Mit Maischberger von Putin über Esken zu Trump und Corona oder „Das normale Leben ist jetzt“

Die Runde schloss der philosophisch anmutende Satz von Jördis Frommhold, Chefärztin einer Lungenklinik: „Das normale Leben ist jetzt“.

Screenprint: ARD/maischberger

Kaum hat man sich auf die Couch gesetzt, wurde man schon mit erfrischenden Ehrlichkeiten konfrontiert, denn Bettina Gaus, politische Korrespondentin der taz, kann es nämlich verstehen, wenn das Flüchtlingslager in Moria von den Geflüchteten selbst angesteckt wurde. Auch auf die Frage, was die Katastrophe über den Zustand der europäischen Flüchtlingspolitik aussage, erklärte Robin Alexander, stv. Chefredakteur der Welt, dass Migranten keine Lust auf Griechenland haben, sondern eigentlich nach Deutschland wollen. Er sieht das Problem aber nicht bei unserem vielgescholtenen Innenminister, sondern im Türkei/EU-Deal. Es sei außerdem die Rechtslage, die Geflüchteten in die Türkei zurückzubringen. Frau Gaus gefällt das nicht. Er habe ja recht, das sei die Rechtslage, aber das finde sie unerträglich.

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Für Frau Gaus sind NATO und EU schuld an Russlands Eskalationen. Wohlwissend, dass manche ein Problem mit Sachlichkeit haben, konnte Robin Alexander auch beim Thema Belarus und Russland für Nüchternheit sorgen. Er räumte Mythen zu russischen imperialen Phantomschmerzen aus und stellte klar, dass Putin sicher besseres zu tun habe als auf „böse Mächte im Westen“ zu reagieren. Auf Nordstream2 angesprochen, stellte Alexander auch fest, dass ein Ende von Nordstream2 zwar teuer, aber den Preis wert wäre. Es gäbe für ihn nämlich kein anti-europäischeres Projekt.

Politik ist, wenn man gekonnt eiert … Frau Esken nuschelte sich auf schwäbisch durch die stakkatoartigen Fragen von Frau Maischberger durch. Dabei wähle sie „immer ihre Worte mit Bedacht“. Um Gottes Willen, dachte sich wohl so mancher Zuschauer, die meint das also alles ernst. Im gleichen Atemzug ließ Frau Esken aber verlauten, dass es ihr auch darum gehe, Debatten anzustoßen. Das gelinge ihr auch immer (Notiz an mich: Wenn ich zukünftig über Sachen schreibe, die viele Menschen aufregt, dann sage ich ab jetzt in Esken‘scher Manier: Ich wollte nur eine Debatte anstoßen.)

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Dazu gehört wohl auch eines der liebsten Themen linker PolitikerInnen: Enteignungen. Auf die Frage, wie sie zur Enteignung von Wohnungsbaugesellschaften stehe, gab sie zu, dass man im Falle eines Machtmissbrauches über Enteignungen nachdenken kann. Darauf erstmal eine Zigarette und ein altes Interview von Helmut Schmidt.

„Gerhard Schröder und seine Agenda waren nicht meine aktive Zeit- und das war besser so.“

Während sie heimlich SMS mit Markus Söder schreibt, um sich die Zeit in langweiligen Koalitionsausschüssen zu vertreiben, scheint Frau Esken hingegegen für ältere Männern ihrer eigenen Partei nicht viel Gefallen zu haben. So gab sie trocken zu, dass Gerhard Schröders Amtszeit und seine „neoliberale“ Agenda zum Glück nicht mit ihrer zusammenfalle. Ja, sie haben richtig gelesen. Die SPD hatte wohl nach Frau Esken eine neoliberale Phase. Gut, dass diese wieder vorbei ist, was sie ebenfalls auch für die GroKo hoffe, denn CDU und CSU gehören ihrer Meinung nach auf die Bank der Opposition.

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In einer deutschen Talkshow dieser Tage darf natürlich Trump nicht fehlen. Auf die Frage, ob der Präsident mit seinem Aufruf, doppelt zu wählen, öffentlich zum Wahlbetrug aufruft, war sich die deutsch-amerikanische Politologin Cathryn Cluever Ashbrook ganz sicher: Schuldig im Sinne der Anklage. Das ist ein Mann, der anfängt die Demokratie der USA zu schwächen. Komischerweise konnte sich selbst Frau Gaus von der taz nicht zu diesem Urteil aufraffen und empfand die Aufforderung, doppelt zu wählen, als „vergleichsweise harmlos“.

Nun wissen wir auch, dass für Robin Alexander Herr Röttgen von der CDU der Gewinner des Herzens ist (nicht der Wahl), da er durch außenpolitische Themen zunehmend an Statur gewinnen konnte. Für den bayerischen Landesfürsten Söder fiel die Prognose hingegen nicht sehr positiv aus. Seine harten Reden seien kaum noch eskalierbar.

Auch das Thema Corona darf in einer illustren Talkshow kaum noch fehlen. Über mögliche Langzeitfolgen klärten neben Jördis Frommhold, Chefärztin einer Lungenklinik, auch die FDP-Politikerin und Covid-Patientin Karoline Preisler auf, die mit ihrem Coronatagebuch durch die medialen Lande zieht. Die Runde schloss der philosophisch anmutende Satz von Frau Frommhold: „Das normale Leben ist jetzt“. In diesem Sinne: Machen Sie es gut.

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Kommentare ( 80 )

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T. Pohl
2 Monate her

Frau Esken ist m.E. fleischgewordene Dummheit und der Untergang der SPD. Ich muss immer sofort den Fernseher ausschalten (inzwischen ist der Aus-Knopf das wichtigste Bedienungselement an der Fernbedienung geworden). Esken-Momente sind fremdschäm-Momente. Ich wünsche weiter einen fröhlichen Untergang!

caesar4441
2 Monate her
Antworten an  T. Pohl

Es ist sehr empfehlenswert den Fernseher erst gar nicht anzuschaltenDer Untergang wird übrigens gar nicht fröhlich werden.

Hannibal Murkle
2 Monate her

Kürzlich behauptete ein TE-Artikel, wir hätten mehr Angst vor Corona als vor Rezession – basierend auf Umfragen bis Juli. Jetzt ist es genau umgekehrt:

https://www.welt.de/finanzen/article215410324/Umfrage-Das-sind-die-groessten-Aengste-der-Deutschen.html

„… Nur jeder dritte Deutsche hat Angst davor, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Viel mehr Sorgen machen ihnen die wirtschaftlichen Folgen der Maßnahmen gegen die Pandemie. …“

Es haben sogar weniger Leute Angst vor einer schweren Krankheit als vor einem Jahr.

Wilhelm Cuno
2 Monate her

Zuletzt Plasberg, jetzt Maischberger. Muss TE denn ständig schlechte, von unserem Geld subventionierte Propagandasendungen schildern? Bitte, bitte, bitte, machen Sie etwas eigenes mit Qualität. Sie können können das, denn Sie beweisen es regelmäßig! Ignorieren Sie die Träumer, Plauderer und Seichtredner, solange diese nichts Neues beschließen, was den Normalbürger betrifft und bisher noch unbekannt ist. Sie können den Sprung vom Nischenanbieter zu DEM Qualitätsmedium in Deutschland schaffen, wenn Sie jetzt nicht in die Bequemlichkeit verfallen, einfach vom Fernsehsessel aus permanent schlechte Politshows sarkastisch zu kommentieren. Das geht schnell und, kostet wenig, ist aber nichts eigenes. Ich bitte um Entschuldigung, aber das… Mehr

Schroeder
2 Monate her
Antworten an  Wilhelm Cuno

Ich stimme Ihnen zu, anstatt das Geschwafel von Maisch und Plas zu kommentieren und auseinander zu nehmen, wäre doch die Sendung von Servus TV ein Beispiel für Rücksicht, Umsicht, Intelligenz, frei von Idealismus, die es wert ist für viele darzustellen. Seid nicht Befangen, tue Gutes.

Fritz Wunderlich
2 Monate her

Wer sich Maischberger mit ihren Einheitsmeinungsgästen zur Gänze anschaute, musste an Amnesie leiden und das dringende Verlangen gehabt haben, die Einheitsmeinung immer wieder zu hören. Das Ziel der Sendung wurde zu 100 Prozent erreicht, das da lautete „Kein Widerspruch zur Einheitsmeinung“. Ist das dann schon eine erfolgreiche Sendung? Ja, wer Radio Albanien unter Enver Hodscha liebte, der wird auch Frau Maischberger lieben.

November Man
2 Monate her

Bei der letzten Schlepperaktion des Pakt der Willigen bestand der aus gerade mal vier Ländern die angeblich helfen wollten.
Laut einer Journalistin damals beim ARD Presseclub bestand die „Koalition der Willigen“ aus – Frankreich, die keinen einzigen Wirtschaftsmigranten aufnehmen wollten, also nicht mitgemacht hat, Finnland das noch überlegte, „Luxemburg“ und einem Dummen von ihr vorsichtshalber nicht namentlich genannten Land.
Allerdings nur gemäß Absprache in den Hinterzimmer der EU, dass Deutschland selbstverständlich sämtliche Migranten behalten darf und auf Lebenszeit Rundum versorgt.
Die halten uns echt für doof.

caesar4441
2 Monate her
Antworten an  November Man

„Die halten uns echt für doof.
Ich fürchte zu recht.

November Man
2 Monate her

Nicht nur bei mir heulten gerade die Sirenen.
Auf- und abschwellender Heulton
Dauer: 60 Sekunden
Bedeutung: Migranten ihr könnt kommen! Gefahr! Informieren Sie sich per Internet oder Radio!

Rainer mit ai
2 Monate her
Antworten an  November Man

Heute ist der erste bundesweite Warntag. Um 11 Uhr sollten im ganzen Land die Sirenen heulen. Hat wohl nicht überall geklappt, ich hab bei uns nix gehört. Unsere Sirene ist sonst unüberhorbar.

November Man
2 Monate her

Wieder eine Talkschau in der man es versäumt hat klare Beweise für eine Schuld Russlands oder Herrn Putin an dem angeblichen Giftanschlag gegen Herrn Nawalny vorzuweisen.
Hätten die nämlich sichere Beweise, hätten sie dies schon längst vorgelegt.
Sie haben aber nichts, rein gar nichts zu bieten, außen weitere demagogische Anschuldigungen gegen die Russen zu erheben.

Rainer mit ai
2 Monate her

Was Frau Esken betrifft, sie mag ja attraktiv sein, aber ihre politischen Ansichten teile ich nicht. Die SPD, sollte über eine Neubesetzung nachdenken. Roland Kaiser wäre bereit, zu helfen, wie ich gelesen habe. Er sorgt sich um seine SPD.

Hinsichtlich der Langzeitfolgen von Covid-19 erschien am 07.09. ein Artikel auf der Achse. Eine Studie Innsbrucker Forscher macht Hoffnung, dass Langzeitschäden durchaus reversibel sind. Die Teilnehmer der Studie sind im Schnitt 61 Jahre alt, viele von Ihnen Raucher. Die Studie ist ist noch nicht abgeschlossen, die vorläufigen Ergebnisse wirken auf mich als medizinischem Laien aber durchaus beruhigend.

Paralyzer
2 Monate her
Antworten an  Rainer mit ai

„Was Frau Esken betrifft, sie mag ja attraktiv sein,…“

Satire oder Alkohol?

Rainer mit ai
2 Monate her
Antworten an  Paralyzer

Natürlich Satire, der ganze erste Absatz!

Casta Diva
2 Monate her
Antworten an  Rainer mit ai

Ernsthaft? Denken Sie doch noch einmal darüber nach, bitte. Frau Esken ist aus meiner kritischen Sicht ein äusserst gelungenes Gesamtkunstwerk, da passt alles ganz hervorragend zusammen. An alle in NRW: Bitte halten Sie sich vor Augen, das dieses Land auf der Kante steht. Und nehmen Sie Ihr Wahlrecht am Sonntag in Anspruch, damit Deutschland nicht vornüberkippt, zumindest noch nicht … Wir brauchen mehr denn je eine starke Opposition! Der Himmel ist blau in NRW.

T. Pohl
2 Monate her
Antworten an  Paralyzer

Ganz klar: Alkohol (wie die zwei Rentnerinnen, die in Hannover mit 4.2 bzw. 3.x Promille im Zug (im Gang) lagen, weil sie nicht mehr stehen konnten; Meldung heute in der Print-FAZ). Respekt!

Max Media
2 Monate her

0,97 Mio Zuschauer. 8,2 % Marktanteil.
Kann man getrost vergessen was Esken da abliess, hat eh so gut wie keiner gesehen.

H. Priess
2 Monate her
Antworten an  Max Media

Das heißt, daß von den 5100 Zuschauern, die an der Messung der Quote beteiligt sind, 500 sich das wirklich angetan haben. Wobei ich bei manchen Quoten denke, die haben das Gerät und den Sender eingeschaltet und auf dem Zweitgerät läuft Netflix.

Walter Eiden
2 Monate her

Nur fürs Protokoll: Trump hat mitnichten zum Doppelwählen aufgerufen.
Sein Aufruf galt den Brief-/Postwählern die am Wahltag dennoch in
s Wahllokal gehen sollen um dort zu kontrollieren ob ihre Brief- oder Postwahl auch registriert wurde. Sollte dies nicht der Fall sein, erst dann soll im Wahllokal erneut die Stimme abgegeben werden.

H. Priess
2 Monate her
Antworten an  Walter Eiden

Dazu kommt, daß es kein Meldesystem wie bei uns gibt. Da können Tausende Wahlunterlagen verschickt werden bei den niemand kontrollieren kann wer da eigentlich unterschreibt. Auf diesen Fehler im System hat Trump hingewiesen als er die Post kritisiert hat. Das wurde freundlicher Weise von unseren Medien verschwiegen und behauptet Trump will die Briefwahl abschaffen.