In der Nacht vom 5. auf den 6. März wurde die Schwangerenberatungsstelle von Profemina in Heidelberg von Unbekannten attackiert. Der Gründer der Organisation, Kristijan Aufiero, äußerte sich gegenüber TE zutiefst besorgt über den Hass, der sich in dem erneuten Anschlag ausdrückt.
profemina
In der Nacht vom 5. auf den 6. März wurde die Beratungsstelle von Profemina in Heidelberg zum Ziel eines Farbanschlags. Kristijan Aufiero, Gründer und Geschäftsführer der Hilfsorganisation, die Frauen im Schwangerschaftskonflikt berät und unterstützt, bezeichnet diese Attacke als bislang massivsten Farbanschlag auf den Standort in Heidelberg.
Unter anderem schmierten die Täter „Nieder mit dem Patriarchat“ an eine Hauswand und warfen Bekennerschreiben in benachbarte Briefkästen, in denen sie die Unterstützungsangebote von Profemina als „trügerisch“ bezeichnen und vor dem „stillen Treiben“ der Hilfsorganisation warnen.
Er habe im Grunde bereits aufgehört, Angriffe zu zählen, so Kristijan Aufiero gegenüber Tichys Einblick. „In Heidelberg kommt es etwa im Halbjahrestakt vor, dass jemand nachts vorbeigeht und zumindest den Briefkasten mit Farbe verschmiert“, so Aufiero. Solche kleineren Akte von Vandalismus wolle er aber nicht als „Anschlag“ bezeichnen. Wenn er „nur“ die größeren Anschläge seit 2019 zähle, komme er auf mindestens fünf Attacken gegen die Beratungsstelle in Heidelberg, drei Angriffe in München und einen in Berlin. Bei Letzterem wurde in die Beratungsräume eingebrochen, Fenster wurden zertrümmert. Ermittlungen der Polizei seien stets ergebnislos verlaufen.
Der Sachschaden beim jüngsten Farbanschlag sei enorm. „Mit diesem neuen Anschlag erreichen wir insgesamt mittlerweile sicher die 100.000-Euro-Schadensgrenze seit 2019“, so Aufiero.
Ihn beschäftige besonders, warum jemand eine Beratungsstelle angreife, „in der tausende Schwangere in Not seit zwanzig Jahren Beratung und Hilfe erhalten“. Diese Frauen würden sich tausendfach bei Profemina dafür bedanken, dass sie die Unterstützung erhielten, die sie brauchten, um sich für ihr Kind zu entscheiden: Mit Mails, Briefen und Babyfotos. Dennoch schlage der Arbeit von Profemina „dumpfer Hass“ entgegen.
Zudem schmerze ihn die Stigmatisierung der Mitarbeiter. 90 Prozent von ihnen seien Frauen. Diese würden von den Tätern in der Nachbarschaft als Extremisten und radikale Spinner diffamiert: „‚Das passiert denen doch nicht ständig umsonst. Da wird es schon einen Grund geben‘ – so oder so ähnlich denken unbeteiligte Dritte in der Regel, wenn sie diese wiederholten Farbattacken sehen (…). Dieses „wie aussätzige Radikale“ angesehen zu werden, weil man beruflich jeden Tag verzweifelten Frauen im Schwangerschaftskonflikt hilft – das ist nicht so einfach wegzustecken“, so Aufiero weiter.
Insbesondere Akteure aus dem linken und grünen politischen Spektrum würden sich inhaltlich und argumentativ hinter die Täter stellen, und sich mit deren Anliegen solidarisieren. Die „Gewalt der Straße“ erhalte de facto Rückendeckung. Ernsthaften Einsatz gegen linksradikale Gewalt nehme er nicht wahr.
Profemina ist ausschließlich spendenfinanziert und bietet ein unabhängiges Beratungsangebot für schwangere Frauen, die eine Abtreibung erwägen. In Beratungsstellen wie unter anderem in Heidelberg ist persönliche Beratung möglich. Neben einer internationalen Beratungs- und Informationsplattform vermittelt die Organisation Kontakte zu Kooperationspartnern, um psychologische, ärztliche und sonstige Hilfe sicherzustellen. Hinzu kommt ein Netzwerk von ehrenamtlichen Helfern, die Frauen und Familien konkret begleiten und individuell unterstützen. Schwangere können über Profemina auch Informationen zu Hilfsangeboten über die Geburt des Kindes hinaus abrufen.
Laut eigenen Angaben ermöglichte Profemina im Jahr 2023 257.324 digitale Beratungen, davon 169.802 im deutschsprachigen Raum. Dort tendierten zu Beginn der Inanspruchnahme von Beratung 46 Prozent der Frauen zu einer Abtreibung, 64 Prozent entschieden sich letztlich dafür, ihr Kind auszutragen.



Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein