156 Flaschen Bier und „simply facts“ am EU-Gipfel

"Wenn alle Europäer nur auf ein Bier verzichten" könne die Ukraine-Hilfe von 70 Milliarden Euro locker finanziert werden, rechnete Lettlands Ministerpräsident Andris Kulbergs beim EU-Gipfel den Journalisten vor - die das gerne so verbreiteten. Nur: Es stimmt einfach nicht.

Wolodymyr Selenskyj und Ursula von der Leyen in Brüssel. IMAGO / Anadolu Agency
Wolodymyr Selenskyj und Ursula von der Leyen in Brüssel.

Der flotte Spruch des lettischen Ministerpräsidenten wurde auch groß von der BILD gebracht, verniedlicht doch der Politiker-Sager die längst in ganz Europa unpopulären Kosten für die Ukraine-Hilfe auf ein unangenehmes, aber doch schaffbares Opfer: „Die Europäer sollen ein Bier weniger trinken“ – damit wäre die nächste Milliardenhilfe für Kiew schon zu finanzieren.

Aber: Selbst wenn alle 450 Millionen Europäer inklusive aller Anti-Alkoholiker, Babys, aller 100-jährigen Palliativpatienten auf eine etwa ein Euro teure 0,5-Liter-Flasche Krombacher verzichten, könnte das bloß den Gegenwert von 450 Millionen Euro darstellen. Dafür, dass dieser Vergleich von Andris Kulberg halbwegs passen würde, fehlen 69,55 Milliarden Euro.

Lettlands Ministerpräsident hätte korrekterweise kommunizieren müssen, dass jeder Europäer auf 156 Flaschen Krombacher (oder eine ähnliche Biermarke) verzichten müsste, also auf 78 Liter Bier in einem Jahr. Das ist dann schon eine ganz ordentliche Menge. In manchen Regionen Europas dürfte damit der Bier-Vergleich mit den tatsächlich korrekten Zahlen nicht wirklich gut ankommen: Ein typischer Wiener wäre sicher ziemlich echauffiert, wenn ihm der Lette für ein Zusammenkratzen der Ukraine-Hilfsgelder den Bierkonsum von zwei ganzen Monaten streichen will.

Selenskyj erklärt „simply facts“

Aber das war nur eine der irritierenden Wortmeldungen beim EU-Gipfel zur Beratung über die weitere finanzielle Unterstützung der Ukraine. So hat auch Präsident Wolodymyr Selenskyj mit seinem Statement für etwas harte Reaktion auf Social-Media-Kanälen gesorgt. Selenskyj sagte wörtlich in Brüssel: „Der Krieg wird nächstes Jahr 155 Milliarden Euro kosten. Und wir brauchen mindestens 70 Milliarden Euro mehr von Ihnen – für die Verteidigung, für Waffen und für unsere Widerstandsfähigkeit. Dies ist ein realistischer Betrag. Und ich bitte Sie, diese Unterstützung zu finden. Sie wird uns helfen, Russland zurückzuhalten. Es gibt dazu einige sehr einfache Fakten: Wir stoppen die meisten russischen Angriffe an der Frontlinie dank Drohnen. (…) Aber wir haben einfach nicht genug Geld dafür.“

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Was Deutschland für die Ukraine leistet: 102 Milliarden Euro bisher
Diese Stelle mit den „simply facts“ kam bei vielen Social-Media-Usern gar nicht gut an: Die doch durchklingende Überheblichkeit, dass die Gründe für diese erneute Milliarden-Forderung doch gar nicht so schwer zu begreifen seien, sorgte für viel Kritik an Wolodymyr Selenskyj.

Bekanntlich hat die Europäische Union der Ukraine erst im vergangenen Dezember einen Kredit über 90 Milliarden Euro zugesagt – und nun zeichnet sich also bereits der nächste gewaltige Finanzbedarf ab.

Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) drängte deshalb in Brüssel auf zusätzliche Unterstützung. „Wir werden hier noch einmal die Mittel aufstocken müssen, um der Ukraine wirklich dauerhaft zu helfen“, sagte Friedrich Merz kurz vor dem Treffen mit Präsident Wolodymyr Selenskyj. Nach Angaben des ukrainischen Finanzministeriums fehlen 2027 allein im regulären Staatshaushalt 29 Milliarden Euro. Weitere 40 Milliarden Euro werden für die Verteidigung benötigt.

Österreichs Kanzler will die Zahlen prüfen

Österreichs Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP), der aktuell unter extremen Druck der Rechts-Partei FPÖ steht und eine Umfrage-Katastrophe nach der anderen hinnehmen muss, verlangt zunächst eine nachvollziehbare Erklärung der Milliardenlücke. „Es schwirren so viele Zahlen herum, dass man jetzt einmal die einordnen muss“, kritisierte Stocker. Er zeigte sich überrascht, dass trotz der bereits zugesagten 90 EU-Milliarden erneut ein derart hoher Fehlbetrag gemeldet wird.

Auch die EU-Kommission überprüft derzeit die ukrainischen Berechnungen. Unterdessen brachte Estlands Ministerpräsident Kristen Michal gegenüber Reuters einen weiteren europäischen Milliardenkredit ins Gespräch. Die Diskussion wird ziemlich sicher eine Einigung der EU-Regierungschefs auf eine Fortsetzung der Unterstützung der Ukraine bringen – vermutlich wird diese aber ziemlich teuer sein.

Aber wie schon Lettlands Ministerpräsident meinte: Dass die Ukraine im kommenden Jahr den Krieg weiter fortsetzen kann, das sollte doch jedem der 450 Millionen Europäer etwas Bier wert sein. Korrekterweise fast acht Kästen Bier …

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Kommentare ( 4 )

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4 Comments
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Thomas
49 Minuten her

Macht Sinn.
Die Energiewende hat jeden Deutschen schliesslich auch nur eine Kugel Eis gekostet.

Leroy
50 Minuten her

Wenn 6 Oligarchen ihre Jachten verkaufen, dann kann der korrupte Selenski noch 5 Jahre Krieg spielen.

Johny
50 Minuten her

Der ewige Zahlmeister. Wer das Leben noch vor sich und nicht mehr gemolken werden will, kann das ausblutende Kalkutta nur verlassen.

Last edited 49 Minuten her by Johny
R.Baehr
51 Minuten her

soso, 70 Milliarden nur für den Anfang, naja, geht ja noch. Und das die Russenhasser Kulbergs und Kallas gerne noch viel möchten für die Ukraine und das Deutschland vor allem und der Westen insgesamt das bezahlen sollen bis zum eigenen Untergang, versteht sich in deren Augen von selbst. Wie kann man nur solche Sch….staaten in die EU aufnehmen, daran kann nur der Brüsseler Größenwahn Schuld sein. Keinen Cent mehr für diesen Schurkenstaat Ukraine es reicht und zwar schon lange. Ausser dieser Komiker verschwindet endlich und für immer, dann könnte man mit einer neuen ukrainischen Führung viell. noch einmal reden wenn… Mehr