Halleluja, lasst uns die Erde retten

Lange war der Begriff „Klimareligion“ verboten. Wer es benutzte, landete schnell in die Schublade der Klimaleugner, Verschwörungstheoretiker oder „Schwurbler“. Medien und Politik erklärten unisono: "Klimaschutz" sei Wissenschaft, die auf Daten und Fakten beruht – und nicht auf Glaubensfragen. Von Eddie Lange

picture alliance/dpa | Sebastian Kahnert

Lange hieß es, „Klimaschutz“ sei Wissenschaft von Daten und Fakten und keine Glaubensfrage. Umso erstaunlicher nun die neue Wendung der niedersächsischen Kultusministerin Julia Willie Hamburg (39). Die Grünenpolitikerin präsentierte ihren neuen Religions-Lehrplan, in den neben „Meditation im Buddhismus“, „Scharia im Islam“, „Sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität als Entwicklungsaufgabe“ ausdrücklich auch Klimathemen integriert werden sollen.

Somit wird aus der angeblich absurden Metapher plötzlich institutionelle Realität, die ein typisches Muster moderner Debatten widerspiegelt: Zuerst wird ein Begriff oder eine Idee delegitimiert, um Kritiker zu diskreditieren. Stellt sich dann jedoch heraus, dass ein Teil dieser Idee gar nicht so weit hergeholt ist, wird sie stillschweigend übernommen – allerdings unter einem neuen moralischen Vorzeichen.

Diese geschickte Art von intellektuellem Opportunismus ermöglicht es, die eigene Position zu wahren, während man gleichzeitig Elemente dessen integriert, das man zuvor abgelehnt hat. Das, was gestern noch als polemische Verächtlichmachung galt, bekommt heute einen Platz im Lehrplan – ausgerechnet in dem Fach, das traditionell Fragen von Glauben, Sinn und Weltdeutung behandelt.

Der Widerspruch ist schwer zu übersehen. Entweder ist „Klimapolitik“ eine strikt wissenschaftliche Angelegenheit – dann gehört sie primär in Naturwissenschaften, Geografie oder Politikunterricht. Oder sie wird auch als moralisch-weltanschauliche Frage verstanden – dann ist der Vergleich mit einer Art „Glaubenssystem“ zumindest nicht mehr völlig abwegig.

Die eigentliche Pointe liegt jedoch im Umgang mit Kritik. Ein Begriff, der jahrelang als diffamierende Unterstellung galt, wird nicht etwa widerlegt – sondern durch politische Praxis indirekt bestätigt. Aus dem Vorwurf der Skeptiker wird so ein didaktisches Konzept.

Ja, und auch die evangelischen Kirchen in Niedersachsen begrüßen die hohe Aktualität des geplanten Unterrichts. Auf Anfrage von Domradio hieß es: Religiöse Bildung für Kinder und Jugendliche sei „ein wesentlicher Beitrag, um mit den Herausforderungen des modernen Lebens, den multiplen Krisen und der Gestaltung der Zukunft umgehen zu können.“ Eine Zustimmung, die möglicherweise auf dem Mitgliederschwund deutscher Kirchen beruht, die sich jetzt auf Klimaaktivisten und ‑kleber konzentrieren möchte, um ihnen einen warmen Platz im Schoß der Kirche anzubieten?

Dort könnten sie sich regelmäßig versammeln, um ihre „Klimareligion“ zu zelebrieren und eine neue Gemeinschaft zu bilden, die sich dem Schutz der Erde verschrieben hat. Und vielleicht wird irgendwann auch der eine oder andere aus den Fraktionen der sogenannten Klimaleugner, Schwurbler und Verschwörungstheoretiker mit und für sie beten: „Gott schütze das Klima.“

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Kommentare ( 2 )

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Alf
1 Stunde her

Klima ist wie ein Doppelpendel.
Man weiß nicht in welche Richtung das Pendel schlägt.
Aber eines ist sicher, nicht in die Richtung, die uns die Klimaverrückten glauben machen.

yeager
1 Stunde her

Ist schon witzig, wie die katholische Kirche da letztlich zu einer Form der Form der Naturreligion zurückfindet. Back to the Basics.
Ich glaube allerdings nicht, dass die Anbiederung an den Klimaaktivismus den Kirchen viel Zulauf bescheren wird. Zudem bringen diese Eiferer bereits ihren eigenen Glauben mit, neben dem christliche Konzepte keinen Platz haben.