Weltgesundheitsorganisation und China streiten über No-Covid-Politik

Der Chef der Weltgesundheitsorganisation WHO kritisiert Chinas harten Lockdown, der mittlerweile seit sechs Wochen anhält. Chinas Regierung weist die Kritik als „unverantwortlich“ zurück.

IMAGO / Xinhua
Beim Zugang zu einem Supermarkt muss eine Bürgerin ihren Gesundheitscode vorzeigen, Shanghai, 9.5.2022

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat eine Abkehr Chinas von der radikalen No-Covid-Strategie gefordert. Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO, sagte am Dienstagabend auf einer Pressekonferenz: „Wir halten sie nicht für nachhaltig mit Blick auf das Verhalten des Virus und darauf, was wir für die Zukunft erwarten.“ Er halte die Veränderung der Strategie für „sehr wichtig“.

WHO-Notfalldirektor Michael Ryan betonte, es sei wichtig, bei allen Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie „die Rechte des Einzelnen und die Menschenrechte“ zu respektieren und „die Kontrollmaßnahmen gegen die Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Wirtschaft“ abzuwägen.

Die Maßnahmen in China haben Hunderte Millionen Menschen in Dutzenden von Städten verschiedenen Graden von Bewegungseinschränkungen ausgesetzt, am dramatischsten in Shanghai. Das hat in China und darüber hinaus erheblichen wirtschaftlichen Schaden angerichtet und weit verbreitete Frustration geschürt. Am Dienstag wurde über eine erneute Verschärfung der Maßnahmen in Shanghai berichtet. Auf Bildern ist die Absperrung ganzer Straßenzüge zu sehen. Selbst Lieferdienste für Lebensmittel sollen eingeschränkt sein. 

Über die Äußerungen von Tedros wurde in den staatlichen Medien Chinas laut der Nachrichtenagentur Reuters nicht berichtet, in den sozialen Medien wurden sie zensiert. Dennoch wurden sie aus dem chinesischen Außenministerium zurückgewiesen: „Wir hoffen, dass die betreffende Person die chinesische Covid-Politik objektiv und rational betrachten kann und die Fakten kennt, anstatt unverantwortliche Bemerkungen zu machen.“

Der stellvertretende Direktor der Shanghaier Gesundheitsbehörde, Zhao Dandan, sagte laut Presseberichten auf einer Online-Pressekonferenz: „Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass die derzeitige Situation nicht stabil ist und das Risiko eines erneuten Ausbruchs weiterhin besteht.“

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Kommentare ( 18 )

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j.heller
7 Tage her

Ich dachte die Chinesen seien rational und vor allem profitorientiert. Vielleicht sind sie das auch. Aber wenn sich in so einem System die Führungsclique bedroht fühlt, hier durch Eingeständnis von schlechtem Corona-Management, dann wird sie übergriffig. Und dazu braucht es nichtmal eine formelle Diktatur. Eine informelle durch Schwarmverhalten der neolinken Journaille, Parteien und Institutionen, wie bei uns, reicht auch um Rechte zu entziehen und gewaltigen Schaden anzurichten. Die Bedrohungen von Außen (Putin, Xi, usw.) und Innen werden derzeit sehr deutlich. Leider ist die persönliche Freiheit nichts womit sich Massen dauerhaft begeistern lassen, anders als Scharia oder Nationalismus.

Mausi
7 Tage her

Die WHO wird für alle Augen sichtbar politisch! Wie verlogen ist das denn. Erst behaupten, nur medizinische Entscheidungen zu treffen, der Rest sei Sache der Regierungen und dann das. Die WHO hat keine Politik zu machen. Allerdings muss die WHO die Regeln zu überdenken, wann eine Pandemie vorliegt. Das ist ihre Aufgabe. Und dieser Aufgabe kommt sie nicht nach.

Statt sich über China aufzuregen, sollte die WHO ihre geplanten weltweiten Impfregularien mit der gleichen Öffentlichkeitswirksamkeit in die Medien bringen.

Sonny
7 Tage her

Es ist allerdings erstaunlich, dass Milliarden von Chinesen eine Diktatur und damit ihre eigene, völlige Rechtlosigkeit so einfach und fortdauernd hinnehmen. Eine wirkliche Entwicklung hin zu Menschenrechten und Fortschrittlichkeit fehlt hier total. Das ist insofern paradox, da China in Sachen Technik und Wirtschaft ja durchaus fortschrittlich unterwegs ist, auch wenn sich dieser Fortschritt hauptsächlich durch das Kopieren von Fortschritten anderer Länder der Welt definiert. Das Wichtigste jedoch ist nach wie vor die Beherrschung von Menschen durch einige wenige. Und das das weiterhin so nachhaltig funktioniert, macht mich wahnsinnig ratlos. Vor allem, weil es mittlerweile auch von demokratischen Ländern in Ansätzen… Mehr

the NSA
7 Tage her
Antworten an  Sonny

Ihr China Bild bedarf schweren Korrekturen. Gehen Sie mal nach China und reden mit dt., brit. schweiz. Businesspeople oder Ingenieuren, die dort taetig sind.
China ist nicht North Corea.
Es gibt viele wiss. Publications zum Thema China, Economy, Democracy, Party Leadership, vorallem von Princeton, Oxford, Stanford, Harvard.
In div. Bereichen sind die Chinese an der Weltspitze. Fragen Sie mal bei Google, Birne, IBM, Microweich, wie hoch der Anteil an Researchern aus China + India ist, wie hoch deren Anteil an Leuten aus Westeuropa ist, geschweige denn aus Osteuropa.

der_chinese
7 Tage her

Erst vor ein paar Tagen hat Xi betont dass an der Politik festgehalten wird, bis zum bitteren Ende.

Das ist eben das Problem mit diesen Leuten, sie können sich keinen Gesichtsverlust leisten, nicht Mal den Kleinsten.

Sofort wäre die Legitimation der CCP in Frage gestellt.

Ähnlich wie Putin in der Ukraine, es gibt im Grunde keine Lösung mehr für ihn sein Gesicht zu wahren, es geht nur noch um den Sieg.

Schöne Grüße aus Peking

Stuttgarterin
7 Tage her

Nun werden von China Menschenrechte bei der WHO gefordert – habe ich das falsch in Erinnerung, was in westlichen Ländern gemacht wurde, in Städten, Schulen und auf Rodelpisten? Wie war das nochmal mit der Zensur in den westlichen sozialen Medien, wenn geschrieben wurde, dass die Wirksamkeit der Impfstoffe nicht passt? Aber, der große Unterschied ist, dass nun der Westen erneut wirtschaftliche Folgen von Chinas Produktionsstillstand erleidet. Da ändern sich plötzlich wieder die Haltungen…

luxlimbus
7 Tage her

Die Beiden haben so lange am gleichen Strang gezogen, und trotzdem hat der Westen den angestrebten Großen Reset via Pandemie-Tralala, nicht so wie gewollt, erreichen können. (Disziplinlose Schwächlinge halt, diese Langnasen!) Dieser Disput nun ist lediglich die Art von Aktionismus, der das hierbei verloren gegangene Ansehen im jeweiligen Volkskörper reanimieren soll. Hinter der „Bühne“, schätzen sich diese dominierenden Platzhirsche immer noch.

Hannibal Murkle
7 Tage her

Mir scheint, China hat eine pragmatische Lösung gefunden – die melden kaum noch Infizierungen, haben offiziell fast Zero COVID und können bald lockern. Die Obrigkeit weiß sicherlich gut, dass Omikron harmlos wie leichte Grippe wurde.

Donostia
7 Tage her

Mao Zedongs Kulturrevolution kostet ca. 40 – 80 Millionen Menschen das Leben. Warum sollte da Xi Jinping sein Gesicht wegen Corona verlieren? Die von der KP ziehen das durch koste es was es wolle, den es kostet ja nur was für das dumme Volk. So wie das chinesische Volk die Kulturrevolution nicht wirklich bekämpfte so werden sie auch nicht den Coronawahnsinn entgegenstehen. Dieses Volk ist was die Obrigkeitshörigkeit betrifft noch dümmer als die Bevölkerung der größten europäischen Volkswirtschaft.

der_chinese
7 Tage her
Antworten an  Donostia

Ich glaube ihnen sind hunderte von Videos aus Shanghai entgangen, wo sehr wohl auf die Straße gegangen wird.
Der Unterschied, dieses Mal spüren die Leute einen unterschied im wohlbefinden, denn plötzlich ist ein schöner gewordener Lebensstil flöten gegangen.
Bei der Kulturrevolution wurden ja auch nicht 20millionen Menschen auf engsten Raum eingeschlossen.

Jatoh
7 Tage her

Im Interesse der Weltgesundheit muss China leider alle Maßnahmen ergreifen um die Überlastung des Gesundheitssystems zu vermeiden.
Das dadurch Lieferketten gestört werden und Probleme, vor allem in der Wirtschaft des Westens auftreten ist zwar unschön, aber nicht zu vermeiden.
Der Kampf gegen Corona rechtfertigt all diese Maßnahmen, auch wenn sie einen Verlust an Wohlstand, vor allem in der westlichen Welt bedeuten.
Um dieses Ziel zu erreichen, muss man doch keinen Krieg anfangen, oder?

Markus Machnet
7 Tage her
Antworten an  Jatoh

Ist das ernst oder Satire? Also bis auf die Sache mit dem Krieg.

Jatoh
7 Tage her
Antworten an  Markus Machnet

Es ist satirisch gemeint, jedoch:
Wenn China das Corona-Narrativ der WHO und aller westlichen Länder zum Vorwand nimmt und mit seinen Maßnahmen die Wirtschaft des Westens nachhaltig stört, kann der Westen nur zustimmen, denn mit Corona rechtfertigen die Regierungen auch im Westen jede Maßnahme.

Last edited 7 Tage her by Jatoh
der_chinese
7 Tage her
Antworten an  Markus Machnet

Jatoh hat leider garnicht so unrecht, China ist auf einen so großen Ausbruch nicht vorbereitet, auch zwei Jahre nach dem ersten Ausbruch.
Ich hatte neulich erst gelesen dass auf 1000 Einwohner 3.x Krankenschwestern kommen, in den USA sinds 11. Wie es um Deutschland steht weiss ich nicht.
Und natürlich ist es Xi völlig egal ob die WIrtschaft oder der Wohlstand darunter leidet, er dreht seit jahren alles wieder auf Maomethoden um.

Fritz Wunderlich
8 Tage her

Warum der WHO-Funktionär sich als Fürsprecher der Menschenrechte deklariert und Maßnahmen gegen eine Seuche immer unter Beachtung wirtschaftlicher Interessen durchgeführt sehen will ist mir schleierhaft. Ich dachte, sein Aufgabengebiet sei im engeren Sinn die Gesundheit der Menschen. Wenn er auch für die Wirtschaft und die Menschenrechte zuständig ist, könnte man sich gleich ein paar UNO Institutionen ersparen. Eine Erklärug für sein Verhalten gibt es aber. Da die UNO den USA über vielfältige Kanäle verbunden ist, nicht zuletzt über finanzielle, hat der US Feind Nummer 1, das teuflische China, natürlich auch von der WHO eine Sonderbehandlung verdient. Die eine Millione Tote… Mehr