Nina Warken bricht das von Friedrich Merz verordnete Schweigen

Friedrich Merz soll laut Bild der CDU ein Schweigegelübde verpasst haben. Das ist durchaus vernünftig. Denn seine Partei hat den Bürgern nichts mehr zu sagen - nur durchhalten wird der Kanzler diesen Plan nicht. Das zeigt jetzt schon das Beispiel steigende Kassenbeiträge.

IMAGO

Nächste Woche ist Aschermittwoch. Für die Christen beginnt damit eine Fastenzeit, die bis Ostern dauert. Manche verzichten in den Wochen auf Fleisch, andere auf Alkohol und ganz wenige legen sich in der Zeit ein Schweigegelübde auf. Auch die Christdemokraten sollen jetzt fasten, hat ihr Vorsitzender Friedrich Merz laut Bild seiner Partei verordnet. Die Christdemokraten sollen öffentliche Vorschläge unterlassen wie den, dass künftig die gesetzlich Krankenversicherten neben den steigenden Beiträgen auch noch die kompletten Kosten für ihre Zahnbehandlung bezahlen sollen.

Allerdings ist Merz Schweigegelübde weniger christlich motiviert, es soll auch nicht bis Ostern dauern. Sondern bis zum 23. März, wenn die Bürger in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ihre Landtage neu gewählt haben werden. Denn an den Ständen, so merkt es Merz jetzt, kommt es gar nicht so gut an, wenn Politiker den Umworbenen mehr Arbeit, höhere Kosten und weniger Verdienst versprechen.

Merz hat allerdings zwei Probleme darin, das Schweigegelübde durchzusetzen. Zum einen ist es unrealistisch. Die schwarz-rote Regierung lebt und agiert nicht im luftleeren Raum. Die Themen kommen auf Merz’ Team zu, ob es darüber reden will oder nicht. Ein gutes Beispiel dafür liefert eben jetzt die Gesundheitspolitik und die Frage, wie der dramatische Anstieg der Kassenbeiträge gestoppt werden kann.

Da hat Gesundheitsministerin Nina Warken dem Handelsblatt gesagt, sie sei dafür, dass der Staat „versicherungsfremde“ Leistungen künftig bezahlen werde und damit die Beitragszahler entlaste. Damit hat die Christdemokratin gegen das Schweigegelübde ihres Bosses verstoßen. Aber ihr bleibt nichts anderes übrig. Der Druck kommt von außen. Durch den Dachverband der Krankenkassen, der GKV. Die hat Klagen dagegen eingeleitet, dass die Kassen jedes Jahr rund zehn Milliarden Euro der Kosten zahlen müssen, die Empfänger von Grundsicherung und anderen staatlichen Transfers bei Ärzten und in Apotheken verursachen. Kommen die Urteile, muss Warken diese Kosten ohnehin übernehmen – dann lieber jetzt als Handelnde dastehen.

Doch es ist auch der Koalitionspartner SPD, der die christdemokratische Ministerin unter Druck setzt. Die Sozialdemokraten haben auf einer Klausurtagung die Tore zum Sozialismus geöffnet. Unter anderem sollen Vermieter und die, die fürs Alter gespart haben, auf ihre Einnahmen Kassenbeiträge zahlen. Noch mehr Steuern, noch mehr Abgaben. Auch etwas, dass an den Wahlkampfständen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz super ankommen wird. Also wählte Warken die Flucht nach vorne und setzte das Thema „versicherungsfremde Leistungen“ über Steuern bezahlen zu wollen.

Das führt aber auch zur zweiten Ursache, aus der heraus Merz’ Schweigegelübde eine für den politischen Kampf kaum brauchbare Methode ist: Wenn die Christdemokraten sechs Wochen auf Vorschläge verzichten und mit den Bürgern nur über ihre Erfolge reden, dann ist das ein sehr kurzes Gespräch. Dass die zahlreichen Arbeitskreise die Probleme lösen werden, etwa der zur Finanzierung des Gesundheitswesen, hat ohnehin nie einer so recht geglaubt. Seit die „Pflegekommission“ ihre Ergebnisse vorgestellt hat, ist dem letzten diese Illusion genommen. Auf die heilsame Wirkung der Arbeitskreise zu vertrösten, ist also für die Christdemokraten auch keine Kommunikationsstrategie.

Vorschläge machen, kann allerdings mitunter reichen. Auch wenn es heute vergessen ist, weil die Hartz-Gesetze mittlerweile aufgrund der hohen Ablehnung hin analysiert werden: Im Wahlkampf 2002 hat Gerd Schröder (SPD) mit dem Versprechen auf diese Reformen hin tatsächlich gepunktet. Neben den Folgen der Flut und der Ablehnung einer deutschen Beteiligung am Irak-Krieg der USA war dieses Versprechen ein Grund für Schröders überraschenden Wahlsieg, nachdem er lange und bis am Wahlabend hinter Herausforderer Edmund Stoiber (CSU) zurückgelegen hatte.

Doch es gab einen wesentlichen Unterschied zwischen Schröders Versprechen und den Ankündigungen, die Christdemokraten heute zu bieten haben: Schröder hat grundlegende Reformen versprochen, die der Wirtschaft helfen und damit den Wohlstand fördern. Die Christdemokraten unter Merz fordern die Bürger auf, mehr zu arbeiten und kündigen ihnen an, trotz Mehrarbeit weniger besitzen zu werden.

Anders als Schröder sind sie nicht bereit, an die Ursachen der aktuellen Wirtschaftskrise heranzugehen: die Einwanderungspolitik unter Angela Merkel (CDU) und Olaf Scholz (SPD). Ihre Energiepolitik. Ihre Steuerpolitik. Ihre Finanzpolitik. Ihre wirtschaftsfeindliche Verwaltung. Das alles ist für Christdemokraten sakrosankt geworden. Das blinde Folgen dieser Ideologie hat mittlerweile religiöse Züge angenommen. Für Sozialdemokraten gilt das erst recht.

Die Christdemokraten haben den Deutschen nichts mehr zu sagen. Wenn ihnen Merz daher ein Schweigegelübde erteilt, ist das nur konsequent. Nicht nur in der Fastenzeit. Einfach zu schweigen, mag für Beobachter intellektuell unbefriedigend wirken. Doch für Merz ist es ein Fortschritt. Bisher hat der Kanzler einfach gnadenlos das Gegenteil von dem versprochen, was er umzusetzen geplant hat – etwa in der Verschuldung des Staates.

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Kommentare ( 36 )

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36 Comments
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Nibelung
1 Monat her

Die Borgias im Vatikan waren auch Christen, viele gekrönte Häupter ebenso, die sich sogar noch auf Gottes Gnaden berufen haben und was damals verkehrt rum und geradezu mörderisch war, ist heute nicht viel anders und die neuen Borgias toben sich doch wie man sieht überall erneut aus und man sollte es nur wissen, bevor man solchen Typen auch noch das persönliche Vertrauen schenkt. Das ganze unsägliche Geschwätz, gepaart mit ihren falschen oder gar kriminellen Handlungen ist nur dem Umstand gezollt, daß man ihnen gegenüber keine Haltelinie gezogen hat und das führte sogar noch dazu, daß man jedes Maß verloren hat… Mehr

Privat
1 Monat her

Es zeugt von fehlendem Bewusstsein für das eigene Land, jetzt von unserem minimalem Gasvorrat trotzdem noch andere Staaten mit Gas zu beliefern
Dazu fällt mir an oberster stelle die elendige Ukraine ein, die ganz sicher nichts für unser Gas bezahlt. Also wird unser Gas verschenkt wie auch so vieles andere.
Was für ein Irrsinn, veranstaltet von der BRD Staatsverwaltung von der CDU/CSU mit dem dünnen Merz und der SPD.
Es wird keinerlei Rücksicht auf deutsche Interessen und die seiner Einwohner genommen.

Privat
1 Monat her

Die Merz Staatsverwaltung zusammen mit der SPD, Grünen und Linken.
Gasspeicherstand in Deutschland heute nur noch 25,5 %
Das gewählte System mit dem Merz machts möglich.
Eine Änderung ist nicht in Sicht.

OJ
1 Monat her

Merz verordnet Stillschweigen, weil seine Partei inhaltlich pleite ist. Doch dann hält sich ausgerechnet die gesundheitspolitische Sprecherin, Nina Warken, nicht daran – und bewegt sofort das Gegenteil von dem, was sie verspricht.

Sie verkündet stabile Kassenbeiträge, während Kassenchefs wie Andreas Storm (DAK) bereits steigende Beiträge für 2026 prognostizieren.
Die Bilanz❗
Ein gescheiterter Maulkorb, leere Versprechen und sozialpolitische Hetze. Die CDU hält nicht mal ihre eigene Disziplin durch – wie soll sie dann ein Land regieren❓
Machen sie das Kreuz an der richtigen Stelle, es gibt nur eine richtige Stelle.

Last edited 1 Monat her by OJ
Egozentrik
1 Monat her
Antworten an  OJ

„CDU hält nicht mal ihre eigene Disziplin durch – wie soll sie dann ein Land regieren❓“ Das SOLLEN sie auch nicht – da sie es auch nicht können! Doch ich verstehe solche Kommentare nicht. Denn wir haben eine Gewaltenteilung, und da heißt „Regieren“ eben nicht, alles von den Bürgern zu verlangen und über alle Lebensumstände der Bürger zu bestimmen, einschließlich der Staatsanwaltschaften, Gerichte und Medien! Aber die Bürger, die man fragt, glauben, dass Politiker, jegliches Recht auf Bestimmung der Lebensumstände und pekuniäre Mittel der Bürger haben, schlimmer als in jedem Feudalstaat! Dabei sind sie lediglich durch Manipulation und mafiöse Erpressung… Mehr

Last edited 1 Monat her by Egozentrik
Delegro
1 Monat her
Antworten an  OJ

Die CDU regiert kein Land. Das machen SPD, Grüne und Linke. Die CDU ist nur die Handpuppe im Kasperletheater.

Ein Mensch
1 Monat her

Die Politiker können jeden Mist erzählen, jede noch so dämliche Lüge verbreiten, die hirngewaschenen Bürger werden sie trotzdem wählen. BW und RLP haben einen denkwürdigen Abstieg auf allen wesentlichen Feldern eines demokratischen, leistungsfähigen Staates hingelegt, die Bürger werden trotzdem ein klares weiter so wählen. Wohlwissend das jedes Wahlversprechen gebrochen wird. Die Version von Einsteins Erklärung des Wahnsinns trifft auf den Bürger der BRD mehrheitlich voll zu.

humerd
1 Monat her

Naja, immerhin entlarvt die CDU die SPD.
Die CDU will Krankenkassenkosten von Grundsicherungsempfängern vom Bund übernehmen lassen. Die SPD bezeichnet die Idee ohne Finanzierungsvorschlag als unausgegoren.“ https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-02/nina-warken-dagmar-schmidt-carsten-linnemann-gesetzliche-krankenversicherung-finanzierung-gxe
Kann man sich nicht ausdenken. Die CDU will ausnahmsweise mal die gesetzlich Versicherten entlasten und die SPD ist dagegen.
Merzens Schweigegelübde dient auch der SPD

Delegro
1 Monat her
Antworten an  humerd

Was gibt es da noch zu entlarven? Das ist die Kernpolitik der SPD. Sie hat aber auch so gar nichts mehr mit der "alten Tante" SPD vergangener Zeiten (Schröder, Schmidt etc.) zu tun. Eine Ansammlung von hohlen Antifanten, die ohne die SPD im Leben nichts erreicht hätten. Das links/grüne Pack hasst Deutschland und deren Bürger bis in`s Mark. Bezahlen lässt man sich jedoch gerne von diesem undankbaren Volk. Aber halt, so undankbar sind die ja gar nicht. Wie sich bei der jeder Wahl von neuem zeigt. Vielleicht nur dumm und wohlstandsverseucht?

Dr. Rehmstack
1 Monat her

Es ist also an der Zeit den drei kürzesten Büchern: britische Kochkunst, italienische Heldensagen, deutscher Humor noch ein Viertes hinzuzufügen, nämlich Reformpläne der CDU.

JamesBond
1 Monat her

Lieber Herr Tichy,
es ist zu trocken und zu warm, Klimawandel ist auch wenn es immer kälter wird und das Gas ausgeht, oder wegen Eisgang auf Rügen nicht mehr angelandet werden kann. Gilt das Schweigegelübte auch dafür? Wer mit offene Augen durchs Land geht oder fährt, der sieht jeden Tag die Erfolge von Union und Sozen: Bahn – kaputt, verspätet, dreckig
Strassen – kaputt, überfüllt, Baustellen
Städte – hatten zu viel Platz, Pleite, Leerstand
Landschaft – Windräder, Photovoltaikanlagen
Schulen – nur ein Wort: Chaos
Industrie – auf der Flucht
Rente – unsicher
Staat – ein bürokratischer Moloch
….

Delegro
1 Monat her
Antworten an  JamesBond

Ich darf noch ergänzen:
Volkskammer Berlin läuft wie geschmiert. Man ist unter sich und greift täglich in die fast leeren Kassen.

bfwied
1 Monat her

Höhere Steuern, höhere Abgaben, mehr arbeiten – darüber ließe sich durchaus reden – und dennoch weniger Leistung daraus erhalten, sinkenden Lebensstandard in Kauf nehmen, natürlich freudig, das ist ganz im Sinne des sehr wohlhabenden Salonsozialisten K. SChwab. „Alle gleich arm und alle glücklich!“ Um die, die das so wollen und unterstützen, ist es mir nicht schade, die bedauere ich keineswegs, denn sie wollen es so, aus Dummheit oder religiösem Eiferertum, aber um alle anderen, die arbeiten, das finanzieren müssen und das alles nicht wollen, wir alle anderen sind gefangen im höchst gefährlichen destruktiven Ideologentraum der Grünrot-Sozialisten.

Delegro
1 Monat her
Antworten an  bfwied

….und weite Teile meiner Mitbürger sind schlicht zu dämlich oder arrogant das zu verstehen. So kommen wir nie aus dem Ideologentraum raus.

Dreiklang
1 Monat her

Zitat: „nur durchhalten wird der Kanzler diesen Plan nicht“ – was hat der Kanzler jemals „durchgehalten“ ? Merz erzählt viel, wenn der Tag lang ist. Umso unbegreiflicher, dass „Tichys Einblick“ diesem Mann überhaupt noch Beachtung schenkt. Wo nichts ist, da ist nichts.