“Randale-Mob”: Medien framen Kasseler Demo zum Gewalt-Protest

Die großen Medien stürzen sich auf die Zusammenstöße zwischen Demonstranten und der Polizei. Doch laut einer Mitteilung der Polizei gab es “keine ernsthaften Verletzungen” und die allermeisten Teilnehmer waren friedlich. Von Elias Huber

imago/Hartenfelser

Nach der Kundgebung in Kassel beginnt offenbar eine Medienkampagne. Presseorgane nehmen die Verfehlungen von Einzelnen zum Anlass, um die ganze Kundgebung zum Gewalt-Protest zu stilisieren. Die Bild titelte etwa “Polizei stoppt Randale-Mob in Kassel” und schrieb von “massiven Auseinandersetzungen”. Laut dem Tagesspiegel sei die Veranstaltung “eskaliert” und Querdenker seien auf die Polizei “losgegangen”. Auch der Focus empörte sich über “massive Ausschreitungen”.

Eine Mitteilung der Polizei zeichnet indes ein differenzierteres Bild. Demnach seien die allermeisten der 20.000 Teilnehmer friedlich gewesen. Die Maßnahmen-Kritiker kamen “augenscheinlich überwiegend aus dem bürgerlichen Spektrum und zeigten insgesamt eher keine erkennbare Tendenz zu gewalttätigen Aktionen”, heißt es. Nach einer vorläufigen Schätzung vom Samstagabend gab es “rund ein Dutzend Festnahmen, überwiegend wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Landfriedensbruchs”. Außerdem stellt die Polizei fest, dass nach derzeitigem Kenntnisstand bei allen Beteiligten “keine ernsthaften Verletzungen” bekannt seien.

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Demo in Kassel: Polizei spricht von bis zu 20.000 Teilnehmern
Auch der Anwalt Markus Haintz fand die Medienberichterstattung übertrieben. “Die Medien versuchen, über einzelne Bilder den gesamten Protest in ein falsches Licht zu rücken”, sagte er. Die Polizei habe eine sehr gute Arbeit geleistet, weil sie überwiegend deeskaliert habe. “Die Politiker, die ein härteres Durchgreifen fordern, sind Antidemokraten und wollen eine Eskalation”, sagte der Maßnahmen-Kritiker, der am Samstag in Kassel war. Von gesunden Menschen unter freiem Himmel gehe praktisch keine Infektionsgefahr aus – das zeigten zahlreiche Aerosol-Studien.

Politik und Medien gingen auch die Polizei an, weil diese nicht energisch genug durchgegriffen haben soll. Günter Rudolph, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion, empörte sich, dass viele Teilnehmer ohne Maske durch die Innenstadt gezogen seien. Das sei “ein absolut unverständliches Zurückweichen des Staates”, sagte er laut der Hessenschau. Die Polizei erklärte dazu, dass ein härteres Durchgreifen unverhältnismäßig gewesen wäre. Die Beamten hätten zur “Anwendung von Zwangsmitteln” greifen müssen und somit eine “nicht unerhebliche Anzahl von Verletzten” in Kauf nehmen müssen, steht in der Mitteilung.

Außerdem hätten sich Polizisten mit den Teilnehmern solidarisiert und gegen das Neutralitätsgebot verstoßen, kritisieren mehrere Medien. Etwa zeigt ein Video, wie die Polizei eine Fahrradblockade von Gegendemonstranten mit Gewalt auflöst. Laut der Hessenschau kündigte der Thüringer Innenminister Konsequenzen an. “Auch mir stellen sich aufgrund der Bilder drängende Fragen. Ich werde nicht zögern, die Abgeordneten des Innenausschusses umfassend zu informieren”, sagte Georg Maier von der SPD. Den Angaben zufolge sind auf dem Video Thüringer Polizisten zu sehen. Auch die Polizei Nordhessen kündigte auf Twitter an, die Solidaritätsbekundungen “intensiv aufarbeiten” zu wollen.

Markus Haintz sagte, er befürchte, dass den betroffenen Polizisten Disziplinarverfahren drohten. “Offenbar messen Politik und Medien mit zweierlei Maß: Als sich bei den Black-Lives-Matter-Demos Polizisten aus Solidarität hinknieten, hat es meines Wissens – zu Recht – keinen medialen Aufschrei oder ein Disziplinarverfahren gegeben”, sagte der Maßnahmen-Kritiker. Er selbst habe in Kassel erlebt, wie Polizisten aus einem Auto heraus anderen Teilnehmern den Daumen nach oben gezeigt hätten. “Mir passiert es auch, dass Polizisten ein Selfie mit mir machen wollen”, berichtete er. 95 Prozent der Polizisten mache einen guten Job. Auch für Laien härter wirkendes Durchgreifen sei in vielen Fällen rechtlich zulässig, da sich ein Polizist auch selbst schützen müsse. Das verstünden viele Demonstranten nicht, die Polizeiverhalten zu häufig voreilig skandalisierten.

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Kommentare ( 128 )

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Traudl
8 Monate her

Leute, zahlt Ihr noch die Propagandaabgabe für ADR ZDF DLF? Ihr wollt keinen Ärger? Das Mindeste, was Ihr tun könnt: Lasst sie wenigstens nicht auf Eurem Konto rumfuhrwerken und zahlt – da meine ich jetzt die Erzogenen – hin und wieder einen kleinen Betrag ein. Man kann dann jedes Mal auf den Zwangscharakter und die Schäbigkeit der Berichterstattung hinweisen, – auf ihr Wehling-framing. Ziff 14 zu den Pflichten der öR interessiert die auch schon lange nicht mehr. Da steht: Bei Berichten über medizinische Themen ist eine unangemessene sensationelle Darstellung zu vermeiden, die unbegründete Befürchtungen oder Hoffnungen beim Leser erwecken könnte.… Mehr

bfwied
8 Monate her

Der linke Block der Merkelianer will die Konfrontation, und dazu lügen die, wie gehabt – um 5 Uhr wurde „zurückgeschossen“ -, um hart durchgreifen zu können. Die Lüge ist alltäglich, mit dem Ziel, sich als allumfassende Macht durchzusetzen. Die Lehre aus der Geschichte: Mit Appeasementpolitik, mit Reden, falschem Zugeben, s. Audi, Unilever etc., kann man Aggressive, die genau wissen, was sie erreichen wollen, nicht zurückdrängen. Die Welt ist nicht der friedlicher Ponyhof, sie ist ein Kampfplatz, und das wollen die Dummen und die verzogenen verweichlichten Kinder nicht wahrhaben, obwohl sie gerade die Aggressivsten sind, und darin zeigen sich sowohl die… Mehr

Tablevillage
8 Monate her

Gibt es da nicht diesen Presserat? Denn man bei Beschwerden aktivieren kann! Zwinker-Smiley…

Kassandra
8 Monate her
Antworten an  Tablevillage

Tja. Müssten die nicht eigentlich von selbst tätig werden?
https://www.presserat.de/pressekodex.html

F.Peter
8 Monate her

Dabei wird inzwischen überall von den Mitläufern lautstark mitgeteilt, man sei schließlich „solidarisch“.

Zebra
8 Monate her

… auch mal schauen, wie viele Medien direkt der SPD gehören oder unter SPD-Einfluß stehen. Die SPD ist eine verfassungsfeindliche und undemokratische Partei, die zudem mindestens die Hälfte der deutschen Gemeinden und Städte regiert. Da muß etwas passieren.

Morioon
8 Monate her
Antworten an  Zebra

Von Ihrer Unterstützung terroristischer Gruppen, die von allen toleriert wird, ganz zu schweigen. Nun ja, mit einer Vorsitzenden namens Saskia Antifa Eskens.

Zebra
8 Monate her

Die SPD zeigt erneut ihre häßliche, antidemokratische und gegen die freiheitliche Grundordnung gerichtete ….

Blauer Harnisch
8 Monate her

Die Macht hat unter anderem, wer die Kontrolle über die Medien hat. Also wer mit den derzeitigen Machthabern nicht einverstanden ist, darf den Kampf gegen die Systemmedien nicht außer Acht lassen. Vor allem nicht hinter die Fichte führen lassen, wenn die ab und zu mal zum Schein die Seiten wechseln!

Aqvamare
8 Monate her

„Politik und Medien gingen auch die Polizei an, weil diese nicht energisch genug durchgegriffen haben soll“

Nicht vollständig, wenn ich bei meinen Influencer auf Instagram in die Story und Stimmung des Tages schaue, dann gibt es noch eine weitere Säule die vorrangig Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene erreicht, die gegen die Polizei schießt.

Die Wahlergebnisse in der Jugend werden im Netz geprägt, und solange tichyseinblicke nicht mindestens 10 Influencer bezahlt, ihn zu rezitieren, wird die offene Meinung hier keine Ohren finden.

jopa
8 Monate her

Komisch, wenn Antifa &Co demonstriert kann die Polizei nicht genug deeskalierend handeln. Alles was die Polizei da macht ist böse, weil es die Demonstanten noch provoziert. Macht sie das gleiche bei einer Anticoronademo, ist es auch böse, aber diesmal weil die Polizei nicht kräftig genug drauf haut.Als Poizist muß ich mich entweder verarscht fühlen oder die gleiche Einstellung haben wie Vopos, Betriebskampfgruppen oder andere staatliche Schlägertruppen. Quod licet ad Jovi…

Lee Bert Aire
8 Monate her
Antworten an  jopa

Und selbst in Anbetracht von100 zum Teil schwer verletzten Polizisten wird bei diesen Demos die Polizei kritisiert, nicht sensibel genug gewesen zu sein.

MeHere
8 Monate her

B5 und DLF haben ausführlich über die Randale berichtet …