ZDF inszeniert politisches Tribunal bei Markus Lanz

In der Talkrunde von Markus Lanz wurde wieder einmal mit unlauteren Methoden versucht, den Zuschauern einen AfD-Politiker vorzuführen, um sie davon abzubringen, diese Partei zu wählen. Gut möglich, dass jedoch genau das Gegenteil bewirkt wurde.

Screenshot YouTube/ZDF

Der Aufstieg der AfD zur mit 18,4 Prozent zweitstärksten Fraktion im Hessischen Landtag lässt nicht nur bei den etablierten Parteien, sondern auch im ZDF die Befürchtung wachsen, dieser Aufstieg könnte sich bei den anstehenden Wahlen zum Europaparlament im Mai 2024 weiter fortsetzen. Vor allem deswegen wurde wohl der AfD-Fraktionsvorsitzende im Hessischen Landtag, Robert Lambrou, am 12. Oktober in eine Talkrunde bei Markus Lanz eingeladen. Mit ihm sollte den Zuschauern wieder einmal der Vertreter einer Partei vorgeführt werden, die sie nach einhelliger Meinung des Moderators und der anderen Gäste der Talkrunde besser nicht wählen sollten. Geladen waren neben Lambrou die FDP-Bundestagsabgeordnete Linda Teuteberg, der grüne Oberbürgermeister von Hannover, Belit Onay, sowie der WELT-Journalist Robin Alexander.

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Unter Führung von Lanz machten sie sich mit vereinten Kräften daran, den vom Moderator als gemäßigt rechts gelabelten Lambrou mit Hilfe von Aussagen anderer, weiter rechts verorteter AfD-Politiker als deren nützlichen Idioten bloßzustellen. Darüber hinaus sollte den Zuschauern demonstriert werden, dass die AfD in Fragen der Asyl- und Migrationspolitik keineswegs über das hohe Maß an Problemlösungskompetenz verfüge, das ihnen eine Mehrheit der Wähler inzwischen laut einiger Umfragen zuschreibt. Für das polit-medial verbreitete Narrativ, die AfD instrumentalisiere auf diesem Gebiet Probleme, biete aber keinerlei Lösungen, sollte an Lambrou ein möglichst anschauliches Exempel statuiert werden.

Lanz traktierte ihn dafür ganz im Stile eines zwar freundlichen, aber dennoch strengen und ihn daher ständig unterbrechenden Oberlehrers unter anderem mit Zitaten und Videos des AfD-Fraktionsvorsitzenden im Thüringer Landtag, Björn Höcke, und des AfD-Spitzenkandidaten für die Europawahl, Maximilian Krah. Darin sprechen sie sich zum Beispiel für eine Auflösung der Europäischen Union in ihrer heutigen Verfasstheit sowie eine Rückbesinnung der Deutschen auf die historischen Leistungen ihrer Vorfahren aus. Trotz des wiederholten Hinweises von Lambrou, Lanz solle die Genannten doch besser selbst in seine Talkrunde einladen, um sie dort zu fragen, was sie mit ihren Aussagen meinten, bestand dieser mit Nachdruck darauf, Lambrou solle sich zu ihnen erklären. Besonders tatkräftig sekundiert wurde Lanz dabei von seinem Journalisten-Kollegen Alexander.

Dieser hielt Lambrou nicht nur Aussagen von anderen AfD-Politikern, sondern auch die Forderung aus dem Wahlprogramm der AfD für die Bundestagswahl 2021 vor, in der sie noch einen Austritt aus der EU gefordert hat. Einen solchen Austritt fordert sie in ihrem Programm für die kommende Europawahl inzwischen aber nicht mehr. Lambrou wies darauf zwar mehrfach hin, was Alexander und der Moderator jedoch geflissentlich übergingen. Immerhin hatte Alexander eigens ein Notizbuch mitgebracht, aus dem er aus dem Bundestagswahlprogramm 2021 vorlas, nachdem Lanz ihn in der Sendung dazu aufgefordert hatte. Ein bemerkenswertes Zusammenspiel zwischen Moderator und Talkgast, der so plötzlich zum Co-Moderator mutierte.

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In diesem Stil ging die gesamte Talkrunde weiter. Lambrou wurde entweder immer wieder mit Aussagen und Verhaltensweisen konfrontiert, die nicht von ihm, sondern von Parteikollegen stammten; oder ihm wurde von Lanz und seinen Mitstreitern fast jedes Wort abgeschnitten, nachdem er zuvor, Interesse heuchelnd, vom Moderator dazu aufgefordert worden war, seine Vorstellungen von einer besseren Asyl- und Migrationspolitik zu erläutern. Ein Vorgehen, das allen Standards professionell-fairer Moderation politischer Streitgespräche Hohn spricht und vorrangig darauf abstellt, einen politischen Gegner kollektiv in aller Öffentlichkeit niederzumachen.

Höchst bewundernswert war die Ruhe und Gelassenheit, mit der der hessische AfD-Fraktionsvorsitzende dieses von Arroganz und Selbstgerechtigkeit strotzende Tribunal über sich ergehen ließ. Dabei half ihm vermutlich die Gewissheit, dass den meisten Zuschauern nicht verborgen bleiben konnte, dass es den Machern und Teilnehmern dieser Talkrunde nicht darum ging, mit dem Wahlsieger einer Landtagswahl sachlich über dessen politischen Ziele und Konzepte für das Land Hessen zu diskutieren. Mit Blick auf die kommende Europawahl ging es ihnen vielmehr darum, öffentlich-rechtlichen Wahlkampf gegen einen weiteren politischen Newcomer in der EU zu machen, der die im EU-Parlament erstarkten Mitte-Rechts-Kräfte zusätzlich stärken könnte.

Gut möglich, dass genau deswegen mehr und nicht weniger Zuschauer dieser Talkrunde bei den Europawahlen im Mai ihr Kreuz bei der AfD machen werden. Denn wer will sich von einem wahlkämpfenden Talkmeister und seinen als Gästen kaschierten Mitstreitern schon sagen lassen, welche Partei er auf keinen Fall wählen darf?

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Kommentare ( 134 )

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134 Comments
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Richy
9 Monate her

Lanz ist einer der schlimmsten Moderatoren im ZDF. Ich kann mir diese Sendung nicht ansehen, sie verläuft fast immer nach dem gleichen Muster. Ein Opfer (diesmal eines von der AfD) wird ausgesucht und dann von ihm und den anderen geladenen, linken Gästen versucht zu diffamieren. Und wenn es auch zu einem Moderator dazu gehört, nachzubohren, diese permanenten Unterbrechungen, wenn etwas gesagt wird, as ihm nicht in den Kram passt, ist mehr als unhöflich. Lanz steht auf der gleichen Stufe wie der unsägliche Böhmermann, sowie die anderen Polit-Moderatorinnen in ARD und ZDF. Und besonders schlimm ist, dass wir diese linken, einseitig… Mehr

November Man
9 Monate her

Alleine kann Lanz nichts. Darum holt er sich grundsätzlich ausgewählte Verstärkung aus dem linksextremen Lager. Der Lanz würde uralt aussehen säße er mal mehreren AfD-Politikern alleine gegenüber.  

Riffelblech
9 Monate her

Aus Dummheit und Billigkeit immer auf die AfD ! Wenn auf der Straße jemand von 3 Leuten zusammengeprügelt wird ,spricht man von Feigheit . Wenn in einer Talkshow das Gleiche passiert ,eben nur mit Worten kann es dann etwas Anderes sein ? Feige Kerle schließen sich immer zusammen ,alleine sind sie für einen Gegner zu schwach . Dann aber mit voller Wucht ! Robin Alexander und M.Lanz sind sowohl freundschaftlich verbunden als auch politisch ihren Arbeitgebern verpflichtet deren vorgegebene Meinung zu vertreten . Also los mit Worten , die verletzen und Schaden zufügen sollen ! Der moralische Anstand darf hier… Mehr

Monostatos
9 Monate her

Die Beiträge des grünen OB von Hannover fügten sich harmonisch in die Lanz-typische „Neutralität“ ein. Welch eine Farce. Gut, dass man diese medialen Praktiken in YouTube findet und anderen Leuten zeigen kann, die sich informieren wollen.

cleverfrank
9 Monate her

Die Kommentare bei YT unter diesem Video sind sehr eindeutig zu Gunsten von Lambrou. Die Masche von Lanz zieht offenbar nicht mehr, selbst mit dem peinlichen Sekundanten Robin Alexander.

Karsten Maltinger
9 Monate her

Leider hat man sich daran gewöhnen müssen, daß die AfD es weiterhin nicht versteht, jeweils ihre besten Köpfe an die Spitze zu hieven.
Die Krönung war „Braunschweig“, als Gauland es verstand, Chrupalla gegen Curio durchzudrücken.
Und auch in und für Hessen käme Andreas Lichert sicher „besser rüber“ als es bei Lambrou der Fall ist.

Monostatos
9 Monate her

Die Hilflosigkeit der „eigentlich“ zur Neutralität verpflichteten Systemmedien nimmt immer groteskere Züge an. Hinter der Brandmauer steigt die Temperatur beharrlich an. Gut so!

Waldorf
9 Monate her

Die gescriptete Choreografie dieser „Talkformate“ ist so offensichtlich, daß es immer mehr Zuschauer durchschauen – deren Reaktion ist dann allerdings nicht, sich wie von Lanz, Iller, Maischberger und Co zu verhalten, sondern schlicht abschalten. Der Aufstieg der AfD in den westlichen Bundesländern liegt eh zum großen Teil an Habeck, der das Klima-Fass zum Überlaufen gebracht hat. In diesen Sinne kann man die neuen AfD-Rekorde als Reaktion auf grüne Politik interpretieren, da nur die AfD deutlich gegen Grüne aufgestellt ist. Mögen Merz oder Söder jetzt etwas gegen Grüne poltern, jedermann sieht, daß die Union in NRW, Schleswig-Holstein, Sachsen, BaWü, Hessen mit… Mehr

DELO
9 Monate her

Es ist beschämend für Robin Alexander, wie er sich für die niederen Dinge des Schwindelfunks vor den Karren spannen läßt. Ist das der Grund des Seitenhiebs von Poschart am Wahlabend im WELT-TV mit den Worten: „Unser Robin hat immer recht“?

Reimund Gretz
9 Monate her

Man muss schon stark intelligenzbefreit sein, um nicht zu erkennen, dass die aktuelle Regierung das Problem von Deutschland ist und nicht die @AFD!
Es ist gut, dass die inzwischen labern können was sie wollen, doch es immer mehr Wähler erkennen, ohne die AFD ändert sich gar nichts an den Missständen in Deutschland, die von der GROKO geschaffen und von der #Ampel erweitert werden!