100 Jahre Schlacht von Warschau: „Der Weg zum Weltbrand“

Heute vor 100 Jahren begann die Schlacht um Warschau. Das „Wunder an der Weichsel“ stoppte den Vormarsch der Roten Armee nach Mitteleuropa. Die polnischen Truppen retteten indirekt auch Deutschland. Dort ist die historische Wende heute fast vergessen.

Der Geschützdonner drang bis in die Vororte von Warschau. Am 13. August 1920 traten Truppen der 16. Armee der Sowjetrussen zum Angriff auf den polnischen Brückenkopf östlich der Weichsel an, sie eroberten die Kleinstadt Radzymin, nur 23 Kilometer nordöstlich von Warschau; drei weitere Armeen und ein Kavalleriekorps stießen im Norden vor, um die Hauptstadt einzukreisen. Am 10. August erst hatte die Streitmacht von mehr als 100.000 Mann den Bug überquert. Jetzt schien es nur eine Frage von achtundvierzig Stunden, bis sie ins Zentrum der polnischen Hauptstadt einrücken konnte. Fast alle Diplomaten flohen spätestens an diesem 13. August aus ihren Botschaften. Es blieben nur der britische Botschafter, der Gesandte des Vatikans und die kleine französische Militärmission unter Leitung des Generals Maxime Weygand. Der sowjetische Oberbefehlshaber Michail Nikolajewitsch Tuchatschewski hatte die polnischen Truppen monatelang vor sich hergetrieben, Kiew und Minsk von ihnen zurückerobert. Jetzt sah er sich vor dem größten Erfolg seiner Laufbahn. Fünf Armeen standen ihm zur Verfügung, darunter die gefürchtete Reiterarmee von Marschall Semjon Budjonny. Politisch stand der Feldzug unter Aufsicht eines Kaders, der für seine Durchsetzungsfähigkeit bekannt war: Josef Stalin.

Der polnische Armeechef Józef Piłsudski hatte Weygand am 9. August angeboten, sich das Kommando mit ihm zu teilen. Der General lehnte ab. „Truppen zu kommandieren, die so hastig zusammengestellt wurden wie unsere“, gab Piłsudski das Gespräch mit seinem französischen Partner später wieder, „ohne deren Sichtweise und Führungsmethoden zu kennen, das wäre zu schwierig für ihn und faktisch unmöglich.“ Der polnische Marschall machte sich keine Illusionen über den Zustand seiner Truppe. In seinen Erinnerungen beschrieb er, was er sah, als er jede Einheit seiner 4. Armee besuchte, überwiegend frisch ausgehobene Rekruten: „In der 21. Division traten fast die Hälfte der Soldaten barfuß zum Appell an.“ Sie trugen ein Sammelsurium an Gewehren, das französische Lebel, das österreichische Mannlicher, russische Berdan-Gewehre und deutsche Mauser. Seine Soldaten brachte er vor allem mit einer Botschaft dazu, in den Kampf zu gehen, der Mahnung, dass der eben erst wiedergegründete Staat Polen jetzt nur in ihren Händen lag.
Weygand beschwor Piłsudski, sich in Verteidigungsstellungen einzugraben. Dann könnte es vielleicht so etwas geben wie das Wunder an der Marne 1914, als das französische Heer den deutschen Vorstoß auf Paris zum Stehen brachte.

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Der polnische Befehlshaber tat etwas anderes. Er führte seine ärmlich ausgerüsteten Divisionen in einen Großangriff. Seine Offensive endete am 24. August mit der völligen Niederlage Tuchatschewskis. Gut 66.000 sowjetische Soldaten gingen in Gefangenschaft, 4.000 fielen oder wurden verwundet, die polnischen Truppen erbeuteten mehr als 200 Geschütze und 10.000 Fahrzeuge. Bei ihrem Gegenangriff verlor Piłsudskis Streitmacht nur 238 Offiziere, 4.124 Mann und etwa 26.000 Verwundete. Das Cud nad Wisłą, das Wunder an der Weichsel gehört zu den Mirakeln der Kriegsgeschichte. Selten verwandelte ein Oberbefehlshaber eine auf den ersten Blick aussichtslose Lage binnen weniger Tage in einen so gründlichen Triumph. Und selten riskierte jemand so viel.

Über die Bedeutung des Dramas, das sich 1920 vor Warschau abspielte, waren sich alle Mitspieler im Klaren. Es ging nicht nur um Warschau und Polen. In seinem Tagesbefehl vom 2. Juli 1920 machte Tuchatschewski – ein hochtalentierter Militär mit einer glänzenden Laufbahn unter dem Zaren und ein erklärter Verehrer Napoleons – seinen Soldaten deutlich, dass sie gerade Weltgeschichte schrieben.
„Die Truppen, die unter der roten Fahne angetreten sind, stehen nun bereit, bis zum Tod der Streitkräfte des weißen Adlers zu kämpfen, die Schmach von Kiew zu rächen und die kriminelle Piłsudski-Regierung im Blut der ausgelöschten polnischen Armee zu ertränken. Das Schicksal der Weltrevolution wird sich an der westlichen Front entscheiden. Der Weg zum Weltbrand führt über die Leiche Polens.“

Über die Leiche Polens – das hieß: nach Mitteleuropa. Nach Deutschland. Die Idee von Wladimir Iljitsch Lenin zur Sicherung des ersten kommunistischen Staates war ebenso einfach wie einleuchtend: Sowjetrussland durfte nicht isoliert bleiben, sondern musste sein Modell in andere europäische Länder tragen, und zwar mit Gewalt. a. Ein Schutzwall von neuen Sowjetrepubliken – in Polen, Österreich, vor allem aber in Deutschland – würde die Revolution unangreifbar machen. Und dafür, das hatte Lenin hellsichtig erkannt, bot sich 1920 eine Chance, die ein Weltveränderer wie er nicht verpassen durfte.

Nach dem Vertrag von Versailles, in Kraft getreten im Januar 1920, durfte das Deutsche Reich nur noch eine schwache und kaum selbstverteidigungsfähige Armee unterhalten. Die so genannte Übergangsreichswehr verfügte im August 1920 weniger als 200.000 und etwas mehr als 150.000 Mann, sie befand sich gerade auf dem Weg zu ihrer vertraglichen Endstärke von 100.000 Soldaten. Vor allem aber besaß sie keine schwere Artillerie – kein Kaliber über 105 Millimeter – keine Panzerfahrzeuge und keine Luftwaffe. Zwar gab es neben der Reichswehr verschiedene Freikorps. Aber auch die machten den Mangel an schweren Waffen nicht wett. Die polnische Armee, so sah es die sowjetische Führung, war praktisch schon erledigt. Und in Deutschland, dem eigentlichen Operationsziel, stand Tuchatschewskis Westfront kaum ebenbürtigen Truppen gegenüber. Dafür gab es seit 1918 die Kommunistische Partei Deutschlands, entstanden aus dem „Spartakusbund“ und kleineren Gruppen, die sich als Bündnispartner der Sowjetunion verstanden. Von ihnen erwartete Lenin Sabotageakte und Aufstände hinter der Front – und nach dem Sieg die Errichtung einer sowjetdeutschen Regierung. Für ein sowjetisiertes Polen hielt sich schon ein Regierungschef bereit, der aus dem polnischen Kleinadel stammende Felix Edmundowitsch Dzierżyński, Gründer der Geheimpolizei Tscheka.

Obendrein konnte Lenin noch ein moralisches Moment für sich nutzen. Schließlich war die polnische Armee zunächst als Angreifer gekommen und bis Kiew vorgedrungen, in eine vorübergehend unabhängige Ukraine zwar, aber dieses Detail ließ die Moskauer Führung wohlweislich beiseite.

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Englands und Frankreichs Regierungen erklärten, dass sie einem sowjetischen Vorstoß nach Mitteleuropa nicht tatenlos zusehen würden. Allerdings registrierte Lenin und dessen Politbüro aufmerksam, wie schwach ihre militärische Unterstützung für Polen ausfiel, selbst jetzt, da Tuchatschewski vor Warschau stand. Und von seiner Operationsbasis an der Weichsel lag das oberschlesische Industrierevier nur noch wenige Tagesmärsche entfernt.

In einem Brief an einen Vertrauten schrieb Papst Benedikt XV. am 5. August: “Gegenwärtig steht nicht nur Polens nationale Existenz auf dem Spiel, sondern ganz Europa droht der Schrecken eines neuen Krieges.“

Der britische Gesandte Edgar D’Abernon, der in Warschau geblieben war (später sollte er Botschafter in Berlin werden) zählte die Schlacht von Warschau später zu den wichtigsten Entscheidungskämpfen der Weltgeschichte. „Wären Pilsudski und Weygand dabei gescheitert, den triumphalen Vorstoß der sowjetischen Armee auf Warschau aufzuhalten“, schrieb er später, „dann hätte nicht nur das Christentum einen gefährlichen Rückschlag erlitten, sondern die Existenz der westlichen Zivilisation wäre gefährdet gewesen.“

Großbritanniens Premier Lloyd George sah die Lage genau so wie Lenin – nur mit anderem Vorzeichen. In seinem Memorandum von Fontainebleau notierte er schon 1919:
„Die größte Gefahr der gegenwärtigen Situation ist, dass Deutschland sein Los mit dem Bolschewismus verbünden und seine Ressourcen, sein Wissen, seine riesige Organisationskraft in den Dienst revolutionärer Fanatiker stellen könnte. Diese Gefahr ist keine bloße Schimäre. Die gegenwärtige Regierung in Deutschland ist schwach; sie besitzt kein Ansehen, ihre Autorität ist herausgefordert, sie hält nur, weil es außer den Spartakisten keine Alternative gibt.“
(„The greatest danger I see in the present situation is that Germany may throw her lot with Bolshevism and place her resources, her brains, her vast organizing power at the disposal of the revolutionary fanatics… This danger is no mere chimera. The present Government in Germany is weak; it has no prestige; its authority is challenged; it lingers merely because there is no alternative but the spartacists..“)
George drängte Polens Regierung deshalb in einem ruppigen Tonfall, mit der Sowjetregierung Frieden zu schließen und dabei fast jedes Diktat Lenins und Trotzkis anzunehmen. Nur so, mit Zugeständnissen, glaubte er, ließe sich eine Invasion ins Deutsche Reich noch stoppen.

In dieser Lage also setzte Piłsudski buchstäblich alles auf eine Karte. Sein Plan war geradezu halsbrecherisch, vor allem aber strategisch höchst modern. Statt einen durchgehenden Verteidigungsring um die Hauptstadt aufzubauen und darauf seine sieben Armeen zu verteilen, wagte er es, die sowjetische Front, die sich über einen Großraum vom Südosten bis weit nordwestlich hinter Warschau hinzog, mit einer Offensive zu zersprengen. Nur eine, die 1. Armee sollte die Stadt selbst verteidigen. Im Norden, wo der sowjetische Hauptstoß ansetzte, trat die 5. polnische Armee unter General Władysław Sikorski zum Gegenangriff an – während General Józef Haller von Hallenburg mit seiner „Blauen Armee“ – polnische Truppen, die vorher an Frankreichs Seite gekämpft hatten – den Befehl hatte, unter allen Umständen den frontalen sowjetischen Angriff auf Praga zu stoppen. Die wichtigste Rolle dachte Piłsudski einer kleinen Eliteeinheit von nur 20.000 kampferfahrenen Offizieren und Soldaten zu, der „Reservearmee“. Sie sollte in eine Lücke zwischen der südlichen und der nördlichen sowjetischen Front stoßen und so die Linien des Gegners weiter aufspalten.

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Sikorskis massiver Angriff, unterstützt von einigen französischen Renault-Panzern und durch Panzerzüge, überrumpelte die schon siegesgewissen Sowjettruppen völlig. Dazu kam polnisches Kriegsglück: Das 203. Regiment eroberte am 16. August mehrere Sendemasten des gegnerischen Funknetzes, dessen Code sie geknackt hatten. Sie zerstörte die meisten, einen – die Masten waren auf eine feste Frequenz eingestellt – blockierten sie, indem sie das gesamte Buch Genesis auf Polnisch und Latein funkten. Die sowjetische 4. Armee verlor dadurch den Kontakt zu der Führung und operierte fortan orientierungslos. Am 18. August begriff Tuchatschewski in seinem Minsker Hauptquartier, dass seine Truppen, die Warschau vom Norden her umfassen sollten, Gefahr lief, abgeschnitten zu werden. Er befahl das einzige, was noch half: den sofortigen Rückzug unter Aufgabe des schweren Materials. Zu der vernichtenden Niederlage trug auch der Eigensinn Stalins bei, der darauf beharrte, die Belagerung des ostpolnischen Industriezentrums Lemberg fortzusetzen. Diese Einheiten fehlten vor Warschau. Tuchatschewski gab später dem, wie er sich ausdrückte, „Analphabeten Budjonny“ und Stalin die Schuld für den Zusammenbruch seines Feldzugs.

Wie alle großen Momente der Geschichte reichten die historischen Nachwirkungen des Wunders von Warschau weit. Im September 1920 musste Lenins Regierung dem Frieden von Riga zustimmen, der den Traum vom Sowjeteuropa auch offiziell beendete. Der Weltenbrand fiel aus, vorerst jedenfalls. Mit seinem tollkühnen Sieg begann Piłsudskis Aufstieg zum Politiker und nationalen Führer, der Polen mit einer kurzen Unterbrechung bis zu seinem Tod 1935 beherrschte. In den ersten Jahren nach 1920 versuchten seine innenpolitischen Gegner noch, ihm den Ruhm streitig zu machen, indem sie behaupteten, den Offensivplan hätte in Wirklichkeit General Weygand entworfen. Auch bei der Formel des „Wunders an der Weichsel“ handelte es sich ursprünglich um eine ironische Wendung von Gegnern des Marschalls, gemünzt auf den katastrophalen polnischen Rückzug aus der Ukraine und Weirussland. Weygand wies zurück, der Stratege von Warschau gewesen zu sein; in einem Interview mit der Zeitung L’ Information sagte er 1921: „Das ist ein reiner polnischer Sieg“.

Obwohl politisch verantwortlich für die Niederlage, schaffte es Josef Stalin, sich seines Konkurrenten Leo Trotzki zu entledigen, des Schöpfers der Roten Armee. Seine Rechnung mit Tuchatschewski beglich er 1937, als er den Marschall zusammen mit vielen anderen Generälen im Zuge der großen Säuberung erschießen ließ. Die Demütigung von 1920 wirkte bei Stalin trotzdem fort, seine Rache an der polnischen Militärelite lebte er 1940 aus, als er das Massaker an 4.400 gefangenen polnischen Offizieren bei Katyn anordnete, die nach dem sowjetischen Einmarsch in Ostpolen ab 17. September 1939 in seine Hände gefallen waren.

In Deutschland fand das Wunder von Warschau von Anfang an nur ein bescheidenes Echo. Es es fehlte der Resonanzraum. Für die KPD und ihre Anhänger waren die Polen diejenigen, die den zum Greifen nahen Sieg des Kommunismus außerhalb der Sowjetunion vereitelt hatten. Sehr viele Konservative in Deutschland wiederum registrierten zwar das Ergebnis – aber so weit, sich bei Jozef Piłsudski dafür zu bedanken, wollten sie nicht gehen. Dazu waren die Spannungen zwischen den Ländern auch zu stark, von der Aufstandsserie in Oberschlesien bis zum Streit um den Danziger Korridor.

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Eine Fernwirkung von Warschau 1920 unterschätzen viele Historiker bis heute: Die Schaffung eines Sowjetimperiums mit Hilfe der Roten Armee mussten Lenin und Stalin zwar notgedrungen abbrechen – aber sie hatten gleichzeitig auch ihre Bereitschaft dazu gezeigt, so, wie sich auf der anderen Seite Deutschlands Kommunisten als sowjetische Sachwalter angeboten hatten, als Vortrupp einer Streitmacht, die irgendwann kommen würde. Sie bedienten dieses Bild immer wieder, etwa in den Leuna-Kämpfen und in dem Hamburger Putsch Ernst Thälmanns 1923, und gefielen sich bis zum Ende der der Weimarer Republik in der Rolle einer fünften Kolonne. Als Alterspräsidentin des Reichstags rief die greise Clara Zetkin 1932, sie werde von diesem Pult aus bald das erste Parlament Sowjetdeutschlands eröffnen. Dazu übertrieb die Kommunistische Partei noch hemmungslos die Schlagkraft ihrer paramilitärischen Verbände. Auch das machte es Hitler leicht, Stimmen von verunsicherten Bürgern einzusammeln. Die Möglichkeit eines sowjetischen Deutschlands erschien vielen, um Lloyd George zu bemühen, nicht nur als Schimäre.

Von Hitler führte der Weg dann bekanntlich zum Weltenbrand – mit exakt dem Ergebnis eines mitteleuropäischen Sowjetblocks 25 Jahre später.
Im Nachbarland gehört der Sieg von Warschau vor 100 Jahren zur großen nationalen Erinnerung. Zweimal hielten die Polen nach dieser Erzählung im letzten Augenblick ihr Schild vor Mitteleuropa: Einmal am 12. September 1683, als ihre Reiter am Kahlenberg vor Wien die Truppen Kara Mustafas vernichtend schlugen, als die Stadtmauern schon wankten. Und einmal, als sie ein sowjetisches Heer zertrümmerten, das seine Befehlshaber schon auf dem Weg nach Breslau und Berlin sahen. Dass Stalin, der Kommissar von 1920, der Bündnispartner Hitlers 1939 und Auftraggeber des Massakers von Katyn dann 1945 als Partner der Westmächte in Potsdam saß, während Polen genau das Schicksal erlitt, das ihm schon 1920 gedroht hatte, die Besetzung und Eingliederung in den sowjetischen Block – diese Geschichtsvolte halten viele Polen bis heute für unverjährbaren Verrat.

Wer diese Perspektive kennt, der versteht die allergischen Reaktionen besser, die Belehrungen aus Brüssel und anderen westlichen Hauptstädten dort auslösen. Und auch, warum etliche Polen keine Lust verspüren, nationale Souveränität an eine Organisation namens EU zu übertragen.

Was Deutschland betrifft: Es wird interessant sein zu zählen, wie viele deutsche Politiker an diesen 13. August vor 100 Jahren erinnern, an dem vor Warschau der Weltbrand verhindert wurde.

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Kommentare ( 52 )

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52 Kommentare auf "100 Jahre Schlacht von Warschau: „Der Weg zum Weltbrand“"

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Wer Marschall Pilsudski den Verdienst streitig macht Berlin vor den Sowjets gerettet zu haben, verrät nur seinen Hass auf Polen und seinen Unwillen irgend etwas Gutes über die Polen zu sagen/schreiben/behaupten. Das erklärte Ziel Stalins war Berlin und Pilsudski hat es verhindert indem er die Schlacht zu Warschau 1920 gewonnen hat. Wer den Krieg begonnen hat, welche Absichten Pilsudski nachher oder davor hatte ist irrelevant und ändert nichts an der Tatsache. Ebenfalls hat der Angriff der polnischen Husaria (gepanzerte Kavallerie) unter König Jan Sobieski Wien von der türkischen Invasion gerettet; wer etwas anderes behauptet ist schlicht und einfach nur ein… Mehr
Leider fehlt Ihnen einiges an geschichtlichem Basiswissen. Aber ich helfe Ihnen da gerne. 1. Stalin? Der war 1920 lediglich Politkommissar. Er hatte damals überhaupt nicht zu entscheiden, ob es nach Berlin ging. Erst 1922 wurde er Generalsekretär und erst 1927 war er Alleinherrscher. Im Übrigen war es gerade Stalin, der von der Lenin’schen Idee der Weltrevolution abrückte und zur Doktrin des „Sozialismus in einem Land überging“. 2. Wer den Krieg angefangen hat, ist sehr wohl entscheidend. Fraglich ist, ob die Sowjets überhaupt den riskanten Aufwand betrieben und versucht hätten, die Gelegenheit zu ergreifen, wenn sie nicht von Pilsudski zum Krieg… Mehr
Besten Dank für diese spannend zu lesende Geschichtsstunde. Ich muß zu meiner Schande eingestehen, dass ich über diesen Krieg nahezu nichts wusste. Und Danke an das Polnische Volk für diesen überaus wichtigen Sieg gegen den Sozialismus/Kommunismus. Es ist herzzerreissend zu lesen, wie die tapferen Polen seit nunmehr 100 Jahren gegen russische und deutsche Kommunisten, Sozialisten und Totalitaristen kämpfen und sich selbst heute wieder gegen europäische und vor allem deutsche Totalitaristen wehren müssen, die ihre nationalstaatliche Souveränität auflösen wollen. Die Entscheidung von D. Trump, Truppen aus Deutschland nach Polen zu verlegen, ist vor diesem Hintergrund mehr als verständlich und moralisch geboten.… Mehr

Die Animositäten zwischen West- und Ostslawen reichen weit zurück. Tatsächlich hatte sich Polen zweimal aufgemacht, Russland zu überfallen und militärisch in die Knie zu zwingen, war dabei aber einer tragischen Selbstüberschätzung erlegen.

Das ist ein Historiker-Streit, der unlösbar erscheint, selbst die Nationalsozialisten waren höchst uneins. So schwelt der Konflikt bis heute. Ich behaupte, zur einen Fraktion gehörend, es gibt keine Slawen. Die Gründung Rußlands in Kiew (Kiewer Rus‘) lag in den Händen der Waräger (der sozusagen „slawische“ Begriff für Wikinger). Die sogenannten slawischen Sprachen sind ein Kunst-Produkt, welches u.a. Kyrill und Method aus dem Byzantinischen und dem Alt-Bulgarischen entwickelten. Der Begriff „Slawen“ ist ein Terminus der West-Kirche und kommt von sclavi, sclavorum (zu deutsch Sklaven). Auch die Briten lassen das k, bzw., das c weg. Die Kirche gab jedem Katholiken das Recht,… Mehr

Um „die Existenz der westlichen Zivilisation zu gefährden“ (und absehbar zu vernichten), bedarf es heute keiner äußeren Feinde mehr. Das bewirken die Blockparteien als fünfte Kolonne im Sinne des Islam schon ganz alleine, von inne.

Wie schon Peter Scholl-Latour immer wieder in seinen Büchern anmerkte….die Geschichte von einst, erklärt viel in der Politik von heute. Da es bei uns nur „Geschichts-vergessene“ Politiker gibt, für die die Deutsche Geschichte nur von 33-45 existiert und sich dem zu Folge auch für die Geschichte anderer Nationen null und gar nicht interessieren….kann man nicht erwarten das auf Feldern der Diplomatie, Außenpolitik oder Wirtschaftspolitik Erfolge erzielt werden.

Ein Wunder im Jahr 1920 und noch ein Wunder Ende der 1980er Jahre, als der Sowjetkommunismus fiel. Leider hielt es nicht lange – ein paar Linksgrüne versuchen uns einzureden, dass wir wollen, was wir nicht wollen und viel zu wenige Leute wehren sich entschlossen. Man braucht nicht mal fünf sowjetische Armeen, bloß ein paar linke Redakteure und Framer in Webforen.

Nicht wirklich. Die links-grünen Jakobiner sorgen nur dafür, daß unsere Belange international keine Rolle mehr spielen. Die wahren Sozialisten sitzen in den Notenbanken, (lesen Sie hier auf Tichys den Artikel von Herrn Metzger,) die den Bolschewisten Merkel, Habeck & Co. immer weiter Zeit erkaufen.

Es hat schon ein interessantes Geschmäckle, dass Marx von einem erfolgreichen amerikanischen Unternehmer finanziell unterstützt wurde, weil ihn die Marxschen Ideen sehr faszinierten. Zu diesen Ideen gehörte auch eine staatliche Zentralbank und Staatsgeld, kalte Progression etc.
Wo, bitte schön, gibt es heute noch Kapitalismus?

Sehr interessanter Beitrag, Herr Wendt. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass mir diese wichtige historische Episode für Mitteleuropa bis dato nicht bekannt war. Wohl hatte man schon mal den Ausdruck „Wunder an der Weichsel“ vernommen, aber das nicht weiter hinterfragt. Wir haben damit den Polen nicht nur die Verhinderung des Vordringens des Islams nach Mitteleuropa 1683 zu verdanken, sondern auch eine frühe Sowjetisierung Mitteleuropas. Im Übrigen wette ich, dass deutscherseits am 13. August nicht an dieses eminent wichtige Ereignis von 1920 erinnert wurde, zumal 41 Jahre später auch ein für Deutschland sehr wichtiges Ereignis stattfand, dessen jedes Jahr mit… Mehr

Verwegene vermeintlich aussichtslose Aktionen bestimmen die Geschichtsbücher, sonst wären diese sehr dünn und wir würden wohl heute den ägyptischen Pharaonen Tribut zollen. Sehr oft bestimmen Hasardeure, die alles auf eine Karte setzen die Geschichte: von Alexander dem Großen bis Hitler. Manchmal klappt es und manchmal bedeutet es den totalen Untergang. „Ewige Berühmtheit“ ist auf jeden Fall gesichert.

Danke Herr Wendt; historisch korrekt, anschaulich und nachvollziehbar geschrieben.
Jedoch hätten Sie in einem Nebensatz den polnischen König Jan Sobieski erwähnen müssen, denn es waren gleich zwei Polen, die das christliche Abendland gerettet haben!

Wie immer wird beim polnischen Beitrag zum Sieg vor Wien der bayerische Beitrag unterschlagen. Warum? Die Hauptlast trug eben nicht die Entsatztruppe unter Jan Sobieski, sondern das Bayerische Heer unter Max Emanuel (übrigens auch Sieger von Belgrad – ohne Polen). – Der Feldzug der Polen nach Osten wird zwar nicht unterschlagen, aber doch kleingeredet: er lieferte den Vorwand für die Sowjetarmee. Die Geschichte ist durchaus und durchweg ambivalent, auch in diesem Fall.

„Bayerische Heer unter Max Emanuel (übrigens auch Sieger von Belgrad – ohne Polen) ….“
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Und bitte Ludwig Wilhelm von Baden-Baden, genannt der Türkenlouis, nicht vergessen.

Sehr geehrter Herr Wendt, wenn ich über die Brücke der „Freundschaft“ (deutscher Name) in Görlitz hinweg bin, betrete ich den polnischen Teil der Stadt über die Straße ‚Pilsudskiego‘. Anders geht’s nicht und so ist es gemeint. Daß solche Symbolik deutschen Touristen und Polen auf dem Weg zur Arbeit im Westen vermutlich am … vorbei geht, steht auf einem anderen Blatt. Ich lerne jetzt in Ihrem Artikel, daß die Namensgeber uns freundlich mit dem wahren Retter Deutschlands begrüßen wollen. Da freuen sich aber auch mit uns die eine Million Deutsche, die Polen während seiner Zeit verlassen haben, nicht zu vergessen die… Mehr
„PS Letztlich gehört Ihr Artikel doch in die interessante Kategorie der Konjunktiv-Geschichte: was wäre gewesen, wenn….“ Jörg Friedrich hat richtig angemerkt, daß Gedanken über eine anders geschehene Geschichte immer im Konjunktiv verlaufen, um dann im Absurden zu enden. Auch klar ist, daß die Geschichte (a) niemals aufhört – sie mag gelegentlich verschnaufen, und damit den Völkern etwas Ruhe gewähren – und (b) doch sehr ironisch ist. Welchen Wert haben die polnischen Opfer von vor 100 Jahren und im 2. WK, wenn in der Folge dessen, sowohl unmittelbar danach wie auch jetzt, mit 100 Jahren Verspätung, eine sozialistische Gesinnung weite Teile… Mehr

(Eine Entschuldigung an Leserschaft und Redaktion…grammatikalisch ist mein Deutsch heute schon wieder eine große Wanderbaustelle. Und Schwurbelsätze sollte ich mir auch verkneifen…)