CDU kann angeblich festlegen, wie viele Stimmen die AfD bekommt

Die Cicero-Verschwörungstheoretiker unterstellen, die CDU könne einfach bestimmen, wie viele Wähler am 13. März für die AfD stimmen.

Nach allem, was man hört und liest, sind die Verschwörungstheoretiker eigentlich bei der rechtspopulistischen AfD zu Hause. Doch man lernt nie aus. Jetzt ist auch „cicero.de“ einer Art Verschwörung auf die Spur gekommen. Es geht um die kommenden Landtagswahlen. Wie die CDU dabei punkten will, hat der Blog jetzt (29.12.) enthüllt: „Sie will Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz notfalls mit indirekter Hilfe der AfD zurückerobern.“ Das nennt „cicero.de“ empört „einen perfiden Plan.“

Wie die CDU das wohl macht? Richtig ist, dass die Rechtspopulisten dort gute Chancen haben, in die Landtage einzuziehen, ihrer eigenen Lust an der Selbstzerfleischung zum Trotz. Sollte das gelingen, dann gibt es angesichts der für Grün-Rot beziehungsweise Rot-Grün vorhergesagten Verluste keine Chance mehr zum Weiterregieren. Ja, das könnte so kommen.

Nur, was hat die CDU damit zu tun? Die Cicero-Verschwörungstheoretiker unterstellen wohl, die CDU könne einfach bestimmen, wie viele Wähler am 13. März für die AfD stimmen. Oder anders ausgedrückt: Der „perfide Plan“ sieht vor, die AfD über die 5-Prozent-Hürde zu heben. Wie man so etwas macht? Dieses Geheimnis selektiver Wahlergebnis-Feinjustierung erfährt der Cicero-Leser nicht. Schade eigentlich.

Immerhin steht Cicero mit dieser kruden Einschätzung nicht ganz allein. Der für seine besonders anspruchsvollen Analysen bekannte SPD-Linke Ralf Stegner hat dieser Tage auch verkündet, „die Union setzt darauf, dass die AFD (…) in die Parlamente kommt.“ Aber wie macht man das? Bei einem Wettbüro auf „5 Prozent plus“ für die AfD zu setzen, reicht da wohl nicht. Ob die christlichen Demokraten vielleicht heimlich für einen AfD-Erfolg beten? Dem Genossen Stegner wäre zuzutrauen, dass er das glaubt.

Wie auch immer: In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz erwartet uns am 13. März ein wahres Wahlwunder: Eine Partei legt erstmals das Wahlergebnis fest – nach einem „perfiden Plan“, aber im eigenen Interesse. Fragt sich nur, warum die CDU sich keinen Plan für eine eigene absolute Mehrheit ausgedacht hat? Wäre doch viel einfacher.

Aber nehmen wir die Cicero-These und Stegner-Vermutung von der Planbarkeit von Wahlergebnissen zum Nennwert. Dann könnte man der SPD unterstellen, sie habe bei der letzten Bundestagswahl ebenfalls einen perfiden Plan umgesetzt – nämlich die FDP mit Hilfe der AfD so zu schwächen, dass die CDU/CSU eine Große Koalition eingehen muss und die SPD-Linke immer mit der numerischen rot-rot-grünen Bundestagsmehrheit drohen kann. So hätte dann die SPD sich mit Hilfe der AfD trotz mickriger 25,7 Prozent zur Regierungspartei befördert. Zu weit hergeholt? Nun ja, „perfide Pläne“ haben das so an sich.

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