Finanzminister Klingbeil will Raucher kräftig zur Kasse bitten. Doch ein Fehler im Gesetz zieht die Tabaksteuer-Erhöhung vor. Das Ministerium spricht von einem „technischen Fehler“. Für die Hersteller steht die Rechtssicherheit auf dem Spiel.
picture alliance / dts-Agentur | dts Nachrichtenagentur GmbH
Der SPD-Finanzminister Klingbeil will auf seiner verzweifelten Suche nach mehr Geld auch den Tabak drastisch verteuern. Schrittweise soll die Steuer angehoben werden, sodass eine durchschnittliche Packung Kippen 2030 rund 11,80 Euro kosten dürfte.
Die für Januar 2027 vorgesehene Tabaksteuererhöhung soll bereits ab 21. Oktober gelten. Denn in dem am gestrigen Dienstag veröffentlichten Gesetz steht: Inkrafttreten am Tag nach der Verkündung. Das steht wörtlich in Artikel 3. Wir berichteten bereits im TE-Wecker über dieses gesetzgeberische Bubenstück.
Das Finanzministerium von Lars Klingbeil räumt einen „technischen Fehler“ ein. Eine Berichtigung sei angestoßen, die Generalzolldirektion informiert. Kritisch dazu Rechtsanwalt Schmitz: „Nach § 85 Abgabenordnung müssen die Finanzbehörden Steuern nach Maßgabe der Gesetze erheben. Ein ministerielles Sorry ändert kein Gesetz.“ Erst ein Änderungsgesetz repariere das Klingbeil-Desaster – und zwar rechtssicher.
Aber: Eine Behördenmitteilung ist noch keine Gesetzesänderung. Das bestätigt auch der Kölner Rechtswissenschaftler Markus Ogorek gegenüber der Welt. Er hält ein parlamentarisches Änderungsgesetz für den rechtssicheren Weg: Der Zeitpunkt und die Höhe einer Steuer gehörten zum Kern der gesetzlichen Entscheidung. Ob eine bloße Berichtigung genügt, ist damit gerade nicht selbstverständlich.
Die Panne überlagert ein politisch gewolltes kräftiges Absahnen. Die höheren Steuersätze sollen für Zigaretten, Drehtabak und Liquids ab Januar 2027 gelten, für Zigarren, Zigarillos und Pfeifentabak ab März. Weitere Erhöhungen folgen bis 2030. Eine durchschnittliche 20er-Packung könnte nach den veröffentlichten Berechnungen dann knapp zwölf statt heute rund acht Euro kosten.
Die Rechnung des Haushaltsausschusses ist eindeutig und hoch: 1,507 Milliarden Euro zusätzliche Einnahmen für 2027 und 4,461 Milliarden für 2030. Über vier Jahre summiert sich die Planung auf 11,824 Milliarden Euro. Die zunächst genannten 756 Millionen für 2027 sind überholt: Die Koalition verschärfte den Entwurf im parlamentarischen Verfahren. Der Haushaltsausschuss nennt als Zweck ausdrücklich Mehreinnahmen von jährlich rund 750 Millionen Euro gegenüber der ursprünglichen Planung.
Eine höhere Steuer schneller als geplant – angeblich aus Versehen oder besser gesagt: aus Gier und Dummheit. Der Wille zum Abkassieren war groß, die Sorgfalt beim Gesetzesschreiben offenbar geringer. CDU und SPD können das Geld der Bürger offenbar nicht schnell genug zusammenraffen.
Der Staat will mehr Geld kassieren – und stolpert über seine eigene Steuertreppe. Für Raucher bedeutet der Fehler allerdings zunächst keinen automatischen Preissprung an der Kasse. Die Unternehmen sollen derweil darauf vertrauen, dass die Verwaltung das veröffentlichte Gesetz vorerst nicht durchsetzt. Rechtssicherheit sieht anders aus.
Und: Für Bürger und Unternehmen kenne dieser Staat Fristen, Formvorschriften und finanzielle Konsequenzen, wie Schmitz betont. Das eigene Versagen kaschierten der Staat und die öffentlich-rechtlichen Sender mit dem verharmlosenden Wort „Panne“.





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