Zwei-Stufen-Modell: Abschlag für Dezember, ab März tritt Gaspreisbremse in Kraft

Gaspreisbremse: 80-Prozent-Kontingent auf Grundlage der Schätzung des Verbrauchs. Bis April 2024 entstehen Kosten von etwa 96 Milliarden Euro, davon rund 60 Milliarden für die Entlastungen der Haushalte. Die Nettosteuerzahler bezahlen die Gaspreisbremse für alle. Der Rest ist Propaganda.

IMAGO/Chris Emil Janßen

Wie die Kommission am Montag auf einer Pressekonferenz bei der Vorstellung eines Zwischenberichts erläuterte, solle in einem ersten Schritt der Staat aus Steuern die Abschlagszahlungen für diesen Dezember übernehmen. Schritt Nummer zwei bedeutet, dass ab März 2023 bis Ende April 2024 mittels eines geschätzten Grundkontingents von 80 Prozent die Preise auf zwölf Cent pro Kilowattstunde für private Haushalte sowie kleine und mittlere Unternehmen abgesenkt werden. Die übrigen 20 Prozent des Bedarfs würden zum Marktpreis abgerechnet. „Wer sparen kann, profitiert“, so Wirtschaftsweise Veronika Grimm.

Diese Gas- und Wärmepreisbremse verstehe sich als einen staatlich garantierten Bruttopreis inklusive aller auch staatlich veranlassten Preisbestandteile. „Das heißt, man bekommt quasi jeden Monat einen staatlichen Zuschuss auf die Abschlagszahlung“, erklärte Veronika Grimm. Für Fernwärmekunden soll eine Wärmepreisbremse kommen. Analog zum Gaspreis soll es hier einen garantierten Bruttopreis von 9,5 Cent pro Kilowattstunde Fernwärme geben, wiederum für ein Grundkontingent von 80 Prozent des Verbrauchs.

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Für die Industrie soll es von Januar 2023 an ebenfalls eine Deckelung des Beschaffungspreises geben auf 7 Cent pro Kilowattstunde – das entspreche den 12 Cent für Haushalte. Auch dies soll bis Ende April 2024 gelten, hier werden aber nur 70 Prozent des Vorjahresverbrauchs berücksichtigt.

Das zentrale Rettungsinstrument soll die Gaspreisbremse der Bundesregierung in der Energiekrise sein. Einerseits sollen dadurch die hohen Gaspreise für Bürger und Betriebe erträglicher sein, andererseits zum Energiesparen beitragen.

Derzeit muss sich eine Familie mit einem durchschnittlichen, jährlichen Gasverbrauch von 20.000 Kilowattstunden Gas laut Vergleichsportal Verivox auf eine Verbrauchsrechnung von etwa 4.100 Euro einstellen, nach Inkrafttreten der Gaspreisbremse bei einer Deckelung von 80 Prozent und zwölf Cent pro kWh auf rund 2.700 Euro.

Die Gaspreisbremse soll den Steuerzahler bis zu 96 Milliarden Euro kosten – gerechnet bis Ende April 2024. Die Bremse ab 2023 solle 60 Milliarden Euro für die Industrie und 25 Milliarden Euro für die Entlastung privater Haushalte kosten. Allerdings sei dieser Betrag abhängig von künftigen Gas-Marktpreisen. Diesjährig lägen die Kosten für die Entlastung der Haushalte bei etwa fünf Milliarden Euro.

Die Frage danach, weshalb erst ab Dezember 2022, wurde beantwortet mit: der 1. Dezember, damit die Versorger es schaffen.

Die Frage nach dem Gießkannen-Prinzip wurde wie folgt beschieden: „Es zerreißt mir das Herz“, sagte Michael Vassiliadis auf die Frage, wie er als Gewerkschaftsvertreter damit klarkomme, dass Menschen mit hohem Einkommen nun möglicherweise stärker entlastet werden als ärmere Haushalte. Künftig müsse ein Konzept erarbeitet werden, das gezielter entlaste. Wegen des Zeitdrucks sei Schnelligkeit vor Zielgenauigkeit gegangen.

Die Wahrheit ist: Die Nettosteuerzahler bezahlen die Gaspreisbremse für alle. Der Rest ist Propaganda.

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Kommentare ( 85 )

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Der Prophet
1 Monat her

Da haben sie den Bürger aber wieder über den Tisch gezogen. Ich habe mal anhand meines eigenen Vorjahresverbrauchs nachgerechnet. Im ganzen Jahr (August 2021 bis Juli 2022) habe ich rund 15.000 kw/h Gas verbraucht. Davon entfielen rund 55% (8250 kw/h) auf die Monate Dezember bis Februar. Und im letzten Jahr ist der Winter quasi ausgefallen. Wenn es wieder richtig Winter werden sollte, dürfte die Quote wohl eher bei 65 bis 70% liegen. Sprich für rund zwei Drittel des Jahresverbrauchs greift der Preisdeckel gar nicht. Nun zur Ratenübernahme im Dezember. Da viele Gasanbieter erst zum Oktober oder November die Preise so… Mehr

EddyNova3122
1 Monat her

Es gibt nur eine einzige sinnvolle unbürokratische Lösung : eine Art Notverordnung die einen Höchstpreis für alle Energiearten festlegt. Analog zu France Preis 2021 medium plus 4% Maximalerhöhung jährlich. Die möglichen Antragsteller für Energiepreishilfe werden auf einen Schlag von 45 Millionen Haushalten/Companys auf wenige hundert Energie Companys reduziert. Wenn international marodierende Energie Companys nachweisen müssen warum sie mir dem Preis 2021 aktuell nicht klarkommen müssen sie ihre Kalkulation offenlegen und das mögen sie gar nicht – ergo sinkt der Preis automatisch. Auch ist Energie keine Mangelware – nicht viele Länder sind in der Lage exorbitant hohe Preise zu bezahlen ,… Mehr

kb
1 Monat her

Hätten wir eine vernünftige Energiepolitik – z. B. AKW, eigenes Gas fördern – wäre diese ganze Wumserei nicht notwendig. Leider wird dieses auch auf TE nicht wirklich prominent behandelt.

gladius
1 Monat her

Wer in Deutschland noch arbeitet, ist der Angemeierte. Vom Staat ausgeplündert, von Geschäftemachern und gierigen Vermietern abgezockt, von Transferempfängern aus der ganzen Welt verlacht und verachtet. Was für ein Land das hier geworden ist….

humerd
1 Monat her

Hier eine Aufstellung der vielen Umlagen auf Gas: Entgelte und Umlagen ab Oktober 2022:RLM Bilanzierungsumlage beträgt 3,90 EUR/MWh.SLP Bilanzierungsumlage beträgt 5,70 EUR/MWh.VHP Entgelt beträgt 0,00148 EUR/MWh.Konvertierungsentgelt beträgt 0,45 EUR/MWhKonvertierungsumlage beträgt 0,38 EUR/MWhGasspeicherumlage beträgt 0,59 EUR/MWh.Biogasumlage 0,5740 €/kWh/h/aMarktraumumstellungsumlage: Der spezifische Wälzungsbetrag für die Marktraumumstellung beträgt im Kalenderjahr 2021 bundesweit 0,7291 €/kWh/h/a. Die gesamten bundesweit gemeldeten Kosten für Marktraumumstellung belaufen sich auf 223.527.688,44 € für das Jahr 2021. https://www.tradinghub.eu/de-de/Ver%C3%B6ffentlichungen/Preise/Entgelte-und-UmlagenAuf diese vielen Umalgen kommt dann noch die MWSt. Darauf verzichten wäre zu einfach und am Ende fällt den Leuten auch noch auf, dass sie vom Staat abgezockt werden. Einen Durchschnittsverbrauch ermitteln, die Energieversorger haben… Mehr

alter weisser Mann
1 Monat her

Ist das „wir retten die Gasverbraucher“ wieder so ein Spiel urbaner „Eliten“ für ihre Klientel?
Die Ölheizung dürfte, schon aus Leitungsgründen, auf dem Lande relativ verbreiteter sein, für die Leute da muss man als rot-grün natürlich nichts für tun, es reicht wenn die zahlen. Egal ob für das 9-Euro-Ticket oder die Gaspreisbremse.

Last edited 1 Monat her by alter weisser Mann
AlexR
1 Monat her

Sehr „zeitnah“, wie alles in Schland wenn eine Kommission oder Behörde arbeitet. Dann dauert das mal eben ein paar Monate und das Ergebnis ist nur heiße Luft oder Schwachsinn. Die Bremse ab März, weil im Januar und Februar lt der überall verendeten Verbrauchstabellen etwa 29% des Jahres an Gas bzw. Heizenergie verbraucht werden. Und dann bitte: auf welcher Verbrauchsbasis werden die 80% angewendet? Ich habe den Rat des grenzdebilen MP Kretschmann befolgt, benutze Waschlappen (zwei) und die Heizung abgedreht. Der Verbrauch ist spontan um sagenhafte 2%, und nicht wie von Kretschmann beobachtet um die exorbitanten 20% gesunken. Muss ich noch… Mehr

humerd
1 Monat her
Antworten an  AlexR

Nun, dann haben Sie Schäubles Winter Tip noch nicht berücksichtigt:
„„Dann zieht man halt einen Pullover an. Oder vielleicht noch einen zweiten Pullover. Darüber muss man nicht jammern, sondern man muss erkennen: Vieles ist nicht selbstverständlich“ und bitte wieder tüchtig in die Hände spucken udn das Bruttosozialprodukt steigern:“Er klagt über die abnehmende Arbeitsmoral: „Mir macht Sorge, dass so viele Deutsche gerade lieber weniger arbeiten wollen: zum Beispiel in Teilzeit und nie am Wochenende. Das wird nicht funktionieren. Denn überall fehlen Arbeitskräfte! Meine Erfahrung ist: Immer nur Spaß haben – das ist keine Lebenserfüllung.“ https://www.focus.de/politik/deutschland/schaeubles-winter-tipps-dann-zieht-man-eben-mal-einen-pullover-an-darueber-muss-man-nicht-jammern_id_163153263.html

fatherted
1 Monat her

da bin ich mal gespannt….wie soll das wohl laufen? Der Abschlag für den Dezember….soll sich am Abschlag für den September orientieren. Aha….nur das viele Versorger erst ab Oktober erhöht haben…so wie meiner…also bekomme ich den „günstigen“ Abschlag aus dem September im Dezember bezahlt….und den Rest? Meint man, der Versorger bleibt auf dem Rest sitzen? Dazu…wie will man das denn bezahlen/überweisen? Doch wohl kaum an den Endverbraucher….das würde Millionen von Überweisungen bedeuten mit Nachweis und Kontrolle des Abschlags….wer soll da machen beim Staat? Also wird man mit den Versorgern abrechnen müssen….und die rechnen mal eben pauschal zusammen….und wer kontrolliert das/kann das… Mehr

Diogenes
1 Monat her

Es kreisste der Elefant und gebar eine tote Maus!
Gehts noch verwirrter unter Vermeidung von echter Bevölkerungs-Hilfe?

Linke Tasche rechte Tasche, wobei links mehr genommen wird als rechts verdünnt ankommt.

Wir nehmen viel Geld in die Hand! Ja, MEIN Geld. Es ist ja nicht weg, sondern es wird von vielen anderen Händen abgegriffen, die ohnehin schon mit Goldstaub gepudert sind.

Laßt die Finger von meinem immer wertloseren Geld, dann braucht ihr auch nicht mit solchen Taschenspieler-Tricks zu „arbeiten“!

Und nehmt in die Hand, was ihr wollt, aber nicht zu meiner Enteignung!

Last edited 1 Monat her by Diogenes
tyr777
1 Monat her

wie üblich ein bürokratisches Monstrum, einfach und sinnvoll geht ja in Deutschland grundsätzlich nicht.
Die Frage, die ich mir aber Stelle: kann man diesen Mist nicht gerichtlich anfechten – Gas- und Fernwärmekunden werden entlastet mit den Steuergeldern auch derjenigen, welche mit anderen Energieträgern heizen, diejenigen gucken dann so wie ich in die Röhre (grade letzten Monat Heizöl gekauft zum 4,5-fachen Preis wie vor 2 Jahren).