Wenn Statistik auf Analphabetismus im Umgang mit Zahlen trifft

Statistik ist vermutlich die gefährlichste Waffe in der öffentlichen Debatte. Während der „Pandemie“ wurde der halbe Globus mit fragwürdigen Daten und schiefen Behauptungen hinter die Maske geführt. Zeit, sich gegen Manipulation zu wappnen.

Verlängert Kaffeegenuss das Leben? Oder verkürzt er sie? Schützt Pflanzenkost vor Corona? Machen Smartphones denkfaul? Jeden Tag überbietet eine Schlagzeile die andere – oft auf Basis einer neu veröffentlichten Studie oder Statistik. Meist entsteht sie aufgrund falscher Dateninterpretation. Und nur allzu schnell fallen wir auf Fake News und Panikmache rein.

Der Psychologe Gerd Gigerenzer, die Datenanalystin Katharina Schüller, der Ökonom Thomas Bauer und der Statistiker Walter Krämer bekämpfen seit Jahren in ihrer „Unstatistik des Monats“ eine Art Analphabetismus im Umgang mit Zahlen, Wahrscheinlichkeiten und Risiken. Seit rund zehn Jahren hinterfragt ein Team mit Expertise in Datenanalyse, Ökonomie, Psychologie und Statistik spektakuläre Schlagzeilen, die sich auf statistisch gesicherte Studien berufen. Auch ihr neues Buch ist ein Augenöffner.

Anhand zahlreicher spektakulärer Beispiele erklären die vier, wie wir lernen, Unsinn zu erkennen, Prognosen richtig einzuordnen, zwischen Kausalität und Korrelation zu unterscheiden und unsere immer komplexere Welt sinnvoll zu beschreiben.

Sie zeigen uns, wovor wir unnötig Angst haben, was künstliche Intelligenz alles (nicht) kann, dass Daten nicht unbedingt mehr Wissen erzeugen und wie wir die Zahlenblindheit überwinden. Das ist nicht nur lehrreich, sondern auch überaus unterhaltsam!

Politik hat ja aufgehört zu argumentieren. Es herrscht Alternativlosigkeit, und Zahlen werden zu gefährlichen Waffen, mit denen eine gewünschte Entscheidung herbeimanipuliert wird. Der „Gender-Pay-Gap“, also angebliche schlechtere Bezahlung für Frauen, ist so eine pseudostatistische Lüge, die zum Glaubenssatz erklärt wurde und auf angeblich unumstößlicher wissenschaftlicher Wahrheit beruht. Es ist natürlich Unfug. Angeblich sind „diverse“ Teams leistungsfähiger – eine wirklich tragfähige Bestätigung gibt es nicht. Und in der Corona-Phase habe sich Befürworter wie Kritiker der Regierungsmaßnahmen Zahlenreihen um die Ohren gehauen.

Subversiver Klassiker und Pflichtlektüre
»Trau nur der Statistik, die du selbst gefälscht hast«
Nicht nur um statistische Methoden geht es, sondern vielmehr um kritischen Umgang mit den Untersuchungen. Wer wird befragt, was wurde wirklich gemessen, hat sich bei Zeitreihen etwas an der Messmethode geändert? Neue Meßmethoden, Meßorte und ein neuer Maßstab machen aus einer unveränderten Lage plötzlich dramatisch steigende Nitratbelastungen des Grundwassers, lösen politische Hektik und teure Rettungsmaßnahmen aus, die schlicht unnötig sind.

Zeitreihen zeigen alarmierende Anstiege von Pestiziden, beweisen das baldige Aussterben der Haselmaus und erhöhen die Menge importierten Wassers in Form von Agrarprodukten aus Trockengebieten um das Vielfache. Das zu durchschauen braucht man keine mathematischen Kunstgriffe, sondern nur den gesunden Menschenverstand und ein wenig Mißtrauen sowie Erfahrung, die sich aus diesem Buch gewinnen läßt – und schon ist die Welt eine andere, in der sich medial vermittelte von wirklich wichtigen Themen unterscheiden lassen.

Skepsis ist die Mutter der Statistik. Schon in den Formulierungen versteckt sich oft das gewünschte Ergebnis: Wer wurde befragt? Wie lautet die Frage wirklich, die den Befragten vorgelegt wurde, um das Ergebnis zu erzeugen?

Was noch fehlt ist ein Werk, das zeigt, dass wichtige politische Entscheidungen auf falsch interpretierter Statistik beruhen. Denn normale Lügen sind leichter zu durchschauen als Pseudowissenschaft, die sich in pompöser Arroganz als unwiderlegbar darstellt und genau dadurch belegt, dass das nicht wissenschaftlich ist.

So zerstört die Behauptung der Wissenschaftlichkeit die Wissenschaft. Und am Ende landet man bei der Süddeutschen Zeitung, die errechnet hat, das Haselhuhn sei durch den Straßenverkehr vom Aussterben bedroht, denn pro Jahr und Straßenkilometer sterben 0,2 dieser seltenen Federvögel. Doch bedauerlicherweise gibt es gar nicht so viele Haselhühner, die überfahren werden könnten bei insgesamt 230.000 Straßenkilometern: Um die 5000 Vögel gibt es insgesamt, nicht 46.000 die es bräuchte, um das Fazit der SZ zu bestätigen.

Ehe Sie also auf die nächste Fake-News aus einem Qualitätsmedium (?) hereinfallen zeigen Sie dem Redakteur einen Vogel und verweisen darauf, dass Joggen unsterblich macht. Es ist auch nicht falscher.

Bauer/Gigerenzer/Krämer/Schüller, Grüne fahren SUV und Joggen macht unsterblich. Über Risiken und Nebenwirkungen der Unstatistik. Campus Verlag, Klappenbroschur, 208 Seiten, zahlreiche Abbildungen, 22,00 €


Empfohlen von Tichys Einblick. Erhältlich im Tichys Einblick Shop >>>

Unterstützung
oder

Kommentare ( 14 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

14 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
humerd
2 Monate her

in meiner beruflichen Laufbahn analysierte ich Daten und erstellte verschiedene Statistiken. Einmal bekam ich den Auftrag das „Gender Pay Gap“ in der Firma zu ermitteln, mal für den Betriebsrat und die Gewerkschaft, ein anderes Mal dann für die Personalabteilung und den Vorstand und ein weiteres Mal für einen Verband der der Regierung Zahlen lieferte. Ja nach Zielgruppe und ob „Fördermittel“ abgegriffen werden sollen/können, variierte das Ergebnis entsprechend. Während der Pandemie wurde ich absolut desillusioniert. In den Foren tummelten sich nur noch selbsternannte Experten und warfen mit Zahlen nur so um sich. Manche meinten sie wären besonders schlau, wenn sie eine… Mehr

verblichene Rose
2 Monate her

Meine Steuerberaterin erstellt für mich auch jeden Monat eine Statistik. Sie stellt nämlich jedesmal die Zahlen vom vergangenen Monat mit denen des aktuellen gegenüber. Auch die Zahlen vom vergangenen Jahr zum Vergleich zum aktuellen fehlen dann nicht. Der Unterschied zu den heutigen MSM-Statistiken ist, dass meine Zahlen bis auf den letzten Cent 100% meiner Leistung aufzeigen, während die geschönten Zahlen der Möchtegern-Analysten stets nur ein Puzzleteil von Millionen von Menschen untersuchen und das dann dem staunenden Publikum als die reine Wahrheit und nichts als „die Wahrheit“ verkaufen.Ich bin übrigens davon überzeugt, dass es so manche Umfrage für eine Statistik überhaupt… Mehr

Wilhelm Roepke
2 Monate her

Statistiken sind nicht immer aus böser Absicht gemacht, sondern leiden an der Unfähigkeit der Leser. Daher ist das Buch wichtig.

Dieses Buch wird aber das deutsche Grundproblem, das eventuell auch andere Länder betrifft, nicht ändern. Welches Grundproblem? Der Autor Robert Heinlein hat es unsterblich beschrieben: „Ein Intellektueller ist jemand, der nichts von Mathematik versteht, und auch noch stolz darauf ist.“

Nibelung
2 Monate her

Statistische Ergebnisse stellen fest und bewerten etwas, was es gibt oder auch nicht. Das wird nur benützt um die Legitimation für die eigene Rechthaberei zu besitzen und ist im Prinzip mit geringem Mehrwert versehen und wenn sich Mehrheiten hinter dem Ergebnis der Statistik scharen ist es noch lange kein Beweis der Güte, denn Wissen allein ist für ein erfolgreiches Leben in der Regel nicht allein ausschlaggebend, mit weniger Wissen kann man sich vor dem Burnout schützen, der ja in Massen um sich greift und damit belegt, daß alle überfordert sind, weil das Hirn nicht mehr zur Informationsflut paßt So könnte… Mehr

Tee Al
2 Monate her

Als Senior Business Analyst kann ich nur folgende Weisheit dazu beitragen:
In jeder Analyse ist der Content King, der Context jedoch King Kong……
Egal ob Data, Prozesse oder Business

Gaartz
2 Monate her

Zum Thema Statistik hat Churchill abschließend alles gesagt. Statistiken kosten Geld, und niemand gibt Geld aus, nur um die Öffentlichkeit zu „informieren“. Am wenigsten der Staat. Warum also wird’s gemacht? Wohl auch nicht um die Öffentlichkeit zu manipulieren, denn wenn es eine Statistik in die Medien schafft, ist das Ziel bereits erreicht. Die Statistik liefert Legitimation für eine Entscheidung, die bereits getroffen wurde, aber noch etwas PR benötigt.

verblichene Rose
2 Monate her

Ich habe es nicht so mit Empfehlungen. Mein Leben ist nämlich ENDLICH! Und immer, wenn ich dieses Problem anspreche tun alle so, als ob sie unsterblich wären! Ja, sie werden geradezu wütend, wenn ich ihnen ins Gesicht sage, dass sie nach ihrem Sterben schon nach wenigen Stunden nach ihrem Ableben stinken werden und eine Kälte der Haut haben werden, die unerklärlich anders ist, als die innere Oberfläche eines Kühlschrankes! Ja, sie erklären mich für verrückt, denn ganz offensichtlich trete ich solchen Leuen mittelbar zu nahe! OK, ich habe nicht nur erst seit Corona verstanden, dass etwas schief läuft. Aber ich… Mehr

fishman
2 Monate her

Wenn man den beschönigenden Kommentare einiger Leute aus Staatsmedien oder sogar Verfassungschutz hört, könnte man meinen, die Antworten darauf seien konzertiert. Mich erinnert das an : „Wir haben keine Stromkrise, wir haben ein Gasproblem“ hallte es vor einigen Wochen durch Wald und Flur…… Es geht hier um massive Gewalt in der Öffentlichkeit und die Gören setzen sich auch größter Gefahr aus. Die Aufhetzer dieser Halbwüchsigen müsste man ebenfalls ausfindig machen, wenn man dort überhaupt suchen muss.

Siggi
2 Monate her

Das gleiche gilt für die Migration. Es gibt dich keine ehrliche Statistik, ausser im Giftschrank der Faeser und Merkel.

Emmanuel Precht
2 Monate her

Eine beliebte, immer wieder gebrachte Fake-Story im FOCUS online. „Eine Tasse Kaffee am Tag reduziert das Sterberisiko um 25%“. Demnach ist man schon nach 4 Tassen unsterblich. Oder in der letzten Woche im gleichen Qualitätsmedium: „Wer zwei mal mit Covid infiziert war, hat ein 200% Sterberisiko“. Ist man dann doppelt so Tot? Focus ist aktuell in der Tat eines der dümmsten Qualitätsprodukte.
Wohlan…