Wissenschaftler kritisieren Öffentlich-Rechtliche für deren Genderpraxis

"Wir fordern die Abkehr von einem Sprachgebrauch, der stark ideologisch motiviert ist und überdies – so zeigen es alle aktuellen Umfragen – von der Mehrheit der Bevölkerung (ca. 75-80 %) eindeutig abgelehnt wird. Es ist bedenklich, wenn immer mehr Journalisten in Unkenntnis der sprachwissenschaftlichen Fakten den Jargon einer lautstarken Minorität von Sprachaktivisten in der Öffentlichkeit verbreiten und sich hierbei fälschlicherweise auf “Sprachwandel” berufen."

picture alliance / dpa | Soeren Stache

Dass sich die rund 70 und jährlich mit mehr als 8 Milliarden Euro Zwangsgebühren üppigst ausgestatteten öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten (ÖRR) als hochideologische Erziehungsanstalten verstehen, dürfte bekannt sein. Ihrer vertraglich festgelegten Verantwortung kommen die ÖRR jedenfalls längst nicht mehr nach. Zum Beispiel dem Paragraphen 26(2) des Medienstaatsvertrages. Dort heißt es: „Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben bei der Erfüllung ihres Auftrags die Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, die Meinungsvielfalt sowie die Ausgewogenheit ihrer Angebote zu berücksichtigen.“

Wenn es nicht so empörend wäre, müsste man bei einem Vergleich real existierender ÖRR-Medienszene und diesem Vertragspassus in schallendes Lachen ausbrechen. Wir halten uns aber hier nicht auf mit den ÖRR-Talkshows einer Anne Will oder einer Maybrit Illner mit den immer gleichen zweibeinigen Wanderpokalen, wir halten uns auch nicht mit „Monitor“ oder „Panorama“, nicht mit den sexualisierenden Kindersendungen, auch nicht mit den diversity-schwangeren Krimis und dergleichen auf.

Nein, hier soll es nur um den ÖRR-Wahn des dort um sich greifenden Gender-Gestotters gehen. Nun haben immerhin sich mehr als sechzig Fachwissenschaftler in einem offenen Brief und auf seriöser sprachwissenschaftlicher Basis dagegen gewandt.

Die Wissenschaftler mahnen an, dass die Sender die Verpflichtung haben, sich in Texten und Formulierungen an geltenden Sprachnormen zu orientieren und mit dem Kulturgut Sprache regelkonform, verantwortungsbewusst und ideologiefrei umzugehen. Denn mehr als drei Viertel der Medienkonsumenten bevorzugen Umfragen zufolge den etablierten Sprachgebrauch.

Im Detail belegen die Wissenschaftler, dass das Konzept der gendergerechten Sprache auf der wissenschaftlich umstrittenen Vermengung der Kategorien Genus und Sexus basiert und das Genus eine innersprachliche grammatische Kategorie, Sexus dagegen eine außersprachliche, biologische Größe ist. Die Autoren des offenen Briefes weisen auch nach, dass das generische Maskulinum keineswegs (wie Vertreter der Genderlinguistik behaupten) erst in jüngerer Zeit Verwendung fand, dass die deutsche Sprache vielmehr bereits seit Jahrhunderten über ein Mittel verfügt, geschlechtsneutral zu formulieren. Auch sei, so die Autoren, das Prinzip „Geschlechter-Gerechtigkeit“ eine ethische Kategorie, die zur Beschreibung grammatischer Strukturen nicht tauglich sei. Für abwegig halten die Wissenschaftler die Behauptung von der angeblichen “Unsichtbarkeit” der Frau in der deutschen Sprache sowie die These, mit einem Eingriff in sprachliche Strukturen könnten gesellschaftliche Veränderungen bewirkt werden. Vielmehr fände erst durch das Gendern eine ausgeprägte Sexualisierung der Sprache statt. Damit aber werde das Ziel der Geschlechtergerechtigkeit dysfunktional konterkariert. Die Verfasser des offenen Briefes mahnen bei den ÖRR zugleich die geltenden Rechtschreibnormen und das Neutralitätsgebot an. Indem die ÖRR aber stark ideologisch, ja moralisierend arbeiteten und das Gendern von der Mehrheit der Bevölkerung (ca. 75-80 %) eindeutig abgelehnt werde, entfalte sich zunehmend der Jargon einer lautstarken Minorität von Sprachaktivisten. Folge sei, dass damit gefährlichen Partikularisierungs- und Polarisierungstendenzen in der Gesellschaft Vorschub geleistet würde.

Nun, wir wissen nicht, ob die ÖRR-Verantwortlichen sich all dies zu Herzen nehmen. Wahrscheinlich tun sie es nicht. Deshalb können wir nur hoffen, dass man in Deutschland das tut, was die Französische Nationalversammlung jetzt entschieden hat: Die Zwangsgebühren für das öffentlich-rechtliche Rundfunk- und Fernsehwesen abzuschaffen.

Währenddessen darf Audi bei „Audianer_innen“ „bleiben

Am Freitag, 29. Juli, hat das Landgericht Ingolstadt eine Klage gegen einen Leitfaden für geschlechtergerechte Sprache bei der Audi AG abgewiesen. (Az. 83 O 1394/21). Ein Mitarbeiter der Audi-Mutter VW hatte gegen diesen Leitfaden (hier „Gender-Gap“ wie in „Mitarbeiter_innen“) geklagt. TE hatte zuletzt am 15. Juni darüber berichtet.

Unter anderem hatte der Kläger gesagt: „Ich fühle mich von dem Gender-Leitfaden sprachlich unsichtbar gemacht, marginalisiert.“ Das Gericht lehnte nun seinen Unterlassungsanspruch ab, der Kläger selbst sei bei VW nicht zur Verwendung verpflichtet, müsse sich aber so ansprechen lassen. Das Gericht sah letztlich weder einen Verstoß gegen das Allgemeine Gleichstellungsgesetz noch eine Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts des Klägers. Und: Es gebe für ihn kein Recht, „in Ruhe gelassen zu werden“, sagte der Vorsitzende Richter Hellerbrand. Nun ja, eine seltsame Begründung. Aber vor Gericht und auf Hoher See ist man ja bekanntermaßen in Gottes Hand. So kann sein, dass der „Fall“ demnächst beim Oberlandesgericht München landet. Für „Audi“ aber kann man nur vermuten, dass Verkaufszahlen einbrechen und dann als Kompensation empfehlen, demnächst alle „Audis“ in Regenbogenfarben zu lackieren.

Für TE-Leser

TE sieht sich verantwortlich für den Grundsatz, dass die Sprache dem Volk und nicht irgendwelchen sich selbst als solche approbierenden Sprachaktivisten gehört. TE setzt auch weiterhin darauf, dass TE-Leser zu Tausenden im privaten, im beruflichen und im öffentlichen Bereich kritisch Stellung beziehen. Hier listen wir noch einmal einige Argumente auf, die für die Kritik am „Gender“ gewichtig sind.

1. „Gendersprache“ entspringt nicht dem natürlichen Sprachwandel, sondern politischen Bestrebungen, mit denen fundamental in gewachsene Sprachstrukturen eingegriffen wird. Der Gebrauch des generischen Maskulinums ist historisch belegt, wie eine aktuelle Studie von Trutkowski/Weiß zeigt. „Seit 1000 Jahren können Frauen auch Sünder, Richter und Freunde sein.“

2. Gendern ist sexistisch. Sexualisierte Sprache hebt Unterschiede hervor, wo sie bedeutungslos sind, und verschleiert sie, wo sie zum Informationsgehalt gehören. Verallgemeinernde Aussagen und Vergleiche sind nicht länger möglich.

3. Gendern ist reaktionär. Es schreibt den Opferstatus der Frau fort und reduziert Minderheiten auf sprachliche Zeichen.

4. Gendern ist undemokratisch. Politik, Verwaltungen und ÖR-Medien gendern ohne demokratische Legitimation gegen den ausdrücklichen Mehrheitswillen.

5. Gendern bewirkt das Gegenteil von dem, was es behauptet, zum Schaden vieler. Statt Gleichheit und mehr Gerechtigkeit zu erreichen, reißt es Gräben zwischen den Geschlechtern, grenzt Menschen nach gruppenbezogenen Merkmalen aus und benachteiligt Menschen mit geringer Literalität (2) (über 12% der Erwachsenen in Deutschland) oder Menschen mit Behinderungen.

6. Gendersprache ist ein Integrationshindernis für Zuwanderer.

7. Gendersprache ist unökonomisch. Sie widerspricht der menschlichen Neigung zur Reduzierung des sprachlichen Aufwands, und sie verschlechtert das Verhältnis von Signal (Informationsgehalt) zu Rauschen (Füllsel). Das generische Maskulinum ist als gewachsene sexusabstrahierende Form unverzichtbar. Eine vollständige Beseitigung würde die Funktionsfähigkeit der Sprache zerstören.

8. Gendersprache ist grundgesetzwidrig, denn durch die erzwungene „Sichtbarmachung“ von Merkmalen wie Geschlecht und sexueller Orientierung greift sie in die Intimsphäre und informationelle Selbstbestimmung des Menschen ein. Dadurch verletzt sie die Menschenwürde, die von diesen Merkmalen unabhängig und ihnen übergeordnet ist.

Im Detail sind diese Argumente hier zu finden.

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Kommentare ( 74 )

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Ali
6 Tage her

Das wurde auch Zeit. Personell tummelt sich in den per Zwangsteuer (jawohl das ist es) finanzierten „Rundfunkanstalten“ durchweg eine politische Ideologie, die irgendwo zwischen RAF*Innen und weiteren Hardcore-Marxist*Innen (hier ist das gendern mal angebracht) anzusiedeln ist.

Diese indoktrinierenden Institutionen passen inhaltlich in die vergangene DDR oder Nordkorea aber nicht in eine demokratische Republik.

Hesta
6 Tage her

Gendersprache ist ein Indiz für die Intelligenz der Anwender, ein sehr trauriges. Ideologischer Unsinn. Beim Begriff Arzt denkt man seit Ewigkeiten auch an eine Ärztin. Man muss schon sehr doof sein, wenn man sich nur einen Mann darunter vorstellt.

Last edited 6 Tage her by Hesta
Franjo
7 Tage her

Ich für mich persönlich halte es so, dass ich beim Gebrauch gegenderter Sprache direkt danach einfach um oder ausschalte und zwar jedes Mal!
Je mehr Zuschauer da mitmachen würden, umso klarer wäre es für die Verantwortlichen warum das so ist.

Yuminae
7 Tage her

Am Besten sind die Leute, die dann immer sagen, wenn ich erkläre, dass ich „Ingenieur“ bin „Nein, das heißt doch Ingenieurin!“ und ich immer klar sage, „nein, das heißt Ingenieur und ich finde das abwertend, wenn man einen eigenen Beruf für mich erfindet, nur weil ich eine Frau bin. Auf meinem Diplom steht Ingenieur, also bin ich Ingenieur.“

Ich denke aber, dass Geschwätzwissenschaftler mehr damit Probleme haben als Naturwissenschaftler.
Und ich frage mich gerade, wie man Gendersprache in Gebärdensprache übersetzt… ah! Gar nicht, funktioniert nicht. Damit ist Gendersprache eindeutig diskriminierend gegenüber Gehörlosen!

Peisistratos
6 Tage her
Antworten an  Yuminae

Vielleicht kommen Sie auch auf die Idee, dass viele „Geschwätzwissenschaftler“, wie Sie sie zu nennen pflegen, wie Sie sehr wohl auch Probleme mit dieser Genderei haben? Der Aufruf stammt ja immerhin von Linguisten und Sprachwissenschaftlern. Nervt es Sie, wenn Mathematiker und Physiker abschätzig von Ingenieuren sprechen…?

Waehler 21
7 Tage her

Es wird gerne vergessen, dass der ÖRR ein staatlichen Erziehungs- und Beeinflussungsauftrag hat. Dem kommt er nur nach.

Karina Gleiss
7 Tage her

Das grundsätzliche Problem ist ja, dass Logik und gesunder Menschenverstand innerhalb der Blase der grün-roten Kleinkinder mit Ideologiehintergrund nicht vorkommen. Das zeigt u. A. sehr gut das Beispiel des Irrsinns der Gendersprache im Zusammenhang der Probleme, die diese den massenhaft eingeladenen Nicht-Muttersprachlern bereitet.
Andererseits: wenn auf jedem Amt, in jedem öffentlichen Verkehrsmittel usw. Hinweise in den diversen Sprachen der Neubürger zu finden sind, sagt das eigentlich auch schon Alles. Die eigentliche Absicht der Deutschlandhasser scheint die komplette Zerstörung (auch) unserer Muttersprache zu sein.

Last edited 7 Tage her by Karina Gleiss
Lotus
7 Tage her

Der umstrittene ÖRR wird erst dann vom Gendersprech ablassen, wenn er von den Grünen die Anweisung dazu bekommt. Und das wird natürlich nicht passieren. Stuttgarter Erklärung zur Energiepolitik, offener Brief von Sprachwissenschaftlern gegen Gender-Blabla, das interessiert im ÖRR niemanden. Ausschlaggebend sind allein Beschlüsse der Grünen. Regierungsmitglieder müssen eine Amtseid leisten. Ich denke, das tun ÖRR-Journos auch: „Ich schwöre, daß ich meine Kraft dem Wohle der Grünen Partei widmen, ihren Nutzen mehren, Schaden von ihr wenden, das Parteiprogramm und die Beschlüsse der Grünen wahren und verteidigen, meine Einflussmöglichkeiten gewissenhaft nutzen und Grüne Ideologie gegen jedermann ausüben werde. So wahr mir Robert… Mehr

Meyer
7 Tage her

Eine Sprache entwickelt sich immer, wenn z.B. in der Bevölkerung neue Worte oder aus anderen Ländern importierte Begriffe auftauchen und sich etablieren. Dies ist ein langsamer, evolutionärer Vorgang. Diese neuen Worte wurden dann auch oft im Duden aufgenommen.
Wenn aber von oben herab, durch eine Regierung, bzw. den von Ihr kontrollierten Medien und „NGOs“ irgendwelche neuen Worte oder Sprachreglungen, wie das „Gendern“ quasi vorgeschrieben werden, ist dies etwas ganz anderes!
Diesen Zwang zur einer offensichtlich ideologisch motivierten „neuen Sprechweise“ gab es bisher ausschließlich unter totalitären Regimen!

Last edited 7 Tage her by Meyer
Meyer
7 Tage her
Antworten an  Meyer

Eine der wichtigsten Funktionen z. B. des vorgeschriebenen „deutschen Grußes“ im III. Reich war der tägliche Kotau vorm Regime und wer nur „guten Tag“ sagte, war sofort als Gesinnugsfeind erkennbar. Mal sehen, ob sich der träge Deutsche irgendwann wieder ähnliches mit dem „Gendern“ gefallen lässt.

Last edited 7 Tage her by Meyer
GMNW
7 Tage her

Und jetzt? Das öffentlich /rechtliche Gebühren-Fernsehen gendert munter weiter! Zwar haben die Sprachwissenschaftler sich zu Wort gemeldet, aber das stört doch niemanden beim ö/r TV; ganz im Gegenteil! Eine überaus linksgrün gefärbte Frau Stamm aus Bayern ist zwar mit ihrer Gender-Sendung, vom Bayerischen Rundfunk produziert, bezahlt und ausgestrahlt, für Kinder/ Jugendliche mit krachend gescheitert – „Gendern ist doof“, so die grundsätzliche Aussage der ausgewählten Kinder/ Jugendlichen, trotzdem stellt die Dame Stamm fest, dass auf allen Ebenen mit allen Möglichkeiten jetzt noch mehr, verstärkt gegendert werden muss, um die Menschen für dieses Thema empfänglich zu machen! Hoffentlich wird sehr bald irgendeine… Mehr

Gabriele Kremmel
7 Tage her

Gendersprache bremst den Lesefluss aus und behindert stark das Aufnahmevermögen. Um es kurz zu machen: Es geht am Hirn vorbei. Mir am A…. So wie Audi, die zwar dick und fett ihr Audisymbol auf ihren Fahrzeugen platzieren, obwohl sie in ihrer Gender-Broschüre für internen Sprachgebrauch strikte Neutralität fordern und die Mitarbeiter belehren, dass „Grundsätzlich gilt, dass keine Rückschlüsse vom Äußeren auf das Geschlecht gezogen werden sollten. Nur weil eine Person weibliche Attribute besitzt, muss sie sich nicht als Frau identifizieren. Was zählt, ist die eigene (wahrgenommene) geschlechtliche Identität.“ Warum also nicht auch ihre Autos markenneutral gestalten, denn für mich ist… Mehr