Der Staat lasse die Finger von der Bahn: 156,1 Millionen Euro Entschädigungen an Kunden

Das Ergebnis der Bahn-Tochter DB Fernverkehr hat 2025 die Gesamtbilanz des Konzerns runtergezogen. Die Bahn musste wegen ihrer extremen Unpünktlichkeit Entschädigungen in Höhe von 156,1 Millionen Euro an Kunden leisten. Zum 1. März soll die geplante Arbeitszeit des fahrenden Personals aufgrund der vielen Verspätungen um rund eine halbe Stunde reduziert werden.

picture alliance / Maximilian Koch | Maximilian Koch

2025 musste die Deutsche Bahn (DB) wegen ihrer extremen Unpünktlichkeit im Fernverkehr 156,1 Millionen Euro an Entschädigungen an Kunden leisten. Sagte Fernverkehrsvorstand Peterson der SZ. Medienberichten nach hat das Ergebnis der Bahn-Tochter DB Fernverkehr auch im vergangenen Jahr die Gesamtbilanz des Konzerns runtergezogen. Die Sparte könne ihr „volles Umsatzpotenzial aktuell nicht heben“, sagte Vorstand Peterson der SZ. „Die vielen Baustellen und Störungen sind für uns sehr herausfordernd. Eine mehrwöchige Sperrung bedeutet für uns nicht selten Umsatzeinbrüche im ein- oder sogar zweistelligen Millionenbereich.“

Der DB Fernverkehr kostete fast 300 Millionen Euro mehr für Trassenpreise habe zahlen müssen, die zugesagte Trassenpreisförderung sei nur zur Hälfte gekommen. Trotzdem sei gelungen, das Ergebnis vor Steuern und Zinsen im letzten Jahr um mehr als 100 Millionen Euro zu verbessern. Probleme macht die Auslastung der Fernzüge vor allem auf Strecken, wo ICs parallel zu Regionalzügen fahren. „Grund dafür ist das Deutschlandticket. Das hat uns 15 Millionen Fahrgäste aus den Zügen gezogen“, sagte Peterson. 2025 habe die Auslastung der Fernzüge im Schnitt bei 48 Prozent gelegen – vor Corona bei 56 Prozent.

Die Sache besser machen wird sicher nicht, wenn die Bahn-Tochter DB Fernverkehr zum 1. März die geplante Arbeitszeit des fahrenden Personals aufgrund der vielen Verspätungen um rund eine halbe Stunde reduziert hat. Bei besonders störanfälligen Zügen wird jetzt außerdem eine halbe Stunde mehr Puffer für Personalübergänge von einem ICE auf den anderen eingeplant, insgesamt sind damit nun bis zu 90 Minuten Pufferzeit möglich. Beides soll Zugbegleiter, Lokführer und Gastronomie-Mitarbeiter entlasten, die aufgrund der vielen Verspätungen immer häufiger mit zusammenbrechenden Schichtplänen zu kämpfen haben. „Wir alle nehmen die Situation unserer Mitarbeiter sehr ernst“, sagte Peterson. „Wir steuern gegen, wo wir können.“

Die Zahl der Fahrgäste ohne gültiges Ticket in DB-Fernverkehrszügen ist in den vergangenen Jahren angestiegen. Das geht aus Antworten des Justizministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linken hervor (RP). Demnach wurden im Fernverkehr 2024 mehr als 268.000 Personen ohne gültiges Ticket ertappt. 2023 hatten rund 264.000 Menschen keinen Fahrschein, 2022 reisten knapp 214.000 ohne gültiges Ticket. Nur ein Bruchteil der Betroffenen konnte nachträglich einen Fahrschein vorlegen.

Zugleich sind auch die Anzeigen gegen Fahrgäste ohne gültiges Ticket deutlich angestiegen. So kam es im DB-Fernverkehr im Jahr 2024 zu 18.010 Anzeigen wegen des Erschleichens von Leistungen (§ 265a StGB). 2023 gab es 17.125 Anzeigen, 2022 wurden 12.648 Anzeigen registriert.

Zahlen für den öffentlichen Personennahverkehr liegen der Bundesregierung nach eigenen Angaben nicht vor. Allerdings wurden in Deutschland 2024 insgesamt mehr als 140.000 Fälle von sogenannter Beförderungserschleichung registriert – mehr als im Jahr 2022 (knapp 132.000), aber etwas weniger als 2023 (gut 144.000).

Das Rezept des rechtspolitischen Sprechers der Linken, MdB Hoß: „Statt Armut weiter zu bestrafen, muss die Bundesregierung dringend die Verfolgung von Bagatellen und die Ersatzfreiheitsstrafe abschaffen.“ – Warum so kompliziert? Freifahrt für alle, spart Kontrolleure, Konflikte und macht Züge zu No-go-Zonen.

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Kommentare ( 3 )

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yeager
45 Minuten her

Toller Vorschlag der Grünen. Da fühlt man sich gleich nochmal viel sicherer, wenn genau den Leuten Freifahrtscheine ausgestellt werden die eh schon nichts auf Recht und Gesetz geben. Als zahlender Kunde kommt man sich da auch so richtig schön verschaukelt vor, sozusagen als Bonus.

alter weisser Mann
45 Minuten her

„Der Staat lasse die Finger von der Bahn“
Was soll denn das nun? Wem gehört die Bahn längst?

Heptamer
1 Stunde her

Der Genosse Hoß hat das kommunistische System nicht verstanden. Eine DDR 2.0 setzt Kontrollen durch die Organe geradezu voraus. Ansonsten nehmen subversive Elemente, Klassenfeinde und Spione aus dem Ausland (!) den real existierenden Sozialismus nicht ernst. Und die schöne Zeit des Zentralkomitees an den prall gefüllten Trögen, die der Steuerzahler wie ein Füllhorn brav nach Plan auffüllt, vorbei.