Nach Missbrauchsskandal in der Partei: Linken-Chefin Hennig-Wellsow tritt überraschend zurück

Die Linken-Parteivorsitzende Susanne Hennig-Wellsow ist mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Sie begründet den Schritt vor allem mit den jüngsten Missbrauchsvorwürfen gegen Mitglieder der Partei. Eigentlich war eher der Rücktritt ihrer Kollegin Wissler erwartet worden.

IMAGO / Chris Emil Janßen

Die Linken-Parteichefin Susanne Hennig-Wellsow ist am Mittwochmittag überraschend „mit sofortiger Wirkung“ zurückgetreten. Sie führt die angeschlagene Partei seit 2021 in Doppelspitze mit Janine Wissler. Die Zeit kann wohl kaum als Erfolgsgeschichte für die Partei betrachtet werden, bei der Bundestagswahl zog man nur denkbar knapp ins Parlament ein. Dennoch überrascht der Rücktritt von Hennig-Wellsow – steht doch ihre Kollegin Wissler aktuell eigentlich viel mehr in der Kritik. Wissler wird im Zuge des Missbrauchsskandals in der Partei vorgeworfen, einen Beschuldigten gedeckt bzw. einem Opfer Hilfe versagt zu haben (TE berichtete).

Hennig-Wellsow gab auf ihrer Website eine knappe Begründung ab. Neben privaten Gründen verweist sie darin vor allem auch auf die Missbrauchsaffäre. Der Umgang mit Sexismus in den eigenen Reihen habe „eklatante Defizite unserer Partei offengelegt. Ich entschuldige mich bei den Betroffenen und unterstütze alle Anstrengungen, die jetzt nötig sind, um aus der Linken eine Partei zu machen, in der Sexismus keinen Platz hat“, so Hennig-Wellsow. Eigene Fehler räumt sie nicht ein. Konkrete Vorwürfe wurden gegen Hennig-Wellsow in dieser Affäre zuletzt auch nicht erhoben. Erneuerung brauche jetzt aber „neue Gesichter“ – der Plural kann auch als indirekte Rücktrittsaufforderung an weiteres Führungspersonal innerhalb der Partei gedeutet werden.

Die Thüringerin galt im Vergleich zu ihrer Amtskollegin Wissler als eher dem moderaten Flügel der Partei zugehörig. Die Linkspartei steht damit offenkundig vor einem größeren Umbruch.

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