Gas-Krise verschärft sich – und jetzt wird auch Öl knapp

Die Energiepolitik der Bundesregierung ist ein Vabanquespiel, in dem sie auf einen milden Winter setzt, statt auf heimisches Schiefergas. Schon ein mittelmässig kalter Winter stellt die Regierung vor kaum lösbare Probleme.

IMAGO / Christian Spicker
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) während einer Pressekonferenz am 12.12.2022 im Bundeskanzleramt in Berlin

„Die Verfügbarkeit von Energie für die elektrische Stromerzeugung ist für diesen Winter gesichert“, sagte Robert Habeck auf einer Pressekonferenz in Süd-Afrika zur Sicherheit der Stromversorgung in Deutschland. Doch wenn man analysiert, woher der Strom in diesen Tagen in Deutschland kommt, ist das alles andere als beruhigend. Im folgenden Diagramm sehen wir die Stromerzeugung seit dem 1.12. Die Solarenergie liefert praktisch kaum etwas, Windenergie leidet unter einer anhaltenden Flaute. Am 10.12. um 15 Uhr wurden 60 Gigawatt Strom verbraucht. Solar (hellgelb) lieferte 0,7 GW, Wind onshore (hellgrün) 1 GW, offshore (graugrün) 1,6 GW, Erdgas (hellbraun) 16 GW, Steinkohle (dunkelbraun) 12 GW und Braunkohle (mittelbraun) 14,6 GW. Selbst die im Streckbetrieb befindliche Kernenergie (rot) lieferte mit 3,8 GW mehr als Solar und Windenergie zusammen. Wie soll in solchen Situationen Deutschland versorgt werden, wenn im Jahre 2024 die hinzugeschalteten Stein-und Braunkohlekraftwerke vom Netz genommen worden sind und die Kernkraftwerke schon im April 2023 abgeschaltet worden sind?

Energy-Charts.info

Man schaue sich in der Grafik den hellbraunen Bereich von Strom aus Erdgas an, der teuersten Stromerzeugung mit der knappsten Energie, die wir haben. Wenn allerdings teures Fracking-Gas die dunkelbraunen und mittelbraunen Flächen von Braun- und Steinkohle sowie die roten Flächen von Kernenergie zusätzlich ersetzen soll, dann wissen wir heute schon, dass die Strompreise weiter durch die Decke gehen werden. Das würde die Ampelkoalition nicht überleben.

Schon ein mittelmässig kalter Winter stellt die Regierung vor kaum lösbare Probleme. Schon jetzt leeren sich die Speicher mit einer Rate von 0,5 Prozent pro Tag. Jeder kann sich ausrechnen, wie lange Speicher, die zu 94 Prozent (am 10.12.2022) gefüllt sind und nach Vorgabe der Bundesregierung im Februar noch 40 Prozent Speicherstand haben sollen, bei anhaltender Kälte reichen werden. Es kann gerade mit Glück gutgehen. Doch was passiert im nächsten Winter? Wie kann der Bundeskanzler in Anbetracht dieser Sachlage die Förderung von Gas aus Schiefergestein rundherum ablehnen? Zitat: „Investitionen in deutsche Schiefergasförderung würden sich kaum lohnen, weil es zu lange dauert, bis man heimische Quellen nutzen könnte – bis dahin wird der Gasbedarf deutlich zurückgegangen sein.“ In dieser Aussage sind drei Fehler: Es lohnt sich wirtschaftlich, denn es wäre 1. deutlich preiswerter als US-Fracking-LNG-Gas, 2. es würde auch nur ein Jahr dauern, bis das erste Gas fliessen kann (was jetzt der Fall wäre, wenn die Bundesregierung verantwortungsvoll gehandelt hätte) und 3. der Gasbedarf wird mitnichten zurückgehen. Drei Fehler in einem Satz mit fatalen Folgen für den Standort Deutschland hört man nicht alle Tage von einem Bundeskanzler.

Nach der Gas- und Stromkrise nun auch noch eine Ölknappheit

Vor dem Ukraine-Krieg deckte russisches Öl 35 % des hierzulande benötigten Öls ab. Obwohl es bis heute kein europäisches Importverbot für Pipeline-Öl gibt, hatte Wirtschaftminister Habeck der EU zugesagt, ab 1. Januar kein Öl mehr über die Druschba-Pipeline, die die Standorte Schwedt und Leuna versorgt, zu beziehen. Die alternativen Belieferungen über Rostock oder Danzig werden nur einenTeil der Pipeline-Importe abdecken. Über den Preis schweigt die Politik.

Hinzu kommen nun die Boykottbeschlüsse der EU: dem Öl- Lieferanten Russland soll nur noch 60 Dollar pro Barrel Öl gezahlt werden, obwohl der Weltmarktpreis deutlich höher ist. Putin hat schon erklärt, dass Russland zu diesen Bedingungen nicht liefern wird. Nun gibt es zwei mögliche Folgen des EU-Beschlusses. Russland hat sich bereits eine Schattenflotte von 100 Tankern zugelegt, um sein Öl in andere Regionen zu transportieren. Wenn es Russland gelänge, sämtliches Öl bei anderen Marktteilnehmern wie Indien oder China unterzubringen, hätte das für alle Marktteilnehmer wenig Folgen- außer für Deutschland das bislang preiswertes Pipeline-Öl aus Russland importierte. Sollte es allerdings Russland nicht gelingen, das Öl vollständig unterzubringen, wäre zuwenig Öl auf dem Weltmarkt. Die OPEC+ hat bereits angekündigt, dass sie die Ölförderung nicht erhöhen wird. In diesem Fall würden die Ölpreise bei gleichbleibender Nachfrage weltweit steigen. Einen solchen Boykott würde man wohl eher als Knieschuss bezeichnen.

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Kommentare ( 111 )

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111 Comments
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StefanZ
1 Monat her

Sorry, diese Aussage ist falsch. Diese Regierung, stellt seit Amtsantritt vorsätzlich und bewusst das Volk und die Wirtschaft vor unlösbare Probleme! Der Winter tut nur das, was er schon immer getan hat. Auch wenn Grüne und Wissenschaft eine Hitzewelle erwartet haben, juckt das den Winter nicht. Auch seine Brüder Klima und Wetter interessieren sich nicht für irgendwelche Spinner. Sie tun was sie wollen und es ist ihnen völlig schnuppe, wer gerade in Deutschland regiert.

hansmuc
1 Monat her

Wenn diese Katastrophe dazu dient, dass „Grünes“ endlich für immer im Orkus verschwindet, dann soll und muss es wohl so sein, dass die Bevölkerung, die Industrie und das gesamte öffentliche Leben darunter leiden müssen, bis diese grünrot/gelbe Pest endgültig erledigt ist. Anders war es der BRD-Wahlbevölkerung offenbar nicht zu vermitteln. Besser ein Ende mit Schrecken, als diesen Schrecken ohne Ende weiter ertragen zu müssen.

Maja Schneider
1 Monat her

Wir werden von Wahnsinnigen und Realitätsverweigerern regiert, denen das Land schon immer egal war, Geld, Macht, Ideologie und Filz dominieren, und sehr viele Menschen schauen von der Tribüne zu, werden sich bald wundern, wie das alles passieren konnte und irritiert feststellen, dass die Waschmaschine oder Kaffemaschine oder gar der Rechner, Fernseher etc. nicht mehr immer dann funktionieren, wenn wir das wollen sondern dann, wenn der Netzbetreiber das will, dass wir frieren, weil uns verdammt kalt wird, ja, und mit dem Wasser klappt das auch nicht mehr so wie gewohnt etc. etc. Aber wir retten die Welt und verzichten gerne, vor… Mehr

Rob Roy
1 Monat her

Und der grüne Chef der Netzagentur, Klaus Müller, schimpft wieder über uns Deutsche, die wir beim Sparen „versagt“ hätten.
Was eine Unverschämtheit ist. Kaum ein Haushalt kann es sich leisten, verschwenderisch mit Gas umzugehen, die Industrie ohnehin nicht.

StefanZ
1 Monat her
Antworten an  Rob Roy

Die Versager sitzen in den Parlamenten. Keiner von denen muss jemals frieren. Keiner von denen wird jemals Probleme haben seine Gas- und Stromrechnung zu bezahlen und keinen von denen wird jemals die Tafel brauchen.

honky tonk
1 Monat her

Es gibt inzwischen eine frackingmethode völlig ohne Chemie damit könnte einheimisches Gas gefördert werden.Aber das würde ja Sinn machen und damit hapert’s bei rot-grün-gelb(gelb unbedingt nicht vergessen)besonders.

LSKA
1 Monat her

Das ist doch logisch, wenn über 24/7 durch Gaskraftwerke in Deutschland 16 GW produziert werden. Die „Erneuerbaren“ schaffen über den Tag nur ein kurzes Pik von 8 GW in der Mittagszeit. Sonst ist es dunkel und Flaute. Wir werden Zeuge einer komplett gescheiterten Energietransformation . Übrigens, hier die erzeugte Energie vom 13.12.2022 in GWh (Quelle: http://www.smard.de): Gesamterzeugung: 1.509 davon konventionelle Kraftwerke: 1.173  =  77,7%  – Anteil Erdgas: 336,5  – Anteil Steinkohle: 347,0  – Anteil Braunkohle: 367,8  – Anteil Kernenergie: 89,8 davon erneuerbare: 139  =  9,2%  – Anteil Photovoltaik: 25,4  – Anteil Wind onshore: 73,5  – Anteil Wind offshore: 40,1 der Rest setzt sich aus… Mehr

stino
1 Monat her

Viele sehen Unvermögen und Dummheit als Grund der Misere, ich sehe darin Absicht, weil sorry so blöd kann keiner sein die kommenden Versorgungsprobleme nicht zu erkennen. Könnte es nicht sein, dass man darauf spekuliert die russischen Rohstoffe bald zum Schleuderpreis zu bekommen? Dass die berühmten Thinktanks auf eine Niederlage und Kapitulation Russlands setzen und damit den westlichen Zugriff auf diese Ressourcen. Abwegig ? Alle reden vom Sieg der Ukraine mit allen Mitteln, Großbritannien will jetzt Mittelstreckenraketen liefern, die Folgen will ich mir nicht ausmalen. Es wird einen Nato Kriegseinsatz geben und das deutsche Volk in seiner Mehrheit wird laut JA… Mehr

Kassandra
1 Monat her
Antworten an  stino

Alleine, wenn man uns, wie die Transformationsagenda vorschreibt, von fossiler Energie abtrennen will, macht das Vorgehen – mitsamt dem angezettelten Krieg in der Ukraine – für die, die das durchzusetzen haben, Sinn. Wie sollten sie uns sonst nahe bringen, dass russisches Gas wie Öl, auch andere Rohstoffe wie Uran, des Teufels und zu sanktionieren sind, wenn nicht der Russe als „Buhmann“ ausgemacht an den Pranger gestellt werden kann? Habeck erklärte auf dem Parteitag der grünen in Bonn sehr deutlich, dass er dafür seht, „fossile Geschäftsmodelle zu zerstören“. Und nicht nur Lang tönt hinsichtlich Öl und Gas von überall her so:… Mehr

Christian Stoiffen
1 Monat her

Man sollte bei der Frage, warum Scholz wie einst Merkel quasi wie im Puppenspiel an der US-Leine agieren, berücksichtigen, dass die Russen anfang der Neunziger den Amis die „Rosenholz-Dateien“ übergeben haben. Sind da etwa einige Politgrößen Deutschlands erpressbar???
Lt. Aussage des letzten Stasi-Chefs Auslandsspionage, Werner Grossmann(+), sind übrigens noch immer um die 20 Topagenten unenttarnt.

Dieter
1 Monat her

China bietet in den Auktionen bereits 67$/Barrel für russisches Öl. geliefert wird mit russischen Tankern mit russischer (oder chinesischer) Versicherung..
Die Eu beschränkt mal wieder nur sich selbst und der Rest der Welt lacht über den (darf man das jetzt sagen: korrupten?) Kindergarten
läuft..
Richtig interessant wäre es, wenn die großen Staaten zum Yuan ,Gold, oder gar den Rubel (da werden die Chinesen nicht mitspielen) als Ölwährung wechseln würden.
Wer die Weltreservewährung besitzt, diktiert die Finanzkraft der Staaten

Last edited 1 Monat her by Dieter
Kassandra
1 Monat her
Antworten an  Dieter

Angeblich CO2 sparen wollende kaufen also Gas, das auf direktem Wege durch Pipelines käme, jetzt über den Umweg China – und lassen es dann mit Tankern rund um den halben Erdball unter Aufwand weiterer Energie zu uns bringen? „Russian gas journey to Europe… Same gas as before, but now liquefied, and routed via China, at much higher price and transport costs…“ https://twitter.com/WallStreetSilv/status/1565544641545609218 „Yes, I know it probably goes thru the Suez Canal. The point of the picture is to simply point out that China and India are being used as a hop before oil and gas continues to flow from… Mehr

egal1966
23 Tage her
Antworten an  Dieter

Wieso sollte Öl, Gas und andere Rohstoffe nicht in den Landeswährungen gehandelt werden?
Kaum leichter kann man den USA ihre „Vormachtstellung“ zerstören, als wenn man nun die Dominanz des Dollars so kappt.
Übrigens ist dieses vielfach schon beschlossen, u.a von der Türkei, Saudi-Arabien, China und andere Staaten, die nun in Landeswährungen z.B Gas handeln…

Lacantun
1 Monat her

Ich msus immer wieder laut lachen, wenn Menschen ernsthaft glauben, dass diese „Regierung“ irgendetwas auf die Reihe bringen würde, dass den Bürgern nützt. Wenn der „Wirtschaftsvernichtungsminister“ sagt, es ist genug Gas da, kann man nach bisherigen Erfahrungen davon ausgehen, dass genau das nicht der Fall ist.
Ich könnte jetzt hier lange Reihe von Fehlentscheidungen etc aufzählen. Aber diejenigen, die aufgewacht sind, wissen es ohnehin und mit dem Rest habe ich kein Mitleid mehr.