Die Schweiz plant das Ende der Corona-Maßnahmen

Der schweizerische Gesundheitsminister Alain Berset stand lange für eine harte Corona-Politik und war Lieblingsfeind der Protestbewegung. Jetzt vollführt er eine erstaunliche Kehrtwende und kündigt das schnelle Ende der Einschränkungen an.

IMAGO / Xinhua
Alain Berset, Gesundheitsminister der Schweiz

Nun also auch die Schweiz. Deutschlands Nachbarland im Süden plant das Ende aller Corona-Maßnahmen, wie das schon andere europäische Staaten, zum Beispiel Dänemark und Großbritannien tun. Der Bundesrat, die Schweizer Regierung, hebt ab morgen (Donnerstag) die Homeoffice-Pflicht und die Kontaktquarantäne aufDer schweizerische Gesundheitsminister Alain Berset hat in Aussicht gestellt, sämtliche Corona-Infektionsschutzmaßnahmen bereits Mitte Februar zu kippen. Das ist eine ziemlich plötzliche Kehrtwende, nachdem der Bundesrat erst im Januar die Regelungen verlängert hatte.

Berset stand monatelang im Zentrum der Kritik der Demonstrationsbewegung gegen die Corona-Maßnahmen, die in der Schweiz ähnlich wie in Deutschland und anderen Ländern gewachsen ist. In der sonst gemächlich-friedlichen Schweizer Innenpolitik hatte Berset sogar Rücktrittsforderungen aus dieser Bewegung auf sich gezogen – völlig unüblich in der Schweiz, wo politische Machtkonzentration wegen des Fehlens eines Regierungschefs ohnehin wenig ausgeprägt ist.

Vordergründig jedenfalls reagiert die Schweizer Bundesregierung auf die offensichtliche relative Harmlosigkeit der Omikron-Variante, die sich in allen Ländern, die sie überrollte, erwies. Die Inzidenzzahlen sind auch in der Schweiz sehr hoch. Aber sie haben dort, wo Karl Lauterbachs Kassandra-Rufe nicht gehört werden, ihren Schrecken eingebüßt. Die Situation in den Krankenhäusern sei „tragbar“, so Berset und die Immunität in der Bevölkerung mittlerweile hoch.

Kann man sich Worte wie die des schweizerischen Ministers („Eine endemische Phase scheint sich zu konkretisieren“ und „Wir sehen kein Risiko mehr, dass die Kliniken überlastet werden könnten“) von seinem deutschen Amtskollegen Karl Lauterbach überhaupt vorstellen?

Längst wird aber auch in Deutschland immer mehr Bürgern und politisch Verantwortlichen klar, dass das Ende der harten Maßnahmen bevorsteht. Die Corona-Lage und auch die Stimmung in der Öffentlichkeit hat sich verändert. Für Lauterbach und andere Corona-Politiker geht es erkennbar nun vor allem darum, diese Wende unter Wahrung des eigenen Gesichts zu absolvieren.

Unionsministerpräsidenten fällt das leichter. Markus Söder, der wohl zuverlässigste politische Wetterfrosch der Republik, hat die Wandlung schon vollzogen. Nun kommt auch Merkels einstiger Lieblingsschüler Daniel Günther in Schleswig-Holstein als Lockerer daher: Es habe sich gezeigt, dass die Omikron-Variante des Coronavirus nicht zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führe, sagte der CDU-Ministerpräsident. „Auch, wenn täglich von einer bundesweit steigenden Inzidenz berichtet wird, muss klar sein: Diese Daten haben eine andere Qualität als vor einem Jahr.“ Außerdem sei Schleswig-Holsteins Impfquote mit fast 90 Prozent sehr hoch. „All das führt dazu, dass wir uns auch in Schleswig-Holstein ein Stück weit in Richtung Normalität bewegen können.“ 2G gilt also im Einzelhandel künftig nicht mehr nördlich von Hamburg. Klar, die Schleswig-Holsteiner bekommen eben mit, dass in Dänemark das öffentliche Leben wieder fast normal stattfindet, ohne dass dies zu einer humanitären Katastrophe führt.

Ob die harten Kontaktbeschränkungen so segensreich waren, erscheint im Lichte neuerer Untersuchungen ohnehin zweifelhaft. Forscher der amerikanischen Johns-Hopkins-Universität in Baltimore haben in einer Meta-Studie die Wirksamkeit von Corona-Maßnahmen in Europa und den USA geprüft. Das Ergebnis: Während manche einfache Maßnahmen viele Tote verhindert haben, waren insbesondere die härtesten Eingriffe völlig wirkungslos.

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Kommentare ( 23 )

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fuchs85ch
7 Monate her

Als Schweizer in der Schweiz sage ich: Vorsicht ist gegeben… denn je nach Variante bleibt das Menschenverachtende 2G Zertifikat noch bestehen und soll erst später ganz verschwinden.
https://www.srf.ch/news/schweiz/aufhebung-der-coronamassnahmen-die-uebersicht-diese-lockerungen-hat-der-bundesrat-beschlossen
Dank Covid-Gesetz hat der Schweizer Bundesrat noch für 9 Jahre Sonderrechte und kann jederzeit wieder Lockdowns und Impfpässe einführen. Es könnte auch rein taktischer Rückzug sein um im Herbst dann vielleicht sogar mit einer Impfpflicht zu kommen.
Der Widerstand fängt gerade erst an. Wir müssen nun dafür sorgen, dass dies nie wieder passieren kann und alle Verbrecher vor Gericht stellen

oHenri
7 Monate her
Antworten an  fuchs85ch

Und ich als Schweizer in der Schweiz sage: Berset und das BAG (Bundesamt für gesundheit) haben die ganze Zeit eine schlechte Figur abgegeben, auch mit falschen Zahlen und vor allem mit komplett danebenliegenden, aber Panik ausstrahlenden Hochrechnungen. Ich sage: Weg damit und vor Gericht. Vor Gericht mit den Leuten im BAG, aufgrund deren Berechnungen es ein unnötigen Lockdown gab, vor Gericht aber auch mit den Regierungsräten und Bundesräten, welche sich in immre härteren Forderungen überschlugen. Dumm nur, dass in der Schweiz gerade letztens 65% für die COVID-Gesetze gestimmt haben – also werden alle meine Wünsche nicht in Erfüllung gehen. Mich… Mehr

puke_on_IM-ERIKA
7 Monate her

Warum soll Hochdeutsch sprechen irgendetwas mit Vernunft oder besserer Politik zu tun haben ? Das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun – großen Unsinn ohne Sinn und Verstand zu verzapfen klappt mit und ohne Sprachfärbung. Das hat nun wirklich jeder begriffen.
Und Karlis Kölner Kassandra-Singsang führt auch nicht vorwärts…..

Edwin
7 Monate her

Deshalb müssen die Spaziergänge auch nachdem das erste Nahziel, das Kippen aller Corona-Maßnahmen, erreicht ist, unvermindert weitergehen.

fuchs85ch
7 Monate her
Antworten an  Edwin

Nächster Schritt Rücktritt von Berset und vor Gericht stellen.
Unter anderem wegen „Schreckung der Bevölkerung“
https://www.swissrights.ch/gesetz/Artikel-258-StGB-2020-DE.php

Ohanse
7 Monate her

Am 08. Mai wird in Schleswig-Holstein ein neuer Landtag gewählt. Daniel Günther weiß, dass er sein Amt nur einem Homestory-Unfall seines Vorgängers Thorsten Albig verdankt. Jetzt noch länger an offensichtlich überzogenen und untauglichen Maßnahmen festzuhalten, würde aus der berechtigten Angst, sein Amt abgeben zu müssen, eine vorgezogene Gewißheit machen. Wenn es bis zu den Wahlen noch 24 Monate hin wären, würde der noch 20 Monate länger den Corona-Knüppel gegen die Menschen im Lande schwingen. Wenn der nach dem 08. Mai im Amt bleibt, verschärft er zuallererst wieder die Maßnahmen. Soweit denken die Wähler in S-H aber leider nicht.

Mausi
7 Monate her
Antworten an  Ohanse

Ah, danke. Liebe Wähler bitte daran denken, Wahlversprechen sind dazu da, den Wähler einzufangen. Sie sind nicht dazu da, gehalten zu werden. Auch Freiheit von Corona-Massnahmen sind nicht dazu da lange zu währen. Schaut Euch gut an, wen und welche Partei Ihr wählt.

Last edited 7 Monate her by Mausi
Hannibal Murkle
7 Monate her

Dafür begehrt Stiko bereits den vierten Pieks:

https://www.welt.de/politik/deutschland/article236653323/Corona-Impfkommission-arbeitet-an-Empfehlung-fuer-vierte-Impfung.html

Die berufen sich auf die Erfahrungen Israels – dort hat man aber mit der vierten Impfung versucht und festgestellt, dass es kaum was bringt. Als Ergebnis kamen Lockerungen – wie auch in der Schweiz und vielen anderen Ländern.

Apropos Schweiz – gestern sah ich eine TV-Reportage, laut der um 500 Alpinisten umkamen, als sie den Matterhorn besteigen wollten. Nach der Corona-Logik des Zwangsschutzes müsste es neben einer Impfpflicht einen Alpinismus-Verbot geben.

Mausi
7 Monate her
Antworten an  Hannibal Murkle

500 tote Matterhornbesteiger in welcher Zeit? Zahlen ohne echte Vergleichsmöglichkeit. Genau das macht auch das RKI. Wir übersehen es immer.

Last edited 7 Monate her by Mausi
oHenri
7 Monate her
Antworten an  Mausi

Matterhorn: Um die 10 Bergtote pro Jahr – stark schwankend.
Schweizweit um die 200-300 Bergote, dazu 100-200 Sporttote (Skifahren, Wandern, Gleitschirm, Bergwassersport usw).

StefanB
8 Monate her

Der Schweizer Sender BlickTV hat dazu Ländle-Bewohner (fortgeschrittenes Alter) befragt. Alle Befragten waren dagegen und wollten am liebsten eine einheitliche europäische Lösung. Sie wurden im Freien befragt und hatten eine Maske auf. Alles klar, wo das intellektuelle Elend zu Hause ist?

Kathy Lite
8 Monate her

Söder hat nur scheinbar eine Wandlung vollzogen. Er hat das Prinzip „hammer & dance“ voll verinnerlicht, und führt seine bayerischen Schafe perfekt an der Nase herum: Er winkt mit Lockerungen, die es dann aber bei ihm erst nach Einführung einer allgemeinen Impfpflicht gibt: „Weitere grundlegende Lockerungen müssten nach Ansicht des CSU-Chefs auch an die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht gebunden werden. „Mit der Einführung einer Impfpflicht muss auch ein Pfad beschrieben werden, welche Regeln dafür gestrichen werden können. Denn wenn diese Pflicht kommt, müssen andere Verordnungen fallen“, fordert Söder gegenüber bild.de.“ (Münchner Merkur, 02.02.22) Es hilft nichts, Söder wird nicht mehr… Mehr

Klaus Kabel
8 Monate her

Na warten wir mal ab, was in der Bananenrepublik passiert. Die Schweiz im Süden, Dänemark im Norden, das Verfassungsgericht in Österreich hat der Regierung nun die peinlichen Fragen zu Corona zukommen lassen, die bis zum 18.02. beantwortet sein müssen. Da werden Drosten, Wieler und Lauterbach die Lügen um die Ohren fliegen. Wenn nun nochmal die Restriktionen angezogen werden befindet sich das Regime im Endkampf.

Fulbert
8 Monate her

In den 1930er Jahren wurden Juden systematisch vom öffentlichen Leben ausgeschlossen, durften viele Restaurants, Cafes, Theater, Opern und Museen nicht mehr besuchen sowie am Vereinsleben nicht mehr teilnehmen. Das ist heute bei ungeimpften Bürgern natürlich nicht der Fall und jeder Vergleich daher ebenso abwegig wie niederträchtig.

Last edited 8 Monate her by Fulbert
Novillo
8 Monate her
Antworten an  Fulbert

Das alles von Ihnen Beschriebene darf ich als Ungeimpfter nicht mehr, wie damals den Juden widerfahren. Und systematisch ist das auch. Abwegig und ahnungslos ist Ihr letzter Satz, oder gar niederträchtig?

Andreas Bitz
7 Monate her
Antworten an  Fulbert

Danke, das ist eine verständliche Sprachregelung, die nicht als Verharmlosung des Nazi-Regimes oder gar als Antisemitismus unter Hass und Hetze fällt. Novello: Mal zwischen den Zeilen lesen.

GP
8 Monate her

SH grenzt an Dänemark und wenn dort der Handel wieder von den Corona-Fesseln befreit verkaufen kann wird sich eine Flut von Deutschen Einkaufstouristen nach Dänemark ergießen. Die Deutschen Geschäfte und Gastronomen in weiten teilen von SH würden schlicht pleite gehen. Also beugt man sich dem Faktischen und beginnt den Corona Irrsinn zu beenden. Traurig nur dass die Nachbaren den Deutschen mal wieder zu Hilfe kommen müssen, ohne den Druck aus DK würden die Geschäfte in SH weiter zu bleiben und die „Bestrafung“ der ungeimpften weiter fortgeführt werden. Willkommen im besten Deutschland aller Zeiten….

Ohanse
7 Monate her
Antworten an  GP

„In weiten Teilen“ eher nicht. Die einzige größere deutsche Stadt an der Grenze ist Flensburg. Die Linie, bis zu der deutliche Auswirkungen festzustellen wären, könnte vermutlich in Höhe der B199 gezogen werden.