Grünen-Politikerin nimmt Einfluss auf Tagesschau

Wenn den Grünen der Kurs in der Tagesschau nicht passt, dann wird schnell korrigierend eingegriffen. Politische Rundfunkräte nehmen ganz offen Einfluss auf die Berichterstattung, die Redaktion springt auf Kommando. Nachrichtenrelevant ist, was Grünen passt.

ARD/NDR, Collage: TIchys Einblick

Politische Unabhängigkeit ist, wenn politische Parteien Einfluss auf die Berichterstattung der Tagesschau nehmen. Das mag sich wie eine Orwellsche Formel anhören (Krieg ist Frieden! Freiheit ist Sklaverei! Unwissenheit ist Stärke! Einflussnahme ist Unabhängigkeit!). Aber es ist die gelebte Realität Deutschlands 2024. Denn wenn die Tagesschau nicht politisch konform berichtet, wird eingegriffen: durch Grünen-Politiker. Ermöglicht wird dies durch die CDU.

Was war passiert?

In den vergangenen Wochen gab es zwei große Demonstrationen: Die Bauern, Handwerker und Unternehmer protestierten gegen die Politik der Ampel … und staatsnahe Gruppen wie die Jusos, der DGB und andere protestierten in Folge der Correctiv-„Enthüllungen“ gegen die AfD.

Letztere Demonstrationen wurden auch von Olaf Scholz und Annalena Baerbock social-media-wirksam besucht. Nur in den Medien wie der Tagesschau entfalteten ihre betroffenen Blicke nicht die erwünschte Wirkung.

Das ist aber kein Problem, wenn man in die Medienberichterstattung eingreifen kann. So wie Jessica Kordouni, Fraktionsvorstand der Grünen im Stadtparlament Kiels und Rundfunkrätin im NDR. Auf der X-Alternative Mastodon erklärte sie:

Tausende gehen gegen Rechts auf die Straße und die Tagesthemen eröffnen mit einem Monarchen. Ich habe eben Fragen dazu für den morgigen NDR-Programmauschuss eingereicht. Vor allem auch, warum es ein deutliches Ungleichgewicht zwischen antifaschistischen Demonstrationen und den Bauernprotesten gibt.

Screenprint Maston/Jess_Kordouni

Wenige Tage später zeigt sie sich zufrieden und postet weiter:

Die haben gestern mit einem langen Beitrag zu den antifaschistischen Protesten, dem und der Petition gegen Höcke eröffnet.“

Praktisch, dass sich die Proteste, an denen auch die Grünen maßgeblich beteiligt waren, so leicht in eine Forderung nach dem Entzug für die Grundrechte eines erfolgreichen Mitbewerbers im politischen Betrieb übersetzen lassen. Und dass damit die politische Stoßrichtung der Tagesschau auf die gewünschte Linie gebracht wird. Kordouni weiter:

Gestern hatten wir ein sehr konstruktives Gespräch im Ausschuss mit dem Chef der . Die Fehleinschätzung über die Bedeutung der Demos wurde bereits Montag aufgearbeitet.“

Kordounis Eingriff wird wohl nachhaltig nachwirken, stellt sie doch auch klar, wie sie sich die Berichterstattung der Tagesschau vorstellt:

„Außerdem habe ich das Thema Nachrichtenwert angesprochen, das wir leider nicht ausführlich diskutieren konnten. Meiner Meinung nach darf sich die Relevanz nicht nur daran messen, dass Menschen tagelang den Verkehr stören und dadurch nicht übersehen werden, sondern er muss sich auch auf die gesellschaftliche Relevanz beziehen, gerade wenn es um Demokratiegefährdung geht. Es darf nicht sein, dass friedliche Demokrat:innen erst etwas anstellen müssen, um mehr Platz in den Medien zu erhalten.“

Nachrichtenrelevant ist, was für sie „gesellschaftlich Relevanz“ besitzt. Anders ausgedrückt: Die Tagesschau soll Informationen transportieren, die dem Rundfunkrat wichtig sind. Ob diese Informationen für die Bevölkerung wichtig, relevant oder interessant sind, ist dabei weniger wichtig. Erziehung geht vor.

Entscheidend ist auch, wie Kordouni in ihre Position gekommen ist. Sie ist zwar Grünen-Politikerin, doch wie die Website des NDR informiert, wurde sie nicht etwa von den Grünen in den Fernsehrat entsandt, sondern von der CDU in Schleswig-Holstein. Ein Grund dafür ist nicht bekannt – der Platz im Fernsehrat wurde vermutlich im Rahmen eines politischen Winkelzugs verkauft. Die Unabhängigkeit des ÖRR ist von vornhereien fragwürdig – wenn die Plätze im Kontrollgremium dann auch noch politischer Spielball sind, wird er nur noch unglaubwürdiger.

In dem Sinne: Einflussnahme ist Unabhängigkeit! Propaganda ist Nachricht! Staatsfernsehen ist Pressefreiheit!

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Kommentare ( 66 )

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Fieselschweif
1 Monat her

Eigentlich sollte man jedes mal, wenn so etwa publik wird, ein Dankesschreiben an das BVerfG schicken – für die Verteidigung der „neutralen“ Berichterstattung und dafür, dass man das Handeln des ÖRR außerhalb jeglicher Gerichtsbarkeit gestellt hat. Verweigerst du die Teilnahmegebühr, wanderst du in den Knast. ÖRR? Gott will es!

Deutscher
1 Monat her

Die AfD ist gekommen, um zu bleiben und die „Rechten“ auch.

Jan Frisch
1 Monat her

Dass die derzeitigen Proteste gegen „Rechtsextremismus“ der Inbegriff des Kunstrasens ist (von engl. astroturf als Gegenstück zur Graswurzelbewegung) wird durch diesen Beitrag mehr als offensichtlich.
Erfreulicherweise kann man Frau Kordouni niederschwellig eine Nachricht schreiben:
https://www.ndr.de/der_ndr/unternehmen/rundfunkrat/Jessica-Kordouni,kordouni100.html

bfwied
1 Monat her

Wir haben es in diesem Land schon wieder sehr weit gebracht!! Wenn die Vernunft schläft, gebiert sie Ungeheuer! (Goya) Und die Vernunft schlief mal wieder sehr fest – und schläft mehrheitlich noch immer! Daher gibt es keine Änderung. Auch wenn mehr als 45 % AfD/Bündnis Deutschl./Werteunion (wenn es die geben sollte) wählen würden, was im Schläfer-Land wohl nicht vorkommt, wird es keine Regierung mit der AfD geben, lieber koalieren sie alle mit der SED-Direktnachfolgepartei.

Peter der Kleine
1 Monat her

Wir nähern uns immer schneller den Zuständen in der ehemaligen DDR an. Dort haben auch hochrangige SED Genossen bei der Aktuellen Kamera angerufen um die Berichterstattung zu steuern. Und die Demonstrationen gegen die AFD erinnern mich sehr an die Jubel Veranstaltungen zum 1. Mai oder zum Tag der Republik, als Tausende mit wehenden DDR Fahnen und Transparenten den SED Bonzen ihre Treue geschworen und ein Hohelied auf den Sozialismus gesungen haben. Nach dem Ende der Veranstaltungen saßen sie dann zusammen und haben auf Staat und Regierung geschimpft, gejammert wie schlecht es ihnen doch geht und das sich doch endlich etwas… Mehr

nachgefragt
1 Monat her

: Angesichts dieser Causa wäre es doch angebracht, sich die Protokolle der Fernsehratsitzungen herausgeben zu lassen, als die Bauern die letzten Male 2023 und 2022 demonstriert haben. Da wurde nämlich so gut wie gar nicht im ÖRR berichtet. Da stellt sich doch DRINGEND die Frage, in wie weit eine Berichterstattung darüber im Fernsehrat Thema war und mit welchem Ergebnis.

Theophil
1 Monat her

Man könnte weiter fortfahren: Schulden sind Sondervermögen, Waffenlieferungen Friedenseinsätze, Parteienfilz „unsere Demokratie“

FranzJosef
1 Monat her

Jedes Jahr um diese Zeit bringt die Tagesschau einen Bericht mit Bildern von der Gedenkstunde für Rosa Luxemburg. Ist das wirklich so wichtig für heute Lebenden ?

JPP
1 Monat her

Das Gefährliche, das wir momentan beobachten können, ist, dass sich abseits dieser unverhohlenen Zuschaustellung einer Einflussnahme auf Medien durch linksgrüne Politiker eine Radikalisierung dieser politischen Klasse vollzieht. Speerspitze der Bewegung sind Vertreter der Grünen, die nun von ihren Parteisoldaten plakatieren lassen, dass es demokratische (!) Pflicht sei, gegen Rechts aufzustehen (siehe z.B. Instagram-Account der Grünen). Insofern soll also nichts anderes mehr zulässig sein als linksgrüne Politik, denn Rechts bekennt klar Farbe gegen Linksgrün. Rechts – also z.B. konservativ, liberalkonservativ, wertebewusst – soll endgültig aus dem zulässigen demokratischen Spektrum entfernt werden. Um das zu erreichen, fordert Ricarda Lang, grüne Parteivorsitzende, dass… Mehr

Rob Roy
1 Monat her
Antworten an  JPP

Kurz gesagt: Es geht den Linksgrünen um die Gleichschaltung unserer Gesellschaft.

Edwin
1 Monat her
Antworten an  JPP

Wo bleibt der Verfassungsschutz? ich weiß, eine naive Frage.

bfwied
1 Monat her
Antworten an  JPP

https://www.youtube.com/watch?v=Su8LUbzeBaU
Lang-Rede. Paus Rede ist nicht aufzufinden.
Ich frage mich nur, warum die AfD im Bundestag nicht klarstellt, was eigentlich lief. Vosgerau von der CDU tut dies und erstattete Anzeige gegen dieses „Correctiv“.

Ohanse
1 Monat her

Was an „Und die CDU – schaut wie immer zu“ war ein Verstoß gegen die Netiquette? Ist irgendetwas darüber bekannt, dass Merz gegen diese Einmischung etwas unternommen hätte?