Berlin: Polizisten flüchten vor Linksextremisten auf der roten Insel

Während Deutschland über die unangemeldeten Querdenker-Demos diskutiert, erlebt Berlin wieder den ganz normalen Alltagsterror. Die Polizei ist zunehmend hilflos.

IMAGO / Schöning

Am Sonntag fand auf der „Roten Insel“, einem bekannten linken Pflaster in Berlin-Schöneberg, ein Straßenfest vor und in der Nähe des besetzten Haues in der Mansteinstraße 10 statt, bei dem es erneut zu Angriffen auf Polizisten kam. Die „Rangeleien“ eskalierten so weit, dass die Polizei unter Flaschenwürfen den Rückzug zu ihrem Mannschaftswagen antrat. Am Ende rannten die Polizisten, die nicht in den Wagen eingestiegen waren, vor dem wütenden Mob davon. Nach jetzigem Stand wurden mindestens vier Polizisten verletzt, während linke Demonstranten und Aktivisten massive Polizeigewalt beklagen und im Netz Stimmung gegen ein angeblich rechtes „Polizeiproblem“ machen. Die Polizei ermittelt derweil wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung.

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Das „Rote Insel Fest“ war als Mix aus Protest, Konzert, Party, Workshop und Theater angekündigt – gegen die „Stadt der Reichen“, für links-alternative „Wohnprojekte“ wie den umkämpften „Köpi-Wagenplatz“, das Jugendzentrum „Potse“, die letztes Jahr geräumte „Kollektivkneipe Syndikat“ und natürlich die Mansteinstraße selbst. Das Straßenfest verlief mit „gute[r] Stimmung und Konfetti“ zunächst weitgehend friedlich. Nach Berichten von „Potse“-Aktivisten „stressten“ die Polizeibeamten aber schon während des Auftritts der Punkband „Roim und Stroifahrzeuge“ herum, in dem sie die Lautstärke mit Dezibelmessgeräten prüften, während im Hintergrund das Lied „Bullenterror“ gespielt wurde. Die Polizei war laut einer Sprecherin zur Sicherung der parallelen Kungebung „Kiezkultur von unten“ vor Ort. Am Vortag fand unter demselben Motto bereits eine „Wut“-Demonstration für das Syndikat in Neukölln statt.

Nur kurze Zeit später kam es – wie auf linken Protesten in Berlin üblich – zur Eskalation: Die Polizei rückte um 17 Uhr am nahegelegenen Spielplatz in der Mansteinstraße an, weil eine Zeugin eine Sachbeschädigung gemeldet hatte. Laut Aktivisten hatte der Mann, der von der Polizei daraufhin „brutal festgenommen“ und mit dem Gesicht in den Sand gedrückt wurde, „nachdem ihm ins Gesicht geschlagen wurde“, lediglich „ein Verkehrsschild berührt“ – alles während angeblich noch Kinder auf dem Spielplatz spielten. Die Polizisten wurden daraufhin aus der Menschenmenge heraus attackiert und mit Flaschen beworfen, während lautstark „Ganz Berlin hasst die Polizei“ und „Haut ab hier“ gegrölt wurde. Einem Polizisten wurde, während er schon am Boden lag, mehrfach gegen den Kopf getreten. Ein Polizist setzt Pfefferspray ein, die Lage war aber nicht mehr kontrollierbar. Die zahlenmäßig völlig unterlegenen Polizisten hatten wohl kaum eine andere Wahl, als ihren verletzten Kollegen zu schnappen, die Festgenommenen möglichst schnell in den Mannschaftswagen zu bringen und die Flucht anzutreten.

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Aus Sicht der Linken ist das ganze natürlich anders abgelaufen. Laut „Potse“ wurden die Leute, die sich über die „massive Gewalt“ bei der Festnahme beschwert hatten, von der Polizei „mit Schlägen und Tritten traktiert“, wobei eine weitere Person festgenommen wurde. Die Polizisten wurden auf die Straße „gedrängt“. Die zwei festgenommenen Personen sollen in der „Wanne“ anschließend „mehrfach von verschiedenen Polizisten misshandelt“ worden sein. Angeblich wurde der Kopf einer Person „mehrfach gegen die Scheibe geschlagen“, während die andere auf dem Boden des Fahrzeugs lag und ihr mehrfach „auf den Kopf getreten“ wurde.

Von der Polizei gibt es zu diesen konkreten Vorwürfen bislang keine Stellungnahme. Aus der Erfahrung mit linksextremen Demonstranten scheint der Vorgang aber nicht besonders glaubwürdig. Bei der Eskalation in der Rigaer Straße im Juni, bei der 62 Polizisten zum Teil schwer verletzt wurden, stilisierten sich die Autonomen auch zu den Opfern von Polizeigewalt. Es sind stets sie, die brutal angegriffen werden und sich gegen Attacken und die Zerstörung ihrer Lebenswelt verteidigen müssen. Dabei wird von linken Aktivisten und der Antifa seit Jahren offen zur Gewalt gegen Polizisten aufgerufen – selbst direkte Aufrufe zum Mord sind in der Szene keine Seltenheit.

Die Polizei erhält trotz der ständigen und massiven Angriffe auf Polizisten durch linksautonome keinen Funken Rückhalt von der Politik – im Gegenteil: Die Extremisten werden von Politikvertretern wie Florian Schmidt oder Monika Hermann (Grüne) noch in Schutz genommen. Das ist genauso grotesk wie die Tatsache, dass Gewalt bei linken Demonstrationen angeblich immer nur von der „braunen“ Polizei ausgeht, während bei corona-kritischen Demonstrationen ausschließlich die Demonstranten Schuld sind – so oder so, die Politik bleibt immer unschuldig.

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Kommentare ( 97 )

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Durchblick
1 Monat her

Ich kann mir eine gewisse Schadenfreude für die Berliner Helden nicht verkneifen.
Warum schickt man dort nicht die drei Blechträger vom Reichstag hin?
😂😂😂😂😂😂😂😂😂😂😂😂😂

Juergen P. Schneider
1 Monat her

Kindergeburtstage und Rodelpisten stürmen ist natürlich weniger gefährlich als sich mit Linksextremisten zu prügeln. Nach den Gewaltexzessen gegen die Querdenker und dem teilweise brutalen Vorgehen gegen Kritiker der Corona-Politik bundesweit, hält sich mein Bedauern über die dargestellten Vorkommnisse in Grenzen. Den Berlinern wird das geliefert, was sie bei der letzten Wahl bestellt haben. Den Verletzten wünsche ich gute Besserung.

schwarzseher
1 Monat her

Was für ein lächerliches Hippieland, in dem die staatliche “ Ordnungsmacht “ vor ein paar Hanseln davonläuft.

Britsch
1 Monat her

Wie hat vor kurzem Einer gesagt? „In der Zwischenzeit haben wir sehr gute Leute plaziert“. Daß ein „linker“ Führungsstab auch bemüht ist Leute mit linken Ideologien einzustellen um ihre ideoloschen Ziele zu erreichen ist für mich klar.

Ceterum censeo Berolinem esse delendam
1 Monat her

Nun ja, wenn sich linksradikale Gruppierungen und Polizisten in Berlin gegenseitig verhauen, sind das im Grunde genommen Auseinandersetzungen rivalisierender Clans. Pack schlägt sich und Pack verträgt sich. Abends treffen sie sich wieder in der Shisha-Bar, lassen die Hookah kreisen und verabreden sich dabei gemeinsam zum Querdenker-Prügeln.

Was geht das den normalen Bürger an?

Last edited 1 Monat her by Ceterum censeo Berolinem esse delendam
Helene Baden
1 Monat her

Da fällt einem langsam nichts mehr zu ein, als Berliner sind einem solche Szenen geläufig. Warum die Polizei bei der Querdenkerdemo allerdings so draufgeschlagen hat, ist mir unverständlich. Deshalb jetzt aber alle Polizisten zu verunglimpfen, im Sinne „Recht geschieht es ihnen“ teile ich nicht. Die Politik versäumt es, hinter ihrer Polizei zu stehen und den Rechtsstaat zu sichern. Da sehe ich das Hauptproblem.

FZW
1 Monat her

„Ganz Berlin hasst die Polizei“ – ganz so falsch ist diese Aussage sicher nicht mehr.

Eberhard
1 Monat her

Nicht Neues für Berliner. Der ROTE Mob aus ganz Deutschland hatsich auch besonders in Wes- Berlin eingenistet. Dann noch von links grüner Stadtregierung gedeckt, legt er fest was Rechts sein soll und verteidigt militant kommunistische und damit auch alte DDR Vorgaben. Wer in Berlin das nicht erdulden will, muss raus aufs Land. So kommen immer mehr sogar aus aller Welt und übernehmen immer mehr mit linker Gewalt die Herrschaft über die Stadt. Da gibt es kaum Politik die gewillt oder in der Lage das zu verändern. Mit Merkels langem linksdrall werden das auch noch andere Städte zu spüren bekommen. Leider… Mehr

egal1966
1 Monat her

Es ist schon ein wenig eigenartig, dass anscheinend bei solchen Einsaetzen, die aufgrund früherer Erfahrungen in linksextremistischen Milieu wohl kaum ohne Gewalt ausgehen, ein Minimalangebot von Polizisten aufgefahren wird, die dann regelmaeßig von den Linksextremisten eine auf die Schnauze kriegen. Viel anders kann man ja die „Polizeistrategie“ in Berlin in Bezug auf linke und linksextreme Demonstrationen kaum beschreiben, wenn die Polizei vor dem linken Mob quasi flüchten muß, waehrend man noch bei der letzten Querdenker-Demo den starken Kerl markiert und Personal ohne Ende aufgefahren hat. Ehrlich gesagt, da nehme ich auch kein Blatt mehr vor dem Mund, habe ich „Null“… Mehr

Last edited 1 Monat her by egal1966
Gerhard Doering
1 Monat her

Mensch Bolle,dat is ja noch bescheuerter wie 33.
Ja Hermann,aba damals jabs aber keene Corona.
Las jut sein Bolle,die finden imma eenen Jrund.

Th. Nehrenheim
1 Monat her
Antworten an  Gerhard Doering

Det ist so wie et eben iss. Mal biste unten, mal sind die andern oben.