Miosga, Hubig und Fernandes: Das Publikum verweigert dieser staatlichen Inszenierung die Gefolgschaft

Die ARD wollte aus dem Fall Fernandes bei Miosga die nächste große Moraloffensive machen. Das Publikum antwortete mit Abwendung. Der Staat, seine Sender und die politische Begleitmusik trommeln zum Durchgriff. Die Zuschauer merken es und lehnen diese Propaganda ab.

Screenprint: ARD / Caren Miosga

Die ARD hat am Sonntagabend versucht, aus dem Fall Fernandes eine nationale Erziehungsstunde zu machen. Caren Miosga stellte die Bühne, Collien „Erfandes“ Fernandes saß im Studio, Stefanie Hubig lieferte die politische Anschlussfähigkeit, und der ganze Apparat tat so, als gehe es hier um eine selbstverständliche, eindeutige und moralisch längst entschiedene Sache. Nur das Publikum spielte nicht mit. Gerade einmal 2,211 Millionen Zuschauer sahen die Sendung, der Marktanteil lag bei 10,8 Prozent. DWDL nannte das „verhaltenes Interesse“. Treffender ist: Die Menschen hatten keine Lust, sich diese offenkundig staatlich flankierte PsyOps (Psychological Operations, deutsch: Psychologische Kriegsführung) auch noch zur besten Sendezeit servieren zu lassen.

Denn die Leute merken sehr wohl, wenn ihnen keine offene Debatte angeboten wird, sondern eine politisch aufgeladene Rahmenerzählung. Das Thema der Sendung lautete „Digitale Gewalt – wie können Frauen besser geschützt werden?“. Als Gäste waren Stefanie Hubig, Collien Fernandes und Ronen Steinke angekündigt. Es ging also von vornherein nicht um skeptische Prüfung, nicht um Distanz, nicht um die nüchterne Frage, was in diesem Fall tatsächlich belegt ist. Es ging um die Einpassung eines hochumstrittenen Promi-Falls in eine fertige politische Erzählung über Schutzlücken, Handlungsdruck und neue Eingriffsbefugnisse. Genau das haben viele Zuschauer offenbar erkannt.

Und das ist der springende Punkt. Die Ablehnung dieser Sendung ist nicht bloß eine Fernsehquote. Sie ist ein Misstrauensvotum gegen ein ganzes Milieu aus Politik, öffentlich-rechtlichem Apparat und begleitender Meinungspresse, das einen offenen, in wesentlichen Teilen umstrittenen Fall schon behandelt, als sei er die moralische Lizenz für den nächsten staatlichen Zugriff. Während Ulmens Anwälte zentrale Punkte der öffentlichen Darstellung bestreiten und laut WELT sogar den Auftritt der Justizministerin in dieser Konstellation zu recht als problematisch kritisieren, baut die ARD die passende Bühne für genau jene Botschaft, die politisch gewünscht ist. Wer da noch an Zufall glaubt, will es glauben.

Die Zuschauer haben darauf eine einfache Antwort gegeben: Nein. Sie fallen auf diese Choreografie nicht herein. Sie sehen, dass hier wieder derselbe Mechanismus läuft, der inzwischen überall zu besichtigen ist. Erst wird ein Fall emotional aufgeladen. Dann werden die passenden Begriffe gesetzt. Dann tritt die Politik auf den Plan und spricht von Schutzlücken. Dann stellen die öffentlich-rechtlichen Anstalten die Kulisse für die erwünschte Wirkung. Und am Ende soll aus der moralischen Schockwelle ganz still der Ausbau staatlicher Befugnisse werden. Genau darum ging es bei dieser Runde von Anfang an. Nicht um Erkenntnis. Nicht um Fairness. Sondern um Legitimation.

Dass ausgerechnet diese Sendung dann so schwach lief, ist deshalb mehr als nur eine kleine Schlappe. Es ist die sichtbare Zurückweisung eines Apparats, der immer noch glaubt, er könne mit ausreichend moralischem Pathos, öffentlicher Dauerbeschallung und ministerieller Begleitmusik jede gewünschte Erzählung in die Köpfe drücken. Aber die Abnutzung ist da. Das Vertrauen ist weg. Die Menschen haben zu viele dieser Operationen gesehen. Zu viele Kampagnen, die mit maximaler Wucht aufgezogen wurden und bei näherem Hinsehen immer dünner wurden. Zu viele mediale Tribunale, aus denen später peinliche Korrekturen, gerichtliche Rügen oder nachgereichte Relativierungen wurden.

Gerade deshalb ist die Quote dieser Sendung politisch so unangenehm. Sie zeigt, dass ein wachsender Teil des Publikums diese staatlich-mediale psychologische Kriegsführung nicht mehr ehrfürchtig konsumiert, sondern als das erkennt, was sie ist: der Versuch, über Emotion, moralischen Druck und öffentlich-rechtliche Inszenierung Zustimmung für den nächsten Durchgriff zu organisieren. Heute heißt das „digitale Gewalt“. Morgen kommt die nächste Schutzlücke, übermorgen der nächste Anlass. Der Mechanismus bleibt derselbe. Nur die Bereitschaft des Publikums, dabei brav mitzuspielen, sinkt.

Am Ende ist genau das die schlechte Nachricht für Hubig, Miosga und das ganze Begleitmilieu. Man kann eine Bühne bauen. Man kann eine Sendung besetzen. Man kann den moralischen Ton vorgeben. Man kann das Thema mit allem Ernst der Republik aufblasen. Aber man kann die Menschen nicht mehr zwingen, diese Nummer auch noch zu glauben. Die Zuschauer haben am Sonntag nicht nur schwach eingeschaltet. Sie haben ein Urteil gefällt. Dieses Urteil lautet: Wir sehen, was ihr da macht. Und wir lehnen es ab.

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Kommentare ( 29 )

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29 Comments
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andreas donath
20 Tage her

Mich hat dieser ganze abartige Mist von Anfang an nicht eine Sekunde interessiert, es roch so sehr nach Inszenierung und Orchestrierung. Deshalb habe ich mich geweigert, überhaupt in die dargebotenen Details einzusteigen. Und als dann noch eine gewisse Vielfliegerin ihren Hut in den Ring warf, musste jedem mit einem Rest gesundem Menschenverstand klar sein, dass manipulative Absichten vorlagen bzw. vorliegen. Solange diese Leute nicht einmal ein rudimentäres Interesse an tatsächlich vergewaltigten jungen Frauen zeigen, da dann auch die Haupttäterklientel beim Namen genannt werden müsste, können sie mir gestohlen bleiben.

olive
20 Tage her

Prof.Norbert Bolz bei Apollo News: „Dass das Ganze unter Feminismus läuft, ist absurd.
Niemals in unserer Geschichte hatten die Frauen eine derart prägende Position in unserer Gesellschaft. Niemals war unsere Gesellschaft feministischer als heute. Niemals war sie weniger männlich als heute. Prinzessin auf der Erbse-Syndrom könnte man sagen, man tut grade so, als würden bei uns besonders skandalöse Verhältnisse vorherrschen, das Gegenteil ist der Fall, noch nie wurden sie so privilegiert, ging es ihnen so gut, noch nie hat man soviel Aufmerksamkeit auf mögliche Probleme gerichtet, die Frauen möglicherweise in unserer Gesellschaft haben könnten. Aber wie gesagt, all das ist im Grunde… Mehr

Last edited 20 Tage her by olive
Tom Engel
20 Tage her

Die spanische Staatsanwaltschaft kommt insofern zu dem klaren Ergebnis, dass sie für keinen der von der Anzeige erfassten Sachverhalte zuständig ist.“
Darüber hinaus stellten die Ankläger laut Ulmens Anwälten klar, dass sich unter Fernandes‘ Einlassungen „ein Vorfall findet, der sich im Jahr 2023 in Palma ereignet haben soll und mit der Festnahme beider Ehegatten endete“. Dabei bestätige die spanische Staatsanwaltschaft, „dass dieses Verfahren bereits durch das zuständige Gericht eingestellt worden ist“.
Quelle: https://t1p.de/fiprj

Konservativer2
20 Tage her

Der Rosenkrieg zweier B- bis C-Promis soll in die nationale Politik überschwappen. Lasst die Gerichte sprechen, ansonsten gilt: was zuviel ist, ist zuviel. Ich kann und will mich nicht mit jeder Lebensäußerung irgendwelcher Kunstschaffen d*Innen befassen.

Last edited 20 Tage her by Konservativer2
M.Peter
20 Tage her

Und ich vermute, dass bei den ca. 2,2 Millionen Zuschauern nochmal ein großer Anteil von Zuschauern war – so wie Sie und ich – die sich diese Inszenierung nur angeschaut haben, um glaubhaft beobachten zu können, wie der linksgrüne Staatsfunk seinen noch „Gläubigen“ das Gehirn zu waschen versucht.

Berthold Bohner
20 Tage her

Die Kunde hör ich wohl , allein mir fehlt der Glaube ! Ich traue der Mainstreamhörigen Masse vieles zu , aber nicht , dass sie erkennt welches Spiel hier gespielt wird. Gegenbeweis : Die Wahlergebnisse , die den korrumpierten Parteien das weiterregieren erlauben.

Kundenwohl
20 Tage her

Noch interessanter ist, daß in der Gruppe der 14-49 jährigen, lediglich rund 330.000 eingeschaltet haben. Die Altersgruppe, die fast ausschließlich von echter oder virtueller sexueller Gewalt betroffen ist, ignoriert die Schmierenkomödie völlig. Da mutet es auch skurril an, das auf den Demos zum Thema deutlich mehr Personen gewesen sein sollen! Da stellt sich die Frage, waren die alle bezahlt? Sollten diese nicht die Sendung geschaut haben, wenn es sie schon so zahlreich auf die Straße treibt? Das Gericht in Spanien, dass angeblich so wirkungsvolle harte Gesetze hat, hat den Fall komplett eingestellt und gebeten, dass sich deutsche Gerichte mit der… Mehr

GR
20 Tage her

Spannend wäre es gewesen, darzulegen, wie viele Zuschauer bei früheren Sendungen eingeschaltet haben und wie viele es 2000 oder 2010 bei Talkshows waren.

maru
21 Tage her

Der neue Name der „ehrenwerten“ Dame – Erfandes statt Fernandes – ist toll 👍
2 Millionen Zuschauer sind aber immer noch 2 Millionen BLÖDIANE zuviel.

Der Ingenieur
21 Tage her

Gerade einmal 2,211 Millionen Zuschauer sahen die Sendung“

Vermutlich verwenden 2 Millionen von denen die ARD als Einschlafhilfe.

Fieselsteinchen
21 Tage her
Antworten an  Der Ingenieur

Wahrscheinlich in den Seniorenheimen, auf den Demenzstationen auf Dauerbetrieb eingestellt, um überhaupt noch „Zuschauerzahlen“ nennen zu können.