Mütter, Ärzte, Unternehmer: Brandbriefe bringen Söder in Erklärungsnot

Die wirtschaftlichen und sozialen Opfer des Lockdown versuchen sie vermehrt Gehör zu verschaffen – und stoßen auf große Resonanz.

IMAGO / Marja

Die Münchener Ärztin und dreifache Mutter Charlotte von Padberg hat sich in einem Brandbrief an den bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder gewendet, aus dem der Merkur berichtet.

In ihrem Brief appelliert von Padberg an Söder, die Schulen wieder zu öffnen. Nicht Senioren seien die schwächsten der Gesellschaft, sondern die Kinder, die ihre Zukunft noch vor sich hätten, aber am härtesten von den Maßnahmen betroffen sind. Bildungsferne Familien leiden laut Padberg besonders unter der aktuellen Situation: „Die fehlende Bildung vergrößert die ohnehin schon schlechten Startbedingungen dieser Kinder, die soziale Kluft in unserer Gesellschaft wird nochmals verstärkt.“
„In bildungsfernen Familien wird kein Unterricht erfolgen. Wieder bleibt die eine Gruppe auf der Strecke“ sagt Padberg. Söder solle nicht nach Beliebtheitswerten entscheiden.

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Bereits bevor sie den Brief an Söder verschickt und veröffentlicht hat, gab es viele Reaktionen – laut Padberg durchweg positiv. Sie rechne zwar nicht mit einer Antwort von Söder, aber sie wolle ihm mit dem Brief und den positiven Reaktionen wiederspiegeln, wie die Stimmung gerade sei – voller Unverständnis. Anklagend fragt sie: „Würde man wirklich alle Menschen beschränken, damit die Jugend einigermaßen normal weiterleben kann? Das wage ich zu bezweifeln.“

Ähnlich sauer ist Guntram Gattner. Auch der Vorsitzende des Murnauer Vereins zur Wirtschaftsförderung schrieb an Markus Söder. Darin beklagt er „fortschreitende Unsicherheit und vor allem Ungerechtigkeit“ und, dass die Corona-Maßnahmen vor allem großen Ketten zum Vorteil gereichen würden. Ihnen hingegen droht, Mitarbeiter entlassen zu müssen. Man gibt sich kämpferisch, Motto des Appels ist: „Wir sind klein, aber viele.“

Vor einigen Tagen hatte auch ein auf Facebook veröffentlichter Brandbrief einer Mutter an den bayrischen Kultusminister Piazolo Aufmerksamkeit erlangt. Über 7000 Facebook-Nutzer hatten ihn weiterverbreitet.

Den wachsenden Unmut über den langen Lockdown bestätigen auch aktuelle Umfragen, wonach fast 80 Prozent der Bundesbürger dafür sind, die Schulen zu öffnen, und über 70 Prozent den Einzelhandel.

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Kommentare ( 83 )

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joe limburger
3 Jahre her

Die Termine der Wahlen nähern sich. Ist es wirklich so schwer, sich der unternehmerischen Freiheit geprägt von eigenen Entscheidungen, dem unbeschwerten Leben mit Familie und Freunden in der Freizeit, beim Essen gehen dem Biergartenbesuch oder dem Einkaufsbummel zu erinnern. Ist es so schwer, sich gedanklich der Unbeschwertheit der letzten Urlaube hinzugeben. Vermag niemand mehr die Möglichkeiten zu schätzen, die es einem erlaubte,sich die Haare schneiden zu lassen, sich in seinem Fitnessstudio auszupowern, oder ins Kino zu gehen, wann immer Bedarf war und einem der Sinn danach stand?? Stattdessen sich von einem Haufen durchgeknallter Herrschsüchtiger Politioten, eitler instrumentalisierter Virologen und immer… Mehr

spindoctor
3 Jahre her

Ich bin dafür, Regierung und „Parlament“ zu schliessen – für länger.

Yette
3 Jahre her
Antworten an  spindoctor

Sagen wir mal lieber in Kurzarbeit.

EndemitdemWahnsinn
3 Jahre her

Die eigentliche Pandemie ist das politische System und deren Gehilfen.

Monika
3 Jahre her

„„In bildungsfernen Familien wird kein Unterricht erfolgen. Wieder bleibt die eine Gruppe auf der Strecke“ sagt Padberg.“ Es bleiben u.U. alle Kinder auf der Strecke, nicht nur die bildungsfernen. Wenn in Klassen die eine Hälfte bildungsfern ist und monatelang gar nichts gelernt hat, werden die anderen automatisch auf deren Level zurückgestuft, d.h. die gesamte Klasse hat faktisch ein Jahr verloren. Die die fleißig gelernt hatten, sind hochgradig frustriert, weil das nicht gewürdigt werden kann und langweilen sich monatelang bei den für sie nutzlosen Wiederholungen. Besonders schlimm wird das in den ersten und zweiten Klassen werden, wo es um das Lesen… Mehr

andreas donath
3 Jahre her

Solange FORSA weiterarbeiten darf, können auch keine Friseursalons geschlossen sein. Die Expertise DES Experten für das FRISIEREN von Zahlen ist atemberaubend und eine Zierde des hiesigen Friseurhandwerks.

HavemannmitMerkelBesuch
3 Jahre her

Aber man kann doch überall in den vereinigten Framingmedien von einer übergroßen Zustimmung zu den Maßnahmen der Regierung lesen. Die beauftragten Gefälligkeitsgutachten und vorgefertigten Ergebheitsumfragen können doch nicht irren. Wir wollen doch nicht die Bevölkerung verunsichern und ein Gefühl verbreiten, das die politischen Verantwortlichen für alle Mißstände, Mangel und echten Katastrophen nicht in der AfD, bei Trump oder bei Putin zu finden sind. Und Orban der Schreckliche auch noch, ach ja, die Polen noch, ach und die Österreicher, die Bösen, ach ja, und Bolsonario und Australien sowieso, also eigentlich lauter Böse ringsumher, wie auf der Bounty. Sie irrlichtern in ihrem… Mehr

Donna
3 Jahre her

Öffnen ja, aber nicht mit weiter bestehender Maskenpflicht. Ich fürchte den Tag der gnädigen Lockerung, die selbstverständlich nur mit strengen Hygienemaßnahmen gewährt werden wird. Vor lauter Dankbarkeit und Erleichterung werden die demütigenden Merkelgrußmasken weiter getragen werden. Jeder, der es dann wagt ohne auszugehen, muss als Gefährder dieser „neuen Freiheit“ weiter mit Beschimpfungen rechnen. Danke nein.

Pro Contra
3 Jahre her

Solche Briefe interessieren Politiker nicht wirklich. Die einzige Währung, die für sie zählt sind Umfragewerte bzw. Wählerstimmen. Solange hier die Werte stimmen, ist aus Sicht einer Politikerin alles in Ordnung. Es geht um Macht und Eitelkeit, um nichts anderes. Wann merkt das Volk endlich, wie machtbesessen und intellektuell überfordert unsere Politiker sind? Die wenigen Ausnahmen machen selten den Mund auf, und wenn doch, werden sie per Shitstorm ruhiggestellt. Und wie lange lassen sich die Leute noch quälen? Wenn es am nötigsten fehlt, nicht nur an Klopapier, wenn die Hyperinflation kommt, wenn die Angst vor Verarmung größer ist als die Angst… Mehr

Wolff-Simon
3 Jahre her

Jede juristische Person muß sich in einer freiheitlichen Gesellschaft für ihr Handeln zur Verantwortung ziehen lassen, wenn sie gegen die gesellschaftlichen Normen verstößt. Ausgenommen sind hiervon Politiker, die aus einer Sphäre der selbsterklärten Amnesti nach Gutdünken schalten und walten dürfen und sich durch gefügig gemachte Medien und Gerichte im Selbstversorgungsstatus der Macht halten. Die Söders und Merkelianer, mit ihren kulturmarxistischen Hellebardenträgern und ökoreligiösen Bettelmönchen wissen um ihre Unangreifbarkeit und die Unfehlbarkeit ihrer Entscheidungen, denn die Mehrheit der Gesellschaft läßt sich gern weiter korrumpieren. Und so wird sich an diesem System nichts ändern.

Pro Contra
3 Jahre her

Und Bayern hat immerhin gewonnen. Es gibt noch Dinge, auf die Verlass ist in diesem Land. In welcher Liga spielen übrigens die Cluberer, Herr Söder?⚽️