Das ZDF macht Wahlkampf für die CDU

Eine Sonderumfrage mit dem Fokus: CDU und AfD mit 22 Prozent gleichauf. So etwas tut der Bundes-Sender nur, wenn das Kanzleramt das will. Die Botschaft ist auch unüberhörbar klar. Leute, lasst nicht zu, dass die AfD im Merkel-Land größer wird als die CDU.

Screenshot ZDF

Gestern schrieb ich hier „Politik mit Umfragen wird leicht Rohrkrepierer“, die Tinte war – bildlich gesprochen – noch nicht trocken, da präsentierte das ZDF eine brandneue Umfrage so knapp vor einer Landtagswahl.

„Für das ZDF hat die Forschungsgruppe Wahlen noch mal eine ganz aktuelle Umfrage gemacht, ein Politbarometer Extra, das uns seit einer halben Stunde vorliegt“, sagt Marietta Slomka, gedämpfter Trommelwirbel in den Augen. Warum, hat sie vorher mit der Signalwirkung der Wahlen in MeckPomm für die Bundespolitik begründet. Dann wird die bekannte Grafik oben eingeblendet. Slomka: „Wie gesagt, das ist nur eine Momentaufnahme, keine Prognose, da kann es am Sonntag noch deutliche Abweichungen geben“ … Was heißt hier „kann“, die ZDF-Botschaft ist „soll“. Das folgende Filmchen zeigt die CDU-Vositzende im Wahlkampf und auch ein paar Szenen AfD-Wahlkampf.

Ich drücke das mal maximal höflich aus: So etwas tut der Bundes-Sender nur, wenn das Kanzleramt das will. Die Botschaft ist auch unüberhörbar klar. Leute, lasst nicht zu, dass die AfD im Merkel-Land größer wird als die CDU. „Bloß nicht schwächer als die AfD“ titelte ZEIT online schon vor Tagen. Das ist Wahlkampf-Berichterstattung. Dieses „Politbarometer Extra“ ist direkter Wahlkampf.

Weniger höflich beurteilt: Merkel und Co. treibt die nackte Angst. Angst ist ein gutes Warnsystem, aber garantiert der falsche Ratgeber. Die Aktion Politbarometer Extra begleitet den Aufruf Merkels, doch bitte in großer Zahl, also größerer als sonst zur Wahl zu gehen. Beides zusammen wirkt entweder nicht oder pro AfD. Das ist für jeden, der mehrere Wahlkampagnen gemanagt oder auch „nur“ professionell verfolgt hat, so klar wie das Amen in der Kirche.

Abschreckung wirkt meist als Aufforderung
Politik mit Umfragen wird leicht Rohrkrepierer
Gestern behauptete ich, dass Ministerpräsident Sellering, SPD, mit seiner Distanzierung von Merkel und freundlichen Worten für potentielle AfD-Wähler keine Wähler für seine Partei gewinnen wird, sondern im Gegenteil noch Unentschiedenen erleichtern, bei der AfD ihr Kreuz zu machen.

Die entscheidenden Leute beim ZDF wie in Berlin sind überzeugt davon, dass dieses Politbarometer Extra als Flankierung der Merkel-Auftritte im Norden dafür sorgen, dass die CDU wenigstens ein bisschen vor der AfD im Ziel ankommt. Ich behaupte, entweder bewirkt die Sonderumfrage nichts oder sie erhöht das AfD-Ergebnis. Der wichtigste Grund ist so naheliegend, dass für mich einmal mehr belegt wird, die Mächtigen leben in einer Parallelwelt.

Noch nie in der Geschichte der Bonner und Berliner Republik reagierten so viele Bundesbürger so allergisch auf jede Art von Bevormundung. Wer das nicht sieht, hat die Kommunikation mit dem Souverän abgebrochen.

Mecklenburg-Vorpommern ist ein Land mit wenigen Einwohnern. Findet sich nach der Wahl ein tatsächlich unabhängiges Institut, kann es zu vergleichsweise überschaubaren Kosten herausfinden, was der ZDF-Wahlkampf für die CDU bewirkt hat. Das wäre ein verdienstvoller Beitrag zur politischen Bildung.

Übrigens: Noch ein paar blinde Aktionen der SPD – und die Ziffer 28 Prozent für sie  rutscht auch runter.

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