Ifo-Institut: Laufzeitverlängerung würde Strompreise 2023 um vier Prozent senken

Die drei noch laufenden Kernkraftwerke würden bei Weiterbetrieb rund 4 Prozent des Stroms in Deutschland erzeugen. Der Stromerzeugungsanteil von Erdgas würde allerdings nur von 8,3 Prozent auf 7,6 Prozent sinken.

IMAGO / Wolfgang Maria Weber
Das Atomkraftwerk Isar 2 ist eines der drei letzten aktiven Kernkraftwerke in Deutschland

Eine Laufzeitverlängerung der drei deutschen Atomkraftwerke würde den deutschen Strompreis im kommenden Jahr um vier Prozent senken. Das geht aus Berechnungen des Ifo-Instituts hervor. Die Atomkraftwerke würden rund vier Prozent des Stroms in Deutschland erzeugen. Der Stromerzeugungsanteil von Erdgas würde allerdings nur von 8,3 Prozent auf 7,6 Prozent sinken. „Denn Atomkraft ersetzt Erdgas nicht 1:1, sondern kurzfristig vor allem auch Kohle“, sagt Ifo-Stromexperte Mathias Mier.

Gaskraftwerke glichen vor allem Schwankungen der Nachfrage und der erneuerbaren Energien aus. Atomkraft sei dazu ungeeignet, und die Kostenstruktur verlange nach einem Dauerbetrieb. Nicht alle Determinanten des künftigen Stromverbrauchs und insbesondere der Erdgasverfügbarkeit im Winter seien heute bereits bekannt, deswegen könne es sinnvoll sein, sich die Option Atomstrom auch über eine krisenbedingte, kurzfristige Laufzeitverlängerung im kommenden Jahr hinaus offen zu halten.

Für die Betreiber der Atomkraftwerke schätzt Mier, dass deren Gewinne im laufenden Jahr wegen der hohen Erdgaspreise unerwartet um 7,9 Milliarden Euro höher ausfallen werden. Auch andere Betreiber erwirtschafteten hohe unerwartete Gewinne. Die Diskussion um eine Änderung des Strommarktdesigns hält Mier für „nicht zielführend, weil der Strommarkt ja funktioniert. Was nicht funktioniert, ist der Erdgasmarkt. Da wurde politisch schlecht diversifiziert“.

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Kommentare ( 12 )

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Dozoern
19 Tage her

Immer wieder dieselben Witze aus interessierten Kreisen. Es geht um GRUNDLAST und VERSORGUNGSSICHERHEIT auch an Tagen an denen der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint. Wenn keine Gaskraftwerke und keine AKWs in die Bresche springen können, sieht’s düster aus: Lastabwurf und Blackouts. Der Strompreis wird in einem Gas-Strompreiskartell fixiert, das den Beteiligten maximale Profite bringt. Zum Beuspiel mit dem Merit – Order – Prinzip. Aber auch da gibt’s dumme oder gekaufte Experten, die das verteidigen. Also bitte Schluss mit den Witzen, auch wenn sie von Herrn Fuest kommen. Und dazu dienen in den MSM zitiert zu werden, um… Mehr

WGreuer
19 Tage her

Ein Schauspiel, mehr nicht. Die grünen (H)Ampelmänner wollen die Deindustrialisierung, den Shutdown des Individualverkehrs, der Atomkraft, des Flugverkehrs, des Handels etc. Das wird ganz offen kommuniziert:
https://www.youtube.com/watch?v=-Cp2uX6ZHy8
Das müssen die Bürger nur endlich verstehen. Und entsprechend reagieren.

Thorsten
19 Tage her

Viel wichtiger wäre noch der Beitrag der AKWs zur Bereitstellung von Grundlast und dem Verhindern bzw Vermindern von Blackouts oder beim Wiederhochfahren des Stromnetzes.
Dieser Nutzen könnte noch deutlich höher sein, denn werktags der Strom ausfällt, dann fällt Produktion aus.
Ich würde denken, dass 4% mehr Stromangebot die Preise stärker senken müsste, weil damit „Knappheitspreise“ weitgehend verhindert werden.

Fabian S.
19 Tage her

Man sieht, dass das Ifo auch keine Ahnung hat und offensichtlich die Grünen genauso huldigt wie der Rest. Dann mal alles abschalten und Prost. Die paar Prozent des Ifo machen uns auch nicht viel Töter.

Thorsten Hempel
19 Tage her

Der Strommarkt funktioniert? Interessante Einschätzung. Vielleicht sollte man mal die Verbraucher fragen, ob die das auch so sehen.

HRR
19 Tage her

Die durch eine Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke mögliche geringe Strompreissenkung und die noch geringere Senkung des Stromerzeugungsanteils von Erdgas sind in dieser substanziellen Energiekrise durchaus begrüßenswert. Die zusätzliche grundlastfähige Strommenge könnte zudem durchaus hilfreich sein zur Aufrechterhaltung des deutschen und damit auch des europäischen Verbundsystems, um dieses vor einem Blackout zu schützen. Wer möchte schon in einem kalten Winter im Dunkeln in seiner kalten Wohnung sitzen? In der NZZ las ich heute in Verbindung mit Energiesparen die Aussage von Minister Habeck: „Menschen sollen sich nicht fragen müssen, was sie kriegen, sondern sie sollen es tun, weil sie Bock haben, in diesem… Mehr

Hueckfried69
19 Tage her

Sehr schön! Bei dieser Gelegenheit denke ich gerne darüber nach, wie sehr es den Energiepreisen gut täte, wenn man die moralische Kraftmeierei in den europäischen Kanzler- und Präsidenten -Palästen sein ließe und endlich diese dämliche Sanktionspolitik zu Lasten des ‚Stimmviehs“ aufgäbe. Aus den wunderbaren Werten der Menschenwürde und der Freiheit, die hier angeblich geschützt werden sollen, lässt sich – wesentlich konkreter und auch dem ‚Plebs“ verständlich- die Einsicht ableiten: Niemand soll hungern und frieren! (Vor allem nicht für das moralisierende Getue von Spitzenpolitikern, die niemals hungern und frieren werden…)

Last edited 19 Tage her by Hueckfried69
Hannibal Murkle
19 Tage her

„ „Denn Atomkraft ersetzt Erdgas nicht 1:1, sondern kurzfristig vor allem auch Kohle“, sagt Ifo-Stromexperte Mathias Mier.“

Laut einem WELT-Artikel könnte auch Kohle knapp werden – die kam bisher zum großen Teil aus Russland.

Marcel Seiler
19 Tage her

Alle diskutieren über die PREISE und wie man den Strom bezahlt. Aber wichtig sind doch die MENGEN, also wieviel Strom es insgesamt gibt, damit des keine Brownouts/Blackouts gibt und damit die Wirtschaft weitermachen kann.

Auch wenn der Strom angeblich billiger wird: Wenn es nicht genug gibt, gibt es Stromausfall, Tote, Chaos. Erst wenn wir genug Strom haben, muss man über die Preise überhaupt diskutieren. DESHALB, nicht wegen 4 % (oder was auch immer) Preisänderung, müssen alle verfügbaren Atomkraftwerke angeschaltet bleiben und werden, und sie müssen konstant durchlaufen.

„Unterhaken“ schafft keine einzige Kilowattstunde Strom. Nur Herr Scholz weiß das nicht.

Autour
19 Tage her

Alle schwadronieren immer noch über eine Verlängerung der Laufzeit…
Gibt es denn hier nicht einen „Point of no return“? Klar kann man quatschen und quatschen aber irgendwann muss doch eine Entscheidung gefällt werden! Ich schalte doch ein AKW nicht ab wie einen Fernseher!
Könnte mal jemand sagen bis wann eine Entscheidung gefällt werden müsste? Die Verträge der Arbeiter laufen doch aus, ist dort genug Brennmaterial vorhanden, wie sehen die gesetzlichen Regelungen aus ect. pp.?