Europäer uneinig im Ukraine-Krieg

Der Think Tank European Council on Foreign Relations (ECFR) ließ die Bürger von 10 Ländern (Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, Polen, Portugal, Rumänien, Spanien, Schweden UK) befragen.

IMAGO / PanoramiC
Emmanuel Macron, Präsident der Französischen Republik, 13.06.2022

Dass der Think Tank European Council on Foreign Relations demoskopisch ein „Peace Camp“ und ein „Justice Camp“ bildet, ist zwar reichlich ungenau, zeigt aber vermutlich gerade deswegen einen klaren Trend. Mit „Justice Camp“ ist beschrieben, wer dafür ist, Russland zu „bestrafen“.

In Italien votierten 16 Prozent JC und 52 Prozent PC, in Deutschland steht es sehr ähnlich: 49 PC, 19 JC. Nicht viel besser für die Ukraine steht es in Rumänien mit 42 PC und 23 JC, Frankreich mit 41 PC und 20 JC, Schweden mit 38 PC und 22 JC, Spanien mit 35 PC und 15 JC und Portugal mit 31 PC und 21 JC. In Finnland mit 26 PC und 25 JC wie Großbritannien mit 22 PC und 21 JC sind die zwei Lager gleich groß. Einzig allein in Polen ist das „Justice Camp“ mit 41 Prozent gegenüber 16 Prozent „Peace Camp“ in der Mehrheit – und das überdeutlich.

ECFR-Direktor Mark Leonard meint die Politiker, wenn er sagt: „Die Europäer haben Putin – und sich selbst – bisher durch ihre Einheit überrascht, aber die großen Belastungen kommen jetzt,“ bevor er fortsetzt: „Es gibt potenzielle Meinungsverschiedenheiten über Lebenshaltungskosten, Flüchtlinge und nukleare Eskalation, aber die große Kluft besteht zwischen denen, die den Krieg so schnell wie möglich beenden wollen, und denen, die eine Bestrafung Russlands wollen. Wenn die Kluft zwischen dem Friedenslager und dem Justizlager über die Ukraine schlecht gehandhabt wird, könnte sie genauso schädlich sein wie die zwischen Gläubigern und Schuldnern während der Eurokrise.“

Wer das größte Hindernis für einen Frieden zwischen Russland und Ukraine sei? Auch da ist die zweite Antwortmöglichkeit ungenau: „Ukraine, EU oder die USA“. Antwortmöglichkeit eins mit „Russland“ ist hingegen klar.

In neun Ländern meint die klare Mehrheit, Russland ist das Hindernis. Hier die Reihenfolge: Finnland 87 : 5, Schweden 82 : 9, UK 76 : 8, Polen 74 : 12, Spanien 69 : 16, Portugal 65 : 14, Deutschland 63 : 19, Frankreich 53 : 23, Rumänien 42 : 24. In Italien steht die Sache mit 39 : 35 unentschieden.

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Kommentare ( 10 )

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Iso
7 Tage her

Ich kenne niemanden, der es geil findet, diese Preise zu bezahlen. Wozu man die Ukraine in der EU braucht, konnte mir auch niemand erklären. Aber meine Meinung zählt ja nicht, denn ich war von Anfang an dagegen, sich an einem fremden Krieg zu beteiligen und sich vor den Karren anderer Leute spannen zu lassen. Wäre ich an der Stelle von Scholz, würde ich noch heute mit den anderen Regierungschefs telefonieren und aus den Sanktionen/Waffenlieferung aussteigen. Das Hemd sitzt immer näher als der Rock.

Brauer
8 Tage her

Langsam schreitet die Block-Bildung voran … auf der einen Seite scheint sich also nun ein Block Russland-China-Indien zu entwickeln. Unschwer vorauszusehen wohin die asiatischen Peripherie-Länder tendieren werden. Und ob die arabische Welt guter Erinnerungen an die USA hat? Oder Südamerika? China hat in Afrika massiv investiert in den letzten 2 Jahrzehnten, während die EU und die USA den afrikanischen Kontinent als Problem betrachtet hat. Und ob sich Indonesien, Mikronesien und Co auch in Richtung USA orientieren? Viele viele Fragen. Wenns hart auf hart kommt, schaut es jedenfalls nicht wirklich gut aus. Für die USA und die EU. Und das vergessen… Mehr

EinBuerger
8 Tage her

Bei Staaten gilt das gleiche wie bei Immobilien: Lage, Lage, Lage.
Spanien und Italien dürften eher weniger Angst haben, von Russland erobert zu werden, die baltischen Staaten eher mehr.

Hannibal Murkle
8 Tage her
Antworten an  EinBuerger

Schon komisch, dass nicht mal Finnland trotz exponierter Lage besonders viel Angst hat? Die 6 Millionen Balten können doch nicht halbe Milliarde Westeuropäer steuern. Der Woke Propagandasender entdeckt plötzlich, dass Russland keinesfalls alleine auf der Welt ist: https://www.dw.com/de/ukraine-aktuell-putin-findet-neue-partner/a-62226511 Mit China und Indien sind zwei der drei Weltmächte dabei. Gestern las ich Prognosen für 2050 – Indien wird mit 1,7 Milliarden die meiste Bevölkerung haben und die indische Wirtschaft die USA vom zweiten Platz verdrängen – den ersten hat nach Kaufkraft China schon jetzt (27:23 Billionen). Spätestens dann ist der Westen abgemeldet – selbst wenn dieser sich mit der Woken Hysterie… Mehr

Last edited 8 Tage her by Hannibal Murkle
EinBuerger
8 Tage her
Antworten an  Hannibal Murkle

Folgendes fiel mir auch auf. Früher war in den Qualitätsmedien: Putin gegen die ganze Welt. Seit Neuesten bringen sie, dass das Embargo nur vom Westen mitgemacht wird. Nicht nur die Schurkenstaaten wie China machen nicht mit, nein die ganze Welt außerhalb des Westens macht nicht mit.
Ich schätze, die Kriegsbegeisterung im Westen lässt nach.

Hannibal Murkle
8 Tage her

„ In Finnland mit 26 PC und 25 JC wie Großbritannien mit 22 PC und 21 JC sind die zwei Lager gleich groß. Einzig allein in Polen ist das „Justice Camp“ mit 41 Prozent gegenüber 16 Prozent „Peace Camp“ in der Mehrheit“ Dass die Briten und die Finnen keinesfalls so kriegsgeil wie die britische Regierung sind, hat mich sogar überrascht. Damit stimmt nicht mal die Überschrift – bis auf Polen und vielleicht kleines Baltikum sind sich die Europäer weitgehend einig, das sie keinen ruinierenden Krieg wollen. Und dennoch geschieht etwas, was uns in tiefe Armut treibt, aber keinesfalls mehrheitlich gewollt… Mehr

Soeren Haeberle
8 Tage her

Wenn die Kluft zwischen dem Friedenslager und dem Justizlager über die Ukraine schlecht gehandhabt wird, könnte sie genauso schädlich sein wie die zwischen Gläubigern und Schuldnern während der Eurokrise.“

Zwecks „Narrativ-Management“: Mir fiele dazu Merkeils‘ Spruch aus der „Eurokrise“ ein: „Scheitert der EURO, scheitert Europa“, übersetzt: „Scheitert die Ukraine, scheitert die NATO.“

Meine Prognose: Sowohl Nato, als auch der komplette woke „Wertewesten“ samt deren Währungen sind „am Ende“.

Waldorf
8 Tage her
Antworten an  Soeren Haeberle

Wer schon über seine sexuelle Identität im unklaren ist, nicht mehr definieren kann, wer Mann und Frau ist, sich vor einem Virus im Grippekaliber zu Tode ängstigt und deshalb sein Land ruiniert und für den irgendwas mit Klima in 100 Jahren wichtiger ist, als seine eigene Bevölkerung/Mitmenschen jetzt heute und morgen, für den ist der Zug abgefahren, war Bildung, Aufklärung und Vernunft reine Zeitverschwendung. Wir haben jedes Augenmaß, jeden Anspruch auf Vernunft und Rationalität freiwillig aufgegeben, aus dem Fenster geworfen. Selbst jetzt, in einem bereits schwelenden globalen Wirtschaftskrieg schwafeln unsere Vortänzer noch was von Klimawandel und Transformation, Ausstieg aus xy… Mehr

Hannibal Murkle
8 Tage her

„ in Deutschland steht es sehr ähnlich: 49 PC, 19 JC“

Damit gibt es dreimal mehr Putin-Versteher als Selensky-Versteher – trotz all der Propaganda für die zweite Variante. Und immer noch wird zuwenig darüber geredet, wie wir möglichst asap aus der Kriegsnummer rauskommen – ob es Selensky und Melnyk wollen oder nicht.

Thorsten
8 Tage her
Antworten an  Hannibal Murkle

Ein Selensky-Versteher sollte sich schon mal auf einen Krimkrieg und Sarmat-2 Einsatz vorbereiten. Da hat schon die Wehrmacht geblutet. Nicht umsonst haben die Steiner-Filme auch das Thema immer im Mittelpunkt gehalten.