Protest im Osten gegen Gasmangel, Teuerung, Impfpflicht, Zuwanderung

Im sächsischen Plauen und andernorts demonstrierten am Sonntag Tausende gegen den aktuellen Krisen-Cocktail aus überhöhten Energiepreisen, Gasmangel, Impfpflicht, hohen Steuern und Zuwanderung. Eine Protestwelle baut sich auf.

IMAGO / BeckerBredel
Demonstration von "Wir sind die rote Linie" in Saarbrücken, 25.09.2022

Im sächsischen Plauen haben am Sonntag Tausende gegen explodierende Preise, hohe Steuern und die aktuelle Energiepolitik protestiert. Dabei wurde die Energiewende der aktuellen sowie früherer Regierungen als – eigentliche – Ursache der heutigen Lage kritisiert. Viele Demonstranten haben das Vertrauen in die Medien, aber auch in die Regierenden offenbar gänzlich verloren, weil sie als Andersdenkende zu lange denunziert wurden – egal ob als „Nazis, Schwurbler oder Aluhut-Träger“.

Im Hintergrund geht es auch gegen die immer noch fortgeführten Pandemie-Maßnahmen, darunter die Impfpflicht für mehrere Berufsgruppen mit Präparaten von zweifelhafter Wirkung. Zuletzt mischt sich auch die aktuelle Lage an deutschen Grenzen und die erwartete Belastung des Gemeinwesens durch neue Migranten in den Protest.

Laut Angaben der Polizei hat sich die Zahl der Demonstranten in Plauen in vier Wochen knapp verdoppelt: von vorher 2.500 auf nun 4.200 Teilnehmer. Twitter-Nutzer schätzen allerdings, dass sogar 8.000 Menschen bei der Plauener Demonstration dabei waren. Bis ins Ausland, in die Niederlande, nach Frankreich, Italien, Schottland und Kanada, strahlen die deutschen Proteste inzwischen aus, wie sich in den sozialen Medien zeigt.

Veranstaltet wurde die Plauener Demonstration vom „Forum für Demokratie und Freiheit“. Dessen leitender Kopf, der ehemalige LKW-Fahrer David Thiele, fordert laut Bild  die Auflösung des Bundestags und den „Umbruch zu einer direkteren Demokratie“, die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland und die Wiederherstellung des Friedens in Europa.

„Das geht an den Baum mit Deutschland. Deindustrialisierung ist das Wort“

Auch in Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Pipeline „Nord Stream 2“ derzeit ziemlich nutzlos anlandet, demonstrierten Tausende gegen die aktuelle Russland- und Energiepolitik. Auf Transparenten wurden die Medien als „Spalter des deutschen Volkes im Regierungsauftrag“ bezeichnet.

Am Rande der Demonstration kam es zu unschönen Bildern, als ein einzelner Mann einigen Gegendemonstranten – angeblich Ukrainerinnen – die Transparente entriss. Darauf war unter anderem zu lesen: „Reine Wirtschaft – wirklich?“ Mit diesen Worten hatten Bundeskanzler Olaf Scholz und Ministerpräsidentin Manuela Schwesig noch nach Ausbruch des Krieges das Nord-Stream-2-Projekt gerechtfertigt.

Aber auch in Lubmin ging es vor allem um die gefährdete Energieversorgung und die drohenden wirtschaftlichen Folgen im kommenden Winter. „Das geht an den Baum mit Deutschland. Deindustrialisierung ist das Wort“, meint ein Mann. Eine Frau sagt: „Selbst in Zeiten, wo Freiheit sehr klein geschrieben wurde, ist mir so etwas noch nicht passiert, dass ich Angst haben muss um das, was ich mir ein Leben lang erarbeitet habe.“ Man will sich auch nicht von der Politik sagen lassen, wie man zu leben, sich zu waschen und zu duschen habe – während dieselbe Politik einem gleichzeitig wirtschaftlich den Boden unter den Füßen wegzieht.

Auch im sachsen-anhaltinischen Bernburg waren zahlreiche Bürger auf der Straße. Auch hier dominierte der aktuelle Krisen-Cocktail. Die fortwährenden Pandemie-Maßnahmen und die Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen spielte hier noch eine Nebenrolle.

In Saarbrücken demonstrierten einige Hundert Teilnehmer hinter einem Plakat „Wir sind die rote Linie“. Auf einem Schild war zu lesen: „Baerbocks Arroganz, Habecks Ignoranz, Lauterbachs Dilletanz (sic) findet bei uns keine Akzeptanz“.

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Kommentare ( 54 )

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Chris Groll
2 Monate her

Ich muß zugeben, daß die Menschen im Osten Deutschlands aufgewachter sind als hier im Westen. Bei uns waren es leider wieder nur 20 (zwanzig) Personen, die am Montagsspaziergang teilgenommen haben. Traurig. Obwohl ich mittlerweile immer mehr Menschen höre, die mit dieser Politik nicht zufrieden sind. Wahrscheinlich trauen die sich nicht, an den Spaziergängen teilzunehmen, weil sie gesehen werden könnten und für „Rechts“ gehalten werden könnten. Die Propaganda wirkt leider immer noch.

Andreas aus E.
2 Monate her
Antworten an  Chris Groll

Wirklich dolle war die Beteiligung bei uns auch nicht, so Mitte Dreißig, Anfang Vierzig. Aber immerhin fand Spaziergang statt. Das Wetter war lausig und zudem meinen wohl viele, daß Druck nachlasse. Ich halte das für einen Fehlschluß.
Lauterbach wird schon für regere Beteiligung sorgen – oder die Stadtwerke, wenn Rechnungen ins Haus flatterten, das Thema reiht sich ja zwanglos mit ein.

Babylon
2 Monate her

Nach der Sabotage sowohl an Nordstream I wie Nordstream II sind Demonstrationen zur Aufhebung der Russlandsanktionen, um wieder russischesGas zu bekommen, sinnlos geworden. Hier wurde Infrastruktur in Milliardenwerten im wortwörtlichen Sinn zerstört, in wessen Interesse dürfte wohl klar sein. Falls die Pipelines an den Leckstellen mit Meerwasser geflutet werden, das irgendwann die gesamte Leitung füllt, wars das dann.

Fieselsteinchen
2 Monate her

Was ist mit dem Statement des Geschäftsführers der Maka Windkraftanlagen GmbH in Brakel?
Es sei genug Energie da, die dürfe aber nicht eingespeist werden, weil an der Strombörse gezockt wird. Wenig Strom, hoher Preis kWh? Billigend von der Politik unterstützt, weil man seinem Ziel einer Deindustrialisierung wegen des Klimas elegant näher kommt und gleichzeitig die Bevölkerung in abhängigmachende Verarmung schickt!
Liebes TE-Team bitte dazu recherchieren!

Jan Frisch
2 Monate her

Ausländern, und darunter fallen selbstverständlich auch Ukrainer, wird im Grundgesetz überhaupt kein Demonstrationsrecht zugesprochen, von daher wäre es Aufgabe der Polizei gewesen diesen Gegendemonstranten die Plakate wegzunehmen und sie ihres Wegs zu schicken.
Art. 8 GG im Wortlaut:
„Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.“

Th. Nehrenheim
2 Monate her

Verstörend. Russland-Fahnen und die Befürwortung eines Krieges gegen die diffamierte Bevölkerung eines souveränen Nachbarstaates, dessen Souveränität man vormals offiziell anerkannt hatte. Ja, gegen die Bevölkerung, denn die Russen beschießen einfach Flächen und Strukturen. Sie gebärden sich ähnlich wie 1945 gegen uns. Ich verstehe nicht, wie man die Parallelität nicht sehen kann und die Handlungen rechtfertigen kann.
So, liebe Ossis, kann ich nicht zu Euch stehen.

Urbanus
2 Monate her

Gott sei Dank haben wir die Osis. Vielen Dank an die Wiedervereinigung (Gorbi). Aus dem Osten kommt die Revolution. Wer hätte es gedacht ?. Und der Westen schläft und schläft und… das ganze Leben. Der gemeine Wessi liegt auf der Couch und wartet auf die Tagesschau.

Aqvamare
2 Monate her

Mit den Lecks auf NS1 und NS2 hat sich dieses Thema erledigt, die Pipeline ist somit wie Angekündigt, betriebsunfähig auf unabsehbarer Zeit.

lavoyageuse
2 Monate her

und wieder einmal zeigen die ehemaligen „ossis“, dass die noch verstand und eier haben, sorry, alle frauen, ihr natürlich auch. laßt euch nicht von den wohlstands-, mainstream-, tauben + tumben wessis in die rechte ecke stellen. die italienische meloni hat den anfang gemacht und laßt nicht zu, dass sie aufs übelste verleumdet und abserviert wird.

Axel Fachtan
2 Monate her

Ich denke, die sind vorgewarnt. Wer die Gasumlage einführt, zerlegt endgültig dieses Land und seine Demokratie. Die Gasumlage dient 20.000 Parteigängern und zerstört 82 Millionen Deutsche. Auch die Parteigänger der Regierung werden im Wesentlichen zerstört. Wenn sich der eine oder andere langjährige grüne Kommunalpolitiker dahingehend äußert, wer werde nie wieder grün wählen, dann können auch die Grünen wissen, was sie haben. Ihr habt fertig, weil ihr alles zerstört und nichts liefert. Honecker , Mielke, Modrow, Krenz, Stoph und Ulbricht wussten: Sichere und bezahlbare Energie ist existentiell. Wer das nicht liefert, zerstört das Land. Mitteldeutschland hatte am 02. Oktober 1990 ein… Mehr

RauerMan
2 Monate her

Die Ursachen v on z.B. Inflation, Energiewende folgender Deindustrialisierung liegen in der Vergangenheit, meine in der Merkel-Ära. Gerne aufgenommen angeheizt und weiterentwickelt von den Grünen, ist das nicht vergessen, bei Vielen. Prioritäres, vernünftiges weitsichtiges Augenmaß ging letztlich bei allen Altparteien verloren, nur um dem Populismus zu fröhnen. Akteure wie die EU und EZB, mit ihrem „Führungspersonal“ wie z.B.Draghi und vdL ausufernder Bürokratie und Schuldenpolitik, hauptsächlich zulasten Ds, gaben uns den Rest. Von wirksamer Umkehr sind diese Leute weit entfernt Warnende, wirkliche Fachleute wurden überhört,oder diffamiert. Putins Ukraine-Krieg und die Abschaltung von Energien und weiteren Resourcen, wären durch Vorbeugung, z.B. bei… Mehr