Tausende Mitglieder wechseln vom ADAC zum Automobilclub „Mobil in Deutschland“

Über die Feiertage sind an die 2.000 ADAC-Mitglieder zum „Automobilclub in Deutschland“ gewechselt. Der verspricht, sich für Autofahrer einzusetzen statt höhere Spritpreise zu bejubeln und das E-Auto zu fördern.

picture alliance / CHROMORANGE | Christian Ohde
ADAC-Einsatzfahrzeug

Autofahrer ärgern sich derzeit doppelt, und das ist eine explosive Mischung: Seit 1. Januar gilt die erneute erhöhte CO2-Abgabe und verteuert nach derzeitigem Marktüberblick Benzin um 3,5 Cent, Diesel sogar um 4 Cent. Weitere Erhöhungen werden in den kommenden Wochen erwartet. Wer den Schaden hat, braucht sich bekanntlich um Spott nicht sorgen – und der wird mit den höheren Preisen vom ADAC geliefert, früher die Interessenvertretung der Autofahrer: „Der ADAC hält die CO2-Bepreisung für ein richtiges Instrument, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Die Leute brauchen den Anreiz, um auf klimaschonende Alternativen zum Diesel und Benziner umzusteigen“, jubelte ADAC-Vorstand Gerhard Hillebrand.

Wut und Ärger bei ADAC-Mitgliedern – Mobil gewinnt

Es ist eine Ansage, die bei vielen Mitgliedern Wut auslöst. Selbst bei TE gingen die Durchschläge von Kündigungsschreiben erzürnter ADAC-Mitglieder ein, nachdem TE vor Weihnachten davon berichtet hat. 

Ein anderer Verein freut sich. Nach den autofeindlichen Äußerungen des ADAC „verzeichnet Mobil in Deutschland e.V. einen starken Mitgliederzuwachs. Knapp 2.000 Autofahrer sind dem Verein allein in den letzten Tagen neu beigetreten. Viele von ihnen suchen eine Interessenvertretung, die sich klar und eindeutig an den Bedürfnissen der Autofahrer orientiert“, so Mobil-Chef und Vereinsgründer Michael Haberland am Beginn des neuen Jahres. Seine Mitarbeiter hätten über die Feier- und Brückentage auf Urlaub verzichtet und mit Aushilfskräften daran gearbeitet, die Neuanmeldungen zu bearbeiten.

„Wir freuen uns sehr über das große Vertrauen, das uns aktuell entgegengebracht wird“, sagt er. „Die zahlreichen Neueintritte zeigen deutlich, dass viele Autofahrer eine klare, glaubwürdige Interessenvertretung vermissen. Unser Anspruch ist es, ihre Stimme konsequent zu vertreten.“ Ein Automobilclub habe eine klare Kernaufgabe: Die Interessen seiner Mitglieder konsequent zu vertreten. Er soll Autofahrer unterstützen, ihre Mobilität sichern und ihnen eine verlässliche Stimme gegenüber Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit geben. „Genau diesem Anspruch fühlt sich Mobil in Deutschland e.V. verpflichtet“, so Haberland. Die Pannenhilfe im In- und Ausland seines Vereins sei in der Service-Qualität sogar dem ADAC überlegen, wie ein Test bestätigt habe.

„Go woke, go broke“

Die Erfahrung des ADAC mit wütenden Mitgliedern ist nicht einzigartig. Immer wieder erfahren Unternehmen, dass sich wütende Kunden abwenden, wenn ihr Stammunternehmen opportunistisch auf politische Vorgaben einschwenkt und den bisherigen Kunden mit einem erhobenen Zeigefinger begegnet. Dafür hat sich der Begriff „Go woke, go broke“ auch in Deutschland eingebürgert, wonach Kunden „woke“ Ausrichtung bestrafen und sich häufig anderen Marken zuwenden.

„Go woke, go broke“ führte schon bei einer Reihe von Unternehmen zu einem wirtschaftlichen Desaster: sinkende Gewinne, schrumpfende Umsätze und Marken, die ihre Identität verloren haben:

Mittlerweile schon klassisches Beispiel ist die Marketingkampagne von Budweiser. Die Zusammenarbeit mit der Transgender-Influencerin Dylan Mulvane, die die Marke diverser und progressiver positionieren sollte, führte zu einer massiven Boykottwelle und einem Rückgang der Verkaufszahlen in den USA. Der Umsatz von Bud Light sank CNN zufolge im Jahr 2023 deutlich um etwa 1,4 Milliarden US-Dollar. Zudem soll Budweiser durch diesen Boykott in den Monaten April bis Juni 2023 14 Prozent der Marktanteile in den USA verloren haben.

Der Automobilhersteller Jaguar hat mit einer im vergangenen November veröffentlichten Werbekampagne, die den Fokus auf ein radikales Rebranding im Zuge der Umstellung auf Elektroautos legte, noch stärker negative Auswirkungen erlebt: Die Verkaufszahlen stürzten dramatisch um 97,5 Prozent ein. Im April 2024 wurden in Europa noch 1.961 Fahrzeuge verkauft, im April 2025 waren es nur noch 49 Stück. Die Kampagne mit dem Motto „Copy Nothing“ setzte auf bunte Werbespots und diverse bzw. „non-binäre‟ Modelle anstelle von Autos, was bei den traditionell-konservativen Kunden auf starke Ablehnung stieß. Dies führte zu einer Entfremdung des bisherigen Kundenstamms – und zu einem Re-Branding des Rebrandings und Managementwechsel.

Ähnliche Erfahrungen machte „Rügenwalder Mühle“; mit rund 1.030 Mitarbeitern eines der bekanntesten Traditionsunternehmen der deutschen Lebensmittelbranche. Das Unternehmen investiert seit 2016 massiv in Fleischersatzprodukte. Ein riskanter Kurs – denn seit einiger Zeit zeigen die Geschäftszahlen einen Bruch im ansonsten stetigen Wachstum: So wurde im Jahresabschluss 2022 ein Rückgang des Betriebsergebnisses um 90 Prozent auf rund 1 Million Euro verzeichnet, das Jahresergebnis schrumpfte sogar um 92 Prozent auf etwa 690.000 Euro. Das Unternehmen wurde mehrheitlich aus Familienhand in den Großkonzern Pfeffer & Langen verkauft. Zwar war in den vergangenen Wochen wieder eine Rückkehr zu traditionellen Produkten zu beobachten. Auch konnte sich der Gewinn im Jahr 2023 leicht stabilisieren, doch der Umsatz ging laut Unternehmensangaben um rund 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Für das Jahr 2024 liegen bislang keine Zahlen vor.

Auch andere Konsumentenmarken gerieten durch einseitige Politisierung in schwere Wasser. „Warum bei Edeka Blau nicht zur Wahl steht“ – verbunden mit der Aussage, blau sei in der Natur ein „Warnhinweis“ und daher „keine gute Wahl“, warb der Lebensmittel-Discounter. Die Kampagne spielte damit indirekt auf die AfD an, deren Parteifarbe Blau ist, und war als indirekte Warnung vor Stimmen für die Partei bei den bevorstehenden Landtagswahlen gedacht. Kunden und Mitglieder der genossenschaftlichen Organisation protestierten. Nach den Wahlen reagierte Edeka mit einem offiziellen Entschuldigungsschreiben aus der Konzernspitze. Das Unternehmen gab zu, dass die Kampagne „vielfach anders angekommen sei als beabsichtigt“, kündigte interne Aufarbeitung an und betonte, dass man für alle Kunden da sei – ohne politische Parteinahme.

Proteste richten sich aktuell auch gegen den Drogerie-Händler Rossmann, der aus dem Verband der Familienunternehmer ausgetreten ist, um dagegen zu protestieren, dass ein AfD-Abgeordneter zur jährlichen Mitgliederversammlung eingeladen werden sollte, auf der ansonsten alle Parteien vertreten sind.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 88 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

88 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
humerd
8 Stunden her

Gibts denn schon Fördergelder, also Subventionen, vom Bund? Schließlich rettet der ADAC das Weltklima, unsere Demokratie, unsere Freiheit und ist gegen rääääächts. Da müssen die Steuerzahler im Land den finanziellen Schaden durch Mitgliederschwund ausgleichen.

Nibelung
10 Stunden her

Ein Wechsel wäre eine Überlegung wert, denn die scheinen im Laufe der letzten Jahrzehnte ihre Bodenhaftung verloren zu haben, mit der Fehleinstellung für den Kunden da zu sein und nicht für die Ideen anderer oder gar grün-roter Idiologien, wofür man sich nichts kaufen kann, von der Angebotsseite her aber schon, wenn es sich in einem vertretbaren Maß bewegt.

Das wird andere auch noch treffen, denn Hochmut kommt vor dem Fall und die vielen kleinen Entscheidungen können für so manchen zum Tsunami werden und das Mitleid hält sich in Grenzen solange es noch Alternativen gibt.

Regina Lange
11 Stunden her

Das wurde falsch verstanden – das war so nicht gemeint – immer das gleiche Gesülze der verwokten Wirtschaft, Clubs und Institutionen, wenn ihnen klar wird, dass sie mit ihrem Mist die Kunden verprellen! Der ADAC-Vorstandsmensch hat es genau so gemeint wie er es gesagt hat! Solche Leute sind weit weg von der Realität des gemeinen Bürgers!

MartinKienzle
16 Stunden her

Wenn Gott eine Tür schließt, öffnet er ein Fenster: Wenn also Unternehmen die Meinung hegen, uns Deutschen den sogenannten „Wokeismus“, sprich kommunistisches Gedankengut, oktroyieren zu können, unterliegen sie dahingehend einem Irrtum, dass wir nach Alternativen Ausschau halten, das bedeutet, dass es ihnen zunehmend misslingt, uns in ihrem Sinne zu indoktrinieren!

fluffy_bird
22 Stunden her

Wer oft mit dem eigenen Auto unterwegs ist, erhält Pannenhilfe in den allermeisten Fällen auch über den Schutzbrief seiner Kfz-Versicherung. Dieser ist manchmal bereits in der Prämie inklusive oder kann meist für sehr wenige Euro, in den meisten Fällen unter €20 pro Jahr, nachgebucht werden. Die Bedingungen sind unterschiedlich. Die bekannte Pannenhilfe gibt es aber auf jeden Fall. Allerdings ist der Schutzbrief an das Fahrzeug gebunden. Wer einen personengebundenen Schutz möchte, also unabhängig vom gefahren Auto, und häufig auch im Ausland unterwegs ist, für den kann sich unter bestimmten Umständen ein Automobilclub tatsächlich lohnen. Das gilt auch, wenn man zum… Mehr

kb
23 Stunden her

Warum nur tausende. Ist wohl wie bei der CDU Basis – da rumorts 🤣🤣🤣

Querdenker73
23 Stunden her

Ich habe meine goldene ADAC-Karte vor mindestens 10 Jahren bereits zurückgeschickt! Weil ich bereit damals der Meinung war, dass dieser Verein seiner Mitglieder nur ausnutzt. Mindestens seit dieser Verein an der Börse ist, war mir klar, wer hier das Sagen hat: Die Mitglieder nicht!

fluffy_bird
22 Stunden her
Antworten an  Querdenker73

Wie kommt man auf die Idee, der ADAC sei an der Börse?

Monika Vogel
1 Tag her

Auch wir haben gekündigt nach fast 35 jähriger Mitgliedschaft dank der Information von TE. Viele Kündigungen – ja, aber ausreichend schmerzlich für den ADAC? Geballte Aktionen sind in Deutschland kaum zu erwarten. Ein Zusammenhalt wie 1989 war m.M. einmalig. Sich für Demokratie, Neutralität, Gleichbehandlung zu engagieren, ist den meisten viel zu aufwendig oder auch egal. Oft sogar, wenn sie selbst betroffen sind.

Gernoht
1 Tag her

Heute habe ich meine Kündigungsbestätigung bekommen. Der Erklärungsversuch vom Mitgliederservice wurde mit folgenden Sätzen eingeleitet:
„Wir verstehen, dass die Berichterstattung zum Thema CO2-Preis bei vielen Menschen Fragen und Sorgen ausgelöst hat. Daher möchten wir die Aussagen aus dem betreffenden Interview gerne einordnen.“
Da habe ich aufgehört zu lesen. Die halten mich wohl für so bescheuert wie den gemeinen ÖRR-Konsumenten?

fluffy_bird
22 Stunden her
Antworten an  Gernoht

Da gibt es nichts einzuordnen! Sollte der ADAC Chef mittlerweile seine Meinung geändert haben, steht es ihm frei diese genauso zu veröffentlichen, wie er das zuvor getan hat. Dann kann man sich darüber unterhalten.

Rudy_G
1 Tag her

Habe mein Phlegma überwunden und beim ADAC gekündigt. Wechselservice von „Mobil in Deutschland“ wird angeboten – also recht bequem.