dies die Stunde des Bundestages. Wann, wenn nicht jetzt, wäre in Deutschland die Gelegenheit für die Legislative (das Parlament), ihre Eigenständigkeit zu zeigen und in verschiedenen dringlichen Angelegenheiten die Initiative zu ergreifen. Alle Bedingungen dafür sind da. Der Bundestag ist rechtmäßig gewählt und konstituiert, während die Bildung einer Regierung immer noch auf sich warten lässt. Offenbar haben diejenigen, die seit Jahren in der Exekutive sitzen, nichts Dringendes zu exekutieren. Gesetzesinitiativen, die ein wirkliches Eingreifen in Fehlentwicklungen bedeuten, sind von dieser Seite nicht zu erwarten. Man verteilt lieber viel Geld und setzt verbale „Zeichen“. In dieser Situation hätte der Bundestag die Möglichkeit, die Initiative zu ergreifen – und es wirklich als Gesetzgeber zu tun. Dafür ist er der durch Wahlen legitimiert. Von der Seite des Volkes sind die Bedingungen für eine stärkere Rolle des Parlaments durchaus gegeben. Der Wunsch nach entschiedeneren Eingriffen ist unüberhörbar. Bei Umfragen zu vielen Themen gibt es dafür Mehrheiten. Die Lage in Deutschland ist also durchaus reif für ein selbstbewussteres Parlament. Diese Eigenständigkeit wäre nicht nur an den Beschlüssen zu messen, sondern schon vorher an der Freimütigkeit und Redlichkeit, mit der Vorschläge erarbeitet und erörtert würden – ohne das moralische Fallbeil von Gut und Böse zu schwingen. Wie befreiend wäre das!

In der vergangenen Woche fand eine Probe aufs Exempel statt. Die AfD hatte eine Gesetzesinitiative für ein Verbot der Vollverschleierung im öffentlichen Raum eingebracht. So ein Verbot ist nichts unerhört Neues. Frankreich und Belgien haben es im Jahr 2011 beschlossen, in Österreich ist es seit Oktober 2017 Gesetz. Ein solches Verbot findet auch in der Bevölkerung viel Zustimmung. Und auch in der Bundestags-Sitzung hörte man manches Bekenntnis, dass man „natürlich“ gegen die Vollverschleierung sei.

Doch dann nahm die Angelegenheit eine ganze andere Wendung. Nicht Burka und Nikab waren jetzt das Problem, sondern die AfD. Ihre Gesetzesinitiative sei „eine Inszenierung“, war zu hören. Man brauche keinen „Nachhilfeunterricht“, sagte der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU. Sollte das heißen, dass ein Verbot der Vollverschleierung schon auf dem Weg war? Steht ein solches Gesetzesvorhaben eventuell im soeben ausgehandelten Koalitionsvertrag? Mitnichten. In der Sache stand der AfD-Initiative eine Einheitsfront von Parteien gegenüber, die an der gegenwärtigen Gesetzeslage nichts Wesentliches ändern wollen.

Der CSU-Innenpolitiker Stephan Mayer erklärte, die Bundesregierung habe bereits in der vergangenen Legislaturperiode mit einem „teilweisen“ Verschleierungsverbot (das nicht den öffentlichen Raum betrifft) die Regelungsmöglichkeiten „voll ausgeschöpft“. Mit anderen Worten: Im öffentlichen Raum soll sich nichts ändern. Mit ihrer Polemik gegen die AfD verrieten die Redner, wie wenig ihnen das Thema der anwachsenden Parallelgesellschaft im Land nahegeht. Am besten soll dies Thema für die ganze kommende Legislaturperiode stillgelegt werden. So gab es keinen Vorschlag, wie das Parlament mit dem Anliegen weiter verfahren sollte. Es hatte seine Arbeit noch gar nicht richtig angefangen, da sollte es sie schon wieder abbrechen.

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Wie der Antrag angeblich „zerpflückt“ wurde – Das Anliegen der AfD wurde mit einem Pauschal-Argument abgewiesen, das sich auf den Sachverhalt „Burka und Nikab“ gar nicht näher einließ. Es wurde erklärt, dass es einem Parlament in Deutschland gar nicht möglich sei, ein Gesetz gegen das islamische Kleidergebot für Frauen in der Öffentlichkeit zu beschließen, weil „die Rechtslage“ das nicht zulasse. Hier wurde auf die Religionsfreiheit verwiesen, und diese stehe unantastbar im Grundgesetz. Und mit welcher Naivität diese Unantastbarkeit im Bundestag beschworen wurde. Es war ausgerechnet einer jener „jungen Hoffnungsträger“ der CDU, der 25-jährige Philipp Amthor, der dem Parlament beibringen wollte, was „das Recht“ schon unverrückbar festgelegt hat. „Hören Sie mir mal zu, dann können Sie noch etwas lernen über die Verfassung“, rief der Jura-Doktorand ins Rund. Der Antrag der AfD sei einfach „Quatsch“. Wer mit Grundrechten operiere, „sollte auch sein OP-Besteck kennen“.

Bei Amthor besteht das Besteck in einer Grundrechts-Auslegung des Bundesverfassungsgerichts, in der das Tragen einer Burka der Religionsfreiheit zugerechnet wird. Obendrein gebe es ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages, das festgestellt habe, „dass Ihr Entwurf verfassungswidrig ist“. Tja, da scheint sich jede weitere Beschäftigung des Bundestages mit der Sache zu erübrigen. So redete sich die Nachwuchshoffnung der CDU in Schwung und merkte gar nicht, dass er nichts anderes tat, als die Sache aus dem Parlament herauszureden. Aber den Medienleuten hat die Show offenbar gefallen: „Merkels Bubi gibt der AfD Saures!“ titelt die Bild-Zeitung. Und in der FAZ (24.2.2018) schreibt Markus Wehner ganz begeistert, der „junge CDU-Mann“ habe den AfD-Antrag „zerpflückt“.

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Was Religionsfreiheit bedeutet und was nicht – Gut, dann wollen wir einmal genauer schauen, wie das mit der Religionsfreiheit auf sich hat. Im Fall der Vollverschleierung geht es ja nicht um ein religiöses Bekenntnis, um die Beziehung zu Gott, sondern um einen umfassenden Gestaltungsanspruch der Lebenswirklichkeit eines Landes. Mit dem Burka- und Nikab-Gebot wird nicht nur eine Kleidung für ein religiöses Ritual, für ein Fest oder für einen Gottesdienst, vorgeschrieben, sondern ein generelles Kleidungsverhalten im öffentlichen Leben.

Dies wiederum hat nicht nur Folgen für die Trägerinnen dieser Verhüllungen, sondern für alle Teilnehmer am öffentlichen Raum, für das gesellschaftliche Miteinander. Es geht also um die Frage, ob man sich auf die Religionsfreiheit berufen kann, wenn man mit religiösen Geboten in einem neuzeitlichen-säkularen Land wie Deutschland in den öffentlichen Raum eingreifen will. Ein Blick in den Wortlaut des Artikels 4 des Grundgesetzes ist hier hilfreich. Der Artikel umfasst drei Absätze:

„(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.
(2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.
(3) Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden. Das Nähere regelt ein Bundesgesetz.“

Hier wird sofort klar, welcher Missbrauch mit dem Begriff „Religionsfreiheit“ getrieben wird, wenn man damit eine Verhaltensvorschrift für Frauen im gesamten öffentlichen Raum und Alltagsgeschehen begründen will. Im Grundgesetzartikel 4 ist keine Rede davon, dass ein religiöses Gebot „Ständiges Tragen einer Verschleierung, die die Person in der Öffentlichkeit unkenntlich macht“ Anspruch darauf hat, als eine religiöse Handlung im Sinne der Religionsfreiheit zu gelten. Ein solches Gebot ist ein Übergriff auf die Normen der säkularen öffentlichen Freiheit. Es ist ein Eingriff in das gesellschaftliche Zusammenleben und eine erhebliche Einschränkung des Merkmals „Öffentlichkeit“. Diese Öffentlichkeit ist ein grundlegender, unveräußerlicher Verfassungsstandard demokratischer Republiken.

Historisch gehört ein solches Verschleierungsgebot in eine Zeit, in der im Namen der Religion umfassende weltliche Machtansprüche erhoben wurden. Eine solche „Durchtränkung“ des öffentlichen Lebens mit einem religiösen Verhaltensangebot ist für die Bundesrepublik Deutschland nicht hinnehmbar. Es wäre durchaus denkbar, dass es den Muslimen in Deutschland erlaubt ist, im Rahmen eines bestimmten Feiertags oder Ritus eine Vollverschleierung zu tragen (wobei dann noch zu klären wäre, ob es hier nicht eine Diskriminierung von Frauen vorliegt). Aber in jedem Fall ist ein Vollverschleierungs-Gebot für den normalen Alltag eine Verletzung grundlegender Normen unserer Verfassung. Ein Verbot dieser Verschleierung wäre konsequent im Sinn des Grundgesetzes.

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Die Freiheit der Religion entbindet nicht von der Treue zur Verfassung – In diesem Zusammenhang sollte der Gesetzgeber sich auch überlegen, ob er das Gebot der Verfassungstreue von Religionsgemeinschaften ausdrücklich ins Grundgesetz aufnimmt. In Artikel 5, Absatz 3 des Grundgesetzes heißt es: „Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.“ Angesichts der heutigen Situation in Deutschland und anderen europäischen Ländern wäre eine Erweiterung dieser Treupflicht auf die Religionsgemeinschaften geboten.

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Das „christliche Menschenbild“ ist nicht die Grundlage unserer Verfassung – Die Religionsfreiheit ist ein hohes, aber auch begrenztes Verfassungsgut. Wenn man das „christliche Menschenbild“ anstelle des Staatsvolks zum Angelpunkt der gesamten Politik macht, wie es heute vielfach geschieht, wird die Breite der freiheitlich-demokratischen Grundordnung verengt. Mit einem religiös eingefärbten Menschenbild lässt sich der Wert eines weltbezogenen, öffentlichen Lebens nicht verteidigen. Das Tabu eines Burka-Verbots und die Rolle, die dabei eine absolut gesetzte Religionsfreiheit spielt, zeigt das überdeutlich.

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Steht das Bundesverfassungsgericht über dem Parlament? – In dieser Auseinandersetzung ist noch ein zweites, institutionelles Grundproblem enthalten: Wer stellt eigentlich fest, was im Sinne unseres Grundgesetzes ist und was nicht? In der Bundestagsdebatte wurde der Text unserer Verfassung gar nicht zitiert, sondern nur Auslegungen des Bundesverfassungsgerichts (und diese auch nur plakativ). Das Beispiel „Religionsfreiheit“ zeigt, dass man „die Verfassung“ und „die Auslegung der Verfassung“ nicht gleichsetzen darf. Man darf den auslegenden Richtern nicht den gleichen Rang einräumen wie der Verfassung selbst.

Die Richter des Bundesverfassungsgerichts sind keineswegs die alleinigen Repräsentanten der Verfassung im Lande. Sie bleiben Teil der Judikative und sind damit der Gewaltenteilung unterworfen. Sie stehen nicht über den Beschlüssen der Legislative (Bundestag und Bundesrat). Wäre es so, hätten wir eine Demokratie unter Richter-Vorbehalt. Aber die Verfassungsrichter „sind“ nicht das Verfassungsrecht, sondern sie „sprechen“ es nur. Auch hier empfiehlt es sich, den Text des deutschen Grundgesetzes genau zu lesen. In Artikel 20, Absatz 3 steht, dass die Legislative „der Verfassung“ untersteht, nicht aber dem „Verfassungsgericht“. Dies Gericht ist Teil der Judikative. Zur Judikative ist an gleicher Stelle im Artikel 20 festgelegt: Exekutive und Judikative unterstehen „Recht und Gesetz“.

Es ist also keineswegs so, dass das Bundesverfassungsgericht „der“ Repräsentant der Verfassung ist und das Parlament nur eine nachgeordnete Gesetzeszuständigkeit hat. Gewiss kann ein eklatanter Verstoß gegen das Grundgesetz vorkommen und das Verfassungsgericht die Notbremse gegen die Legislative ziehen. Aber viel häufiger sind begrenzte Auslegungskonflikte. Einen solchen begrenzten Verfassungskonflikt zwischen Parlament und höchstem Gericht muss man nicht fürchten, denn er würde das Land nicht in einen Ausnahmezustand stürzen.

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Das Burka-Verbot ist einen Verfassungs-Konflikt wert – Für den vorliegenden Fall ist das wichtig: Auch wenn man sich über das Verständnis der Religionsfreiheit in Punkto religiöses Verschleierungsgebot streiten kann, so ist doch offensichtlich, dass es hier nicht um Sein oder Nicht-Sein der Religionsfreiheit geht. Es geht um eine Frage, die man getrost der politischen Gestaltung durch die Legislative überlassen kann – so wie es andere Länder auch tun. In diesem Sinn ist die Frage der Vollverschleierung wirklich eine Sache des Deutschen Bundestages. Und wenn die Karlsruher Richter, die sich in den vergangenen Jahrzehnten recht stark in die Politik eingemischt haben, hier ihr Veto einlegen, dann wohlan, braves deutsches Parlament: Dann ist Deine Stunde gekommen, die Zähne zu zeigen und einen Verfassungskonflikt zu wagen. Davon geht die Demokratie in Deutschland nicht unter. Und die parlamentarische Demokratie würde sogar gestärkt.

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Gewaltenteilung oder Kartell? – Nun ist diese Kolumne fast zu Ende, aber da gibt es noch einen Vorgang. Er lässt diejenigen, die die Gesetzesinitiative in so hohen Tönen abgewiesen haben, in einem ganz neuen Licht erscheinen. In der FAZ (21.2.2018) berichten Helene Bubrowski und Reinhard Müller unter der Überschrift „Spielball der Politik“ von „neuen Sorgen um Akzeptanz und Statik des Bundesverfassungsgerichts“. Anlass ist der Anspruch der Grünen, einen Kandidaten für den frei werdenden Sitz im ersten Senat des BVG vorzuschlagen. Ein Anspruch der Grünen? Einer politischen Partei? Der Leser ist erstaunt und erfährt in dem Artikel fast beiläufig von einem Deal aus dem Jahr 2016. CDU/CSU, SPD und Grüne hatten damals einen festen Turnus vereinbart, nach dem jeweils eine Partei das Vorschlagsrecht für die Nachfolge auf einem freiwerdenden Posten im Bundesverfassungsgericht hat – mit der Aussicht auf die Stimmen der anderen am Deal beteiligten Parteien. Für den Bundesrat sah der Turnus so aus: Union, SPD, Union, SPD, Grüne usw. (die 16 Verfassungsrichter der beiden BVG-Senate werden je zur Hälfte vom Bundestag und Bundesrat gewählt). Nach diesem Deal wären die Grünen jetzt mit dem Vorschlagen dran, und da gibt es wohl ein Gezerre, ob das gerade passt. Aber nicht dies Gezerre macht den Leser sprachlos, sondern das ganze System: Die viel beschworene „Unabhängigkeit der Gerichte“ ist auf einmal kurzgeschlossen mit einem ganz ordinären Parteien-Proporz. Was ist nicht alles über die Einflussnahme der Politik auf die Gerichte in Polen geschrieben worden! Und nun liest man in der FAZ (ohne dass die Autoren hier ein großes Fragezeichen setzen) folgende Zeilen, die zeigen, wie eng die Besetzung des höchsten Gerichts in Deutschland mit den tagespolitischen Interessen eines bestimmten Parteienspektrums verzahnt ist:

„Doch einen Trumpf haben die Grünen in der Hand: Union und SPD sind im Bundesrat auf sie angewiesen. Die Grünen sind derzeit an neun der sechzehn Landesregierungen beteiligt. Ohne Zustimmung der Grünen kommen SPD und Union nicht auf die erforderliche Zweidrittelmehrheit.“

Und hier schließt sich der Kreis: Während die etablierten Parteien ein unliebsames Thema mit heftigsten Tiraden von der Agenda des Bundestags entfernen wollen und sich dabei auf die Unantastbarkeit höchstrichterlicher Urteile berufen, sind die gleichen Parteien schon dabei, die Zusammensetzung dieser Gerichte unter sich auszumachen. Das darf man getrost ein politisches Kartell nennen – ein Kartell, das die Gewaltenteilung der Republik zu Gunsten einer intimen „Vernetzung“ durchbrochen hat.

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Kommentare ( 107 )

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107 Kommentare auf "Das Kartell Parteienstaat lässt dem Parlament keine Chance"

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Hallo, von einem Bundestag, der sich damit beschäftigt, einen Sitzplatz nicht neben der AFD zu haben, kann man ernsthaft keine Gewaltenteilung erwarten. „Es war ausgerechnet einer jener „jungen Hoffnungsträger“ der CDU, der 25-jährige Philipp Amthor, der dem Parlament beibringen wollte, was „das Recht“ schon unverrückbar festgelegt hat. „Hören Sie mir mal zu, dann können Sie noch etwas lernen über die Verfassung“, rief der Jura-Doktorand ins Rund. Der Antrag der AfD sei einfach „Quatsch“. Wer mit Grundrechten operiere, „sollte auch sein OP-Besteck kennen“. Das Grundgesetz ist nicht operabel und ein 25 Jähriger Jura Doktorand, der dem Parlament beibringen will, was das… Mehr

Vielleicht schreibt ihm Guttenberg die Arbeit. Würde zum Rechtsverständnis der herrschenden Parteien passen.

Wenn ein Verbot der Vollverschleierung in der Öffentlichkeit tatsächlich gegen Art. 4 GG verstoßen würde, hätte es das Parlament in der Hand, die Verfassung in diesem Punkt mit 2/3-Mehrheit zu ändern. Denn die sog. Ewigkeitsklausel (Art. 79 Abs. 3 GG) gilt für die Religionsfreiheit nicht. Die angebliche „Verfassungswidrigkeit“ ist ein Scheinargument, mit dem die Blockparteien ihre echte Motivation verschleiern wollen.

Art. 79 III lesen! Selbstverständlich gilt die sog. Ewigkeitsklausel für den gesamten Grundrechtekatalog, also auch für die Religionsfreiheit. Bitte lesen Sie erst nach, bevor Sie (unwissentlich) Falsches verbreiten.

Sie sollten sich einmal den Art.19 Abs. 1 und 2 ansehen. Auf der Grundlage dieses Artikels ist im Übrigen Art. 16 Anfang der 90iger Jahre geändert worden.

Sehr ausführlicher und kluger Artikel!

Herzlichen Dank für diesen gelungenen Beitrag! Dass auch das Verfassungsrecht nicht in Stein gemeißelt ist, sondern gesellschaftlichen und historischen Entwicklungen unterliegt und die in den Senaten versammelten Verfassungsrichter in der Auslegung von Verfassungsrecht längst nicht immer einer Meinung sind, am Ende auch sachfremde, weil parteiloyale Erwägungen eine Rolle spielen, lässt sich an Beispielen aus der Rechtsprechung des BVerfG leicht belegen. Interessant finde ich an der derzeitigen Diskussion im Deutschen Bundestag über die Vollverschleierung neben den vielen und treffenden Einwänden des Verfassers auch die in dieser Causa apodiktische Priorisierung des Grundgesetzes (Art. 4 GG) gegenüber europäischem Recht. Eine FDP-Abgeordnete ging in… Mehr
Die PIC kopiert deutsches gekungel und das kommt nicht gut an. Wir haben dafür schließlich die Urheberrechte. Da die AfD bei jedem ihrer Anträge einer ablehnenden Einheits- front gegenüber steht. Darauf haben sich einige pauschal festgelegt Sollte sie da sie von allen anderen Parteien als rechte Partei bezeichnet wird, die Probe aufs Exempel machen und den Antrag stellen, als einzige rechte Partei im Bundestag anerkannt zu werden. Da man pauschal keinem Antrag der AfD zustimmen möchte. Kann man auch dann nicht zustimmen. Ob das rechtlich möglich ist, ist mir unbekannt. Es würde nur solche dummen Aussagen bloßstellen. Gauland sagte einmal,… Mehr

Man sollte es wie mit der Meinungsfreiheit halten: Religionsfreiheit ist immer die Freiheit der anderen. Damit hätte sich der Islam so ziemlich erledigt, weil man nicht austreten kann, ohne um sein Leben zu fürchten.
Was dieses Nachwuchstalent der CDU, Amthor, angeht: naja, nach den Überschriften der MSM mußte ich mir das direkt mal auf YouTube anschauen. Wer wählt denn so jemanden ? Unsympathisch ist noch arg untertrieben, vom substanzlosen, überheblichen Gewäsch mal ganz abgesehen.

Moin moin,
Aha, Religionsfreiheit. Wenn der Angehörige der Messerkultur, getreu dem Aufruf Allahs folgend, einen Ungläubigen in die ewige Islam-Hölle befördert, bekommt er vom Scharia-Richter der NoGo-Zone einen Loorbeerzweig, und von „unserer Rechtsprechung“ im Namen der Religionsfreiheit Bewährungsstrafe oder wie?
Total ab vom Kurs, so eine Religionsfreiheits-Begründung! Was in meiner Kajüte Sache ist und welcher Kurs anliegt, bestimme immer noch ich!

Gerd Held sei gedankt für die ausführliche Beleuchtung des Themas Religionsfreiheit und wie sie mißbraucht wird, und dafür bewußt miß- und umgedeutet wird. (Bei Thema Asyl erleben wir ja konkludent das gleiche). Ich teile seine Ansichten vollumfänglich. Dennoch fehlt mir in den Betrachtungen zum Thema etwas, etwas übrigens, was mit auch bei der AfD fehlt und wo ich, bei aller Liebe, eine gewisse Naivität erkenne. Sicher gibt es hier bei der AfD und anderen Lerneffekte, doch noch bleiben sie hinter dem erforderlichen zurück. Denn an einem besteht kein Zweifel, und um das zu erkennen, muß man die konservative Filterblase verlassen:… Mehr
Ich bin nicht ganz so skeptisch. – Die Wirkung der AFD ist doch schon jetzt zu greifen – nach fast einem halbem Jahr – „ohne Regierung“. Turbulenzen im Parteiensystem.- Natürlich wird die aktuelle Rede z.B. von Brandtner zur Deutsche Sprache nicht im ÖRR verbreitet- nur die Häme kleiner parlamentarischen Würstchen. – Weiter unten rede ich hier vom „PIMK“, der schwer zu durchbrechen ist. – Reden wir in einem halben Jahr nach der Bayern Wahl weiter, denn die Erosion im Parteiensystem geht weiter.- Meine Hoffnung auf einen Kurswechsel im Sinne DEUTSCHLANDS bleibt. – Auch die AFD wird sich zunehmend qualifizieren müssen.-Haben… Mehr
Zwei Rechtsgüter liegen, ach wohl in der Luft: Vermummungsverbot vs. Vermummung, als „Religionsfreiheit“ getarnt, also ebenfalls vermummt. Welches der beiden ist vorrangig? Fast schon eine (rechts)philosophische Frage. Die Dreiteilung der Gewalten ist auch dazu da, dass sich die Teilgewalten ab und zu in die Haare kriegen bei der Frage: Wer hat wem was zu sagen? Gut so, lassen wir sie streiten im Namen des Volkes – und letztendlich spielt auch der Souverän eine Rolle, mit seinem Wahlverhalten. Demokratie ist etwas Plastisches, Bewegliches, Dynamisches – solange sie nicht was Damisches wird, ist alles o.k. Da sind wir alle gefordert. Vor allem… Mehr
Ja, es stimmt. Diese Zeiten einer von dahinalternden Politfunktionären auf Null heruntergeschacherten Staats-Exekutive müßten eigentlich Sternstunden des Parlaments und des sich neu belebenden Parlamentarismus sein, in denen sich die republikanische Zentralgewalt nicht mehr länger in die Mündelkorsette einer hinsichtlich ihrer Staatsziele völlig durchgeknallten Exekutive pressen läßt. In Deutschland leider nichts davon. Es bleibt dunkel. Wie bei den Kakerlaken: besser, die Leute erfahren es nicht oder nicht zuviel davon! Dies hat viele Ursachen. Eine davon ist das deutsche (Listen-) Wahlrecht, in dem nach Maßgabe konkludenter Loyalitätspflichten die Parteien (deren Funktionäre, nicht die Wähler!) inzwischen mehr als die Hälfte der Parlamentarier bestimmen,… Mehr

„Diese Zeiten einer von dahinalternden Politfunktionären auf Null heruntergeschacherten Staats-Exekutive“ – Wunderbar auf den Punkt getroffen!

Wunderbare Beschreibung des desaströsen Ist-Zustandes dieser Republik. Sie zeigt auch, dass der vielbeschworene „mündige Bürger“ offenbar nur eine Fata Morgana ist, ein Trugbild also, das nur die für wahr halten, für die Täuschung ohnehin zum Alltagsgeschäft gehört – unsere politische Klasse also. Der Wähler, mittlerweile vom medialen Dauerbeschuss der politischen Korrektheit um seinen Verstand gebracht, hebt alle vier Jahr die Hand und winkt die Prozession durch. Die Widerborstigen müssen sich anschließend fügen. Das ist Demokratie, wie wir sie verstehen …