Skandalisierung um CDU-Linnemann: Medien schüren die allgemeine Hysterie, dpa entschuldigt sich

"Grundschulverbot für Migranten-Kinder"? Für diese Aussage erlebte der CDU-Politiker Carsten Linnemann einen wahren Shitstorm. Nun korrigierte dpa die "selbst gewählten" Formulierungen und Überschrift. Es ist das Musterbeispiel des einseitigen Haltungsjournalismus, schreibt der frühere dpa-Büroleiter Laszlo Trankovits.

imago images / Jens Jeske

Der Shitstorm um den CDU-Politiker Carsten Linnemann zeigt vor allem, dass die politischen Auseinandersetzungen in Deutschland außer Rand und Band geraten sind. Ständige Skandalisierung und politische Hysterie haben längst Universitäten, Fußballvereine oder Kommunalverwaltungen erfasst. Dabei tragen Medien – angefangen von Nachrichtenagenturen bis zu den politischen Wochenblättern – einen erheblichen Anteil dazu bei. Sie füttern nicht nur mit einem einseitigen „Haltungs“-Journalismus die fortschreitende Emotionalisierung und Entsachlichung der politischen Debatten, sondern heizen auch mit üblen Zuspitzungen und verkürzten Zitaten die allgemeine Hysterie an.

Vom Weg abgekommen
Journalisten: Alarmismus ist der Normalfall
Auslöser der ganzen Aufregung war die unsachliche Darstellung und ungerechtfertigte Zuspitzung eines Interviews mit dem stellvertretenden CDU-Fraktionsvorsitzenden. Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) hatte die Überlegungen Linnemanns zu dem ohnehin heiklen Thema der Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse zugespitzt zu der angeblichen Forderung nach einem „Grundschulverbot“ für diese Kinder. Dpa musste schließlich einen Rückzieher machen, denn Linnemann hatte lediglich eine Vorschulpflicht für Kinder ohne Deutsch-Kenntnisse angeregt. Ein Kind, das kaum Deutsch spreche und verstehe, habe auf einer Grundschule noch nichts zu suchen. Notfalls müsse, so der CDU-Politiker, eine Einschulung auch zurückgestellt werden.

Der dpa-Redakteur hatte getan, was zu den Kern-Kompetenzen jedes guten Nachrichtenredakteurs gehört: Kompliziertes Verkürzen, Komplexes reduzieren, Langes aufs Wesentliche zu komprimieren. Bei dieser oft sehr anspruchsvollen Aufgabe, zum Beispiel bei stundenlangen Politikerreden oder bei wissenschaftlichen Studien, passieren zwangsläufig auch mal Überspitzungen und einfach auch Fehler – das war schon immer so. Eine dramatische Qualität gewinnen diese Fehlleistungen aber, wenn sie die politischen Auseinandersetzungen vergiften oder emotionalisieren.

Die Geschwindigkeit, mit der viele Medien mit schreienden Überschriften um Aufmerksamkeit für diese offenbar ungeheuerliche Forderung Linnemanns warben, zeigt den bedauerlichen Willen vieler Redaktionen, auf Teufel komm raus zu skandalisieren. Für viele scheint schon die Thematisierung des real gravierenden Problems an den Schulen eine Verletzung des allgemein eingeforderten Konsenses zu sein, alles, was mit Migration und Flüchtlingen zu tun hat, mit einem Schleier des Wohlwollens, Gutredens und notfalls Ausblendens zu verkleiden.

Mittlerweile hat sich dpa berichtigt. In der Meldung wurden nachträglich die Überschrift und das erfundene Zitat (dpa sagt: „selbst gewählte Formulierung“) korrigiert. Linnemann hat nicht von einem Grundschulverbot gesprochen.

Einen kleinen Vorteil hat die Debatte: all die Politiker und Kommentatoren, die nach den ersten Medienberichten über Linnemann, zornig und empört loswetterten, müssen sich gefallen lassen, als üble Brunnenvergifter der Demokratie zu gelten und sich auf „Zusammenfassungen“ zu verlassen statt den Originaltext zu Rate zu ziehen.

Das gilt insbesondere für seine „Parteifreunde“ in der CDU und in der „Union der Mitte“, genährt in der Parteizentrale, die wüst über Linnemann hergefallen sind. Linnemann konnte sich gegen dpa durchsetzen und die Korrektur erzwingen. Doch das ist selten erfolgreich. So bleibt der Kampf gegen Fake-News in den Medien oft vergeblich.

Wenn Linksradikale zur Revolution oder Rechtsradikale zur Diktatur aufrufen, kann jeder Bürger sehen, was Sache ist. Die angeblichen Demokraten in den Medien, Parteien oder Sozialen Netzwerken, die gierig alles aufgreifen, um zu diffamieren, zu stigmatisieren, zu skandalisieren und zu denunzieren, sind eine sehr viel größere Gefahr für eine funktionierende Demokratie. Sie sind die wahren Verräter des demokratischen Gedankens. Journalisten, die mit giftigen Formulierungen und Zuspitzungen dazu beitragen, dass sich die aufgeheizte politische Stimmung weiter verschlechtert, sollten sich zumindest schämen.

Mittlerweile erhält Linnemann aber auch Unterstützung gegen die Nachsprecher in der eigenen Partei: „Grundschullehrer werden überfordert und die Bildungschancen unserer eigenen Kinder beeinträchtigt, wenn in der Klasse Schüler sitzen, die den Lehrer sprachlich nicht verstehen. Integrations- und Inklusionsideologen fallen im Gutmenschen-Eifer über ihn her. Die einen, weil sie – vom medialen Mainstream berieselt – nicht mehr die Wirklichkeit zur Kenntnis nehmen können oder wollen, die anderen, weil ihnen die fehlende Sprachkompetenz der „neu Hinzugekommenen“ ihre gutbezahlten Jobs als Lotsen an den Trog des Wohlfahrtsstaates sichert. Lass Dich vom Geschrei nicht irritieren, Carsten, Du hast völlig recht – egal, was jetzt wieder auch von CDU-Vertretern in Bundes- und Landesregierungen vorgebetet wird“, so beispielsweise Klaus-Peter Willsch. (aktualisierte Fassung)

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Kommentare ( 195 )

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Daß Linnemann auch von den eigenen Leuten in der sogenannten Union der Mitte, die nichts anderes ist als die Union der Linken, massiv angegriffen wird, zeigt, daß die Auseinandersetzung innerhalb der Union gerade in der Migrationsfrage immer polarisierender und emotionaler wird. Die Kritik der Unionslinken an Linnemanns Äußerungen unterscheidet sich in der Wortwahl kaum noch von derjenigen der klassischen Linksparteien. Vom konservativen Flügel (WerteUnion), dem Linnemann nahesteht, kommt immer mehr berechtigte Kritik an der linksgrünen Merkel-Agenda. Der Streit innerhalb der Union zwischen linken Merkelianern und den Konservativen über den Kurs der Partei scheint sich immer mehr zuzuspitzen. Nach den Wahlen… Mehr

Für das derzeitige deutsche Schulniveau braucht es in der Tat keine Sprachkenntnisse. Das ist so unterirdisch, da reicht „ich Tarzan, du Jane“

Denkt auch mal jemand an die deutschen Kinder, die den Unterricht ordentlich folgen können und nach der Schule mit einem Abitur studieren oder einen Fachberuf lernen wollen.

Wer soll in 20 Jahren als Arzt, Ingenieur oder Techniker arbeiten können, wenn die Grundschulbildung als babylonisches Sprachwirr zur Glückssache wird.

Das, was der Verbandsvorsitzende von Lehrern Linnemann sagt, ist ein unsäglicher Blödsinn der Gutmenschenfraktion und Mitläufer, die unfähig sind, die Wirklichkeit überhaupt zu sehen, geschweige denn auf diese adäquat zu reagieren. Auch er ist ein auf Linie gebrachter Funktionär. Merkel und die anderen Linken wissen ja, wie man Leute auf Linie bringt, sie haben das von der Picke auf gelernt. Man könnte auch so viel Charakter und Rückgrat zeigen, dem für jedermann offensichtlich Quatsch zu widersprechen!

Herr Linnemann hat völlig recht, wie geistig verkommen tw. Medien und Politiker mittlerweile sind zeigen die Reaktionen auf die vernüftigen Vorschlähe von Herrn Linnemann.

Ohne die erforderliche Sprachkompetenz kann man einem Menschen (Kind) nichts beibringen!
Basta! – Kann man da nur sagen. In diesem Land drehen jeden Tag mehr Menschen am Rad, einfach erschreckend.

generell sollte es so sein, kein deutsch ,kein Deutschland, keine Gesetze respektieren kein Deutschland, keine Arbeit kein Deutschland.

Unsere Heimat wird zu „Dummland“. Ganz offensichtlich. China wird uns überrollen…

Ich kann es langsam auch schon nicht mehr hören. Es macht mich wütend und aggressiv. Man schlägt morgens die Zeitung auf und auf der Titelseite erscheint ein Bericht über jemand, der einen anderen mit Migrationshintergrund angeblich beleidigt hat. Man sieht abends fern und das Thema „Migration“ ist allgegenwärtig. Die sogenannten Gutmenschen warten nur darauf, dass eine prominente Person etwas zweideutiges sagt. Schon fallen sie über ihn her, wie eine Hyäne. Haben wir seit 2015 keine anderen Probleme mehr in Deutschland? Herr Linnemann hat doch recht. Was sollen Kinder, die kein Deutsch sprechen, bei uns in der Schule? Sollen sie das… Mehr

Sehe ich auch so. Ich war gestern doch einigermaßen überrascht (oder auch nicht), als in der Tagesschau nur darüber berichtet wurde, dass er durch die Bank weg auf Kritik gestoßen sei.
Klare Falschaussage!

absolut richtig bin voll ihrer Meinung.

Es ist schon grotesk mit welchem Überschaum die regierungstreuen Haltungsschreiber – wie z.B. bei Springer/Welt.de – tagelang und teils in ganzen Themenblöcken mit mehreren Artikeln und Kommentaren auf ihren Web-Startseiten einen wie aus dem Nichts kommenden Vorschlag des regelmäßig und gern in die einschlägigen GEZ-Polittalks eingeladenen und dort in einem sich echauffierten Dauerempörungsmodus daherredenden CDU-Fraktionsvize Carsten Linnemann (Typ Schülersprecher und gefühltes biedermännisches CDU-Funktionärsvorbild von Philipp Amthor) zu einem wirklich nicht auf der Prioritätenliste der Bundespolitik weit oben stehenden Thema aufgreifen und damit die CDU im laufenden Ostwahlkampf mit einem sorgsam oder – aufgrund der Umfrageergebnisse für die CDU – panikartig… Mehr

Das sehe ich nicht so. Die Wähler in Mittel-D erinnern sich hoffentlich noch gut daran, daß die GroKo es war, die die „Herdprämie“ durchgesetzt haben.

Es ist reichlich zynisch und zeugt von unglaublicher Chuzpe, erst mit der „Herdprämie“ Anreize, gerade für diejenigen, die es am notwendigsten hätten, zu geben und wenn diese dann auch, welch Überraschung, genutzt werden, sich zu beklagen, daß die Sprachkenntnisse fehlen

Wieso lässt sich selbst den intelligenten Systemkritikern, die sich in diesem Forum tummeln, immer noch weismachen, das alles wären ungelöste Probleme, unbeabsichtigte Nebeneffekte etc.? Fakt ist: Muttchen und ihre Clique setzen mit schwindelerregender Effizienz GENAU DAS, WAS SIE WOLLEN, durch; nichts davon ist unbeabsichtigt. Eine Klasse, in der die Hälfte der Schüler aus sprachlichen Gründen nicht am Unterricht teilnehmen kann? Exzellent, das ist die bislang wirksamste Maßnahme, das deutsche Bildungssystem zu ruinieren und auf diese Weise langfristig die deutsche Wirtschaft zu zerstören! Umstellung auf Genderforschung und ähnlichen Blödsinn kann schließlich nur den Akademikern etwas anhaben; Strangulierung der Grundschulen hingegen sorgt… Mehr

Die Frage ist aber wo das Geld für „Genderforschung“ und „Mittelmeer-Rettung“ herkommt, wenn in 20 Jahren keiner mehr Lesen, Schreiben und Rechnen kann.

Firmen wie Siemens, Volkswagen oder BASF werden zu „Flüchtlingen“ aus Dummland werden, wenn hier keine wettbewerbsfähigen Fachkräfte (Techniker und Ingenieure) mehr gibt.

Mit wenigen Worten alles auf den Punkt gebracht. Durch die Einführung des „Fridays for Future“ erfährt das deutsche Bildungssystem nun noch eine Beschleunigung zu seiner Ruinierung. Wenn man dann noch lesen und hören muss, welche Medien, Politiker, Verbände und Gruppierungen diesen Schwachsinn unterstützen, drängt sich der Verdacht auf, dass es diesen Befürwortern auch egal wäre, wenn nun auch am Montag und Donnerstag die Schule geschwänzt würde. Im Sinne der „guten Sache“ natürlich. Sollte die gezielte Verdummung durch das deutsche Bildungssystem nicht immer den erwünschten Erfolg zeigen, setzt die zusätzliche Verblödung durch die öffentlich-rechtlichen Medien (ARD und ZDF) und den Mainstream… Mehr