Bundesregierung will noch weitere F-35-Jets kaufen

Während an vielen Stellen im Bundeshaushalt gekürzt und gestrichen wird, mehren sich die Zeichen für einen weiteren Rüstungsdeal: Berlin erwägt offenbar den Kauf von 35 zusätzlichen Kampfjets des Typs F-35 Lightning II vom US-Rüstungskonzern Lockheed Martin – das würde acht Milliarden Euro Steuergeld kosten.

picture alliance / ANP | Robin van Lonkhuijsen
Symbolbild

Bereits 2022 hatte Deutschland 35 Maschinen bestellt – zum Stückpreis 237 Millionen Euro mit Wartungs-, Infrastruktur- und Ausbildungskosten. Offiziell bestätigt ist der mögliche Nachkauf noch nicht. Doch mehrere mit den Vorgängen vertraute Personen sprechen laut Reuters von konkreten Überlegungen. Hinter den Kulissen geht es um weit mehr als nur eine Ergänzungsbeschaffung: Es geht um die strategische Ausrichtung der deutschen und europäischen Rüstungspolitik.

Deutsch-französisches Jet-Projekt vor dem Aus

Der neue Schub für US-Jets fällt in eine Phase, in der das deutsch-französische Zukunftsprojekt Future Combat Air System (FCAS) massiv ins Wanken geraten ist. Das milliardenschwere Vorhaben sollte Europas Antwort auf amerikanische und chinesische Rüstungstechnologie sein, also ein Symbol für strategische Autonomie und industrielle Souveränität. Doch Differenzen zwischen Airbus und Dassault Aviation über Führungsansprüche und Zuständigkeiten blockieren das Projekt.

Statt einer gemeinsamen europäischen Lösung rückt nun erneut US-Technologie in den Vordergrund. Es ist ein politisches Signal: Wenn Deutschland weitere F-35 beschafft, könnte das faktisch das Ende eines eigenständigen europäischen Kampfflugzeugs besiegeln.

Milliarden für Rüstung – trotz knapper Kassen

Die Frage ist nicht nur strategisch, sondern auch haushaltspolitisch brisant. Ein einzelner F-35-Jet kostet 237 Millionen Euro in der Anschaffung. Bei 35 zusätzlichen Maschinen läge allein der Kaufpreis bei acht Milliarden Euro. Hinzu kommen langfristige Betriebskosten, Ersatzteile, Modernisierungen und die Einbindung in NATO-Strukturen. Experten gehen davon aus, dass sich die Lebenszykluskosten pro Flugzeug über Jahrzehnte hinweg auf ein Vielfaches des Anschaffungspreises summieren können.

Gleichzeitig stehen deutsche Kommunen unter Spardruck, Schulen kämpfen mit Investitionsstaus, und für die soziale Infrastruktur steigen die Belastungen. Die politische Prioritätensetzung könnte somit für Kritik sorgen.

Druck aus Washington und die NATO-Debatte

Der Kontext ist klar: Die USA drängen ihre europäischen Partner seit Jahren, mehr Geld in Verteidigung zu investieren und das Zwei-Prozent-Ziel der NATO zu erfüllen. Deutschland hat nach dem russischen Angriff auf die Ukraine ein Sondervermögen von 100 Milliarden Euro aufgelegt. Doch dieses Geld ist schneller gebunden als ursprünglich gedacht.

Die F-35 soll in der Bundeswehr den betagten Panavia Tornado ersetzen, insbesondere in der sogenannten nuklearen Teilhabe. Im Ernstfall würde sie US-Atomwaffen transportieren. Damit verknüpft sich die Beschaffung unmittelbar mit der NATO-Strategie und mit einer sicherheitspolitischen Logik, die weiterhin stark auf Abschreckung durch Hochrüstung setzt.

Bundeskanzler Friedrich Merz stellte jüngst öffentlich die Frage, ob in 20 Jahren überhaupt noch bemannte Kampfflugzeuge gebraucht würden – angesichts rasanter Entwicklungen bei Drohnen und KI-gestützten Systemen. Auch Verteidigungsminister Boris Pistorius äußerte Zweifel am stockenden FCAS-Projekt, betonte jedoch, es handle sich nicht um ein politisches Zerwürfnis mit Frankreich, sondern um industriepolitische Konflikte.

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Kommentare ( 19 )

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thinkSelf
1 Monat her

8 Milliarden? Das macht gerade mal 95€ pro Bewohner. Nicht mal eine Rundungsgröße.

MeHere
1 Monat her

Frage: wird Provision gezahlt ? Etwa an SPD und andere Hofschranzen ? Schaltet LM dann Inserate in SPD Käseblättern ? Wann endet dieses Elend ?

Privat
1 Monat her

Ich sehe in diesen fliegenden Särgen nur Piloten, die zu einem Selbstmordkommando gehören.
Endlose Verschwendung von Steuergeld auf Kosten der dummen Bürger.

MalerKoeln2
1 Monat her

Die Inkompetenz von PISTORIUS kann an seiner Aussage erkannt werden. Es geht NICHT um „Industriepolitische Differenzen“, sondern an militärtechnisch-operativen Differenzen.
Die Franzosen wollen lieber ein kleineres Flugzeug, welches auch von ihren Trägern aus einsetzbar ist. Deutschland will mehr Größe und mehr Reichweite.
Zudem haben die Franzosen einen Dominanzwillen, der schlecht aufstößt.
Selbige Probleme gab es schon bei EFA, mit dem Ausstieg der Franzosen als Resultat.
Folglich wäre ein Zusammengehen mit Japan, Italien und GB die sinnvolle Lösung. Also quasi ein EFA 2.0.

giesemann
1 Monat her

Was ist das – 8 Mill. – gegen die 100 Milliarden Invasionskosten* – pro Jahr! Peanuts.
Was Kosten die Migranten im Jahr?
Bund und Länder teilen sich die Kosten der Migration
Im Jahr 2022 lagen diese Kosten bei 42 Milliarden. Das entspricht fast den Ausgaben für Verteidigung im gleichen Jahr von etwa 52 Milliarden. Die Kosten teilen sich der Bund mit 28,6 Milliarden Euro und die Länder mit 19,6 Mrd. Euro.
*Laut Kubicki, mal so dahingesagt. Die Wahrheit bleibt im Dunkeln. 

MalerKoeln2
1 Monat her
Antworten an  giesemann

Die meisten Deutschen kennen den Unterschied von Million und Milliarde nicht. Auch die Politschauspieler.

fischer
1 Monat her

das GlobalCombatAir Programm (Italien, Großbritannien, Japan) läuft weiter, Saab entwickelt eingenständig. Europa ist mehr als D/F, Deutschland muß sich nicht ständig von Frankreich über den Tisch ziehen lassen !

MalerKoeln2
1 Monat her
Antworten an  fischer

Grundsätzlich ja, ein Abbruch ist aber immer erstmal ein Problem. Sollte man nicht leichtfertig tun, sondern versuchen die Beziehung zu reparieren.

Haba Orwell
1 Monat her

> Bundeskanzler Friedrich Merz stellte jüngst öffentlich die Frage, ob in 20 Jahren überhaupt noch bemannte Kampfflugzeuge gebraucht würden – angesichts rasanter Entwicklungen bei Drohnen und KI-gestützten Systemen. Auf jeden Fall sind die mega-teuren F35 schon jetzt nicht unsichtbar – kürzlich habe ich gelesen, dass die Chinesen in Iran Radarsysteme installiert haben, welche die F35 700 Kilometer weit erkennen können: „Wie „Stealth“ sind Tarnkappen-Jets der USA noch gegenüber chinesischem Radar und russischer S-400 Luftabwehr im Iran?“ > „… Das integrierte Netzwerk versorgt die militärischen Kommandeure mit einem vollständigen Echtzeit-Livebild und Zieldetails für Raketen und Abfangsysteme, wodurch die Probleme des Iran… Mehr

MalerKoeln2
1 Monat her
Antworten an  Haba Orwell

Kürzlich haben F35 Iran und Venezuela ohne irgendwelche Verluste erfolgreich bombardiert. Die mythischen russischen Abwehrsysteme waren hilflos.

Greif
1 Monat her
Antworten an  MalerKoeln2

Das Problem der Tarnkappentechnik liegt darin, nur in spezifisch engen physikalischen Grenzen wirksam zu sein; meist in denen, die die eigene Aufklärung als wesentlich erkannt hat. Den genannten Ländern kann unterstellt werden, dass ihre Militärtechnik genau dem Standard entspricht, wie er in den gegenwärtig fliegenden Waffenplattformen konstruktiv umgesetzt ist.
Insofern lässt sich die behauptete geringe Verlustquote erklären.
In Bezug auf anspruchsvollere Gegner birgt diese Technik allerdings das Problem, auf Maßnahmen zu treffen, die ihrer Tarnkappe Löcher verursacht.

MalerKoeln2
1 Monat her
Antworten an  Greif

Die Amerikaner sind im Bereich elektronischer und kybernetischer Kampf schlicht die Nr1.

Russen und Chinese haben eine dicke Lippe und Technik auf Sowjet-Niveau.

Das ist die harte Wahrheit, welche RT-Konsumenten nicht wahrhaben wollen.

A-Tom
1 Monat her

Sind CDU-Politiker einfach nur doof? Dass Frankreich seine Flugzeuge auch für den Einsatz auf See konzipiert, weiß man seit den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Bereits beim Projekt Taktisches Kampfflugzeug 90 (TKF-90, später Jäger 90) bestand Frankreich auf eine leichte, seegestützte Version eines Kampfflugzeuges, um ihre älteren Super Étendard Modelle zu ersetzen. Und natürlich ist Dassault die Firma, die eigenständig ihre Flugzeugmodelle entwickeln und bauen kann. Alle strahlgetriebenen Kampfflugzeuge Frankreichs wurden von Dassault und ausschließlich mit franz. Triebwerken gebaut.Dt. hingegen hat seine Flugzeuge in Kooperationen entwickelt und gebaut, bei der Transall und dem Alphajet noch zusammen mit Frankreich und den… Mehr

Dundee
1 Monat her

Die F-35 sind Schrott und waren schon immer Schrott. Der Kauf ist schlichte Basis für Korruptionsgeschäfte.

Die Amerikaner wie auch die Russen, die Franzosen oder die Briten verkaufen keine tauglichen Waffen an Deutschland. Denn schließlich sind die Alliierten immer noch im Krieg mit Deutschland. Es gibt nur Waffenstillstandsverträge (Zwei-plus-Vier-Vertrag) keine Friedensverträge.

Deutschland darf ausgeraubt und über den Tisch gezogen werden – aber nicht bewaffnet sein oder werden. Genau darum ist die Bundeswehr in dem Zustand in dem sie ist.

Last edited 1 Monat her by Dundee
RauerMan
1 Monat her
Antworten an  Dundee

Daß die F 35 „Schrott“ sind, ist eine steile Feststellung und widerspricht den Käufen anderer Staaten als D.
Die BW war in den achtziger Jahren die anerkannt stärkste konventionelle Armee in Westeuropa.
Damals waren die ehemaligen „Siegermächte“ wie F oder GB letztlich bereit D wirklich zu bewaffnen, weil sie es sich selbst nicht allein zutrauten, gegen den Warschauer Pakt anzutreten. Außerdem nahmen sie an, daß sich eine kriegerische Auseinandersetzung auf dt. Boden beschränken ließe.
Jetzt sind sich alle westeuropäischen Staaten, einschlielich Polen, sicher, daß ohne D gar nichts geht.

Wolfbert
1 Monat her

Gute Idee, auf Flugzeuge zu setzen, die aus den USA per Knopfdruck inaktiv gemacht werden können.

MalerKoeln2
1 Monat her
Antworten an  Wolfbert

Solange die Europäer ihren kindischen Pazifismus pflegen und kleine Kinder sind, spielt das alles keine Rolle. Nichtmal die Houthis kann die EU zur Vernunft bringen.